Wir brauchen mehr intellektuellen Tiefgang 
Freitag, 26. Februar 2010 - Management
Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger redet im Interview mit der Wirtschaftswoche Tacheles zum Thema Managerversagen. Seiner Ansicht ist eine fehlgeleitete Ausbildung ein wesentlicher Faktor der derzeitigen Finanzkrise. Es sei ein Fehler, allein ein Versagen von Märkten und Institutionen zu kritisieren, da diese durch Menschenhand entstehen. Sattelberger kritisiert, dass die ökonomischen Theorien, die an Business Schools gelehrt werden, sich fast ausschließlich an Stakeholder-Interessen orientieren und die gesellschaftliche Rolle von Unternehmen und Managern ausblenden: "Dieses Denken wurde Millionen MBA-Absolventen weltweit eingetrichtert und so zu einem substanziellen Vehikel der Krise." Der Telekom-Vorstand bemängelt, dass im neoklassischen Paradigma bestimmte Themen wie die Transparenz der Märkte überhaupt nicht mehr in Frage gestellt würden und fordert: "Wir brauchen mehr intellektuellen Tiefgang, um die Welt des Managements zu erfassen. Um Probleme in Unternehmen nachhaltig zu lösen, ist nicht nur Ökonomie wichtig, sondern auch Geschichte, Soziologie, Psychologie, Philosophie. Und die Reflexion der eigenen Person. ... Ich muss verstehen, dass Unternehmen nicht nur betriebswirtschaftliche, sondern soziale Organismen sind. Die Zahlen kommen am Schluss, sind das Ergebnis sozialen Handelns oder psychologischer Wirkung. Ich muss wissen, dass ich als Manager Teil dieses Organismus bin." Sattelberger wirft der heutigen Manager-Generation "seelischen Autismus" und eine fehlende Verantwortung für ein größeres Ganzes, das über die eigenen Interessen und die des einzelnen Unternehmens hinaus geht. Seine Devise: Reflexion statt Gehirnwäsche.
"Reflexion statt Gehirnwäsche", WiWo 18.2.2010

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Frauen in der Führung - eine Frage des Bewusstseins 
Donnerstag, 25. Februar 2010 - Management
Mehr Frauen ins Top-Management und in die Aufsichtsräte - seit Wochen kursiert das Thema durch die Medien, nicht zuletzt, weil immer mehr Studien zeigen, dass Unternehmen, die einen hohen Frauenanteil in der Führungsetage haben, häufig bessere Ergebnisse erzielen als die von Männern dominierte Konkurrenz. Mit Quoten allein ist es jedoch nicht getan, meint die Goldman-Sachs-Managerin Laura Liswood. Die Expertin geht nämlich davon aus, dass eine unbewusste Dynamik dazu führt, dass Frauen ganz oben meist außen vor bleiben. "Das Problem ist: Es zieht uns alle sehr zu Leuten hin, die sind wie wir selbst. Es würde sehr helfen, wenn wir mehr Männer dazu brächten, dass sie sich dieser Dynamik bewusst würden. Es wäre auch hilfreich, wenn Frauen sich dessen noch bewusster würden. Interessant ist, dass Männer, die Töchter haben, eher sehen, was los ist. Weil sie sich wünschen, dass ihre Tochter eine gute Karriere macht, betrachten sie die Beziehungen an ihrem Arbeitsplatz plötzlich aus einer anderen Perspektive heraus", so Liswood im Interview mit dem Manager Magazin. Die Frage ist jedoch, wie Männer einen solchen Bewusstwerdungsprozess in Gang setzen könnten - in den Führungsetagen haben sie, da diese ja meist eine frauenfreie Zone sind, eher weniger Gelegenheit dazu.
"Sie fühlen sich überbeobachtet", Manager Magazin 17.2.2010

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Traumjob? Fehlanzeige! 
Mittwoch, 24. Februar 2010 - Studien
Der Traumjob - bleibt für die meisten Arbeitnehmer ein ewiger Traum. Einer Umfrage des Karriereportals Monster zufolge, arbeiten gegenwärtig 92 Prozent nicht in einem Job, der ihren Träumen entspricht. 49 Prozent der Befragten führen finanzielle Gründe an, die für das Verbleiben im eher ungeliebten Arbeitsverhältnis sprechen und sagen: "Wenn ich es mir finanziell leisten könnte, würde ich sofort meinen Job aufgeben und meinen Traum verfolgen." 33 Prozent meinen, dass sie vor allem Zeitmangel davon abhalte, sich die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für den Wunschberuf anzueignen. Und zehn Prozent fehlt schlicht der Mut - sie glauben, ohne Unterstützung nicht genügend Traute zu haben, um das Projekt Traumjob in Angriff zu nehmen. Lediglich acht Prozent gehören zu den Glücklichen, die ihren Traumjob bereits gefunden haben.
Pressemitteilung Monster 15.2.2010

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Frankreich zieht aus Selbstmordserie Konsequenzen 
Dienstag, 23. Februar 2010 - Arbeit
Seit zwei Jahren ist die französische Arbeitswelt erschüttert, denn immer häufiger machen Selbstmorde von Angestellten Schlagzeilen. Allein bei der France Télécom nahmen sich innerhalb der letzten 24 Monate 35 Mitarbeiter das Leben. Die französische Regierung reagierte im Herbst 2009 mit einem Notfallplan, demzufolge den 2.500 Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern finanzielle Sanktionen drohen, wenn sie das Arbeitsklima nicht verbessern. Experten zufolge leiden französische Angestellte zunehmend unter typisch amerikanischen Management-Systemen, die zwar individuelle Freiheiten betonen, aber auch den Druck auf den Einzelnen erhöhen. In Frankreich sind Unternehmen eher stark hierarchisch organisiert mit wenig Entscheidungsfreiheiten im unteren und mittleren Management. Damit verbunden war früher auch ein eher familiäres Klima der Sicherheit - das im Zuge zahlreicher Privatisierungen und einer wachsenden Amerikanisierung der Firmenkultur nun immer mehr ausgehöhlt wird.
Lieber tot als gemobbt, SZ 14.2.2010

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Totale Monetarisierung von Arbeit geht nach hinten los 
Montag, 22. Februar 2010 - Management
Geld alleine stachelt nicht zu Höchstleistungen an - dieses Phänomen ist längst bekannt. In der Betriebspsychologie weiß man seit Jahren, dass diese Form der extrinsischen Motivation keine besondere Tragkraft hat, denn sie verleitet im Umkehrschluss dazu, nur die Leistungen zu erbringen, für die auch bezahlt wird. In einem Beitrag zur Frage, was Menschen im Arbeitsleben wirklich antreibt, warnt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung deshalb auch davor, Verhaltensweisen, die von intrinsischer Motivation angetrieben werden, mit Geld zu honorieren. Wer sich seinem Unternehmen verpflichtet fühlt, Freude an der Arbeit hat, Entfaltungsräume genießt und sich deshalb gerne einbringt, gilt als intrinsisch, also von innen heraus motiviert. Da macht man in Zeiten hohen Arbeitsanfalls gerne einmal ein paar Überstunden. Werden diese jedoch plötzlich extra vergütet, lähmt dies oft weitere Einsatzbereitschaft, da nun ein äußerer Anreiz geschaffen wird, der das zuvor vorhandene innere Bindungssystem konterkariert. Bei klar messbaren Tätigkeiten kann der Faktor Geld bisweilen Anreize setzen, doch überschneidet sich diese Motivationswirkung fast immer mit Bereichen, in denen Menschen eher intrinsisch motiviert agieren. Ein Angestellter, der bisher immer zu allen Kunden freundlich war und sich vielleicht auch Zeit für ein persönliches Gespräch (und damit indirekt die Kundenbindung förderte), wird vielleicht, wenn er für jeden bearbeiteten Kundenvorgang einen Bonus bekommt, sein Verhalten ändern und weniger Zeit in Zwischenmenschliches investieren, da er "dafür" ja nicht bezahlt wird. Geld ist also nicht nur alles, sondern manchmal sogar kontraproduktiv.
Was treibt Menschen an? FAS 14.2.2010

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Leistungsfalle Stress 
Freitag, 19. Februar 2010 - Studien
Den Druck erhöhen, um die Produktivität zu steigern - eine Taktik vieler Unternehmen, die nach hinten losgeht. So zeigt eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa, dass Arbeitnehmer, die zu sehr unter Stress stehen, eher einknicken als leistungsfähiger zu werden. 63 Prozent der Angestellten geben an, dass sich ihr Leistungsvermögen aufgrund von mangelnder Wertschätzung, innerbetrieblichen Veränderungen und fehlender Leistungsmöglichkeiten reduziere, so die Studie. Bereits jeder dritte Arbeitnehmer leidet unter Stress und jeder vierte fühlt sich erschöpft. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut hat errechnet, dass dieses geringere Leistungsniveau der Angestellten deutsche Unternehmen jährlich 262 Milliarden Euro kostet.
Schlechtere Leistung wegen Stress, SZ 9.2.2010

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20 Millionen Arbeitnehmer leiden unter Schlafstörungen 
Donnerstag, 18. Februar 2010 - Studien
Schlafstörungen sind unter Erwerbstätigen längst eine Volkskrankheit. Laut DAK-Gesundheitsreport 2010 leidet rund jeder zweite Arbeitnehmer darunter - umgerechnet also rund 20 Millionen Menschen. In der Folge vermindert sich laut DAK bei vielen Arbeitenden die Leistungsfähigkeit. Von den 3.000 Befragten im Alter zwischen 35 und 65 Jahren gaben 38 Prozent an, unter geringen Schlafstörungen zu leiden, gut neun Prozent litten nach eigenen Angaben sogar unter hochgradigen Schlafproblemen. Eine Schlafstörung liegt vor, wenn man innerhalb von vier Wochen mindestens drei bis vier Mal pro Woche eine halbe Stunde oder länger zum Einschlafen benötigt. Etwa 40 Prozent der Betroffenen sehen den Grund für ihre Schlafprobleme in Stress und Belastungen im Job oder in der Familie.
Jeder zweite Arbeitnehmer hat Schlafstörungen, FAZ 9.2.2010

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Sind Sie ein Regenmacher? 
Mittwoch, 17. Februar 2010 - Management
Das Magazin "Stern Gesund leben" hat in seiner aktuellen Ausgabe ein Interview mit dem Zen-Meister Hinnerk Polenski veröffentlicht, indem der Zen-Mann, der sich unter anderem sehr mit Trainings für Manager engagiert, einen neuen Blick auf das Thema Burn-out wirft. "Wer sich in seiner Arbeit vollkommen verausgabt, ist gefangen in einem System und braucht die Erfahrung, dass er in sich selbst etwas verändern kann, egal, wie die äußeren Umstände sind. In meine Mitte zu gehen, bedeutet zu erkennen: Ich bin der Konstrukteur meiner Welt. Anders gesagt: Ich bin der Wettermacher - und meistens bin ich Regenmacher. Das ist eine Erkenntnis, die man intellektuell nicht transportieren kann, ich muss es erfahren", sagt Polenski. Der Zen-Lehrer sieht auch die extrem verbreitete, oft einengende Zielfixierung von Menschen als ein Problem an, denn das Festhalten an einmal gefassten Plänen schränkt unsere Gestaltungsfreiheiten zum Teil erheblich ein: "Wir sind so verliebt in Ziele: Man muss ein Ziel haben, egal, ob es idiotisch ist oder nicht. Was uns fehlt, ist der Blick für das Wesentliche." Polenski warnt auch vor den oft selbstgeschaffenen Zwängen, mit denen wir uns davon abhalten, unser Leben und unsere Lebensweise vorurteilslos ins Visier zu nehmen. "Das ist selbstgemachter Wahnsinn. Einem Menschen, der sich beklagt, dass ihm keine Zeit bleibt für 25 Minuten Stille, weil er so viel zu tun hat, antworte ich: Dann musst du 45 Minuten sitzen. Wenn du keine 25 Minuten für dich erübrigen kannst, hast du es richtig nötig, dann brauchst du die doppelte Dosis, weil dein Leben in gefährlicher Schieflage ist. Dann nimmst du dich nicht ernst. ... Nicht Zeitmangel ist das Problem, sondern fehlende Selbstwertschätzung", so der Zen-Meister
Zum vollständigen Interview

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