Empathie - lebendiger Organismus zwischen Selbst und anderen 
Montag, 29. Februar 2016 - Wissenschaft
Empathie, die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, ist nicht allein eine Eigenschaft des Selbst, sie spiegelt immer auch unser Verhältnis zu äußeren Gegebenheiten wider. Ihre Ursprünge reichen zurück bis zu den Frühmenschen, die, um gemeinsam erfolgreich jagen zu können, eine subtile Form geteilter Intentionalität entwickeln. In modernen Gesellschaften entwickelt sich das empathische Selbst in komplexen emotionalen Situationen. Kinder, deren emotionaler Zustand von Eltern angemessen aufgenommen wird, lernen auf diese Weise, auch in verbundener Bezogenheit mit anderen zu agieren. Wissenschaftliche Studien zeigen immer wieder, dass starke äußere Reize oder gesellschaftlich geprägte Perspektiven diesen inneren Kompass stark beeinflussen können. Eine Studie der Princeton University etwa dokumentiert, dass unter Stress der Selbstbezog stärker werden kann, während die Bereitschaft, die Bedürfnisse anderer in Erwägung zu ziehen, abnimmt. Zwei Testgruppen von Studenten wurden zu einem Auftrag geschickt. In der Gruppe, die dabei keine zeitlichen Vorgaben hatte, boten beinahe zwei Drittel auf ihrem Weg einem verletzten Mann am Straßenrand ihre Hilfe an. In der zweiten Gruppe, die unter Zeitdruck gesetzt worden war, waren es indes nur vier Prozent. Auch die Vielfalt emotionaler Reize, denen Menschen in der digitalen Welt ausgesetzt sind, können unseren Empathie-Kompass herausfordern. "Wir erhalten ein solches Überangebot an Situationen, Gefühlen und Selbstdarstellungen anderer, dass wir gar nicht an allem teilnehmen können", sagt etwa die Entwicklungspsychologin Doris Bischof-Köhler. Eine Überforderung, die auch zur Abstumpfung führen könne. Und dennoch scheinen die Entwicklungen in der Welt uns geradezu aufzufordern, den Radius unserer Empathie immer weiter werden zu lassen. Was man dabei auch im Blick behalten sollte: Das empathische Selbst wäre in einer empathischeren Welt ja nicht nur ein "Gebendes" - es würde gleichermaßen von der Empathie anderer getragen.
Ich weiß, wie du dich fühlst, Zeit online 15.2.16

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Wenn Meditation zur Farce wird 
Freitag, 26. Februar 2016 - sonstiges
Diejenigen, die dem Trend zur Meditation im Business zutiefst misstrauen, weil sie dahinter nur eine perfide Optimierungsstrategie vermuten, dürften sich durch ein Angebot im Flughafenmagazin "BER aktuell" mehr als bestätigt fühlen. Die Zeitschrift wirbt für einen Gesundheitstag mit Yoga und Meditation, um den Anwohnern des Flughafens das Umgehen mit Fluglärm zu erleichtern. „Der Flughafen fängt gewissermaßen im Kopf an“, erklärt die Heilpraktikerin Constanze Schwuchow. Und die Dozentin Beate Dieckmann, die an dem Tag einen Vortrag zum Thema „Meditieren beruhigt den Geist“ halten wird, kündigt an: „Sie lernen, wie Sie mit Geräuschen, mit ablehnenden Gedanken und den zugehörigen Gefühlen von Sorge oder Wut umgehen können.“ Nun, wie die Berliner Zeitung berichtet, fühlen sich die BER-Anwohner von diesem Angebot schlicht "Verar...". Die Kommentare sind eindeutig: „Gegen Fluglärm hilft keine Meditation. Der Flughafen soll uns lieber wirksamen Schallschutz gewähren!“ Oder: „Das ist reine Verar… der Bevölkerung. Ich bin sprachlos, wie man sich so was ausdenken kann. Gegen Düsenlärm helfen nur Flugrouten, die nicht über Siedlungen führen!“
Meditieren und Yoga sollen BER-Anwohnern gegen Fluglärm helfen, BZ 15.2.16

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Wirklich zuhören kann recht fordernd sein 
Donnerstag, 25. Februar 2016 - Arbeit
Wer gut zuhören kann, hat mehr Erfolg in geschäftlichen Verhandlungen, so die Erkenntnis einer Untersuchung des Harvard-Professors William Ury. Gute Zuhörer kommen schneller und effizienter zu einem Ergebnis als jene, die sich vor allem auf ihre eigenen Argumente fokussieren. In der Realität fällt das Zuhören jedoch nicht immer leicht. Der amerikanische Autor Anthony Alessandra etwa definiert vier Arten des Zuhörens, wobei die erste eher ein Weghören ist, denn der Weghörer kommuniziert vor allem auf der Sachebene und hat eher Schwierigkeiten damit, sich zuhörend anderen zuzuwenden. Der selektive Zuhörer folgt Gesprächen nur oberflächlich und blendet Details aus, so dass er sich kaum in Gesprächspartner hineinversetzt und gerne mit den Gedanken woanders ist. Der bewertende Zuhörer ist zwar ganz bei der Sache, doch rattert es in seinem Hirn bereits, um auf das Gehörte zu reagieren, weil er alles sofort bewertet. Dann gibt es noch den aktiven Zuhörer. Er ist ganz bei seinem Gegenüber und schenkt dem Gesagten schlicht seine volle Aufmerksamkeit. Vielleicht hilft es ja, sich in Gesprächen immer mal wieder fragen, wo man selbst gerade mit der eigenen Aufmerksamkeit ist. Bin ich überhaupt interessiert, etwas zu hören?
Wer etwas zu sagen hat, muss zuhören können, Zeit online 17.2.16

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Ich bin ein Top-Performer 
Mittwoch, 24. Februar 2016 - Studien
Deutsche Arbeitnehmer halten viel von ihrer beruflichen Leistung, die Chefs sogar noch mehr. Eine Umfrage im Auftrag des Karrierenetzwerks Xing unter mehr als 1.000 Fach- und Führungskräften zeigt: 56 Prozent der Beschäftigten glauben von sich, dass sie besser arbeiten als ihre Teamkollegen. Von denjenigen in Führungspositionen glauben dies sogar 62 Prozent. Dabei wird die eigene Performance umso besser eingeschätzt, je größer die Unzufriedenheit mit dem Job ist.
Der Chef hält sich für überragend, SZ 12.2.16

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900.000 Deutsche würden gerne weniger arbeiten 
Dienstag, 23. Februar 2016 - Studien
Betrachtet man die Zahlen des Statistischen Bundesamts, wollen die Deutschen mehr arbeiten. Im Schnitt liegt die geleistete Wochenarbeitszeit gegenwärtig bei 35,7 Stunden. Das klingt nicht viel und liegt daran, dass die Teilzeitstellen miteingerechnet sind. Würde man alle Wünsche nach mehr Arbeit (wie auch die derjenigen, die gerne weniger arbeiten würden), umsetzen, stiege die durchschnittliche Arbeitszeit um 0,6 Wochenstunden. Hinter der glatten Statistik stecken verschiedene Bewegungen. 90 Prozent der Beschäftigten sind mit ihrem Arbeitsvolumen zufrieden. Aufstocken wollen 7,3 Prozent der Arbeitnehmer (2,9 Millionen), darunter insbesondere Teilzeit-Beschäftigte. Ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 19,5 Stunden, die Erhöhungswünsche beziffern sich auf 14,7 Stunden im Schnitt. Aufgrund des hohen Frauenanteils in dieser Gruppe liegt nahe, dass es vor allem Mütter sind, die zunächst in Teilzeit in den Beruf zurückgekehrt sind und später gerne aufstocken würden. Interessant ist aber auch, dass 2,3 Prozent (900.000 Menschen) gerne weniger arbeiten würden. Da im Gegensatz zu Umfragen, in denen nach Arbeitszeitreduzierungen mit Lohnausgleich gefragt wird und bei denen die Zustimmung immer recht hoch ausfällt, die Statistik den Wunsch nach geringerer Arbeitszeit ohne diese Vergünstigung abbildet, scheint das Interesse dieses Personenkreises sehr belastbar zu sein.
Jeder Zehnte ist unzufrieden mit seiner Arbeitszeit, spiegel online 15.2.16

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Wirklich wirklich - der Gender Pay Gap 
Montag, 22. Februar 2016 - Studien
Verdienen Frauen das Gleiche wie Männer? 90 Prozent der Deutschen finden, dass eine gleiche Entlohnung der Geschlechter üblich sein sollte. Die Realität ist indes eine andere. Selbst wenn man Faktoren wie die unterschiedlichen Verdienste in unterschiedlichen Branchen (Frauen sind stärker in Bereichen vertreten, in denen niedrige Gehälter gezahlt werden) oder Familienzeiten herausrechnet, bleibt in Deutschland zwischen den Geschlechtern noch ein Gender Pay Gap von sieben Prozent. Einer Umfrage des Jobportals Glassdoor zufolge, in der 8.000 Arbeitnehmer aus sechs Industriestaaten befragt wurden, gehen drei Viertel der Befragten davon aus, dass die Geschlechter gleich bezahlt werden. 41 Prozent der Deutschen finden, der Gesetzgeber solle Arbeitgeber dazu zwingen, Beschäftigte gleich zu entlohnen. Jeder siebte fordert, Personalabteilungen sollten generell Gehaltszahlen offenlegen. 70 Prozent der deutschen Frauen würden sich nicht bei einem Arbeitgeber bewerben, von dem bekannt ist, dass er Frauen schlechter bezahlt, bei den Männern ist es jeder zweite.
Frauen verdienen weniger als Männer? Echt jetzt? SZ 10.2.16

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Bezug zu etwas Größerem stärkt Kooperation 
Freitag, 19. Februar 2016 - Wissenschaft
Forscher der University of British Columbia sind der Frage nachgegangen, ob Religionen möglicherweise die frühe Basis gelegt haben, dass Menschen geneigt sind, mit anderen, weit entfernten Gesellschaftsmitgliedern zu kooperieren und so die Entwicklung größerer Zivilisationen möglich zu machen. "Der Glaube an moralische, strafende und allwissende Götter könnte die Ausdehnung der Kooperation, des Vertrauens und der Fairness auch auf entfernte Religionsgenossen gefördert haben", erklärt Benjamin Grant Purzycki. Die Wissenschaftler testeten diese These in einem Spielexperiment mit 591 Menschen aus acht Kulturen, darunter Jäger und Sammler in Tansania, Viehzüchter und Bauern in der Südsee und Brasilien und Angehörige von Kulturen mit Lohnarbeit in Sibirien oder auf Mauritius. Sie gehörten Religionen wie dem Christentum, Hinduismus und Buddhismus an oder glaubten an Natur- oder Ahnengeister. Die Probanden bekamen die Aufgabe, eine bestimmte Geldsumme zwischen einem Topf für einen entfernten, ihnen unbekannten Religionsgenossen und einem Topf für sich selbst oder ein lokales Mitglied ihrer Religion aufteilen. "Je stärker die Teilnehmer ihre Götter als strafend und als allwissend beschrieben, desto mehr Münzen teilten sie dem geografisch entfernten, ihnen fremden Religionsgenossen zu", so das Ergebnis. Menschen, die in einer Religion lebten, die an einen strafenden Gott glaubt, ließen den entfernt lebenden Glaubensgenossen fünf Mal mehr Münzen zukommen als diejenigen, die eine göttliche Strafe nicht fürchteten. Die Wissenschaftler deuten, dass der Glaube an einen moralischen, strafenden Gott zu einer Ausweitung der frühen Gesellschaften beigetragen haben könnte und den Zusammenhalt auch großer Gruppen förderte. "Er verstärkt das faire Verhalten gegenüber entfernten, fremden Glaubensgenossen und trägt damit zu einer Expansion des prosozialen Verhaltens bei", so Purzycki.
Religion als Triebkraft für Zivilisationen? wissenschaft.de 10.2.16

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Gefühle steuern oder wirklich in Beziehung sein? 
Donnerstag, 18. Februar 2016 - Management
Wie mechanisch das Denken im Business bisweilen ist, zeigt ein Beitrag im Harvard Business Manager, der die Bedeutung von Gefühlen in geschäftlichen Verhandlungen beleuchtet. Allein die Überschrift des Artikels - "Gefühle in Verhandlungen richtig steuern" - sagt bereits alles. Und auch die Ratschläge des Artikels selbst lassen deutlich erkennen, wie Gefühle hier schlicht zu einem strategischen Instrumentarium werden. Der Rat, sein Gegenüber aufmerksam wahrzunehmen und auf dessen Gefühle direkt einzugehen, mag zunächst banal klingen. Dahinter steht allerdings nicht der Wunsch, sich auf einen Gesprächspartner einzustellen, sondern der Versuch, emotionale Reaktionen, die den eigenen Intentionen zuwiderlaufen, unmittelbar zu erkennen und dann Mittel zu ergreifen, sie im eigenen Sinne zu beeinflussen (was der zweite Ratschlag des Artikels ist). Ich frage mich bei solchen Tipps immer, wie tragfähig sie wirklich sind. Sicherlich kann ich auf einen Menschen so lange einreden, bis er vorübergehend vergisst, dass er eigentlich gerade an etwas, das ich möchte zweifelt. Doch wie belastbar wäre ein Ja, das ich auf diesem Wege erringe? Gefühle sind eben gerade keine Verhandlungssache. Sie können sich verändern, wenn man miteinander in einen wirklichen Dialog geht. Wenn man bereit ist zuzuhören und der eigenen Position zuwiderlaufende Perspektiven zunächst einmal gelten zu lassen. Und wenn man es vielleicht sogar schafft, sich innerlich auf die Gefühle des anderen einzulassen. Es geht nicht darum, die eigenen Ziele aus dem Blick zu verlieren. Doch erst wenn man sie an dem spiegelt, was real ist, können sie wirklich zielführend werden.
Gefühle in Verhandlungen richtig steuern, HBM 9.2.16

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