Machen gelebte Werte uns humorlos? 
Mittwoch, 23. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Humor ist, wenn man trotzdem lacht - wer kennt ihn nicht, diesen Spruch? Humorlose Menschen betrachten wir dagegen gerne als etwas moralinsauer. Was sagt uns das über die Werte, denen wir uns verbunden fühlen? Die Süddeutsche Zeitung berichtet über eine Studie der Universitäten in Singapur und Washington, bei der untersucht wurde, in welcher Beziehung der Humor von Menschen zu ihren Werten steht. Die Untersuchung zeigt: Menschen finden Witze immer dann besonders lustig, wenn sie moralische Tabus berühren. Anders ist das jedoch bei jenen, deren Wertesystem besonders tugendhaft ist. Sie finden, über solche Tabubrüche solle man nicht lachen - und sie tun es selbst auch nicht. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass diese Gruppe insgesamt eher humorlos zu sein scheint, da es ihr auch nicht liegt, tabufreie Witze zu machen. Was mich an dem Beitrag unangenehm berührt hat, ist, wie er gegenüber dieser Humorlosigkeit stichelt. Das ist von "Auto-Spaßbefreiung" die Rede und von "ethischen Spaßbremsen". Im Umkehrschluss legt das nahe, dass wir nur lustige, fröhliche Menschen sein können, wenn wir gezielt Werte verletzen und unseren Spaß auf Kosten anderer haben. Der Artikel schließt mit dieser Folgerung: "Wer an sich selbst hohe ethische Standards anlegt, wandelt als impliziter moralische Vorwurf an alle anderen durch das Leben. Das provoziert Aversion, was sich durch ein paar grenzwertige Witze vielleicht aufbrechen ließe - wenn man denn darüber lachen könnte." Mein Einwand wäre, einfach mal nach anderen Wegen zu suchen, zu lachen. Und da gibt es viele, die ethisch einwandfrei sind.
Ethische Spaßbremsen, SZ 12.1.19

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Unsere Freiheit liegt in unseren Fehlern 
Dienstag, 22. Januar 2019 - Bewusstsein, Wissenschaft
In einem spannenden Interview mit dem Deutschlandfunk bringt der Philosoph Markus Gabriel neue Perspektiven in die Diskussion über Transhumanismus und künstliche Intelligenz. Gabriel plädiert dafür, menschliche Intelligenz nicht allein als Funktion von Logik zu betrachten. "Die Art und Weise, wie wir denken, besteht ja darin, dass wir häufig auch logische Fehler begehen. Das ist übrigens unsere evolutionäre Stärke, dass wir nicht perfekte logische Maschinen sind, sondern emotional abweichen und nur auf diese Weise überhaupt Relevanzkriterien in unser Leben bringen können. Die Logik ist eine normative Disziplin, die beschreibt, wie wir unter idealisierten Bedingungen denken sollten. So denken wir aber nicht. ... Unsere Abweichung von einem Ideal der Rationalität ist der Quotient unserer Intelligenz. Das heißt, ein IQ-Test misst, wenn man so will, gerade das Gegenteil von Intelligenz", sagt er. Dem steten Hang zur Optimierung, der durch die Digitalisierung befördert wird, hält er das Moment der menschlichen Freiheit entgegen. "Frei sind wir ja immer im Licht der Möglichkeit, dass wir auch anders handeln könnten. Freiheit hat ja etwas damit zu tun, dass wir von Normen abweichen können. ... Die Normabweichung ist die Manifestation unserer Freiheit. Ohne diese Abweichung, ohne den Bruch der Regel gäbe es gar keine Freiheit. Das heißt, unsere Fehler sind der Ort, an dem sich unsere Freiheit manifestiert", erklärt Gabriel. Die Argumentation macht offensichtlich, dass der Wahn zum digitalen Perfektionismus quasi versucht, ein wesentliches Merkmal des Menschseins auszuschalten, nämlich das Nichtperfekte, das Eigenwillige. Heute ist vieles in der Diskussion um künstliche Intelligenz bereits ein Akt der Selbstverteidigung des Menschlichen. Wir sollten endlich einen Schritt weiter gehen und ganz bewusst darüber sprechen, welche menschlichen Fähigkeiten und Wesenszüge wir als Unverfügbar, als Unantastbar setzen wollen. Ansonsten passen wir uns scheibchenweise einer Maschinenrealität an.
Ohne Bewusstsein keine Intelligenz, Deutschlandfunk Kultur 12.1.19

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Wie gehen wir mit menschlicher Verletzlichkeit um? 
Montag, 21. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Die Zahl psychischer Erkrankungen ist seit Jahren im Steigen begriffen - die alljährlich höheren Zahlen, die die Krankenkassen veröffentlichen, belegen dies. Digitale Verfügbarkeit und wachsende Beanspruchungen im Arbeitskontext dürften zu den Gründen gehören, dass unsere Gesellschaft immer kranker wird. Bisher wird dies jedoch immer noch hauptsächlich als privates Problem gesehen, für das jede/r Einzelne selbst verantwortlich. Der Tagesspiegel bringt nun in einem Kommentar die breite gesellschaftliche Relevanz dieser Entwicklungen ins Spiel und macht die Entwicklungen zu einer übergreifenden Kulturfrage und zu einer Frage an die Politik. "Zwar ist die psychische Reaktion auf Umstände individuell und nicht von außen steuerbar, wohl aber sind die Umstände, die Stresserkrankungen auslösen, gesamtgesellschaftlicher und damit generalisierbarer Art – und damit gehören sie durchaus in den Verantwortungsradius der Politik", so Ariane Bemmer. Ihrer Ansicht sollte es nicht nur darum gehen, Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern. Eher müsse man ganz grundsätzlich fragen, wie die Gesellschaft im Ganzen den wachsenden Bedarfen an Selbstoptimierung, die an die Menschen herangetragen werden, konstruktiv begegnen könne. "Es scheint noch immer die klammheimliche Einstellung in dieser dem Bekunden nach am individuellen Wohl und Wesen orientierten Gesellschaft vorzuherrschen, dass, wer psychisch krank wird, eben zu schwach war, um mitzuhalten. Ein Weichei, bedauernswert, aber – tja, so isses. Diese Herablassung trifft nun ausgerechnet die Seele, also das, was den einzelnen Menschen viel mehr ausmacht als sein Skelett, seine Muskeln oder seine Innereien. Deren Erkrankungen aber wird mit Respekt begegnet und einem Hilfesystem, das breit aufgestellt und schnell verfügbar ist. Das ergibt eine Pointe, die eine beträchtliche Eiseskälte offenbart – die vermutlich niemand wirklich will", warnt Bemmer.
Die Politik reagiert hilflos auf die kranke Gesellschaft, Tagespiegel.de 2.1.19

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Auch die Stars meditieren fleißig 
Freitag, 18. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Der Meditations-Hype hat längst auch die Promi-Szene erreicht. In einem Artikel zum Thema "Glück kann man lernen" listet Gala gleich eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten auf, die meditieren, darunter Naomi Watts, Herzogin Meghan und Jessica Alba. Viele der Stars schwören auf Transzendentale Meditation. Man kann spekulieren, warum das so ist. Vielleicht schafft die Tatsache, dass man in TM nur von ausgewählten Lehrern eingewiesen wird und ein vermeintlich persönliches Übungsmantra erhält, einen Hauch von Exklusivität, der dem Habitus dieser Zielgruppe entspricht. Der Gala-Beitrag listet noch eine ganze Reihe von Luxus-Ressorts auf, in denen man sich, das entsprechende Kleingeld vorausgesetzt, in die Stille zurückziehen kann. Dort sind dann letztlich wieder alle gleich ...
Glück kann man lernen, Gala 6.1.19

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Sozialunternehmen sind sehr innovativ 
Donnerstag, 17. Januar 2019 - Arbeit, Management
Bei Sozialunternehmen denken viele immer noch mehr an den typischen Gutmenschen und weniger an Innovatoren. Eine Untersuchung der Förderbank KfW zeigt nun, dass die Start-ups, die mit ihrer Geschäftstätigkeit auch soziale Entwicklungen anzustoßen versuchen, sogar innovativer sind als konventionelle Start-ups. Ein Viertel der rund 154.000 Social Entrepreneurs, die untersucht wurden, entwickelte eigene technologische Innovationen bis zur Marktreife. Nur jeder achte Start-up mit konventionellem Geschäft kann das von sich sagen. Knapp ein Drittel der Sozialunternehmen bietet in ihrem Arbeitsfeld Marktneuheiten an. Die Untersuchung zeigt, dass soziales Unternehmertum nicht nur eine gesellschaftlich-kulturelle Dimension hat, die bemerkenswert ist. Beim Thema Innovation sind die Social Entrepreneurs ebenfalls in mancherlei Hinsicht dem konventionellen Business überlegen.
Unternehmen mit sozialem Schwerpunkt sind innovativer, Zeit 6.1.19

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Mit Meditation zu sportlichen Erfolgen 
Mittwoch, 16. Januar 2019 - Bewusstsein, Psychologie
Das Thema Achtsamkeit hält, oft noch eher unbemerkt, auch im Sport immer mehr Einzug. Der Deutschlandfunk etwa berichtete kürzlich über die SVG Lüneburg, die in der Volleyball-Bundesliga auf Platz 3 steht und ins Pokalfinale kam. Zum Erfolgsrezept von Trainer Stefan Hübner gehört auch ein Training des "spirituellen Bereichs", wie er dem Sender erklärte. Man "arbeite man am mentalen und spirituellen Bereich. Das habe nichts mit Esoterik oder Räucherkerzen zu tun, so der Trainer. Sondern man habe seit vergangenem Jahr eine Achtsamkeitstrainerin, dort übe man Mediation, sodass unter Stress automatisch Reaktionen ablaufen, die hilfreich in Wettkampfsituationen seien. Man trainiere das Gehirn wie einen anderen Muskel des Körpers." - heißt es in dem Beitrag. Hübner weiß, dass destruktive Gedanken seine Spieler auf dem Feld behindern können. Deshalb lässt er sie regelmäßig mentale Übungen und Meditation absolvieren, um mehr geistige Klarheit zu entwickeln. Man kann nun natürlich einwenden, dass Meditation hier mal wieder zu einer Erfolgsmethode gemacht wird. Mir hat an dem Beitrag des Deutschlandfunks gefallen, mit welcher Selbstverständlichkeit hier das geistige Potential von Menschen erkannt und gefördert wird.
Achtsamkeitstraining und Meditation Teil des Erfolgs, Deutschlandfunk 5.1.19

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Wie viel Ethik braucht die Informatik? 
Dienstag, 15. Januar 2019 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit
Computertechnologien haben heute einen enormen Einfluss auf unser aller Leben. Und im gesellschaftlichen Diskurs wird immer wieder die Frage laut, wie wir diesen technologischen Einfluss ethisch in den Griff bekommen können. In der Realität zeigt sich: Informatiker werden im Berufsalltag zwar häufig mit ethischen Fragen konfrontiert, doch ist Ethik im Zuge ihrer Ausbildung fast nie ein Thema. Diese Erfahrung machte zumindest ein Informatik-Professor an der Universität des Saarlandes, der für ein Projekt angeheuert werden sollte, an dem er Zweifel hatte. Er tat sich an der Uni schließlich mit einem Absolventen zusammen, der neben Informatik auch Philosophie studiert hatte und beide entwickelten ein Seminar "Ethik für Nerds". Das Angebot trifft einen Nerv und ist seitdem an der Hochschule bei Studierenden sehr gefragt. Einzelne Hochschulen erproben bereits Ethikveranstaltungen im Kontext der Informatik. Aber vielleicht sollte es uns mehr zu denken geben, dass, bei aller Regulierung unserer Ausbildungen, Ethik nicht bereits in allen Fachrichtungen zum Standard gehört.
Philosophische Nachhilfe für Nerds, FAZ 4.1.19

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Wenn Frauen mehr verdienen als ihr Mann ... 
Montag, 14. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit
... ist es sehr wahrscheinlich, dass sie tiefstapeln. So zumindest die Erkenntnisse einer amerikanischen Studie, die die Gehaltsangaben der Sozialversicherung mit jenen verglich, die durch Umfragen der Volkszählungsbehörde erhoben werden, bei denen der Wahrheitsgehalt der Aussagen nicht überprüft wird. In der Studie wurden die Daten von 100.000 Ehepaaren aus den Jahren 2003 bis 2013 ausgewertet. In 77 Prozent der Paarkonstellationen war der Mann der Hauptverdiener und beide machten bei der Volkszählungsbefragung korrekte Angaben. Bei den übrigen 23 Prozent verdienten die Frauen mehr - und die Angaben zum Einkommen deckten sich nicht mehr mit den Daten der Sozialversicherung. Frauen gaben hier ihr Einkommen um rund 1,5 Prozentpunkte niedriger an, als es tatsächlich war, während die Männer bei ihrem Gehalt rund 2,9 Prozentpunkte drauflegten. Die Wissenschaftler haben eine, wenn auch nicht bewiesene, Deutung für dieses Phänomen. Der Mann als Hauptverdiener ist immer noch die gesellschaftliche Norm, so dass es hier leicht fällt, bei der Wahrheit zu bleiben. Dass Frauen mehr verdienen als ihre Männer, ist, dass zeigen die Zahlen der Studie, immer noch eher selten. Und diese Sonderrolle scheint Paaren unangenehm zu sein, so dass sie die Unterschiede lieber negieren.
Verdienen Frauen mehr als ihre Männer, schummeln beide beim Gehalt, WiWo 4.1.19

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