Neue Ausgabe von evolve: Die Zukunft der Religion 
Montag, 4. Februar 2019 - Medien
Es ist wieder so weit - gerade ist die neue Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur erschienen. Dieses Mal widmen wir uns dem großen Thema "Die Zukunft der Religion". Womöglich mag die Frage danach Menschen in Gesellschaften mit starken atheistischen Perspektiven nicht allzu dringlich erscheinen, doch zeigen verschiedene Beiträge der Ausgabe sehr gut, dass Religiosität nicht zwingend nur auf religiöse Institutionen wie die Kirche deutet, sondern auch nach unserer tieferen Verortung im Leben als Ganzem fragt. Gert Scobel etwa spricht im Interview über die Fallstricke des gegenwärtigen Achtsamkeitstrend, der Meditation, ursprünglich eine Öffnungsbewegung hinein in das Mysterium, zunehmend zu einer Ich-Technologie werden lässt. Scobel plädiert dafür, dass wir eine Ethik des Erwachens kultivieren sollten, die die tieferen Dimensionen unseres Menschseins mit in den Blick nimmt. In meinem eigenen Artikel betrachte ich näher, welche Bedeutung das Unverfügbare in unserer Zeit, die vor allem auf Beherrschbarkeit aus ist, für eine Bedeutung hat, und betrachte dabei unter anderem, welche Impulse der Soziologe Hartmut Rosa hier ins Gespräch bringt. Weitere Beiträge loten aus, welche Möglichkeitsräume in der Berührung von Wissenschaft und Spiritualität entstehen können. Einen Überblick über die Inhalte gibt die kostenlos verfügbare Sendung von Radio evolve zur neuen Ausgabe.

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Gegenwind für Achtsamkeit im Business 
Freitag, 1. Februar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Der Achtsamkeitstrend ruft in letzter Zeit immer wieder auch Skeptiker auf den Plan - und zwar nicht etwa jene, die finden, dass Meditation, erst recht im Business, nicht mehr als grober Unfug ist, sondern jene, die ahnen, dass verordnete Entspannungskurse für Firmen auch ein Weg sein können, Mitarbeiter gefügiger zu machen. Die Basler Zeitung beispielsweise berichtet, dass der Management-Vordenker Manfred Kets de Vries, Professor für Leadership Development und Organisational Change an der französischen Wirtschaftshochschule Insead, und seine Fachkollegin Katharina Balazs, Professorin an der Wirtschaftsschule ESCP Europe, in ihrem Blog den Hype um die Achtsamkeit in Frage stellen: "Wenn Unternehmen mit einer kompetitiven Kultur Wellnessprogramme einführen, ist ihr Ziel wirklich, das Leben der Mitarbeiter zu ändern? Oder dient dies meistens dazu, zu verhindern, dass überarbeitete Menschen völlig ausbrennen?" Sie kritisieren, dass in zu vielen Firmen Angst und Paranoia herrschten und dem sei nicht mit ein bisschen Meditation beizukommen. Beide plädieren dafür, sich eher mit dem Thema Vertrauen zu beschäftigen. "Vertrauen bedeutet, dass Menschen einander mit gegenseitigem Respekt behandeln, sich integer verhalten und dass faire Prozesse selbstverständlich sind", sagen sie. Das ist natürlich deutlich aufwändiger, als einfach mal ein paar Achtsamkeitskurse ins Leben zu rufen.
«Ist ihr Ziel wirklich, das Leben der Mitarbeiter zu ändern?», Basler Zeitung 18.1.19

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Wenn Führung sich aus den Mitarbeiterbedürfnissen entwickelt 
Donnerstag, 31. Januar 2019 - Arbeit, Management, Success Stories
Im Zeitalter der Agilität wird viel über Führung jenseits von Hierarchien gesprochen. In einem Beitrag im Harvard Business Manager über das Softwareunternehmen Praemandatum in Hannover wird deutlich, wie komplex das sein kann - und wie einfach, wenn man die Arbeiter einfach die jeweils für sie passende Lösung umsetzen lässt. Bei Praemandatum gibt es keine wirklichen Hierarchien und Mitarbeiter entscheiden selbst, ob sie Führungsaufgaben übernehmen möchten. Mehr Geld bekommen sie dafür nicht, denn die Firma zahlt allen Beschäftigten den gleichen Stundenlohn. Ob Teams dann kooperativ oder hierarchisch arbeiten, entscheidet die Person, die die Führungsrolle übernommen hat. So werden bei Praemandatum einige Teilbereiche durchaus von oben nach unten geführt - auch, weil die Mitarbeiter, die es betrifft, das zu schätzen wissen. Sollten sie es sich einmal anders überlegen, haben sie die Möglichkeit, die Struktur mit einer 75-Prozent-Mehrheit wieder zu ändern. Ich finde den Beitrag interessant, weil er wieder einmal zeigt, dass all die Trends im Bereich Management zu oft nach der einzigen, alleinseligmachenden Lösung greifen, wo doch das Leben im Unternehmen viel komplexer ist. Wenn sich Firmen hingegen wie ein Organismus begreifen, in dem alles ineinander wirkt, aber nicht gleich sein muss, können sie vielleicht wirklich ihre volle Lebenskraft entfalten. Praemandatum ging auch durch harte Zeiten, als das Unternehmen einen großen Kunden verlor. Die Mitarbeiter verzichteten daraufhin für drei Monate, so weit es ihnen möglich war, auf einen Großteil ihres Gehalts. Und heute geht es der Softwareschmiede wieder prächtig.
Macht ist ... für alle da, HBM 15.1.19

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Risikobereitschaft ist auch eine Frage der Erfahrungen 
Mittwoch, 30. Januar 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Manche Menschen lieben einfach das Risiko, andere sind eher zurückhaltend. Und wir glauben gerne, dass diese Unterschiede im Verhalten recht fixe Charaktereigenschaften sind. Eine amerikanische Studie zeigt nun, dass unsere Bereitschaft, Risiken einzugehen, auch von unseren früheren Erfahrungen geprägt wird. In der Studie mussten die Probanden ein Glücksspiel gegen einen Computer spielen. Es gab Szenarien, bei denen die Wahrscheinlichkeit, mit ihren Entscheidungen "richtig" zu liegen, recht groß war und solche, in denen ihre Gewinnchancen nicht so leicht abzuschätzen waren. Die Art, wie sich die Probanden in diesen kniffligen Situationen entschieden, hatte viel damit zu tun, wie ihr bisheriges Spiel gegen den Computer verlaufen war. Jene, die zuvor öfter gewonnen hatten, waren eher bereit, Risiken einzugehen. Wobei sie die jüngsten Erfahrungen stärker gewichteten als die länger im Spiel zurückliegenden. Risikobereitschaft oder -abneigung sind also auch ein starkes Erfahrungsphänomen. Und wer auf die andere Seite wechseln möchte, um seine übliche Haltung zu verändern, muss einiges an Risiko eingehen, denn dann stemmt er oder sie sich gegen den eigenen Erfahrungsschatz. Womöglich fällt dies vielen Menschen schwer, weil wir gerne dazu neigen, unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit in die Zukunft zu liegen. In früheren, weniger komplexen Zeiten, mag dies auch sinnvoll gewesen sein, denn da war vieles noch berechenbar. Heute aber sollten wir mindestens genau so viel Wert darauf legen, was es von uns braucht, unsere Perspektive zu verändern - und vor allem offen zu sein. Denn was gestern war, ist morgen schon anders.
Was bei Risikoentscheidungen im Hirn passiert, wissenschaft.de 7.1.19

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Vorurteile können sich transformieren 
Dienstag, 29. Januar 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wir leben in einer Zeit, in der man ständig Konfrontationen begegnet, die sich nicht zuletzt durch Vorurteile entwickeln. Eine Studie der Harvard-Universität macht Hoffnung, denn sie zeigt, dass sich zumindest die menschliche Neigung, Vorurteilen unreflektiert Ausdruck zu verleihen wandelt. In einer Betrachtung von Umfragen aus den Jahren 2004 bis 2016 mit den Datensätzen von vier Millionen Amerikanern zeigt: Die Toleranz gegenüber Homosexualität steigt, rassistische Einstellungen nehmen ab. Es gibt jedoch auch Bereiche mit nicht so eindeutigen Entwicklungen. Negative Einstellungen gegenüber Älteren oder Menschen mit Behinderung existieren nach wie vor in nicht zu unterschätzendem Maße - allerdings werden sie zumindest heute seltener offen geäußert. Gerade in Zeiten, in denen der öffentliche Diskurs durch zahlreiche Polarisierungen geprägt ist, ist diese Entwicklung ein Lichtstreif am Horizont, illustriert sie doch, dass unsere Perspektiven nicht in Stein gemeißelt sind - und dass wir sie verändern können.
Alte Vorurteile schwinden - mit einer Ausnahme, spektrum.de 7.1.19

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Wie Stille erschüttern kann 
Montag, 28. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Vielleicht hat der eine oder die andere seinerzeit den Film "Die große Stille" von Philip Gröning im Kino gesehen, ein phantastischer dreistündiger Epos, der einen tief hineinzieht in den Frieden und die Offenheit, die sich auftun, wenn Räume zwischen einmal nicht ständig mit etwas gefüllt werden. Psychologie heute sprach mit Gröning über seine Erfahrungen, die er während der Dreharbeiten in dem Kloster machte. Seine Antworten zeigen: Stille kann uns zutiefst erschüttern - und das fühlt sich anfangs nicht immer gut oder gar wunderbar an. "Am Anfang war da eine ziemliche Verzweiflung. Man ist ja wahnsinnig gewohnt daran, zu kommunizieren und viele Dinge aufzunehmen. Da war bei mir erst einmal eine große innere Leere und auch eine große Trauer. Und dann, nach ein paar Wochen, hat sich die Wahrnehmung geöffnet für das, was eigentlich das Wunderbare der Gegenwart ist: Wie ist das Licht, wie verändern sich kleine Pflanzen, wie sind die Wolken?", erzählt der Regisseur. Über die Zeit erlebte Gröning einen fundamentalen Perspektivwechsel: "Die Stille wurde mir immer wichtiger. Ich war immer dankbarer für die Momente, in denen ich weder drehen noch zu einer Messe musste, sondern einfach nur da sein konnte und sehen, wie die Zeit vergeht. Das Irre an der Stille ist die Veränderung der Wahrnehmung. Du kommst in die Lage zu sagen: Durch diesen Stein, den du beim Spazierengehen gefunden hast, kannst du hindurchsehen bis zur Schöpfung der Welt." Es ist eine neue Intimität mit dem Leben, die hier aufscheint - und die uns im so geschäftigen Alltag schlicht entgeht. Mich hat an dem Interview berührt, wie weit unsere menschliche Wahrnehmung werden kann. Es ist eine Einsicht in das Leben jenseits aller Vorstellungen, eine Einsicht, die sich nicht "machen" lässt. Meditation kann einen Weg in diese Weitung ebnen, aber nicht auf Knopfdruck. Ich erlebe manchmal in längeren Retreats ähnliches - nach Tagen des Sitzens in Stille bricht etwas auf. Man erblickt etwas, das immer schon da war, aber irgendwie auch unzugänglich. Und man ahnt, wie klein man das Leben gewöhnlich hält. Manchmal würde ich mir wünschen, dass der gegenwärtige Achtsamkeits-Hype sich auch diesen Dimensionen mehr zuwendet. Das ist allerdings unbequem, denn es braucht Zeit und Hingabe. Und doch scheint gerade, wenn man sich der Stille wirklich intensiv zuwendet, das Leben erst so richtig auf.
"Sehen, wie die Zeit vergeht", Psychologie heute 12.12.18

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Meditations- und Bewusstseinsforschung online 
Freitag, 25. Januar 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Wissenschaft
Im Kontext des Kongresses Meditation & Wissenschaft, der seit 2010 bereits fünf Mal in Berlin stattgefunden hat, ist eine umfangreiche Dokumentation zentraler Entwicklungen der Bewusstseinsforschung entstanden, die nun auch komplett online zugänglich ist. Beiträge von Vorreitern wie Jon Kabat-Zinn, Richard Davidson, Tania Singer, Thomas Metzinger, Thilo Hinterberger, Harald Walach, Ulrich Ott, Stefan Schmidt und vielen anderen, die die Wirkung von Meditation in Medizin und Therapie sowie der Arbeitswelt beleuchten, sind hier als Einzeldownloads oder Kollektionen erhältlich. Die Beiträge des ersten Kongresses 2010 stellen die Veranstalter auf ihrer eigenen Webseite zum kostenlosen Download bereit, außerdem ist der Vortrag von Gert Scobel zum Thema »Paradoxien der Meditation - Über Weisheit und Wissenschaft, säkulare Ethik und Fiktion« vom Kongress 2018 frei erhältlich.
Video-Archiv zum Kongress Meditation & Wissenschaft


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Zu wenig Schlaf wird schon in der Jugend antrainiert 
Donnerstag, 24. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Das Schlafbedürfnis ist etwas sehr Individuelles. Manche Menschen sind bereits nach nur fünf Stunden Bettruhe wieder fit (allerdings realistischerweise deutlich weniger, als dies von sich behaupten), andere brauchen neun Stunden Schlaf pro Nacht, um ausgeruht zu sein und gesund zu bleiben. Eine Studie der DAK über den Schlaf von Schülern lässt ahnen, wohin die Reise gesellschaftlich und kulturell geht, wenn wir von der Bedeutung des Schlafs sprechen. Die Erhebung zeigt, wie schon junge Menschen in wenigen Jahren Muster des zu wenig Schlafens entwickeln. Fünftklässler verbringen noch 9,4 Stunden pro Nacht im Bett, bei den Zehntklässlern sind es nur noch 7,3 Stunden. Freizeitbeschäftigungen wie (digitaler) Medienkonsum sind hier nicht unschuldig. Wohin aber führt es, wenn schon in diesem Alter das natürliche Schlafbedürfnis ignoriert wird? Studien zeigen immer wieder, dass kontinuierlich zu wenig Schlaf auch die Gesundheit beeinträchtigt. Und das Schülerdasein mit seiner Pflicht zum frühen Aufstehen ist ja nur der Anfang, denn in der Arbeitswelt setzt sich dieser Trend fort. Vielleicht bin ich bei diesem Thema so sensibel, weil ich zu jenen gehöre, die dauerhaft nur mit mindestens acht Stunden Schlaf pro Nacht wirklich in Form sind - und weil ein Großteil meiner Umgebung anderen Gepflogenheiten nachgeht, ist es für mich immer besonders schwer, zu diesem Bedürfnis zu stehen und ihm auch nachzukommen. Ich würde mir wünschen, dass wir unser Leben mehr unter dem Gesichtspunkt betrachten (und natürlich leben!), was uns insgesamt auf Dauer gut tut - und weniger von dem ausgehen, was grundsätzlich möglich, aber auf Dauer eben auch schädlich ist. Mich würde zum Beispiel einmal sehr interessieren, welchen ursächlichen Zusammenhang es zwischen kontinuierlichen Schlafdefiziten und psychischen Erkrankungen, Erschöpfung und Depression gibt. Diese Probleme einfach als "psychisch" zu betrachten und damit in gewisser Weise rational begründbaren Kausalitäten zu entziehen, könnte Teil einer kulturell nicht dienlichen Entwicklung sein.
Deutschlands Schüler schlafen zu wenig, FAZ 16.1.19

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