Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 
Montag, 21. Dezember 2015 - sonstiges
think.work.different macht Ferien. Wir wünschen allen LeserInnen besinnliche Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr. Ab 11. Januar sind wir wieder mit frischen News für Sie da!

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Wirtschaft in der Tiefe verstehen 
Donnerstag, 3. Dezember 2015 - sonstiges
Christoph Lütge, Ordinarius für Wirtschaftsethik an der TU München und Leiter des von ihm gegründeten Experimental Ethics Lab, geht in einem Gastbeitrag für die Zeit der Frage nach, warum es so wichtig ist, in der Schule grundlegende Wirtschaftskenntnisse zu vermitteln. "Wie sollen Schüler ohne ökonomisches Wissen wirtschaftliche Zusammenhänge im gesellschaftlichen Kontext beurteilen?", fragt Lütge zu recht. Von Kritikern werde immer wieder angemerkt, dass eine zu starke Fokussierung auf das Thema Wirtschaft dazu führen könne, dass ökologische und soziale Kompetenzen vernachlässig würden. Dem hält Lütge entgegen: "Dabei wird angenommen, dass Ökonomie und Ökologie, Ökonomie und Soziales fundamentale Gegensätze darstellen. Das Gegenteil ist der Fall: Nachhaltiges Wirtschaften spielt in Unternehmen eine immer größere Rolle. Aber auch Ökologie muss im Rahmen ökonomischer Mechanismen funktionieren, damit sie nicht nur eine abstrakte Idee bleibt, sondern wirksam umgesetzt wird. Ökologische Probleme lassen sich letztlich nur durch ökonomische Mechanismen lösen. Die Marktwirtschaft hat sich keineswegs abgewirtschaftet. Das Gleiche gilt für die Sozialpolitik. Schülerinnen und Schülern sollte die soziale Marktwirtschaft als Grundlage unserer Gesellschaft nahegebracht werden. Und dazu gehört, wie durch Wettbewerb – im Rahmen der bestehenden Regeln und Gesetze – soziale Belange gefördert werden, indem Arbeitsplätze bereitgestellt werden, indem innovative und kostengünstige Produkte produziert werden, indem Steuern und Abgaben gezahlt werden." Mich fasziniert an dieser Argumentation, wie schmal der Grat ist zwischen der Beschreibung momentaner Realitäten und dem Verfestigen von Grundannahmen, die man auch in Frage stellen könnte. Lütges Argumentation ist klug und durchdacht, und sich dabei kaum bewusst, welche Ausgangsbedingungen sie als unverrückbar einbringt. In einem System, in dem fast alle Lebensvollzüge in der einen oder anderen Weise an wirtschaftliche Zusammenhänge gebunden sind, lassen sich ökologische und soziale Fragen natürlicherweise nur mit wirtschaftlichen Mitteln lösen. Was aber wäre, wenn wir dem Ökologischen und Sozialen die bedeutendste Rolle in unserer Gesellschaft zuweisen? Kämen wir dann automatisch auf die Idee, dass wir ökonomische Wege beschreiten müssen, um diesen Belangen zur Geltung zu verhelfen? Ist das Bereitstellen von Arbeitsplätzen eine soziale Tat, wenn die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht immer wieder durch finanzielle Notwendigkeiten geprägt ist? Wirtschaftliches Wissen scheint in der heutigen Zeit tatsächlich unabdingbar - vor allem, um in der Lage zu sein, den Status quo zu hinterfragen ...
Schulfach Wirtschaft: Schüler brauchen ökonomisches Wissen, Die Zeit 24.11.15

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Wenn das Beste zu viel des Guten ist 
Dienstag, 1. Dezember 2015 - sonstiges
Die FAZ beschreibt in einem interessanten Beitrag, wie die deutsche Ingenieursmentalität mit ihrem Streben nach Perfektionierung in globalen Märkten zunehmend an ihre Grenzen stößt. Autos, die 200 km/h fahren - was auf deutschen Straßen willkommen ist, nutzt Menschen in Ländern mit schlechten Straßen oft gar nichts. Smartphones mit zig Funktionen - für Senioren meist keine Option. Innovationen taugen nur dann, wenn sie in ihrem jeweiligen Kontext auch Angemessenheit entfalten. Und nicht alles, was denkbar und auch machbar ist, passt zu einem Produkt und dem Einsatzkontext, den Kunden vor Augen haben. Vielleicht zeichnet sich hier gerade die Erkenntnis ab, dass dem bisherigen Machbarkeitswahn nun stärker auch Nützlichkeitserwägungen zur Seite gestellt werden. Denn letztlich ist doch immer die Frage: Was bringt etwas, wo dient es - und wo sind technologische Innovationen vielleicht nur die heutige Form der Selbstbespiegelung unter den Vorzeichen einer Möglichkeitsmanie?
Autos für Indien und Handys für Oma, FAZ 3.11.15

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GLS-Bank fordert Bewusstseinswandel 
Freitag, 27. November 2015 - sonstiges
"Banken brauchen ein neues Bewusstsein", fordert GLS-Vorstand Thomas Jorberg in einer öffentlichen Stellungnahme. Er kritisiert, dass in der Diskussion über die Zukunft des Bankwesens die "entscheidenden Zukunftsfragen", darunter "die ungerechte Vermögensverteilung oder der Klimawandel", nicht thematisiert würden. Jorberg weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren die globalen Geldvermögen stärker gewachsen seien als die Wirtschaft, was zu überliquiden Märkten und niedrigen Zinsen führe. Der Finanzmarkt ziehe hieraus lediglich den Schluss, dass die Realwirtschaft weiter wachsen müsse. "Das impliziert, dass letztendlich die Realwirtschaft dem Finanzmarkt zu dienen hat. Das wird nicht infrage gestellt", bemängelt der GLS-Vorstand. Jorberg listet eine ganze Reihe von Fragen auf, die im Hinblick auf unsere wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit gestellt werden müssten:
• Wie finanzieren wir den Stopp der Klimaerwärmung und lösen die Energiefrage?
• Wie finanzieren wir die Neugestaltung der weltweiten Ernährung, ohne die natürliche Bodenfruchtbarkeit weiter zu zerstören?
• Wie finanzieren wir die notwendigen Infrastruktur-Investitionen?
• Wie finanzieren wir neue Mobilitätskonzepte?
• Wie finanzieren wir die Verbesserung unseres Bildungs- und Kulturwesens?
• Wie finanzieren wir die Integration und Inklusion von Migranten und Flüchtlingen?
Jorberg fordert, dass die Vermögenden sich in ganz anderem Ausmaß als bisher an der Finanzierung öffentlicher und meriotiorischer Güter beteiligen müssen. "Diese großen widersprüchlichen Fragen sind scheinbar bei den meisten Bankvorständen noch nicht angekommen. Die einzigen Treiber von Umbrüchen sind Einsicht und Not. Es bleibt darum zu wünschen, dass zukünftig endlich eine Diskussion über die gesellschaftlichen Widersprüche stattfindet. Nur so können wir die Umbrüche aktiv und zielgerichtet gestalten. Wird die Finanzbranche das nicht tun, treibt sie auf eine noch größere Not zu", so der GLS-Vorstand.
Banken brauchen neues Bewusstsein, GLS Bank 17.11.15

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Auf dem Weg zur Seelenruhe 
Mittwoch, 4. November 2015 - sonstiges
Der dänische Bestseller-Autor Peter Høeg spricht in einem Interview mit der Welt darüber, wie Empathie-Trainings für Kinder mehr Freundlichkeit und Seelenruhe in den Alltag bringen können. Høeg engagiert sich in einer dänischen Initiative, die die Methode Mindfulness-Based Stress Reduction verbreitet. Bereits der Hälfte aller dänischen Lehrer werden Kurse dazu angeboten und kürzlich weilte Høeg für ein Unterrichtsprojekt in Brandenburg. "Man kann andere Menschen nicht tiefer verstehen, als man sich selbst versteht", so der Schriftsteller, der selbst in einer Gemeinschaft lebt, in der täglich meditiert wird. "Wir sind es gewohnt zu meinen, dass es eben nette und unfreundliche Menschen gibt, aber Freundlichkeit kann man üben. Wenn Sie das Freundlichkeitsniveau in einer Schulklasse oder Familie ändern wollen, müssen Sie es trainieren. Das ist eine schlechte, aber auch eine gute Nachricht, denn man kann etwas ändern. Wir empfehlen Lehramtsstudenten zwanzig Minuten Meditation am Tag. In dieser Zeit sollten sie in Kontakt zu ihrem Körper, ihrem Herzen, ihrer Seelenruhe treten und versuchen, diese Qualität in die Beziehung zu anderen hinüberzutragen. Das verändert langsam das Leben. Die europäische Gesellschaft beginnt das zu entdecken", sagt er. Das Engagement im Dienste der Meditation nimmt gegenwärtig so viel Raum in seinem Leben ein, dass der Schriftsteller ankündigte, eine längere Auszeit zu nehmen - um sich über seine künftigen Prioritäten klarer zu werden.
Jeder sollte einmal am Tag komplett abschalten, Die Welt 26.10.15

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Preiswürdige Kooperation 
Montag, 19. Oktober 2015 - sonstiges
Kooperation und Ko-Kreation sind gegenwärtig gerne bemühte Begriffe, wenn es darum geht, Lösungswege für die immer komplexer werdenden Fragestellungen unserer Zeit zu entwickeln. Die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises zeigt, was durch eine solche Gemeinsamkeit möglich wird. Das Nobelpreis-Komitee zeichnete eine tunesische Dialoggruppe aus, die im Demokratisierungsprozess des Landes eine tragende Rolle gespielt hat. Das Quartett, bestehend aus einer Gewerkschaft, einem Verband für Industrie, Handel und Handwerk, der Liga für Menschenrechte und dem Nationalen Anwaltsverein, hatte sich 2013 in Zeiten sozialer Unruhen und Mordanschläge gebildet. Dem Quartett sei es gelungen, da es verschiedene Bereiche und Werte der tunesischen Gesellschaft vertrete, eine entscheidende Rolle als Mediator im Demokratisierungsprozess einzunehmen, so die Begründung des Nobelpreis-Komitees.
Friedensnobelpreis geht an Dialoggruppe in Tunesien, Spiegel online 9.10.15

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Achtsam Wirtschaften als Weg 
Donnerstag, 15. Oktober 2015 - sonstiges
Das buddhistisch orientierte Netzwerk Achtsame Wirtschaft hat einen kleinen Leitfaden herausgegeben, der "Grundlagen einer angewandten, buddhistisch inspirierten Wirtschaftsethik" vermittelt. Das kostenlos zum Download zur Verfügung stehende Büchlein erklärt, was Achtsamkeit bedeutet, formuliert Leitsätze und ein Menschenbild achtsamer Wirtschaft und beleuchtet, wie sich achtsamer arbeiten, mit Geld umgehen und konsumieren lässt. In der zur Zeit hochkochenden McMindfulness-Diskussion liefert die Broschüre wohltuend geerdete Impulse, die zum Nachdenken und Ausprobieren einladen. Auf der Webseite des Netzwerkes stehen außerdem zahlreiche weitere Texte und auch Anleitungen für Achtsamkeitsübungen zur Verfügung.
Download "Achtsam Wirtschaften als Weg"

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Was Essen mit Denken zu tun hat 
Donnerstag, 8. Oktober 2015 - sonstiges
In der FAZ unternimmt der Philosoph Richard David Precht im Interview einen kleinen Streifzug durch die historische Entwicklung unserer Esskultur. Für Precht hängt das heute so große Interesse am Thema Essen, das sich nicht zuletzt in einem wachsenden Trend zu Vegetarismus, Veganismus und anderen Diät-Formen ausdrückt, nicht zuletzt an unserer Selbstbezüglichkeit: "Wir leben in einer Gesellschaft, die uns erlaubt, viel Aufmerksamkeit auf uns selbst zu richten. Schon als Kinder erfahren wir mehr Aufmerksamkeit und Liebe als in früheren Zeiten. Das ist gut. Aber es geht eine eigentümliche Verbindung mit dem kapitalistisch-materialistischen Imperativ ein, sich selbst zu optimieren. Die Sorge um sich spielt eine riesige Rolle. Das schließt die Ernährung ein." Für den Philosophen ist augenscheinlich, dass die Entwicklung einer "allgemein gültigen Hierarchie des ethisch Vertretbaren" beim Thema Essen kaum greifbar ist, weshalb er dafür plädiert: "Jeder muss sich fragen: Was halte ich selbst für vertretbar?" Ein Blick in die Philosophiegeschichte könne dabei helfen. "Ernährung hat viel mit Religion zu tun. Die Diätetik des Abendlandes beginnt mit den Orphikern und Pythagoreern. Sie glaubten, dass man die Reinheit der Seele durch die Reinheit der Ernährung kultivieren müsse. Die Optimierung des Geistes stand im Vordergrund und wurde im Laufe der griechischen Philosophiegeschichte immer wichtiger. Heute ist es umgekehrt. Man optimiert den Körper und nimmt ein bisschen für den Geist mit", so Precht. Guten Appetit!
Ein Intellektueller muss ungesund essen, FAZ 1.10.15


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