Atypische Arbeitszeiten werden immer üblicher 
Donnerstag, 28. Februar 2013 - Studien
Die Beantwortung einer Anfrage der Partei Die Linke durch die Bundesregierung zeigt, dass immer mehr Menschen außerhalb der normalen Arbeitszeiten ihrem Broterwerb nachgehen (müssen). So stieg die Zahl derer, die ständig oder regelmäßig am Wochenende arbeiten, seit 2001 um ein Drittel auf heute 8,9 Millionen. Die Zahl der Schichtarbeiter erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 4,8 auf 6 Millionen. Auch bei überlangen Arbeitszeiten ist ein Anstieg zu verzeichnen - um 23 Prozent, so dass heute 1,92 Millionen Arbeitnehmer wöchentlich mehr als 48 Stunden tätig sind. Die Zahl der entdeckten Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetzt ist seit 2007 um fast 30 Prozent auf 12.424 Fälle angestiegen.
Jeder Vierte arbeitet am Wochenende, SZ 18.2.13


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Noch nicht wirklich arm, aber in prekärer Lage 
Mittwoch, 27. Februar 2013 - Studien
Statistisch gesehen hat sich die Schere der Einkommen zwar in den letzten Jahren leicht geschlossen, doch bleibt die Lage für viele Arbeitnehmer weiter prekär. So zeigen die neuesten Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, dass zwischen 2009 und 2010 die verfügbaren Einkommen der unteren 40 Prozent der Bevölkerung real um etwa zwei Prozent gestiegen sind, während die mittleren und oberen Einkommen stagnierten. Das ist indes kein Grund zur Entwarnung, denn der Anteil der Niedriglohnempfänger, die weniger als 10,36 Euro pro Stunde verdienen, lag 2010 bei 20,6 Prozent. Auch atypische Beschäftigungsverhältnisse wie befristete Anstellungen oder Teilzeitjobs tragen dazu bei, denn unter den atypisch Beschäftigten arbeitet etwa die Hälfte für einen Niedriglohn, während es unter den normal Beschäftigten lediglich 10,8 Prozent sind. Auch zeigt sich, dass die Armutsquote von 14 Prozent im Westen und 19 Prozent im Osten seit 2005 annähernd stabil geblieben ist.
Unterm Strich wird's weniger, Spiegel online 18.2.13


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Fluchtreflex in die Überbetriebsamkeit 
Dienstag, 26. Februar 2013 - Arbeit
Der Psychologe Stephan Grünewald, der mit dem Marktforschungsinstitut Rheingold der Befindlichkeit der Deutschen immer wieder mit tiefenpsychologischen Interviews auf den Zahn fühlt, konstatiert in einem Auszug aus seinem neuen Buch, dass die anhaltende Krise die Gesellschaft immer mehr in einen "Zustand besinnungsloser Betriebsamkeit" führe. "Psychologisch betrachtet hat die sogenannte Krise ähnlichkeiten mit einem nächtlichen Albtraum, den wir nach dem Aufwachen sogleich wieder abschütteln wollen. Denn sie ist mit dem Gefühl verbunden, plötzlich und unerwartet in unüberschaubare Verhältnisse geraten zu können", so der Psychologe. Der wunde Punkt: Noch scheinen wir sicheren Boden unter den Füßen zu haben, doch wir leben in dem Gefühl, "jeden Moment ins Bodenlose stürzen zu können". Die Flucht in den Aktivismus biete hier einen Pseudoausweg, um die eigene Hilflosigkeit zu kompensieren. Eine Flucht, die in der Wirtschaft zunehmend für die eigenen Zwecke instrumentalisiert werde: "Viele Unternehmen nutzen gleichfalls diese Tendenz zur Überbetriebsamkeit und verstärken sie zusätzlich. Sie begegnen dem drohenden Einbruch der Krise mit Appellen zur Leistungssteigerung und mit der Erhöhung ihres Effizienzdiktates. Der Leistungsdruck von Seiten der Unternehmensspitze nimmt zu." Unter den Vorzeichen des Leistungsdiktats entsteht laut Grünewald ein neuer Verortungspunkt, der "Erschöpfungsstolz". Arbeitende seien nun nicht mehr stolz auf ihr geleistetes Tagewerk, sondern ihr Grad der Erschöpfung werde zum Leistungsmaßstab. Das Gefühl, sich "rechtschaffen abgearbeitet" zu haben, kompensiere die die immer seltener beantwortete Sinnfrage. Inne halten, Abstand gewinnen, die Perspektive wechseln - Fehlanzeige in einem System, dass der Frage nach einem möglichen Wandel gezielt mit Abwehrmechanismen ausweicht.
Wenn Unruhe die Träume verdrängt, Zeit online 14.2.13


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Im Kaufhaus die Stille entdecken 
Montag, 25. Februar 2013 - Success Stories
Der englische Mönch Andi Puddicombe und die von ihm gegründete Organisation Headspace haben im Londoner Kaufhaus Selfridges mit einer ganz besonderen Aktion für Furore gesorgt. Im Zuge der Aktion "Macht der Stille" richtete Selfridges einen Meditationsraum ein, in dem bis zu 50 Kunden gleichzeitig eine Auszeit vom Lärm der Konsumgesellschaft nehmen können. Mit diesem sehr modernen Versuch, Meditation in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, knüpft Headspace fast schon an eine Tradition von Selfridges an, denn der Kaufhaus-Gründer Harry Gordon hatte bereits 1909 dort einen "Stillen Raum etabliert. Die Meditationsaktion als Teil einer größeren "No Noise"-Initiative zog bereits weitere Kreise, denn einige Hersteller hochwertiger Produkte präsentierten ihre Waren in einem "Quiet Shop" gänzlich ohne ihre üblichen Markenlogos. Prädikat: Nachahmenswert!
Meditation in London - Stressabbau im Einkaufsdschungel, Die Welt 14.2.13


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Der schmale Grat zwischen Selbstständigkeit und Prekariat 
Freitag, 22. Februar 2013 - Arbeit
Mit Selbstständigkeit verbinden viele neben Unabhängigkeit auch ein gutes Einkommen. Aktuelle Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen jedoch, dass vor allem Einzelselbstständige in Deutschland zum Teil wirtschaftlich alles andere als gut dastehen. So bezogen im September 2012 mehr als 125.000 Selbstständige ergänzende Hartz IV-Leistungen, weil ihre Einkünfte aus der Selbstständigkeit ihren Lebensunterhalt nicht decken. Das DIW hat für Einzelselbstständige einen durchschnittlichen Stundenlohn von 13 Euro ermittelt. Lediglich eine geringe Zahl von Einzelselbstständige bringe es auf Einkommen, die deutlich über dem Durchschnittsverdienst liegen. Insgesamt gibt es in Deutschland gegenwärtig rund 2,5 Millionen Solo-Selbstständige. Mehr als 14 Prozent von ihnen haben keine Altersversorgung, viele eine nur unzureichende. Der Grat zwischen unternehmerischer Freiheit und dem Abstieg ins Prekariat ist also schmal.
Ökonomen warnen vor Lüge bei der Selbstständigkeit, Welt 13.2.13


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Europa bei nachhaltigen Investments führend 
Donnerstag, 21. Februar 2013 - Studien
Der aktuelle Report der Global Sustainable Investment Alliance zeigt, dass ethische Investments auf dem Vormarsch sind. Weltweit werden bereits 13,6 Billionen US-Dollar (mehr als 10 Billionen Euro) in nachhaltige Kapitalanlagen investiert. Spitzenreiter ist Europa, auf das 65 Prozent dieser Anlagen entfallen. Häufigste Anlagestrategien sind Ausschlusskriterien (z.B. Kinderarbeit, Waffenhandel), die besondere Berücksichtigung ökologischer, sozialer und Governance-Kriterien (ESG-Integration) und Engagement.
News bei oekom research


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Bio legt zu - aber auf niedrigem Niveau 
Mittwoch, 20. Februar 2013 - Success Stories
Bio ist in aller Munde und wer selbst beim Einkauf bevorzugt zu Bio-Lebensmitteln greift, mag den Eindruck haben, dass dieser Markt schon eine nennenswerte Größe in der Konsumwelt darstellt. Doch das ist leider nicht so. So vermeldete der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft für 2012 einen Anstieg des Bio-Absatzes um 0,2 Prozent - damit steigt der Anteil der Ökolebensmittel am gesamten Nahrungsmittelmarkt allerdings nur auf magere 3,9 Prozent. Im vergangenen Jahr war vor allem Bio-Fleisch ein Renner - hierfür zahlten die Deutschen 18 Prozent mehr, was einerseits gestiegenen Preisen, aber auch erhöhten Absätzen geschuldet ist. Doch auch in diesem Segment bleibt der Bio-Marktanteil verschwindend gering - er liegt bei 0,5 Prozent bei Geflügel und bei knapp drei Prozent bei gemischtem Hackfleisch. Alles in allem - nach oben ist hier noch viel Luft ...
Biofleisch ist der Renner, taz 12.2.13


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Vielleicht - ein Dilemma unserer Zeit 
Dienstag, 19. Februar 2013 - Wissenschaft
Die FAZ hat der neuen "Generation Vielleichtsager" einen interessanten Essay gewidmet. In dem Beitrag arbeitet die Autorin heraus, wie das Erbe der Postmoderne - die Fähigkeit, Pluralismus zu erkennen, zuzulassen und als positive kulturelle Entwicklung zu fördern - anscheinend immer mehr in eine Sackgasse der Unentschiedenheit führt. Der Beitrag beklagt die Unfähigkeit, klar Stellung zu beziehen und arbeitet heraus, wie immer mehr Menschen Ambivalenzen begegnen, indem sie sich einfach nicht mehr festlegen. Dann wird von der "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" gesprochen, vom "Ja, aber" oder vielen möglichen "Versionen der Welt". Der Artikel hält diesen Perspektiven einer vermiedenen Zuspitzung ein Zitat von Papst Benedikt entgegen, der 2005 beklagte, dass nichts mehr als "definitiv anerkannt werde" und das "letzte Maß nur das eigene Ich und seine Wünsche gelten lasse". Diese Indifferenz scheint in Zeiten überbordender Komplexität einer gewissen Notwendigkeit nicht zu entbehren, denn wer sich auf einen klaren Standpunkt beruft, schließt zugleich alles andere - was vielleicht doch eine Wichtigkeit hat - aus. Was aber wäre, wenn wir diese Unentschiedenheit einfach als Übergangsstadium sehen? Viele wissenschaftliche Ansätze zur Erwachsenenentwicklung zeigen uns nämlich, dass klare Urteile, wenn Menschen ihre Persönlichkeit weiterentwickeln, wieder möglich werden - und aus höherer Perspektive auch einen gänzlich anderen Sinn entfalten als beispielsweise die Klarheit traditioneller Gesellschaften, die kaum Räume jenseits von Urteilen vorsehen. Im Zen kennt man die Zwischenräume, in denen sich die Postmoderne verschanzt, nur allzu gut, doch Konzepte wie das wu wei - was so viel bedeutet wie Handeln im Nicht-Handeln - markieren geradezu das Gegenteil von Unentschieden- und Unentschlossenheit. Sie machen aus dem üblichen Entweder-Oder ein Sowohl-Als auch höherer Ordnung - dem Bewusstsein folgend, dass es in dieser Sekunde das Eine sein kann, in der nächsten jedoch bereits das Andere - oder vielleicht gar ein unbekanntes Drittes. Die hierzu notwendige Entscheidungsfähigkeit ist jedoch eine Qualität, die wachsen muss, die jeder Einzelne im Zuge seiner persönlichen Entwicklung ausbilden kann. Wenn die Übung gelingt, sind wir in der Lage, aus einer Präsenz im Augenblick zu handeln, die nicht mehr Fragmente gebiert, sondern aus einer Allgegenwärtigkeit schöpft. Das Eine ist dann so universell wie das Andere. Wir legen uns jetzt auf dies fest, um, wenn die Vorzeichen sich ändern, zu jenem zu wechseln. Der qualitative Unterschied: Wir sind uns des Ganzen und der Wechselbezüge zwischen seinen Teilen gewahr UND vermögen zu erkennen, was gerade jetzt "dran" ist. Anstelle von Beliebigkeit entwickeln wir eine Ambiguitätstoleranz, mit der wir der Schnelllebigkeit der Zeit genauso gerecht werden wie der Tatsache, dass ohne wirkliche Haltung konstruktiver Wandel nicht möglich ist.
Wir wollen lieber nicht - oder doch? FAZ 13.2.13


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