Deutsche Intellektuelle meiden Social Media 
Freitag, 29. Januar 2016 - Studien
Soziale Netzwerke scheinen vor allem in Deutschland ein Ort der Dumpfheit zu sein, zumindest wenn man eine Statistik der OECD zum Bildungshintergrund der Internetnutzer in Betracht zieht. Während in den meisten europäischen Ländern die Zahl der Social-Media-Nutzer mit hoher formaler Bildung diejenige der eher wenig Gebildeten übersteigt, und dies zum Teil deutlich, klafft in Deutschland hier eine Lücke. Die bildungsfernen Schichten beherrschen die Diskurse in den Netzwerken, während die Intellektuellen sich anscheinend in vornehmer Zurückhaltung üben. Lediglich in Dänemark und Schweiz weist die Nutzerverteilung Ähnlichkeiten zur deutschen Situation auf - dort allerdings ist die Lücke minimal, während sie hierzulande bei rund zehn Prozentpunkten liegt. Kommt uns das Internet manchmal so dümmlich vor, weil es uns schlicht zu dumm ist, einen geistvollen Beitrag zu leisten?
OECD-Statistik zur Internetnutzung

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Der Bezug zu etwas Größerem 
Donnerstag, 28. Januar 2016 - Management
Im Harvard Business Manager beschreibt der ehemalige SAP-Manager Dirk Dobiey, wie er ein Projekt, das drei Mal vor dem Aus stand, über mehrere Jahre hinweg letztlich doch noch zum Erfolg führte. Der HBM führt das Fallbeispiel unter dem Thema Fehlerkultur und der Artikel selbst beschäftigt sich auch größtenteils mit den Auf und Abs, die durch teils äußere, teils innere Widrigkeiten nur eine Richtung zu kennen scheinen, das Scheitern. Doch gerade am Ende des Artikels wird eines deutlich - es ist nicht der Blick auf die Dinge, die Erfolge zu verhindern scheinen, und der Versuch, diese in den Griff zu bekommen, die zu einem Gelingen führen. Nein, die Kraft, die Dobieys Projekt letztlich trug, war eine andere. Der Manager spricht beispielsweise von einer Haltung der Transzendenz, die die Projektmitglieder einte - die Fähigkeit, sich gemeinsam auf etwas Größeres auszurichten und dieser Vision Partikularinteressen unterzuordnen. Auch erwähnt er die "unbändige Neugier", die alle Mitwirkenden immer wieder veranlasste, herausfinden zu wollen, welcher Art die erwarteten Lösungen tatsächlich sein sollen. Sie hielten nicht an Ideen fest, sondern eruierten in unzähligen Gesprächen, was der, man könnte fast sagen innere, Wert der Aufgabe ist, wie ihre Bewältigung dem Unternehmen dient. Ein weiterer Punkt: Leidenschaft! Die Mitglieder des Projektteams waren durch und durch inspiriert, weil sie alle spüren konnten, dass ein möglicher Erfolg wirklich bedeutsam sein kann. Viele Businessprozesse, vor allem in großen Organisationen, scheinen gewöhnlich der natürlichen Tendenz zu unterliegen, vergleichsweise schnell in Kleinteiligkeiten zu ersticken - seien es Abteilungsinteressen, die Großmachtphantasien von Vorgesetzten oder die sich stetig wandelnden Prioritäten bei der Vergabe von Mitteln. In Dobieys Fall war hingegen eine vielleicht mystische Kraft am Wirken. Menschen gelang es, sich mit etwas zu verbinden, dass einen inhärenten Sinn erkennen ließ. Und Sinnhaftigkeit hat nicht nur etwas sehr inspirierendes, sie scheint, wenn sie von Menschen absichtsvoll getragen wird, auch eine sich selbst entfaltende Wachstumskraft mit sich zu bringen.
Auch wer dreimal scheitert, muss nicht aufgeben, HBM 14.1.16

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Schnell lesen, wenig mitbekommen 
Mittwoch, 27. Januar 2016 - Studien
Meine Arbeit bringt es mit sich, dass ich zu den Viellesern gehöre. Und trotzdem habe ich immer das Gefühl, mit meiner Lektüre im Rückstand zu sein. Ich habe mir über die Jahre immer mal wieder verschiedene Schnelllesetechniken angeschaut, in der Hoffnung, hier eine Lösung für dieses Dilemma zu finden. Aber an allen Ideen, wie man schneller eine gewisse Menge Text in den kognitiven Griff bekommt, hatte ich immer eines auszusetzen - mich beschlich das Gefühl, dass ich bei aller Effizienz vielleicht wesentliches übersehe, Aspekte ausblende, die vielleicht doch wichtig wären. Eine Studie der University of California in San Diego scheint diese Ahnung nun zu bestätigen. Die Wissenschaftler analysierten für eine Metaübersicht Studien zu verschiedenen Ansätzen des Schnelllesens und fanden heraus, dass es unter dem Strich nichts bringt, weil Informationen entweder übersehen oder nicht gemerkt werden. Vielleicht ist die beste Methode, der Vielzahl an Lektüreanforderungen und -möglichkeiten gerecht zu werden, eben doch, zunächst einmal bewusst zu überlegen, was ich lesen will (soll oder muss), was ich mir von der Lektüre erhoffe. Dann kann Lesen wieder ein Genuss sein.
Schnelllesen bringt wenig, spektrum.de 18.1.16

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Ein neues Verständnis von Nähe macht einen Unterschied  
Dienstag, 26. Januar 2016 - Medien
Letzte Woche hatte ich das große Vergnügen, gemeinsam mit meinem evolve-Redaktionskollegen Dr. Thomas Steininger eine Radiosendung zu unserer neuen Magazin-Ausgabe zu machen, die das Thema Nähe unter die Lupe nimmt. In einer Kultur, die vor allem von unserer Individualität lebt, verstehen wir unter Intimität gemeinhin vor allem unsere persönlichen, partnerschaftlichen Beziehungen zu ausgewählten Menschen. Was aber, wenn wir den Radius dieser Selbstverortung weiten? Wenn wir zu erkennen beginnen, dass wir dem Leben als Ganzem wirklich nahe kommen können? Wenn ich mir die Herausforderungen der Gegenwart anschaue, sei es der Klimawandel, die großen wirtschaftlichen Fragen, vor denen wir stehen, die weltweiten Flüchtlingsbewegungen, dann wird mir immer deutlicher, dass unsere Fähigkeit zur Nähe längst keine rein persönliche Angelegenheit mehr ist. Gerade unsere Bereitschaft, wirklich mit dem zu sein, was ist, uns davon berühren zu lassen, ist heute vielleicht der zentrale Schlüssel zu einem In-der-Welt-Sein, das tatsächlich aus dem schöpft, was uns als Menschen ausmacht - und andere Menschen in dieser Tiefe berührt, sich mit ihnen verbindet. Unser Radiogespräch vermittelt einige Einsichten, wie wir uns in einen solchen Gestaltungsprozess hineinbewegen können.
Radio evolve - die Sendung zum Download

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Fachtagung "Achtsamkeit am Arbeitsplatz" am 21.4. in Frankfurt 
Montag, 25. Januar 2016 - Veranstaltungen
Am 21. April 2016 findet in Frankfurt zum vierten Mal die Fachtagung "Achtsamkeit am Arbeitsplatz" statt, die vom Giessener Forum gemeinsam mit der Bildungsakademie des Landessportbunds ausgerichtet wird. Hier werden Wissenschaftler, Trainer und Business-Praktiker einen Überblick über neue methodische Ansätze und Anwendungsbeispiele von Meditation in der Arbeitswelt präsentieren. Prof. Dr. Bernhard Badura von der Universität Bielefeld spricht über eine „Kultur der Achtsamkeit für Gesundheit“, die Trainer Sabine Fries und Armin Pollmann geben einen Überblick darüber, wie Achtsamkeit sich in Unternehmenskontexten einbringen lässt, und Helmut Lind, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank München eG zeigt, wie er in der Bank eine Unternehmenskultur der Achtsamkeit etabliert, die von einem ichzentrierten zu einem transpersonalen Management führt.
Weitere Informationen

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Kongress Meditation & Wissenschaft am 25./26.11.16 in Berlin 
Freitag, 22. Januar 2016 - Veranstaltungen
Ich habe ja das besondere Vergnügen, seit 2010 im zweijährigen Turnus den von inzwischen drei Stiftungen getragenen Kongress Meditation & Wissenschaft zu organisieren. Der nächste wird am 25./26. November 2016 wieder in Berlin stattfinden. Seit dem ersten Kongress hat sich unglaublich viel entwickelt. Während wir seinerzeit noch vor allem über die Erkenntnisse der Grundlagenforschung einen Zugang zum Thema für die breitere Öffentlichkeit versucht haben zu schaffen, ist Achtsamkeit inzwischen in Medizin, Therapie und Arbeitswelt schon beinahe ein Trend. Und das führt natürlich auch dazu, dass sich immer mehr eher leichtgewichtige Angebote etablieren, die bisweilen mit den spirituellen Grundlagen von Meditation nur noch wenig zu tun haben. Deshalb ist es mir eine besondere Freude, dass der diesjährige Kongress mit seinem Oberthema "Meditation & Wirklichkeit - Macht | Zweck | Sinn" einen sehr differenzierten Blick auf die jüngeren Entwicklungen wirft. Wir haben zum Beispiel Jon Kabat-Zinn im Programm (zugeschaltet per Video), der über das Phänomen "McMindfulness" und die Dharma-Grundlagen von Achtsamkeit sprechen wird. Paul Grossman, der auch beim Mind & Life Institute aktiv ist, wird die ethische Dimension von Meditation im Gesundheitswesen thematisieren. Britta Hölzel wird einige Wirkungszusammenhänge von Meditation darstellen, die durch die Grundlagenforschung belegt sind, und kritisch darauf eingehen, ob und inwieweit diese Erkenntnisse sich überhaupt auf konkrete Anwendungskontexte, beispielsweise im Business, übertragen lassen. Spannend wird mit Sicherheit auch die Diskussion zum Thema "Wie viel Meditation verträgt das Business – und wie viel Business die Meditation?", für die wir eine Vertreterin des Google-Programms "Search Inside Yourself", den bei SAP zuständigen Director der firmeneigenen Mindfulness-Programme sowie den RWE-Vorstandsvorsitzenden Peter Terium (der selbst langjähriger Meditierender ist) und den dm-Geschäftsführer Erich Harsch gewinnen konnten. Tania Singer wird Ergebnisse ihres ReSource-Projekts vorstellen und darauf eingehen, was es braucht, damit Meditation auch auf der Ebene der Persönlichkeit nachhaltige Veränderungen zeitigt. Ich freue mich schon sehr auf diesen spannenden Mix, der hoffentlich auch in der öffentlichen Diskussion neue Impulse setzt.
Programm Meditation & Wissenschaft 2016

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Autorität braucht die richtige Haltung 
Donnerstag, 21. Januar 2016 - Management
Führungsmodelle alter Schule sind zunehmend am Erodieren, denn mit den alten Top-Down-Konstruktionen, die vor allem von einer Amts- oder Funktionsautorität getragen werden, können vor allem die jungen Generationen immer weniger anfangen. "Autorität entsteht heute anders als bislang. Über viele Jahrhunderte galt: Wer die Macht aufgrund seiner Position hat, konnte seine Funktionsautorität ausleben. Doch so etwas wie Funktionsautorität gibt es heute kaum noch. Der Verlust der Führungsautorität ist offenkundig und für die Vorgesetzten eine schmerzhafte, tabuisierte Realität. Heute brauchen Führungskräfte daher oft einen unverhältnismäßig hohen Kraftaufwand und müssen Druck ausüben, um überhaupt einigermaßen akzeptable Resultate vorweisen zu können. Das ist nicht effizient. Daher brauchen wir eine neue Form der Autorität", erklärt der Arbeitswissenschaftler Frank Baumann-Habersack in einem Interview mit Zeit online. Er weist darauf, dass Führungskräfte heute vor der Herausforderung stehen, den Einstellungswandel, der sich immer deutlicher vollzieht, aufzugreifen und sich ihre Autorität aktiv anzueignen: "Wir müssen erkennen, dass sich in unserer Gesellschaft die Einstellungen zur Führung gewandelt haben. Und das in allen Lebensbereichen. Die Digitalisierung mit ihren Möglichkeiten an Teilhabe, Transparenz und Mitbestimmung haben diesen Veränderungsprozess drastisch beschleunigt. Dies hat dazu geführt, dass niemand mehr allein aufgrund seiner Führungsposition respektiert wird. Vorgesetzte müssen sich heute schon den Respekt erst "verdienen" – über die Art, wie sie die Beziehung zu ihren Mitarbeitern gestalten. Dafür reichen keine Führungstools und -trainings, sondern es bedarf eines grundlegenden Wandels der Führungshaltung."
"Niemand wird für seine Führungsposition respektiert", Zeit online 11.1.16

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Jobs für viele Jüngere ein Unsicherheitsfaktor 
Mittwoch, 20. Januar 2016 - Studien
Eine Umfrage im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbunds zeigt, dass die jüngere Arbeitnehmergeneration mit dem Einstieg ins Berufsleben zu kämpfen hat. Von den unter 35-Jährigen sind 27,9 Prozent "atypisch" beschäftigt, das heißt sie arbeiten nicht in einem regulären Vollzeit-Job. Bei den unter 25-Jährigen sind es sogar 46,4 Prozent. Allerdings wurde in der Erhebung anscheinend nicht danach gefragt, ob diese reduzierte Arbeitszeit bewusst gewählt ist, denn gerade in der jüngeren Generation scheint sich gegenwärtig auch ein kleiner Trend zum Downshifting, zur bewussten Reduzierung der Arbeitszeit, abzuzeichnen. Auch die Befristung von Arbeitsplätzen ist für die jüngere Generation ein Thema. Während bei den über 35-Jährigen rund fünf Prozent befristet angestellt sind, sind es bei den unter 35-Jährigen 16,2 Prozent. Fast zwei von drei der jüngeren Befragten fühlen sich belastet, weil sie ihre spätere Rente für nicht oder nur gerade ausreichend halten, bei den über 35-Jährigen sind dies 53,2 Prozent.
Junge leiden unter unsicherne Jobs, Karrierespiegel 8.1.16

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