Politische Situation kann depressiv machen 
Dienstag, 21. Januar 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Welche Auswirkungen politische Umstände auf die Lebensbedingungen von Menschen und vor allem auch ihre psychische Verfassung haben, kann man in Hongkong gegenwärtig wie in einer Art Straßenlabor erleben. Eine aktuelle Studie, die auch Daten einer zehnjährigen Langzeituntersuchung heranzieht, zeigt: Seit im vergangenen Jahr die Proteste und gewaltsamen Zusammenstöße mit der Polizei begonnen haben, haben fünf Mal mehr Menschen Depressionen entwickelt als in den Vorjahren. Und die Symptome Posttraumatischer Belastungsstörungen sind in der Bevölkerung um das Sechsfache gestiegen. Schätzungsweise jeder fünfte Hongkonger dürfte damit inzwischen unter psychischen Problemen leiden. Den Wissenschaftlern zufolge entspricht dieses Bild dem, was in Gesellschaften durch bewaffnete Konflikte oder terroristische Angriffe geschieht. Sicher wäre es interessant, solche Untersuchungen auch einmal in Ländern zu machen, in denen der politische Wahnsinn noch etwas zivilisierter vonstatten geht und Demokratien gerade am Kippen sind beziehungsweise eher autokratische Regierungen das Ruder übernehmen. Auf jeden Fall wird hier deutlich, dass die eigene Psyche in gewisser Weise alles andere als rein privat ist.
Proteste belasten die Psyche, spektrum.de 10.1.20

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So viel Urlaub wie man möchte? 
Montag, 20. Januar 2020 - Arbeit, Management
New Work nennt sich der neue Hype, der die Arbeitswelt umkrempeln möchte. Alles soll lockerer werden, leichter und natürlich angenehmer. Manche Arbeitgeber locken beispielsweise inzwischen damit, dass Angestellte so viel Urlaub nehmen können, wie sie möchten. Aber wer arbeitet dann noch? Der Spiegel ist dieser Frage einmal nachgegangen - und kommt trotz aller blumigen Formulierungen der New-Work-Fans zu eher ernüchternden Ergebnissen. Nachfragen bei verschiedenen Unternehmen, die mit der nicht festgelegten Zahl an Urlaubstagen punkten wollen, zeigen nämlich: Im Schnitt bleiben, zumindest hier in Deutschland, viele der Angestellten sogar knapp unter der gesetzlich festgelegten Zahl an Urlaubstagen. Der Artikel geht auch auf die Gründe ein. Gerade in Leitungspositionen kann man nicht einfach sagen, "ich bin dann mal weg". Und in laufenden Projekten macht es sich auch nicht gut, mal für längere Zeit zu verschwinden. Der Ärger von Kollegen wäre einem sicher. Es scheint eher so, als würde die vermeintliche Freiheit schlicht neue Formen der Selbstkontrolle erzeugen. Und irgendwie ahnt wohl auch jeder, der noch so etwas wie Aufstieg im Sinn hat, dass es keine gute Idee ist, mal ein paar freie Tage draufzulegen. Für die Arbeitgeber hat das natürlich den Vorteil, dass sie sich nach außen mit einem tollen Programm präsentieren können und nach innen nicht mal zum Buhmann werden. Geschickt ist das allemal.
So viel bezahlter Urlaub, wie man will - wie geht das?, spiegel.de 10.1.20

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Könnte höherer Mindestlohn Selbstmorde verhindern? 
Freitag, 17. Januar 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit
Eine amerikanische Studie hat ein heißes Eisen angefasst und untersucht, ob es eine Beziehung zwischen dem Einkommen von Menschen und der Wahrscheinlichkeit, Suizid zu begehen, gibt. Die Wissenschaftler werteten Daten der Jahre 1990 bis 2015 über Suizide, Mindestlöhne und Arbeitslosigkeit aller US-Bundesstaaten aus. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Erhöhung des Mindestlohns um einen Dollar die Suizidrate in der amerikanischen Bevölkerung um 3,5 bis 6 Prozent senken könnte. Bei einer Erhöhung um zwei Dollar soll die Verringerung sogar doppelt so hoch ausfallen. Der Kausalzusammenhang, den die Studie herstelle, ist in den Augen der Wissenschaftler zwar nicht wasserdicht, aber belastbar genug, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass höhere Mindestlöhne Leben retten könnten.
Kapitalismus tötet, taz 10.1.20

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Kongress Meditation & Wissenschaft am 30./31.10.20 in Berlin 
Donnerstag, 16. Januar 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Management, Veranstaltungen
Mit dem Thema "Grenzenlos denken - Vom Wissen zum Bewusstsein" geht der Kongress Meditation & Wissenschaft, der längst zu einer Institution geworden ist, am 30./31. Oktober 2020 in Berlin zum sechsten Mal an den Start. Übergreifender Anker des Programms, das die Bereiche Leadership, Medizin und kulturelle Entwicklung abdeckt, ist dieses Mal die Bewusstseinsbildung. Mit Top-Speakern wie Otto Scharmer, Hartmut Rosa und Markus Gabriel wird der Kongress beleuchten, welcher gesellschaftliche Impact mit Meditation verbunden sein kann. Business, Bildung, Bewusstsein – Achtsamkeit als humanistischer Entwicklungs- und Gestaltungsweg Bewusstseinsbildung geht uns alle an, denn viele der großen Herausforderungen, in denen wir heute stehen, fragen nach neuen Formen der Weltbeziehung und des menschlichen Miteinanders. Otto Scharmer, Begründer des Presencing Instituts, illustriert, wie sich im Business und im Bildungsbereich ein Shift von den Ego-Systemen der Gegenwart hin zu gestalterischer Offenheit und Verbundenheit vollziehen lässt, die das künftig Mögliche einladen. Der Soziologe Hartmut Rosa deutet auf die Grenzen der Vereinnahmungsstrategien des modernen Materialismus und sensibilisiert dafür, wie sich gerade in der Reibung am Unverfügbaren neue menschliche Potentiale entfalten. Und der Philosoph Markus Gabriel nimmt in den Blick, wie sich Bewusstseinsentwicklung im Spannungsfeld zwischen wachsendem Selbst-Bewusstsein und Instrumentalisierung vollzieht. Best practices aus dem Hochschulwesen und der Leadership-Entwicklung zeigen, welche Ansätze diesen humanistischen Aufbruch unterstützen können. Auch im Gesundheitswesen ist dieser Wandel bereits in vollem Gange. Der Medizinethiker Giovanni Maio, Vorreiter einer Kultur der Aufmerksamkeit in Heilberufen, wird beim Kongress das Ringen der Medizin um ihre Identität beleuchten und Wege zu einer neuen Werteorientierung aufzeigen. Stefan Schmidt betrachtet mit verschiedenen Studien die tiefergehenden Wirkpotentiale von Achtsamkeit bei Langzeitmeditierenden, ein Thema, dem sich die Forschung bisher kaum widmet und das neue Einsichten im Hinblick auf grundsätzliche menschliche Entfaltungschancen ermöglicht. Claudia Lorena Orellana Rios nimmt mit einer Studie zur Traumatherapie in den Blick, wie mitgefühlsbasierte Behandlungsansätze nicht nur Patient*innen helfen, sondern auch zur Resilienz der Therapeut*innen beitragen können. Und Klaus-Dieter Platsch, Begründer des ärztlichen Begleitstudiums „Caring and Healing“, bringt die spirituelle Entwicklung von Ärzt*innen ins Spiel. Michael von Brück, der den Kongress abschließt, formuliert die Intention des Kongresses, die existenzielle Dimension von Meditation besser zu verstehen und zu ergründen: „Meditation intensiviert die Wahrnehmung, so dass Zusammenhänge und wechselseitige Abhängigkeiten erlebbar werden, Kreativität gefördert und der Mut zur Transformation in der Lebenspraxis gestärkt wird. Gibt es eine Pädagogik solcher Lebenskunst? Kann Meditationspraxis ein Schlüssel für dieselbe sein? Wird sie Grundlagen schaffen, damit moderne Industriegesellschaften den Qualitätssprung in eine nachhaltige Lebensweise erreichen?“
Kongresswebseite

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Angst vor Entspannung 
Mittwoch, 15. Januar 2020 - Psychologie, Studien
Viele Studien zeigen inzwischen, wie Meditation auch in der Therapie von Menschen mit Depressionen oder Angststörungen helfen kann. Doch gerade unter diesen Zielgruppen gibt es auch so etwas wie eine Angst vor Entspannung. Eine amerikanische Studie hat dies wieder belegt und kommt zu dem Schluss, dass manche der Patient*innen Entspannung geradezu vermeiden, und dies aus gutem Grund. Wer in trüber Stimmung ist, wird durch negative Erfahrungen zwar in seiner Befindlichkeit bestärkt, doch trifft die Erfahrung gewissermaßen auf ein inneres Vorbereitetsein. Solche Patient*innen fürchten sich davor, in gelösterer Stimmung, wie sie sich durch Entspannung einstellen kann, von negativen Gefühlen überrascht und überrumpelt zu werden. Und genau deshalb vermeiden sie es lieber, sich diesem an sich positiven Zustand zu nähern.
Ganz entspannt? Für manche eher nicht, Psychologie heute 4.1.20

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Mit Achtsamkeit Ängste verlernen 
Dienstag, 14. Januar 2020 - Psychologie, Studien
In manchen Therapien ist ein Teil der Behandlung das Verlernen von Ängsten. Da diese jedoch leichter "gelernt" werden, als man sie hinterher wieder loslässt, sind solche Ansätze nicht immer von Dauer. Eine neue Studie zeigt nun: Wenn Menschen nur ein vierwöchiges Achtsamkeitstraining mit einer App durchlaufen, unterstützt das das therapeutisch begleitete Verlernen von Ängsten deutlich. Der Versuchsaufbau der Studie war allerdings ein vergleichsweise banaler, denn die Probanden wurden darauf konditioniert, dass bestimmte Bilder, die ihnen gezeigt werden, mit der Verabreichung schmerzhafter Elektroschocks verbunden sind. Das Angstsetting war ein zeitlich sehr überschaubares und die Angst nicht, wie im echten Leben so oft über Jahre "kultiviert". Einerseits finde ich es spannend zu sehen, in welch unterschiedlichen Szenarien Achtsamkeitsübungen positive Wirkungen zeitigen. Mir fehlt aber ein wenig der Weitblick bei vielen Ansätzen. Deutlich mehr interessieren würde mich beispielsweise, einmal in einer Langzeitstudie zu erforschen, ob Meditation nicht vielleicht als grundsätzliche Lebenspraxis betrieben, das Entstehen von Ängsten verringern könnte. Viele aktuelle Forschungsprojekte, die Achtsamkeit hypen, konzentrieren sich darauf, die Resultate einer womöglich nicht so dienlichen Lebensweise zu kompensieren - siehe all die Stressstudien, die gemacht werden. Wie wäre es, wenn wir uns mehr darauf konzentrieren, wie Lebensstile und kulturelle Gepflogenheiten sich ändern müssten, damit solche Reparaturen gar nicht möglich werden und Menschen einfach so ein zufriedenes Leben haben, beispielsweise indem meditieren so selbstverständlich wird wie Zähenputzen.
Achtsamkeitstraining hilft, Ängste zu vergessen, spektrum.de 8.1.20

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Weniger arbeiten wäre schön 
Montag, 13. Januar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Wie groß unsere Sehnsüchte zu sein scheinen, die offizielle Erlaubnis zu erhalten, weniger zu arbeiten, zeigte kürzlich eine Falschmeldung, die in verschiedenen Medien und bei ihren Lesern auf enorme Resonanz stieß. Es ging darum, dass die finnische Regierung angeblich eine Vier-Tage-Woche mit Sechs-Stunden-Tagen einführen wolle. Die Zeit gibt sich in einem Kommentar zu dem Vorfall pragmatisch und listet eine ganze Reihe von Möglichkeiten auf, wie man die Arbeitszeiten wenigstens flexibler den Bedürfnissen der Arbeitnehmenden anpassen könnte. Interessanter finde ich, dass durch die Falschmeldung geradezu ein tiefes Luftholen unter gebeutelten Angestellten quer durch die Republik wahrnehmbar wurde. Denn in Kontexten, in denen sich Arbeit immer mehr verdichtet, geht es vielleicht schon lange nicht mehr darum, einfach etwas flexibler bis zur Erschöpfung zu schuften. Sondern Menschen haben wirklich zunehmend das Gefühl, zu viel, sprich zu lange im Verhältnis zu der Zeit, die ihnen für anderes bleibt, zu arbeiten. Und das deutet nicht nur auf ein Bedürfnis nach mehr Flexibilisierung - das heute durch die Hintertür oft mit unbezahlter und kaum wahrgenommener Mehrarbeit korreliert. Es geht eher darum, unsere Lebensperspektiven grundsätzlicher zu betrachten. Arbeit ist heute der Mittelpunkt unserer Leben. Aber muss das wirklich so sein? Fragen wird man ja noch dürfen ...
Es ist Zeit für radikale Flexibilität, zeit.de 9.1.20

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Einfach mal durchatmen 
Freitag, 10. Januar 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Die individuellen Kompensationsbemühungen in einer auf Überforderung angelegten Arbeitswelt haben den Markt der Achtsamkeits-Apps in den vergangenen Jahren gehörig gepusht. Laut „The State of Mobile 2019" sind die Ausgaben der Konsumenten für Meditations- und Gesundheits-App zwischen 2016 und 2018 um das Dreifache gestiegen. Mobile Mindfulness scheint wirklich in zu sein. Ein Artikel des Redaktionsnetzwerks Deutschland gibt eine schöne Übersicht über gängige Tools und bringt auch Kommentare von Expert*innen aus Therapie und Beratung, die zwar durchaus einen Nutzen dieser Apps gegeben sehen, aber sie auch nicht als Allheilmittel verstanden wissen möchten. Am besten gefällt mir der Schluss des Artikels, der von gesundem Menschenverstand zeugt. Die Psychologin Eva Kaczor hat für Gestresste einen wunderbar einfachen Tipp parat: "Tief in den Bauch auf vier einatmen, auf vier ausatmen und dann auf vier den Atem draußen halten. Nach zwei bis drei Minuten ist man wieder bei sich, fühlt sich ruhiger und leichter." Ja, einfach mal durchatmen, hilft wirklich!
Entspannung auf Knopfdruck? Meditations-Apps sollen bei Achtsamkeit helfen, RND 31.12.19

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