Risikobereitschaft ist auch eine Frage der Erfahrungen 
Mittwoch, 30. Januar 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Manche Menschen lieben einfach das Risiko, andere sind eher zurückhaltend. Und wir glauben gerne, dass diese Unterschiede im Verhalten recht fixe Charaktereigenschaften sind. Eine amerikanische Studie zeigt nun, dass unsere Bereitschaft, Risiken einzugehen, auch von unseren früheren Erfahrungen geprägt wird. In der Studie mussten die Probanden ein Glücksspiel gegen einen Computer spielen. Es gab Szenarien, bei denen die Wahrscheinlichkeit, mit ihren Entscheidungen "richtig" zu liegen, recht groß war und solche, in denen ihre Gewinnchancen nicht so leicht abzuschätzen waren. Die Art, wie sich die Probanden in diesen kniffligen Situationen entschieden, hatte viel damit zu tun, wie ihr bisheriges Spiel gegen den Computer verlaufen war. Jene, die zuvor öfter gewonnen hatten, waren eher bereit, Risiken einzugehen. Wobei sie die jüngsten Erfahrungen stärker gewichteten als die länger im Spiel zurückliegenden. Risikobereitschaft oder -abneigung sind also auch ein starkes Erfahrungsphänomen. Und wer auf die andere Seite wechseln möchte, um seine übliche Haltung zu verändern, muss einiges an Risiko eingehen, denn dann stemmt er oder sie sich gegen den eigenen Erfahrungsschatz. Womöglich fällt dies vielen Menschen schwer, weil wir gerne dazu neigen, unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit in die Zukunft zu liegen. In früheren, weniger komplexen Zeiten, mag dies auch sinnvoll gewesen sein, denn da war vieles noch berechenbar. Heute aber sollten wir mindestens genau so viel Wert darauf legen, was es von uns braucht, unsere Perspektive zu verändern - und vor allem offen zu sein. Denn was gestern war, ist morgen schon anders.
Was bei Risikoentscheidungen im Hirn passiert, wissenschaft.de 7.1.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Vorurteile können sich transformieren 
Dienstag, 29. Januar 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wir leben in einer Zeit, in der man ständig Konfrontationen begegnet, die sich nicht zuletzt durch Vorurteile entwickeln. Eine Studie der Harvard-Universität macht Hoffnung, denn sie zeigt, dass sich zumindest die menschliche Neigung, Vorurteilen unreflektiert Ausdruck zu verleihen wandelt. In einer Betrachtung von Umfragen aus den Jahren 2004 bis 2016 mit den Datensätzen von vier Millionen Amerikanern zeigt: Die Toleranz gegenüber Homosexualität steigt, rassistische Einstellungen nehmen ab. Es gibt jedoch auch Bereiche mit nicht so eindeutigen Entwicklungen. Negative Einstellungen gegenüber Älteren oder Menschen mit Behinderung existieren nach wie vor in nicht zu unterschätzendem Maße - allerdings werden sie zumindest heute seltener offen geäußert. Gerade in Zeiten, in denen der öffentliche Diskurs durch zahlreiche Polarisierungen geprägt ist, ist diese Entwicklung ein Lichtstreif am Horizont, illustriert sie doch, dass unsere Perspektiven nicht in Stein gemeißelt sind - und dass wir sie verändern können.
Alte Vorurteile schwinden - mit einer Ausnahme, spektrum.de 7.1.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Meditations- und Bewusstseinsforschung online 
Freitag, 25. Januar 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Wissenschaft
Im Kontext des Kongresses Meditation & Wissenschaft, der seit 2010 bereits fünf Mal in Berlin stattgefunden hat, ist eine umfangreiche Dokumentation zentraler Entwicklungen der Bewusstseinsforschung entstanden, die nun auch komplett online zugänglich ist. Beiträge von Vorreitern wie Jon Kabat-Zinn, Richard Davidson, Tania Singer, Thomas Metzinger, Thilo Hinterberger, Harald Walach, Ulrich Ott, Stefan Schmidt und vielen anderen, die die Wirkung von Meditation in Medizin und Therapie sowie der Arbeitswelt beleuchten, sind hier als Einzeldownloads oder Kollektionen erhältlich. Die Beiträge des ersten Kongresses 2010 stellen die Veranstalter auf ihrer eigenen Webseite zum kostenlosen Download bereit, außerdem ist der Vortrag von Gert Scobel zum Thema »Paradoxien der Meditation - Über Weisheit und Wissenschaft, säkulare Ethik und Fiktion« vom Kongress 2018 frei erhältlich.
Video-Archiv zum Kongress Meditation & Wissenschaft


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Machen gelebte Werte uns humorlos? 
Mittwoch, 23. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Humor ist, wenn man trotzdem lacht - wer kennt ihn nicht, diesen Spruch? Humorlose Menschen betrachten wir dagegen gerne als etwas moralinsauer. Was sagt uns das über die Werte, denen wir uns verbunden fühlen? Die Süddeutsche Zeitung berichtet über eine Studie der Universitäten in Singapur und Washington, bei der untersucht wurde, in welcher Beziehung der Humor von Menschen zu ihren Werten steht. Die Untersuchung zeigt: Menschen finden Witze immer dann besonders lustig, wenn sie moralische Tabus berühren. Anders ist das jedoch bei jenen, deren Wertesystem besonders tugendhaft ist. Sie finden, über solche Tabubrüche solle man nicht lachen - und sie tun es selbst auch nicht. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass diese Gruppe insgesamt eher humorlos zu sein scheint, da es ihr auch nicht liegt, tabufreie Witze zu machen. Was mich an dem Beitrag unangenehm berührt hat, ist, wie er gegenüber dieser Humorlosigkeit stichelt. Das ist von "Auto-Spaßbefreiung" die Rede und von "ethischen Spaßbremsen". Im Umkehrschluss legt das nahe, dass wir nur lustige, fröhliche Menschen sein können, wenn wir gezielt Werte verletzen und unseren Spaß auf Kosten anderer haben. Der Artikel schließt mit dieser Folgerung: "Wer an sich selbst hohe ethische Standards anlegt, wandelt als impliziter moralische Vorwurf an alle anderen durch das Leben. Das provoziert Aversion, was sich durch ein paar grenzwertige Witze vielleicht aufbrechen ließe - wenn man denn darüber lachen könnte." Mein Einwand wäre, einfach mal nach anderen Wegen zu suchen, zu lachen. Und da gibt es viele, die ethisch einwandfrei sind.
Ethische Spaßbremsen, SZ 12.1.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wie gehen wir mit menschlicher Verletzlichkeit um? 
Montag, 21. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Die Zahl psychischer Erkrankungen ist seit Jahren im Steigen begriffen - die alljährlich höheren Zahlen, die die Krankenkassen veröffentlichen, belegen dies. Digitale Verfügbarkeit und wachsende Beanspruchungen im Arbeitskontext dürften zu den Gründen gehören, dass unsere Gesellschaft immer kranker wird. Bisher wird dies jedoch immer noch hauptsächlich als privates Problem gesehen, für das jede/r Einzelne selbst verantwortlich. Der Tagesspiegel bringt nun in einem Kommentar die breite gesellschaftliche Relevanz dieser Entwicklungen ins Spiel und macht die Entwicklungen zu einer übergreifenden Kulturfrage und zu einer Frage an die Politik. "Zwar ist die psychische Reaktion auf Umstände individuell und nicht von außen steuerbar, wohl aber sind die Umstände, die Stresserkrankungen auslösen, gesamtgesellschaftlicher und damit generalisierbarer Art – und damit gehören sie durchaus in den Verantwortungsradius der Politik", so Ariane Bemmer. Ihrer Ansicht sollte es nicht nur darum gehen, Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern. Eher müsse man ganz grundsätzlich fragen, wie die Gesellschaft im Ganzen den wachsenden Bedarfen an Selbstoptimierung, die an die Menschen herangetragen werden, konstruktiv begegnen könne. "Es scheint noch immer die klammheimliche Einstellung in dieser dem Bekunden nach am individuellen Wohl und Wesen orientierten Gesellschaft vorzuherrschen, dass, wer psychisch krank wird, eben zu schwach war, um mitzuhalten. Ein Weichei, bedauernswert, aber – tja, so isses. Diese Herablassung trifft nun ausgerechnet die Seele, also das, was den einzelnen Menschen viel mehr ausmacht als sein Skelett, seine Muskeln oder seine Innereien. Deren Erkrankungen aber wird mit Respekt begegnet und einem Hilfesystem, das breit aufgestellt und schnell verfügbar ist. Das ergibt eine Pointe, die eine beträchtliche Eiseskälte offenbart – die vermutlich niemand wirklich will", warnt Bemmer.
Die Politik reagiert hilflos auf die kranke Gesellschaft, Tagespiegel.de 2.1.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Mit Meditation zu sportlichen Erfolgen 
Mittwoch, 16. Januar 2019 - Bewusstsein, Psychologie
Das Thema Achtsamkeit hält, oft noch eher unbemerkt, auch im Sport immer mehr Einzug. Der Deutschlandfunk etwa berichtete kürzlich über die SVG Lüneburg, die in der Volleyball-Bundesliga auf Platz 3 steht und ins Pokalfinale kam. Zum Erfolgsrezept von Trainer Stefan Hübner gehört auch ein Training des "spirituellen Bereichs", wie er dem Sender erklärte. Man "arbeite man am mentalen und spirituellen Bereich. Das habe nichts mit Esoterik oder Räucherkerzen zu tun, so der Trainer. Sondern man habe seit vergangenem Jahr eine Achtsamkeitstrainerin, dort übe man Mediation, sodass unter Stress automatisch Reaktionen ablaufen, die hilfreich in Wettkampfsituationen seien. Man trainiere das Gehirn wie einen anderen Muskel des Körpers." - heißt es in dem Beitrag. Hübner weiß, dass destruktive Gedanken seine Spieler auf dem Feld behindern können. Deshalb lässt er sie regelmäßig mentale Übungen und Meditation absolvieren, um mehr geistige Klarheit zu entwickeln. Man kann nun natürlich einwenden, dass Meditation hier mal wieder zu einer Erfolgsmethode gemacht wird. Mir hat an dem Beitrag des Deutschlandfunks gefallen, mit welcher Selbstverständlichkeit hier das geistige Potential von Menschen erkannt und gefördert wird.
Achtsamkeitstraining und Meditation Teil des Erfolgs, Deutschlandfunk 5.1.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wenn Frauen mehr verdienen als ihr Mann ... 
Montag, 14. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit
... ist es sehr wahrscheinlich, dass sie tiefstapeln. So zumindest die Erkenntnisse einer amerikanischen Studie, die die Gehaltsangaben der Sozialversicherung mit jenen verglich, die durch Umfragen der Volkszählungsbehörde erhoben werden, bei denen der Wahrheitsgehalt der Aussagen nicht überprüft wird. In der Studie wurden die Daten von 100.000 Ehepaaren aus den Jahren 2003 bis 2013 ausgewertet. In 77 Prozent der Paarkonstellationen war der Mann der Hauptverdiener und beide machten bei der Volkszählungsbefragung korrekte Angaben. Bei den übrigen 23 Prozent verdienten die Frauen mehr - und die Angaben zum Einkommen deckten sich nicht mehr mit den Daten der Sozialversicherung. Frauen gaben hier ihr Einkommen um rund 1,5 Prozentpunkte niedriger an, als es tatsächlich war, während die Männer bei ihrem Gehalt rund 2,9 Prozentpunkte drauflegten. Die Wissenschaftler haben eine, wenn auch nicht bewiesene, Deutung für dieses Phänomen. Der Mann als Hauptverdiener ist immer noch die gesellschaftliche Norm, so dass es hier leicht fällt, bei der Wahrheit zu bleiben. Dass Frauen mehr verdienen als ihre Männer, ist, dass zeigen die Zahlen der Studie, immer noch eher selten. Und diese Sonderrolle scheint Paaren unangenehm zu sein, so dass sie die Unterschiede lieber negieren.
Verdienen Frauen mehr als ihre Männer, schummeln beide beim Gehalt, WiWo 4.1.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Teilzeit ist super - so lange man nicht an die Rente denkt 
Donnerstag, 20. Dezember 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit
Teilzeit ist heute für viele Frauen in der Familienphase immer noch ein bewährtes Modell. Eine Umfrage des Delta-Instituts für Sozial- und Ökologieforschung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums mit 2.000 Frauen, die in Teilzeit beschäftigt sind, bringt zutage: 85 Prozent finden es "super", keinem Vollzeit-Job nachgehen zu müssen. 75 Prozent wollen in ihrer aktuellen Lebensphase auf gar keinen Fall in Vollzeit arbeiten. Und 60 Prozent würden diesen Status gerne bis zur Rente beizubehalten. Das sind dramatische Zahlen, denn die Befragten sind sich durchaus bewusst, was dies für ihre Zukunft bedeutet. 68 Prozent ahnen, dass sie im Alter nicht von ihrer Rente werden leben können. Und 25 Prozent beschäftigen sich, weil diese Aussicht frustrierend ist, einfach nicht mehr mit diesem Thema. Der Trend, gerne weniger arbeiten zu wollen, macht sich in jüngster Zeit ja öfter bemerkbar, auch bei jenen, die die freie Zeit nicht brauchen, um für andere zu sorgen (wenngleich bei ihnen die gefühlte Notwendigkeit wahrscheinlich deutlich höher liegt). Doch irgendwie ist es erschütternd zu sehen, wie solche gesellschaftlich akzeptierten Modelle eine ganze Bevölkerungsgruppe langfristig ins wirtschaftliche Abseits bringt - denn all diese Frauen werden entweder im Alter verarmen oder benötigen einen weiteren Verdiener an ihrer Seite. Wir scheinen dringend eine öffentliche Diskussion darüber zu brauchen, wie wir nicht nur die Arbeit, die zu tun ist (sei es Erwerbs- oder Familienarbeit), als Gesellschaft im Ganzen bewerkstelligen können, sondern auch, wie wir sie so verteilen können, dass wir alle damit auf lange Sicht gut leben können.
Frauen in Teilzeit sind laut Umfrage sehr zufrieden, zeit.de 14.12.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter