Zuhause in der Stille 
Donnerstag, 25. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart
Für viele Menschen ist Stille ein ersehnter Gegenpol zum dauernden Beschäftigtsein im Alltag. Doch nur wenige sind wirklich konsequent und geben dieser Sehnsucht auch nach, zum Beispiel, indem sie sich für eine gewisse Zeit zum Schweigen in ein Kloster zurückziehen. Die Kirchenzeitung berichtet in einem interessanten Artikel über die Erfahrungen von Menschen, die in ihren Klosteraufenthalten nicht nur die Stille wiederfinden, sondern auch sich selbst. "Ein anderer Mensch wird man dadurch nicht. Aber man wird aufmerksamer, achtsamer für den Augenblick. Wenn ich auf meinem Bänkchen sitze, ganz nach innen gerichtet, dann habe ich schon nach ein paar Minuten den Eindruck, nach Hause gekommen zu sein. Zu Hause bin ich dann bei mir“, erzählt etwa der pensionierte Reporter Albert Herchenbach. Typische Meditationskurse verlangen Einsteigern einiges ab. In Einführungskursen werden pro Tag schon einmal neun Runden à 20 Minuten meditiert - aufrechtes Sitzen, mit freiem Rücken ohne Lehne, bewegungslos und im Schweigen. Bei Meditationswochen für Fortgeschrittene reicht das Pensum, eine Woche lang, bis zu täglich 15 Sitzrunden à 25 Minuten. Das mag, wenn man es noch nie ausprobiert hat, vielleicht verrückt klingen. Die Erfahrung zeigt jedoch: Gerade durch diese langen Phasen ohne ständige äußere Reize und Ablenkungen kann der eigene Geist wirklich zur Ruhe kommen. Und das ist ein Gefühl, das sich "lohnt". "Anfangs lässt einen der Alltag noch nicht los, aber irgendwann kommt man in einen Zustand, wo es von alleine geht. Die Gedanken sind dann weg. Du machst dir über deine Atmung keinen Kopf mehr, fühlst dich wie im Dämmerzustand, in einer Art Grauzone. Und dann kann es vielleicht geschehen, dass du einen kurzen, aber sehr intensiven Moment in der Versenkung erfährst. Viele erleben darin eine große Dankbarkeit für das Sein", erzählt Albert Herchenbach.
Hören statt reden, Kirchenzeitung, 14.1.18


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Meditationshelfer für unterwegs 
Mittwoch, 24. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Mit dem ReSource-Projekt hat die Neurowissenschaftlerin Tania Singer das bisher größte Forschungsvorhaben zur Wirkung von Achtsamkeitsverfahren mit weltlichem Hintergrund angestoßen. Im Kontext des Projekts ist nun auch eine Meditations-App entstanden, die mit einem Anfängerkurs und immer neuen Übungen Einsteigern dabei hilft, in die Welt der Achtsamkeit einzutauchen. "Der Name der App, 'Balloon', steht für ein leichtes, schwebendes Gefühl, für Wärme, für eine Herzensqualität", erklärt der Psychologe Boris Bornemann, der am ReSource-Projekt des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig beteiligt war, im Stern. Sein Anliegen: "Ich will etwas in die Welt bringen, was mir am Herzen liegt." An der Entwicklung der Kurse sind auch die Neurowissenschaftlerin Britta Hölzel beteiligit sowie die Achtsamkeitstrainerin und Unternehmensberaterin Claudia Braun. Die App ist bisher nur für Apple-Geräte verfügbar.
Digitalisierte Achtsamkeit: Entspannung per App, stern.de 14.1.18

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Arbeit oder Leben? 
Dienstag, 23. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Die Dominanz, die die Erwerbstätigkeit im Hinblick auf unsere Lebensgestaltung einnimmt, wird von Zeit zu Zeit immer wieder einmal Thema im öffentlichen Diskurs. Gerade erst haben die Gewerkschaften mit ihrer Forderung nach einer 28-Stunden-Woche (wenngleich nicht als Standard für alle Arbeitnehmer, so doch als längerfristige Option in bestimmten Lebensphasen) eine neue Diskussion eröffnet. Studien zur Akzeptanz des Grundeinkommens zeigen immer wieder, dass die meisten Menschen auch bei einer solchen finanziellen Freiheit weiterarbeiten würden. Andererseits ist auch ein Trend zum Downshifting zu beobachten - vor allem jüngere Menschen wählen öfter Teilzeit-Jobs, um all den anderen Dingen, die ihnen im Leben wichtig sind, gleichermaßen gerecht werden zu können. Unser Verhältnis zur Arbeit hat viele Facetten, manche davon durchaus zwiespältig. Das sagt auch der Experte für Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie Tim Hagemann in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Wertschätzung und Handlungspielräume seien zentrale Aspekte, die Menschen mit ihrer Arbeit zufrieden sein lassen, erklärt er. Darüber hinaus bindet uns die Arbeitswelt in ein größeres soziales Gefüge ein. "Lebenszufriedenheit ist nicht unbedingt von der Arbeit abhängig – genau so gut können sich Menschen kulturell, wissenschaftlich oder politisch engagieren. Nur für sich alleine zu sein, ohne Aufgabe oder Sinn, das wird für die Allermeisten sehr schwierig", so Hagemann. Viele, die mit der Arbeit grundsätzlich hadern, leiden womöglich allein an dem engen Korsett, das ihnen ihr Job auferlegt. Oder sie spüren, dass das tägliche Tätigwerden gegen Geld in nur einem Kontext sie von so vielem anderen, was sie als wichtig empfinden, abhält. Letztlich steht hier weniger die Frage im Raum, ob es gut ist zu arbeiten oder nicht, sondern vielleicht eher, was das Leben als Ganzes für uns ausmacht.
Was reizt uns am Leben ohne Arbeit? WiWo 10.1.18

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6. Fachtagung Achtsamkeit am Arbeitsplatz in Frankfurt 
Montag, 22. Januar 2018 - Bewusstsein, Arbeit, Success Stories, Veranstaltungen
Der Achtsamkeitstrend hat längst die Unternehmenswelt erfasst. Das stellt viele Führungskräfte vor die Frage, wie sie Ansätze, die mehr mit dem "Nichts" als mit dem "Etwas" des Business verbunden sind, in den unternehmerischen Alltag einbringen können. Das Forum Achtsamkeit, das seit vielen Jahren MBSR-Lehrer ausbildet und verschiedene Curricula für die Anwendung von Achtsamkeit in Unternehmen entwickelt hat, veranstaltet am 19. April in Frankfurt zum sechsten Mal seine Fachtagung "Achtsamkeit am Arbeitsplatz", bei der Unternehmensverantwortliche, Wissenschaftler sowie Coaches und Trainer die Möglichkeiten von Meditation und Innenschau in der Arbeitswelt näher betrachten und Beispiele erfolgreicher Anwendungen vorstellen. Dieses Mal wird Prof. Dr. Dr. Harald Walach unter dem Titel "Achtsamkeit in Unternehmen – Die Quadrierung des Kreises. Ein paar Schlaglichter aus der Forschung" Einblicke in den Forschungsstand der Wissenschaft geben. Der Berater Torsten Schrör zeigt, wie sich "Erfolgreiches Führen durch achtsame Selbstwahrnehmung und Selbstführung" bewerkstelligen lässt. Marie Koch illustriert am Beispiel der Hotelkette Upstalsboom, "Wie eine Wertekultur ein Unternehmen verändert". Und die Meditationslehrerin und Führungskraft Nicole Stern wird einen Blick auf "Die spirituelle Dimension von Achtsamkeit und Meditation im Beruf" werfen.
Fachtagung Achtsamkeit am Arbeitsplatz

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Negative Gefühle haben einen Lerneffekt 
Freitag, 19. Januar 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wer Patzer oder Fehlschläge einfach runterspielt anstatt sich den damit verbundenen schlechten Gefühlen zu stellen, tut sich keinen Gefallen. "Sich auf die unschönen Gefühle einzulassen, die nach einer persönlichen Niederlage auftauchen, kann helfen, begangene Fauxpas nicht mehr zu wiederholen", lautet die Schlussfolgerung amerikanischer Wissenschaftler, die untersucht hatten, wie unterschiedlich Menschen mit Niederlagen umgehen und welche Konsequenzen sich daraus für sie ergeben. An der Studie waren insgesamt 600 Probanden beteiligt, die eine von den Forschern gestellte Aufgabe lösen sollten. Nach dem ersten Durchlauf, bei dem allen Probanden von den Wissenschaftlern bescheinigt worden war, das Ziel verfehlt zu haben, sollten die Studienteilnehmer ihre Gefühle dokumentieren. Danach bekamen sie eine neue Aufgabe. Es zeigte sich, dass diejenigen, die sich mit ihren Versagensgefühlen auseinandergesetzt hatten, sich bei der Aufgabe mehr Mühe gaben und mehr Zeit investierten als jene, welche den Fehlschlag in der eigenen Wahrnehmung heruntergespielt hatten. Die, die sich ihren Gefühlen gestellt hatten, waren darüber hinaus motivierter, eine bessere Leistung zu erbringen und ein nochmaliges Versagen zu verhindern. Man könnte auch sagen: Aus dem Eingeständnis von Fehlern lernt man.
Aus Fehlern wirklich lernen, Psychologie heute 5.1.18

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Wirtschaft als Ganzheit denken 
Donnerstag, 18. Januar 2018 - Arbeit, Management, Success Stories
Nachhaltigkeit ist in aller Munde, doch vielfach beschränken sich unternehmerische Initiativen auf ein bisschen ökologisches Aufhübschen. Die Triodos Bank stellt auf ihrem Blog einen Pionier Null-Emissionen-Wirtschaft vor, dessen Ziel es ist, ganzheitliche Wirtschaftskreisläufe zu entwerfen, in denen Rohstoffe am Ende eines Produktlebenszyklus zum Ausgangsstoff für neue Produkte werden, und selbst Produktionsabfälle und -reststoffe schon zu Beginn der Produktentwicklung als Rohstoffe für weitere Produkte gedacht werden. "Blue Economy" nennt der Wirtschaftswissenschaftler Gunter Pauli sein Konzept, an dem eine Initiative von Wissenschaftlern tatkräftig arbeitet. "Mich interessiert keine Wirtschaft, die weniger schlecht ist, in der wir ein bisschen weniger konsumieren. Wir müssen verändern, wie wir Handel treiben. Zurzeit ist alles, was gut für den Menschen und die Umwelt ist, teuer. Was für eine Wirtschaft soll das sein! Wir müssen versuchen, die Dinge nicht weniger schlecht, sondern gut zu machen", sagt Pauli. Ihm geht es um mehr als Upcycling oder Resteverwertung. Er möchte Wirtschaft insgesamt als eine Ganzheit denken, in der Hersteller und Konsumenten einen partnerschaftlichen Umgang pflegen und die Ökologie von Anfang an mitbedacht wird. Technologische Innovationen spielen dabei genauso eine Rolle wie ein Denken, dass sich der natürlichen Verbundenheiten zwischen Menschen und Natur bewusst ist.
Die erstaunlichen Lösungen des „Steve Jobs“ der Nachhaltigkeit, Triodos-Blog 9.1.18

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Der Zwang zur Perfektion 
Mittwoch, 17. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Der gesellschaftliche Druck zur Perfektion scheint in den letzten Jahrzehnten deutlich gewachsen zu sein. Britische Forscher werteten die Daten von 164 Stichproben aus den USA, Kanada und Großbritannien von insgesamt rund 41.000 Studierenden aus, die seit den 1980er Jahren bis 2016 zum Thema Perfektionismus befragt worden waren. Dabei ging es um den Wunsch, möglichst perfekt zu sein, den erlebten Druck von außen sowie die eigenen unrealistischen Erwartungen an andere. Die Untersuchung brachte zutage, dass die heute Studierenden bei allen drei Formen des Perfektionismus höhere Werte aufwiesen als frühere Generationen. So stiegen zwischen 1989 und 2016 der gefühlte soziale Druck um 33 Prozent, der eigene Perfektionismus um 10 Prozent und die unrealistischen Erwartungen gegenüber anderen um 16 Prozent. Die Wissenschaftler vermuten, dass der ständige Vergleich, der durch Onlinenetzwerke geschürt werde, einen Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet haben könnte - wobei mögliche Kausalitäten noch erforscht werden müssten. Auch der wachsende Druck im Bildungssystem könne mitverantwortlich sein. Während in den späten 1970er Jahren nur etwa jeder zweite Highschool-Absolvent auch ein Studium abgeschlossen habe, seien es 2008 bereits mehr als 80 Prozent gewesen. Das schüre die Erwartungen der jungen Menschen an sich selbst.
Einmal perfektes Leben, bitte, spektrum.de 3.1.18

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Meditation und die neuen Technologien 
Dienstag, 16. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Meditation ist eine der ältesten Methoden, das Bewusstsein zu weiten. Heute gibt es unzählige digitale Tools, die diesen Prozess effizienter und effektiver machen wollen. Was ist dran an diesem Versprechen? Dieser Frage bin ich in einem Artikel für evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur nachgegangen. Meine eigenen Selbstversuche in diesem Terrain haben mich sehr nachdenklich gemacht, denn einerseits scheinen manche der am Markt befindlichen, zumindest auf der psycho-emotionalen Ebene, durchaus positive Wirkungen zu zeitigen. Andererseits erlebe ich auch, wie durch die äußere Stimulation oder "Leistungskontrolle" auch Nebeneffekte eintreten können, die das, was Meditation letztlich auszeichnet, das so grundsätzliche Loslassen, auch stören. Ich denke, für Anfänger können solche Tools ein guter Einstieg sein, denn es ist nicht leicht, sich dem unablässigen Gedankenstrom in der Stille immer wieder zu stellen und ihm zu widerstehen. Und oft fragt man sich dann: Bin ich hier wirklich am Meditieren? Digitale Tools können hier durchaus Anhaltspunkte vermitteln. Aber ich bin da vielleicht einfach auch Puristin, denn die Freiheit, zu der Achtsamkeit eine Tür öffnen kann, will womöglich auch durch eine gewisse Anstrengung im eigenen Leben etabliert werden. Mit freundlicher Genehmigung von evolve können Sie den Artikel hier kostenlos lesen. Auch der 5. Kongress Meditation & Wissenschaft, der am 30. November/1. Dezember 2018 in Berlin stattfinden wird und den ich für die drei ihn tragenden Stiftungen organisiere, wird sich mit einem seiner Schwerpunktthemen unter dem Motto „Das Ich zwischen bewusster Selbstentwicklung und Neuro-Optimierung“ dem Thema widmen. Dr. Roland Kipke wird in einem Impuls das menschliche Streben nach Selbstverbesserung näher betrachten und die Unterschiede zwischen Neuro-Enhancement und traditionellen Methoden der Übung beleuchten. Dr. Ulrich Ott nimmt Biofeedback-Geräte unter die Lupe und gibt einen Überblick darüber, welche wissenschaftlichen Belege es für den Nutzen von Biofeedback beim Erlernen und Praktizieren von Meditation gibt. Und Dr. Jürgen Fell zeigt, was von dem Hype um die Hirnstimulation mit so genannten Binauralen Beats, die in Tools wie Holosync oder den Meditations-Tracks von iAwake genutzt werden, um das Gehirn in einen meditativen Zustand zu versetzen, zu halten ist. Im gemeinsamen Dialog werden die drei Wissenschaftler eruieren, wie viel Optimierung das Streben nach Selbstverbesserung verträgt, und das Spannungsverhältnis betrachten, das entsteht, wenn Meditation zu einer Methode der Selbstentwicklung gemacht wird. Womöglich ist der Weg „Vom Autopilot zur inneren Freiheit“ auch viel einfacher zu beschreiten. Die Studien zum freien Willen von John-Dylan Haynes jedenfalls stimmen zuversichtlich. Beim Kongress wird er seine neuesten Forschungen vorstellen und betrachten, welche Spielräume Achtsamkeit ermöglicht, wenn es darum geht, unser Denken aus seinen eingefahrenen Bahnen zu befreien.

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