Die Oetkerisierung von Bionade 
Montag, 31. Januar 2011 - Management
Einst das "Getränk für eine bessere Welt" ist der Getränkehersteller Bionade mit dem mehrheitlichen Einstieg der Oetker-Gruppe inzwischen, was sein gesellschaftliches Engagement angeht, anscheinend auf dem absteigenden Ast. Setzte sich das Unternehmen bis vor kurzem noch aktiv gegen Gentechnik und die industrialisierte Landwirtschaft ein, hat der Getränkehersteller inzwischen seine Sponsoring-Aktivitäten auf Projekte für Kinder und Jugendliche mit dem Fokus Sport, Bewegung, Gesundheit und Kultur zurechtgestutzt. Es drängt sich der Verdacht auf, dass man den neuen Mehrheitseigner Oetker, der hauptsächlich im Bereich der konventionellen Lebensmittelproduktion tätig ist, nicht düpieren möchte, indem man Diskurse unterstützt, denen sich eigentlich auch Oetker aktiver stellen sollte. In der Community rumort es indes, denn viele Bionade-Fans sind nicht bereit, diese Anpassungsstrategie zu unterstützen.
Weniger Bio bei Bionade, taz 21.1.11

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Studieren erhöht nicht unbedingt die Kompetenz 
Freitag, 28. Januar 2011 - Studien
Die Kritik am Bachelor-Studium reißt nicht ab, denn unter intellektuellen Gesichtspunkten geht es in vielen reformierten Studienfächern längst nicht mehr darum, die Denkfähigkeit der Studenten zu fördern, sondern darum, ihnen möglichst viel im Job direkt umsetzbares Fachwissen einzuimpfen. Welche Kehrseite dieses "praxisnahe" Vorgehen mit sich bringt, zeigt eine Studie aus den Vereinigten Staaten. Zwei Soziologen untersuchten, wie Studenten in dem Test "Collegiate Learning Assessment" abschneiden. Der Test misst Fähigkeiten wie logisches Denken, die Fähigkeit, Probleme zu lösen, und Sprachverständnis. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Nach zwei Studienjahren zeigten 45 Prozent der 2.300 beteiligten Studenten von 24 Hochschulen keine Verbesserungen in den gemessenen Kompetenzen. Nach vier Jahren waren es immerhin noch 36 Prozent, die keinerlei Erweiterung ihrer diesbezüglichen Fähigkeiten verbuchen konnten. Und: Die Studenten, die bessere Testergebnisse erreicht hatten, verzeichneten allenfalls marginale Steigerung. Interessant: Vor allem die Geisteswissenschaftler, deren Fächer nur allzu gerne geschmäht werden, weil sie wenig direkt umsetzbaren Nutzen für die Wirtschaft generieren, verbesserten ihre Testergebnisse überdurchschnittlich. Die angehenden Wirtschaftswissenschaftler hingegen schnitten im Laufe der Jahre nicht besser beim Test ab.
Forscher attackieren Universitäten, WiWo 19.1.11

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Banker in der Burn-out-Falle 
Donnerstag, 27. Januar 2011 - Arbeit
Die Finanzkrise hat viele Banker als Angehörige eines vielkritisierten Berufsstands ins gesellschaftliche Abseits befördert. Immer noch herrscht das Bild der Großverdiener vor, die den kleinen Mann rücksichtslos abzocken. Dass viele Banker dabei selbst Opfer systemimmanenter Zwänge sind, denen sie wenig entgegensetzen können, wird dabei selten wahrgenommen. Die Süddeutsche Zeitung widmet einen Artikel der wachsenden Burn-out-Rate der Finanzberater und zeigt in teils erschütternden Fallgeschichten, mit welchen Methoden die Führungsetagen ihre Mitarbeiter in die Zange nehmen, um den Anlegern Produkte anzudrehen, die möglichst hohe Provisionen bringen. Viele Banker brechen unter dem krassen Druck, der hierbei auf sie ausgeübt wird, zusammen - weil sie illusorische Zielvorgaben nicht erfüllen können, aber auch, weil sie ethische Bedenken haben und ihre Kunden lieber ehrlich und passgenau beraten würden. Der Fisch stinkt wieder einmal vom Kopf her und vielen Angestellten bleibt letztlich nur die Flucht in einen anderen Job. Die Banken reagieren bereits auf die wachsenden Skrupel ihrer Fachangestellten und weichen auf Quereinsteiger aus, die vom Bankenwesen kaum Ahnung haben. Sie beraten Anleger mit Hilfe computergestützter Programme - und die empfehlen natürlich Anlageprodukte, die für die Bank am besten sind.
"Schon wieder die Zielvorgaben verfehlt!", SZ 13.1.11

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Liegt die Zukunft der Arbeit in einer Sinn-Kultur? 
Mittwoch, 26. Januar 2011 - Arbeit
Der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski erklärt im Weiterbildungsmagazin ManagerSeminare, welche Trends sich in der Arbeitswelt in den nächsten Jahren manifestieren werden. "Nicht mehr einzelne Führungskräfte spielen die erste Geige, sondern alle geben den Ton an. Die Arbeitnehmer werden den Untertanenstatus abwerfen und zum Unternehmer im Unternehmen werden. Das ist unvermeidlich, weil notwendig. Vor allem die wissensbasierten Firmen sind jetzt schon auf innovationsfreudige Mitarbeiter angewiesen – auf 'Intrapreneure', die die Unternehmensziele auch zu ihren eigenen machen und unternehmerisch, eigenständig, aber miteinander arbeiten", so eine seiner Prognosen. Das bringt für Führungskräfte neue Aufgaben mit sich und vor allem eine gezielte Fokussierung auf ihre Soft Skills: "Die Führungskraft wird sich vom Vorgesetzten zum Coach, vom Moderator zum Motivator, vom Kontrolleur zum Animateur wandeln, der die Mitarbeiter durch seine eigene Person motivieren kann und für Betriebsklima und Stimmungslage verantwortlich ist. Eine seiner wesentlichen Aufgaben wird es sein, die Arbeitsfreude der Mitarbeiter zu fördern oder zumindest ihnen den Spaß an der Arbeit nicht zu verderben. Die Fähigkeit, zu motivieren und zu begeistern, wird zu einer sozialen Führungskompetenz von höchster Priorität." Darüber hinaus sieht Opaschowski auch einen Wandel weg von der reinen Geld-Kultur hin zu einer Zeit- und einer Sinn-Kultur: "Mehr Gewinn durch mehr Sinn. Gegen innere Kündigung wird innere Befriedigung gesetzt. Mitarbeiter wollen stolz auf sich und ihre Arbeit sein, sich nicht nur für die Produkt-Qualität, sondern auch für die Ethik-Qualität des Produzenten verantwortlich fühlen. Die künftige Leistungsmotivation der Mitarbeiter wird sich zu einem erheblichen Teil aus dem Faktor Sinn speisen. Die Honorierung mit mehr Sinn kann genauso wichtig werden wie die Honorierung mit mehr Geld."
Der Beschäftigte wird zum Bürger, ManagerSeminare Januar 2011

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Die Erwerbsgesellschaft von morgen 
Dienstag, 25. Januar 2011 - Arbeit
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Klaus F. Zimmermann wirft in der Süddeutschen Zeitung einen Blick auf die wichtigsten Veränderungen, denen die Erwerbsgesellschaft in den nächsten Jahren ausgesetzt sein wird. Eine seiner Thesen: "Das Wachstum der Zukunft ist weiblich." Zimmermann geht davon aus, dass bis zu 2,4 Millionen Frauen durch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zusätzlich für den Arbeitsmarkt gewonnen werden könnten. Aufgrund des demographischen Wandels wird die Wirtschaft auf diese Arbeitskräfte in Zukunft in besonderem Maße angewiesen sein. Wird dieses Potential ausgeschöpft, könne das Bruttosozialprodukt um neun Prozent steigen. Der Wirtschaftsforscher rechnet auch mit einer weiteren Flexibilisierung des Arbeitsmarktes: "Nicht mehr Fabriken und Büros, nicht mehr feste Arbeitszeiten und Hierarchien bestimmen die Arbeit der Zukunft, sondern Information und Wissen, vernetztes Arbeiten, Denken und Handeln. Diese Fähigkeiten sind prinzipiell überall verfügbar. Dementsprechend werden die beruflichen Biographien vielfältiger, die Karrieren offener. Teamorientierte Projektarbeit ist auf dem Vormarsch, ebenso Arbeitsformen, die Beruf und Privatleben integrieren. Man organisiert sich lieber in Netzwerken wie Facebook als in den traditionellen Interessenvertretungen. Auf dem Weg zu einer Gesellschaft der Wissensarbeiter, der Kreativwirtschaft und der Dienstleister etablieren sich neue Erwerbsformen vor allem in Sektoren wie Banken, Versicherungen, Medien, Beratung und öffentlicher Verwaltung: in sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen wie Honorar- und Zeitverträgen oder Projektvereinbarungen." Im Zuge dieser Flexibilisierung sieht Zimmermann einen neuen Typ des Mittelstands entstehen: Alleinunternehmer und Solo-Anbieter.
Arbeitnehmer, wappnet euch, SZ 9.1.11

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Weibliche Führungskräfte auf dem Rückzug 
Montag, 24. Januar 2011 - Studien
Frauen im mittleren Management scheinen auf dem Rückzug zu sein, so die ernüchternde Diagnose der Personalberatung Michael Page International. Die Berater haben die Bewerbungen von Frauen auf Positionen im Mittelmanagement mit einem Gehaltsgefüge von 50.000 bis 130.000 Euro untersucht und dabei zwischen 2008 und 2010 einen Rückgang von 9,6 Prozent verzeichnet. Selbst in Bereichen mit traditionell hohem Frauenanteil sank die Zahl der Bewerberinnen. So gingen die Bewerbungen im Vertrieb um knapp vier Prozent zurück, im Personalwesen um knapp fünf Prozent - in diesen Branchen liegt der Frauenanteil unter den Bewerbern bei um die 50 Prozent. Auch im Finanz- und Ingenieurwesen sind die Bewerbungen von Frauen rückläufig - zwar nur um knapp zwei Prozent, aber bei einem geringeren Frauenanteil von gut 30 Prozent. Was das Einkommen angeht, werden Frauen in Führungspositionen nach wie vor gegenüber männlichen Kollegen schlechter bezahlt. Im Controlling oder Rechnungswesen verdienen sie beispielsweise mit einem Jahreseinkommen von 68.000 Euro rund 10.000 Euro weniger.
Frauen bewerben sich seltener für Positionen im mittleren Management, women@work, 17.12.10

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Mal über den Tellerrand hinaus denken 
Freitag, 21. Januar 2011 - Arbeit
Spiegel online wirft in einem Beitrag über Geisteswissenschaftler einen Blick darauf, wie die Wirtschaft von diesen Quereinsteigern profitieren kann. Während in Großbritannien beispielsweise Geisteswissenschaftler in Unternehmen längst keine Seltenheit mehr sind - so ist der Finanz-Chef des börsennotierten Konzerns Standard Chartered Historiker und die, inzwischen verstorbene, Body-Shop-Geründerin Anita Roddick studierte Englisch und Geschichte - sucht man in Dax-Konzernen auf der Top-Ebene Geisteswissenschaftler vergeblich. Kein einziger sitzt in einem der 30 Dax-Vorstände und nur drei von 184 Top-Managern studierten ein geisteswissenschaftliches Fach - allerdings in Kombination mit den Klassikern Jura oder VWL. Experten führen diese Unterschiede darauf zurück, dass in Deutschland für die Karriere nach wie vor eher fachliche Qualifikationen zählen, während in Großbritannien die Persönlichkeit von Kandidaten viel stärker im Vordergrund stehe. Marketing, Personalwesen oder Öffentlichkeitsarbeit sind deshalb hierzulande vor allem die Domänen der Geisteswissenschaftler - aufgrund der Wirtschaftsskepsis vieler Fakultäten häufig als Folge einer Selbstbeschränkung. Personaler hingegen gehen davon aus, dass der Bedarf an Geisteswissenschaftlern wachsen werde, denn mit Blick auf Themen wie Nachhaltigkeit und Ethik sei der Idealismus, den diese Fächer vermitteln, wichtiger denn je.
Oh Gott, mein Chef ist Theologe, Spiegel online 23.12.10

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Und wieder einmal: Geld macht nicht glücklich 
Donnerstag, 20. Januar 2011 - Wissenschaft
Der Glücksforscher Richard Easterlin gehört zu den Vorreitern der Glücksforschung. Schon 1974 hatte er in einer Studie gezeigt, dass steigender Wohlstand die Menschen westlicher Gesellschaften zwar kurzfristig glücklicher macht, aber langfristig die Zufriedenheit nicht erhöhe. Damals hatten Kritiker ihm methodische Mängel seines Studiensettings vorgeworfen, doch Easterlin blieb am Ball und veröffentliche kürzlich eine neue Erhebung, die seine alten Befunde untermauert. Über einen Zeitraum von durchschnittlich 22 Jahren verglich der Urvater der Glücksforschung Daten aus 37 Ländern - darunter auch aus Lateinamerika, Osteuropa und Entwicklungsländern und stellte fest, dass mit der Entwicklung des Bruttosozialprodukts zwar kurzfristig auch die Lebenszufriedenheit steigt, jedoch langfristig die Glücksgefühle nicht wachsen. Seine Deutung: Wachsender Wohlstand macht kurzfristig zufrieden, doch steigen mit der Zeit dann auch die individuellen Ansprüche und Menschen vergleichen sich mit den Menschen, die mehr haben als sie selbst - und auf diese Weise relativiert sich das ursprüngliche Glück wieder.
Wohlstand macht nicht glücklich, WiWo 14.12.10

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