Manager demokratisch wählen 
Freitag, 21. Februar 2014 - Management
Haufe-umantis, ein Anbieter für Personalmanagement-Software mit 120 Mitarbeitern, hat ein Experiment gewagt: Die Führungskräfte des Unternehmens werden nicht mehr vom Chef ernannt, sondern von den Mitarbeitern gewählt. Bei der ersten Wahl stellten sich 25 Kandidaten dem Voting, bei dem 21 Positionen zu besetzen waren. Die Mitarbeiter konnten auf anonymisierten Stimmzetteln ihre bisherigen Chefs bestätigen oder abwählen sowie ihre Empfehlungen und Erwartungen vermerken. Nur Führungskräfte mit einer Zustimmung von mehr als 50 Prozent wurden in ihre Positionen gewählt bzw. darin bestätigt. Beim ersten voting wurden insgesamt elf Chefs bestätigt, sieben neue Mitarbeiter ins Management befördert und drei Stellen extern neu besetzt. Eine Führungskraft wurde abgewählt. CEO Marc Stoffel, Initiator des Vorstoßes, möchte mit dem neuen demokratischen Prozess die Kritikkultur im Unternehmen fördern und Mitarbeiter stärker in notwendige Entscheidungsprozesse einbinden.
Wenn Chefs gewählt werden, WiWo 12.2.14


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Mut zum Job-Patchwork 
Donnerstag, 20. Februar 2014 - Arbeit
Die Wirtschaftswissenschaftlerin, Kulturmanagerin und Berufsberaterin Beate Westphal ist bekennende Multijobberin. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung erklärt sie, warum ein Mix aus unterschiedlichen Job für mehr Freude und Entfaltung im Arbeitsleben sorgen könnte. Westphal weist gerne darauf hin, dass die Vorstellung, mit einem einzigen Arbeitsverhältnis sein Leben zu gestalten und sein Auskommen sicherzustellen, historisch erst durch die Industrialisierung und die damit verbundene Spezialisierung entstanden sei - früher habe Leben immer bedeutet, verschiedenen Tätigkeiten nachzugehen. Dem setzt die Beraterin entgegen: "Es ist illusorisch zu glauben, dass wir all unsere Interessen in einem einzigen Job befriedigen können." Ihr Tipp: Die eigenen Interessen und Talente betrachten und sich zu überlegen, welche davon sich auch in eine bezahlte Tätigkeit einbringen lassen. Da unser Sicherheitsdenken und pure Gewohnheit solche Gedankengänge nur allzu leicht verhindern, rät Westphal dazu, beim Sinnieren anzunehmen, man müsste fünf verschiedene Jobs machen - das durchbreche manche Denkblockade. Fragen könnten sein: "Was macht mir in meinem Leben Spaß? Wobei das oft gar nicht so einfach ist: Wir sind heute vernunftgeleitetes Denken gewohnt - über das nachzudenken, was uns Spaß macht, kommt uns fast ungehörig vor. Einfacher ist da für viele schon die Frage nach den eigenen Stärken zu beantworten: Was gelingt mir immer wieder gut? Wenn ich meine Talente und Interessen notiert habe, geht es darum, beides sinnvoll miteinander zu verbinden." Mit diesem Ansatz will die Berufsberaterin vor allem Menschen, die sich in ihrer Tätigkeit unterfordert fühlen, neue Perspektiven vermitteln. Sie denkt dabei an Hochqualifizierte, nicht an Menschen, die fürs nackte Überleben zu Multi-Jobbern werden, die beispielsweise mehrere 400-Euro-Jobs nebeneinander bedienen.
"Mit nur einem Job würde ich unruhig schlafen", SZ 12.2.14


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Deutsche glauben an die Konjunktur 
Mittwoch, 19. Februar 2014 - Studien
Einer Allensbach-Befragung zufolge sind die Deutschen in ihren Erwartungen an die konjunkturelle Entwicklung so optimistisch wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Seit August 2013 sei der Anteil derer, die mit Hoffnungen auf die kommenden 12 Monate blicken, von 47 auf 59 Prozent gestiegen. 45 Prozent rechnen mit einer stabilen Entwicklung der Konjunktur, 35 Prozent glauben, es werde weiter bergauf gehen, und 13 Prozent rechnen mit einer konjunkturellen Abkühlung in den nächsten sechs Monaten.
Allensbacher Kurzbericht 11.2.14


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Spielerisch die Daumenschrauben anziehen? 
Dienstag, 18. Februar 2014 - Arbeit
Die taz berichtet in einem Beitrag sehr kritisch über den neuen Trend zum Spielen im Business, der unter dem Begriff Gamification immer stärkere Verbreitung findet. Firmen nutzen spielerisch angelegte Software, um ihre Mitarbeiter bei ihrer Arbeit zu motivieren - und meist auch deren Leistung zu messen. Die Programme werden nicht nur dazu genutzt, um Mitarbeiter in neuen Fähigkeiten zu schulen oder ihnen, beispielsweise im Support, Verhaltensänderungen zu vermitteln. Sie lassen es auch leicht zu, Ranglisten zur Leistung der Beteiligten zu erstellen. Was wiederum die Konkurrenz innerhalb von Unternehmen deutlich erhöhen kann. So weist die taz darauf hin, wie dünn die Linie zwischen Motivation und Manipulation ist. Bei Microsoft etwa hatte eine Software die Produktivität und die Arbeitsleistungen der Mitarbeiter bewertet und die Angestellten darauf basierend in die Gruppen "top performer", "average" und "poor" eingeordnet, was innerhalb der Mitarbeiterschaft zu viel Kritik geführt hatte, so dass das Unternehmen nun eine Software einsetzen möchte, die eher die Förderung von Team-Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellt.
Virtuellen Möhren hinterherhecheln, taz 10.2.14


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99 Aufsichtsrätinnen gesucht 
Montag, 17. Februar 2014 - Studien
Wenn laut Koalitionsvertrag 2016 die Frauenquote für Aufsichtsräte in Kraft treten sollte, wird wahrscheinlich in vielen Konzernen hektische Betriebsamkeit einsetzen, denn die Unternehmensberatung Kienbaum hat errechnet, dass - ausgehend vom heutigen Stand - dann 99 weibliche Aufsichtsräte fehlen. Die Quote soll für Firmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern gelten, die voll mitbestimmungspflichtig und börsennotiert sind. Sie sieht die Vergabe von 30 Prozent der Aufsichtsratsmandate an Frauen vor - derzeit sind allerdings nur 15,4 Prozent dieser Posten tatsächlich mit Frauen besetzt.
99 Plätze im Aufsichtsrat für frauen nötig, Zeit online 10.2.14


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Empörung über Gutsherrenart 
Freitag, 14. Februar 2014 - sonstiges
Klaus Zumwinkel, Uli Hoeneß, Alice Schwarzer - die Liste der Prominenten, die sich als Steuerhinterzieher bekannt haben und geoutet wurden, wird immer länger. Und der Volkeszorn über dieses Fehlverhalten scheint immer größer zu werden. In einem Interview mit dem Psychologen Stephan Grünewald geht Zeit online der Frage nach, warum die emotionalen Wogen immer höher schlagen. "Wenn man erlebt, dass sich vermeintliche Vorbilder nicht an die Spielregeln halten, stellt man sich die Frage: Warum soll ausgerechnet ich es noch? Diese Zweifel nagen an der Solidargemeinschaft. Jede Gesellschaft gründet sich in einer Idee der Gerechtigkeit. Alle haben die gleichen Rechte, aber auch alle müssen einen Verzicht leisten, zum Beispiel durch Steuerzahlungen. Psychologisch betrachtet sind die Steuern Opferleistungen, die man erbringt, damit der Staat die Gegenwartsaufgaben erfüllen und die Zukunft sichern kann. Wenn man dann persönlich sein Steueropfer bringt, dann möchte man auch, dass alle diesen Verzicht leisten – vor allem die Besserverdienenden", so der Kölner Psychologe. Die Bankenrettung, aber auch die weiterhin hohen Boni lassen laut Grünewald größere Teile der Bevölkerung mit dem Gefühl zurück, dass es die "kleinen Leute" sind, die die Lasten der Krise zu schultern haben - während man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die Besserverdiener sich nicht nur eines solidarischen Beitrags entziehen, sondern vielleicht sogar selbst massiv zur Krise beigetragen haben. Im Fall von Alice Schwarzer komme hinzu: "In die normale Empörung über die Steuerhinterziehung mischt sich ... auch die Schadenfreude, dass jemand, der vorgab, fast immer im Recht zu sein, diesmal im Unrecht ist." Da helfe es auch wenig, wenn ein Uli Hoeneß mit seinem Geld soziale Projekte unterstützt oder Alice Schwarzer die Gründung einer Stiftung ankündigt, denn: "Das wird als willkürlich erlebt, als ein Geben nach Gutsherrenart. Die Bevölkerung wünscht sich aber Berechenbarkeit. Das Maß sollte für alle gleich sein. Gerade wir Deutschen wollen eine nivellierte Mittelstandsgesellschaft. Anders als in den USA werden die exorbitanten Ausschläge hier nicht gern gesehen. Am besten orientieren sich alle an der Golf-Klasse."
"Wir spüren den Zorn der Enttäuschten", Zeit online 5.2.14


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Wird die Festanstellung zum Auslaufmodell? 
Donnerstag, 13. Februar 2014 - Arbeit
Immer mehr Menschen scheinen jenseits der Festanstellung ihr berufliches Glück zu suchen, so dass die Wirtschaftswoche in einem Artikel bereits die Frage stellt, ob dauerhafte Arbeitsverhältnisse nicht dabei sind, zum Auslaufmodell zu werden. So ist in Deutschland die Zahl der Freiberufler in den letzten zehn Jahren von 783.000 auf 1,23 Millionen angestiegen. Ein Grund dafür: Flexibilität, Selbstverwirklichung und Abwechslung stehen bei den Selbstständigen besonders hoch im Kurs - und diese Rahmenbedingungen scheinen sie in einer Festanstellung immer seltener zu finden. Da Festanstellungen immer unsicherer werden, weil die durchschnittliche Verweildauer an einem Arbeitsplatz sinkt (nicht nur durch die Kündigung seitens des Arbeitnehmers, sondern vor allem auch durch den Abbau von Arbeitsplätzen), wird der Schritt in die Selbstständigkeit von immer mehr Menschen als gar nicht so risikoreich erlebt. Blieben laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in den 1980-er Jahren die unter 30-Jährigen im Schnitt noch 814 Tage bei einem Unternehmen, sind es heute nur noch 536 Tage. Die immer kürzere Beschäftigungsdauer zeigt sich auch in Spitzenpositionen. Blieben die Chefs der größten Konzerne in Deutschland 2011 noch 7,6 Jahre in ihrer Position, waren es 2012 schon nur noch 6,2 Jahre. Insgesamt wechselte 2012 jeder dritte Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber. Auf diese Bewegungen in der Arbeitswelt, die nicht zuletzt durch die heranwachsende Gen Y, die tendenziell mehr Freiheiten fordert als ältere Arbeitnehmer, immer stärker zu werden scheinen, versuchen viele Arbeitgeber bereits zu reagieren, indem sie die Rahmenbedingungen ihrer Beschäftigungsverhältnisse attraktiver zu machen versuchen. Was aber, wenn dies gar nicht die eigentliche Lösung ist? Vielleicht sollten wir damit beginnen häufiger zu fragen, wie sich unsere Vorstellungen von der Arbeitswelt insgesamt verändern sollten, damit die Arbeit noch zu uns passt?
Raus aus dem Hamsterkäfig, WiWo 4.2.14


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Einkommen beeinflusst moralische Urteile 
Mittwoch, 12. Februar 2014 - Studien
Moralische Fragen berühren uns in unserem tiefsten Wesen - und wie wir sie beantworten, hängt nicht zuletzt davon ab, wie viel Geld wir verdienen. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der École de Management in Grenoble, die die Umfrageergebnisse der World Values Survey von 2009 daraufhin untersuchten, welche Faktoren zentral für Werturteile sind. Die Auswertung der Daten von mehr als 85.000 Teilnehmern aus 56 Ländern zeigte, dass Menschen mit niedrigem Einkommen kritischer auf unethisches Verhalten reagieren als solche, die zu den Besserverdienern zählen. In einem Test versuchten die Forscher anschließend, zu differenzieren, ob diese schärfere Haltung grundsätzlich auf alle Arten moralischer Urteile zutrifft. Dabei sollten Probanden einmal sittenwidrige Verhaltensweisen beurteilen, die keine Auswirkungen auf andere Menschen hatten, und solche, die Menschen unmittelbaren Schaden zufügten. Hier wurde deutlich, dass die Menschen mit geringerem Einkommen lediglich die Verhaltensweisen, die nachvollziehbare negative Folgen zeitigten, in besonderem Maße ablehnten. Faktoren wie Selbstwertgefühl, Macht oder sozialer Status hatten indes keinerlei Auswirkungen auf das moralische Urteil.
Teure Vergehen, Gehirn & Geist 24.1.14


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