Wenn die Arbeit im Büro Halt gibt 
Dienstag, 7. September 2021 - Studien, Arbeit, Management
Manche lieben das Home Office, andere sehnen sich nach dem ständigen Zusammensein mit Kollegen. Fest steht: Durch die Pandemie-bedingte Isolation bekommen die sozialen Aspekte der Arbeit neues Gewicht. "Eine unserer Erkenntnisse ist, dass Menschen durch die Pandemie neurotischer, unsicherer und ängstlicher geworden sind. Die Einschränkungen der Pandemie haben sich auf die Persönlichkeit der Menschen ausgewirkt und ihr Verhalten geändert", diagnostiziert der Arbeits- und Organisationspsychologe Hannes Zacher in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. In einer solchen Situation gebe der Büroalltag mit seinen Strukturen den Menschen Halt: "In Krisenzeiten gehen Struktur und Kontrolle verloren, das Beklagen auch unsere Studienteilnehmer. Im Büro gibt es dagegen soziale Taktgeber, wie der Gang in die Kantine oder gemeinsame Meetings vor Ort. Ohne solche Taktgeber lassen sich Menschen leichter ablenken. Mit Gegenreaktionen wird versucht, die Kontrolle wiederherzustellen. Viele checken deshalb ständig ihre Handys oder E-Mails." Seine Langzeitstudie, die er seit März 2020 mit 1.000 Teilnehmenden durchführt, zeigt: Das Home Office bringt zwar viele Freiheiten, beispielsweise im Hinblick auf zeitliche Flexibilität mit sich, wird aber auch schnell kontraproduktiv. Ein bis zwei Tage in der Woche von Zuhause aus zu arbeiten, könne die Zufriedenheit bei der Arbeit stärken. Doch längere Zeiträume sind für viele Menschen schwierig, weil ihnen eine übergeordnete Struktur fehlt, sie unproduktiver werden und auch ihre sozialen Kontakte vermissen.
Das Homeoffice hat uns neurotisch gemacht, WiWo 28.8.21

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Nicht mehr schuften für jeden Preis 
Montag, 6. September 2021 - Lebensart, Arbeit, Management
Die Pandemie hat den Niedriglohnsektor durchgewirbelt - und anscheinend bahnt sich nun in der ersten Phase der Erholung ein fundamentaler Wandel an. In den ersten Lockdowns verloren viele Menschen, die insbesondere in Branchen mit eher schlechter Bezahlung wie der Gastronomie tätig waren, ihre Arbeit, scheint es jetzt, wo die Geschäfte wieder anziehen, für viele Unternehmen schwierig, wieder Personal zu finden. In den USA, wo diese eher prekären Arbeitsverhältnisse anscheinend noch verbreiteter sind als in Deutschland, führten die von der Regierung eingeführten Corona-Hilfen sogar dazu, dass viele Arbeitslose plötzlich mehr Geld zur Verfügung hatten als zu den Zeiten, als sie für wenig Geld viel malochten. Eine Situation, die weniger daran liegt, dass die Zahlungen der Regierung besonders üppig gewesen wären, sondern eher darauf deutet, wie schlecht die Stundenlöhne in vielen Beschäftigungsverhältnissen waren. Nun, wo die Wirtschaft sich erholt, haben viele Firmen Schwierigkeiten, zu den ursprünglichen, sehr niedrigen Löhnen, überhaupt noch Mitarbeiter zu finden. Manche haben sich einfach neue Jobs in besser bezahlten Kontexten gesucht. Andere rechnen vielleicht nach und stellen fest, dass staatliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen, ihrem Leben dienlicher ist als für einen Hungerlohn zu schuften. Man darf gespannt sein, ob diese momentane Entwicklung in der Perspektive auf Themen wie den Mindestlohn längerfristig etwas verändert.
Goodbye, Knochenjob!, zeit.de 25.8.21

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Vor dem Weltuntergang noch mal richtig abzocken 
Freitag, 3. September 2021 - Bewusstsein, Lebensart
Die Krisenszenarien der vergangenen Jahre haben bei jungen Menschen deutliche Spuren hinterlassen. Die Generation Z, die die heute 18- bis 25-Jährigen umfasst, steckte noch in den Kinderschuhen, als die globale Finanzkrise hereinbrach. Die Gefahren des Klimawandels und nun noch der Pandemie halten sie weiter in Atem. Auf die Beziehung zur Welt dieser jungen Menschen hat dies enormen Einfluss. Neben jenen, die sich, beispielsweise in der Klimabewegung, für einen positiven Wandel einsetzen, entsteht auch eine Gruppe, die sich fast schon gegenteilig engagiert. Der Marktforscher Oliver Spitzer spricht von den "Puppies of Wall Street" (in Anlehnung an den Film "Wolf of Wall Street"). Junge Menschen, die Experten in Finanzfragen sind, wilde Onlinespekulationen betreiben und versuchen, bevor es richtig kracht, noch einmal Kasse zu machen. Spitzer nennt das einen Fluchtreflex, der dazu führe, dass man sich vor allem um sich selbst kümmere. Ein Selbstbezug und Egoismus, der, sollte er auf breiterer Basis Schule machen, natürlich die Katastrophen, mit denen man rechnet, noch verstärken könnte.
Junge Apokalyptiker im Börsenrausch, WiWo.de 24.8.21

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Rückzug in die Komfortzone 
Donnerstag, 2. September 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
In den vergangenen zwei Jahren sind mehrere gute Studien erschienen, die zeigen, dass Achtsamkeit kein Allheilmittel ist. Neben der bereits bekannten Erkenntnis, dass Meditation sich beispielsweise nicht für Menschen mit ernsthaften psychischen Problemen oder gar traumatischen Erfahrungen eignet, wenn sie nicht von kompetenten Therapeuten in ihren Übungen begleitet werden, zeigen diese Untersuchungen, dass es immer wieder auch Menschen gibt, bei denen Stille, Reizreduktion oder schlicht das tiefere In-sich-Hineinhorchen Unwohlsein auslösen. Das Online-Portal der Frauenzeitschrift Brigitte titelte etwa kürzlich über die "Gefahren des Achtsamkeits-Hypes" und sprach sogar von einer "Toxic Mindfulness". Nach der Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen geht der Artikel dazu über, den Lesenden lieber einige Wohlfühlübungen zu empfehlen, die ihnen im Hinblick auf eine Verbesserung ihres Alltags mehr bringen könnten als Achtsamkeit. Ich finde es interessant, welche unausgesprochenen Erwartungen in solchen Beiträgen mitschwingen. Seit Achtsamkeit in aller Munde ist, scheint sie immer mehr zu einem Weichspüler zu werden. Die Erfahrungen, die Übende machen, sollen möglichst kuschelig sein. Diese Erwartung verkennt allerdings, was Achtsamkeit und Meditation eigentlich bedeuten und wie sie wirken. Denn wer durch regelmäßiges Meditieren oder das Schulen der Aufmerksamkeit wacher wird für das, was ist, bekommt natürlich auf einmal auch vieles mit von dem, was bisher vielleicht lieber ausgeblendet wurde. Das können beunruhigende Dinge in der Außenwelt sein, aber auch Erkenntnisse über sich selbst, die einem vielleicht erst einmal weniger behagen. Gerade in diesen tieferen Einsichten liegt jedoch das wirkliche und wirksame Potential von Achtsamkeit, denn nur das, was man als nicht dienlich erkennt, kann man auch verändern. Und das sind oft nicht die naheliegenden Dinge, die wir ohnehin schon im Blick haben. Ich würde mir mehr Mut wünschen, dazu einzuladen, hier tiefer zu gehen.
Die Gefahren des Achtsamkeitshypes, über die niemand spricht, brigitte.de 20.8.21

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Leistung stiftet kaum Sinn 
Mittwoch, 1. September 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft, Arbeit
Was die Sinnforscherin Tatjana Schnell in ihren Studien herausgefunden hat, sollte Arbeitgeber, die auf eine besondere Leistungskultur pochen, zum Aufhorchen bringen. Und könnte Beschäftigten, die, obwohl sie erfolgreich sind im Job, unter einer Sinnkrise leiden, so manches erklären. Schnell hat nämlich in verschiedenen Studien belegt, dass Leistung "kein super Sinngeber" ist. Im Interview mit Psychologie heute erklärt sie auch, warum: "Vermutlich weil Leistung relativ external erlebt wird, also jemand anders definiert, was eine gute Leistung ist. Oft liegt der Leistung auch ein sozialer Vergleich zugrunde, und soziale Vergleiche tun uns ohnehin nicht gut." Am stärksten tragen laut ihren Forschungen Generativität, Fürsorge, Religiosität, Harmonie und Entwicklung zur Sinngebung bei. Hört sich vielleicht ein bisschen altbacken an, doch ist mit all diesen Faktoren anscheinend eine Tiefendimension unseres Daseins angesprochen. Sinn entsteht anscheinend nicht an der glatten Oberfläche.
„Plötzlich bin ich ein Teil von etwas Großem“, Psychologie heute 10.8.21

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Home Office scheint sich zu etablieren 
Dienstag, 31. August 2021 - Studien, Arbeit, Management
Zwar kehren immer mehr Menschen zurück an ihre Büroarbeitsplätze, doch zeigen Erhebungen gleichzeitig, dass sich der Trend zum Home Office zu verstetigen scheint und die Arbeitswelt diesbezüglich in einem längerfristigen Umbruch ist. Dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zufolge beabsichtigten im Juni vergangenen Jahres bereits 64 Prozent der befragten Unternehmen in der Informationswirtschaft, ihren Beschäftigten auch nach der Pandemie die Arbeit von Zuhause aus zu ermöglichen. Aktuell ist diese Zahl bereits auf 74 Prozent gestiegen. Dieser Wandel erreicht selbst das Gewerbe, das häufig weniger fürs Home Office geeignete Arbeitsplätze bereitstellt. Vor der Pandemie konnten sich nur 24 Prozent der Betriebe für ihre Mitarbeiter regelmäßige Heimarbeit vorstellen. Vor einem Jahr waren es bereits 37 Prozent und inzwischen rechnen sogar 46 Prozent der Firmen damit, dass ein Teil ihrer Angestellten künftig mindestens einmal in der Woche von daheim arbeitet.
Unternehmen rechnen mit deutlich mehr Homeoffice, spiegel.de 4.8.21

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Coaching-App als Stress-Helfer 
Montag, 30. August 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Die Erfinder der App Pocketcoach möchten Menschen Helfen, bevor Stress ihnen psychische Probleme beschert. Dafür verbindet der digitale Helfer Meditation, Atemübungen und Dialoge mit einem Chat-Bot. In der in Zusammenarbeit mit Therapeuten entwickelten Chatfunktion können die User ihren Problemen auf den Grund gehen. Und die App bietet ein Repertoire von etwa 400 Übungseinheiten, mit denen dann gezielt an den Ursachen der individuellen Herausforderungen gearbeitet werden kann. So bekommen die Anwender genau die Hilfe, die sie gerade benötigen, lautet das Versprechen.
Ihre App soll euch vor Stress schützen – und die Krankenkasse zahlt, Businessinsider 28.7.21

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Das eigene Leben bewusster gestalten 
Freitag, 27. August 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Viele Menschen hoffen, dass wir die Pandemie bald überwunden haben und damit ein Zurück zur gewohnten Normalität verbunden sein wird. Der Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt beobachtet aber auch, wie sich bei manchen ein grundlegender Einstellungswandel vollzogen hat. Im Interview mit dem Manager Magazin erklärt er: "Wir beobachten tatsächlich einen neuen Trend: JOMO – Joy of missing out. Corona hat bei einigen den Reset-Knopf gedrückt. Sie wollen das Leben wieder mehr genießen und 'müssen' nicht mehr überall dabei sein. Der Grundsatz 'Eine Sache zu einer Zeit' erlebt eine Renaissance. Also entweder Freunde treffen oder ins Restaurant gehen, Fernsehen oder telefonieren, und das auch gern mal länger als zwei Stunden am Stück." Im momentanen Übergang zeigt sich allerdings auch, wie fragil diese innere Neujustierung ist. "Wäre das Angebot wieder bei 100 Prozent dessen, was vor Corona möglich war, würden wahrscheinlich drei von vier Bürgern wieder so agieren wie vorher. ... Aber die Entscheidung, wie sie ihre knappe Zeit einsetzen, treffen viele eben deutlich bewusster", so Reinhardt. Wäre doch toll, wenn wir dieser Bewusstheit mehr Aufmerksamkeit schenken und sie nicht einfach aufgeben, wenn die Verführungen im Außen wieder so sind, wie sie einmal waren ...
"Corona hat bei einigen den Reset-Knopf gedrückt", Manager Magazin 26.7.21

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