Das Leistungsprinzip hinterfragen 
Donnerstag, 27. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft, Arbeit
Leistung ist in gewisser Weise das, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Ohne all die Menschen, die tagtäglich in Berufen arbeiten, die der Allgemeinheit dienen, ginge hier - gar nichts. Doch wenn es um Leistungsgerechtigkeit geht, bleiben all die Krankenschwestern, Polizisten, Feuerwehrleute und Putzmannschaften eher außen vor, denn honoriert in Euro und Cent kommen ihre Leistungen deutlich schlechter weg als jene von Menschen in Berufen, die sogar oftmals dem Gemeinwohl eher schaden. Der Spiegel hat eine ganze Story der "Mär von der Gerechtigkeit" gewidmet. Man erfährt, dass Leistungsgerechtigkeit, auch wenn der Begriff der Leistung zu so etwas wie einer "Basisnorm" unserer Kultur geworden ist, noch nie wirklich vorhanden, aber eben auch nicht wirklich messbar war. Manch einer spricht sogar davon, dass Leistung längst eine Ideologie ist, die man hinterfragen und durchbrechen sollte. Vielleicht liegt hinter dem Unbehagen, dass viele Menschen viel Geld verdienen mit Dingen, die eher schaden als nutzen, und jene, die den Laden Gesellschaft am Laufen halten, oft leer ausgehen, auch einfach eine Frage, die wir uns viel öfter stellen und vielleicht sogar zum Maß machen sollten: Was ist uns wertvoll? Was dient Menschen? Und wie können wir dazu beitragen, das sich davon mehr in der Welt zeigt?
Leistung lohnt sich eben nicht, spiegel.de 16.2.20

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Der Neuro-Hype im Business 
Mittwoch, 26. Februar 2020 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
Die Hirnforschung erfreut sich im Business größter Beliebtheit, vor allem, seit zahlreiche Achtsamkeitsstudien belegen, wie bestimmte Übungen der Arbeit dienliche Fähigkeiten unterstützen und beispielsweise fokussierter und aufmerksamer machen. Das Magazin Human Resources Manager hat den Trend einmal unter die Lupe genommen. Zu Wort kommen Pionierunternehmen, die schon lange, bevor es zur Mode wurde, auch neurowissenschaftliche Erkenntnisse in ihre unternehmensinternen Weiterbildungen integrierten - und das nicht einmal unbedingt, weil bei ihnen Stresskompensation akut notwendig wurde. Auch kritische Stimmen finden sich in dem Artikel, denn seit Achtsamkeit boomt, sind viele Firmen darauf erpicht, auf diese Weise die Performance ihrer Mitarbeiter zu verbessern. Stressmanagement wird dann leicht zum Euphemismus dafür, dass Firmen letztlich nicht bereit sind, die Anforderungen, die sie an ihre Mitarbeiter stellen, und ihre oft überlastende Leistungskultur zu überdenken. Der Beitrag kommt denn auch zu dem Schluss, dass die Neurowissenschaften zwar einen Beitrag zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen leisten könnten, aber eben nur, wenn Firmen wirklich ganzheitlich mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen umgehen und nicht einfach die besten Aspekte herauspicken, die kurzfristige Kompensation von an sich unzureichenden Rahmenbedingungen versprechen.
Personalmanagement: Was ist dran am Neuro-Hype?, Human Resources Manager 17.2.20

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Intensive Erfahrungen schaffen Sinn 
Montag, 24. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Ein sinnhaftes Leben dürfte für die meisten Menschen etwas zutiefst Positives sein. Paradoxerweise erwächst dieses Sinngefühl jedoch nicht zwingend auch allein aus positiven Erfahrungen. Eine neue australische Studie zeigt - auch negative Erlebnisse und Emotionen können sehr sinnstiftend sein, denn ausschlaggebend ist vor allem die Intensität der gemachten Erfahrung. Die Wissenschaftler hatten Menschen nach Ereignissen gefragt, die für ihr Leben besonders sinnstiftend waren. Und waren zunächst erstaunt, dass ihnen eben nicht nur positive oder beglückende Aspekte genannt wurden, sondern gleichermaßen auch negative. Bei genauerer Analyse stellte sich heraus, dass auch schwerwiegende Erlebnisse einen Sinn schaffen können, und zwar dann, wenn die gemachte Erfahrung besonders intensiv war. Hinter diesem Phänomen verbirgt sich unsere so genannte "narrative Identität". Ein Erleben, das besonders ist, und darunter fallen auch sehr negative Erfahrungen, hinterlässt scheinbar mehr Spuren in unserem Selbstbild und wir können daran wachsen.
Warum wir extreme Erfahrungen brauchen, spektrum.de 14.2.20

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Streiten kann man lernen 
Freitag, 21. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Immer wieder wird thematisiert, wie in den letzten Jahren der gesellschaftliche Umgangston dabei ist, zu verrohen. Romy Jaster, Philosophie-Dozentin an der Humboldt-Universität in Berlin, findet streiten gut - solange man mit seinem Gesprächspartner dabei in einem guten Kontakt bleibt. Die Mit-Gründerin des Forums für Streitkultur, das sich für eine konstruktive und demokratische Form der Debatte einsetzt, erklärt in einem Interview mit der Hertie Stiftung, worauf es bei gutem Streiten ankommt. "Die größte Streittugend ist aus unserer Sicht das Wohlwollen gegenüber dem Streitpartner und dem, was er sagen möchte. Das bedeutet zunächst einmal, nicht irgendetwas aus dessen Worten zu interpretieren, sondern genau wahrzunehmen, was der andere wirklich gesagt hat. Wohlwollen zu zeigen heißt aber auch, die Worte des anderen nicht sofort in der ungünstigsten und schlechtesten Weise auszulegen, sondern sich zu überlegen, was diese Person wohl eigentlich gemeint hat und das Gesagte in der wohlmeinendsten und plausibelsten Weise zu interpretieren", sagt sie. Und für sie hat streiten viel mit Tugend zu tun. "Demut und Bescheidenheit, was die Haltbarkeit des eigenen Standpunktes angeht", sind in Jasters Augen wesentlich, damit eine Auseinandersetzung der Erkenntnisgewinnung dienen kann und nicht im Eklat verendet. Wichtig sei auch wirkliches Interesse: "Unser Ziel ist es herauszufinden, was entsteht, wenn man sich ernsthaft für die Position eines Menschen interessiert, dessen Ansichten man vielleicht vorher als unmöglich oder dumm abgetan hätte. Dadurch entstehen häufig sehr interessante Gespräche und man lernt eine Menge." Vielleicht entstehen heute viele nervige Debatten auch deshalb, weil viele Menschen vor allem an sich selbst und ihren eigenen Gedanken interessiert sind.
Streiten ist demokratisch, Hertie Stiftung


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Körperlicher Schmerz gegen schlechte Gefühle 
Mittwoch, 19. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Von Borderline-Patienten ist bekannt, dass sie sich bisweilen körperlichen Schmerz zufügen, um besser mit ihren aufgewühlten Emotionen zurechtzukommen. Eine neue psychologische Studie zeigt nun, dass anscheinend auch psychisch gesunde Menschen viel von dieser Methode halten. In der Untersuchung wurden den Probanden Bilder gezeigt, die in ihnen Angst, Wut oder Traurigkeit auslösten. Anschließend boten die Forscher ihnen verschiedene Kompensationsmöglichkeiten an - beispielsweise eine Umdeutung der Inhalte oder schlicht eine Ablenkung. Oder sie konnten sich dafür entscheiden, einen schmerzhaften elektrischen Stimulus zu erhalten. Die meisten der Probanden, die die Art des Umgehens mit ihren negativen Gefühlen frei wählen konnten, entschieden sich für den körperlich schmerzhaften Elektroimpuls. Er erwies sich als ebenso effektiv wie die anderen zur Bewältigung angebotenen Maßnahmen. Der Studie ging es vor allem darum, unterschiedliche Methoden der Schmerzbewältigung näher zu untersuchen. Ich finde es überraschend, dass so viele der Versuchsteilnehmer sich für den körperlichen Schmerz entschieden. Wirkt irgendwie wie ein extremes Ausweichmanöver, sozusagen der Wunsch nach maximaler Betäubung, anstatt sich mit dem, was einem widerfährt, erst einmal tiefer auseinanderzusetzen. Aber vielleicht ist das ja ein Zeichen unserer Zeit - möglichst schnell das, was uns vielleicht bedrückt, wieder loswerden zu wollen.
Hilft körperlicher Schmerz gegen seelischen Schmerz?, Psychologie heute 8.2.20

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Meditations-Apps helfen - auch bei sporadischer Nutzung 
Dienstag, 18. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Meditations-Apps hilfreiche Helfer sind, wenn es darum geht, Achtsamkeit zu erlernen. Eine britische Studie mit 270 Usern der App Calm zeigt nun: Die Nutzer, die mit dem 7-tägigen Einführungskurs der App übten, zeigten deutliche Verbesserungen im Hinblick auf ihr Wohlbefinden, ihr Selbstvertrauen und auch in ihrer Achtsamkeit. Interessanterweise traten diese Effekte nicht nur bei den Anwendern auf, die die App täglich nutzten (wie vom Anbieter empfohlen), sondern auch bei jenen, die nur sporadisch übten. Das könnte eine Ermutigung darstellen für Menschen, die es nicht schaffen, täglich zu üben und dann vielleicht, weil das schlechte Gewissen überhand nimmt, einfach ganz damit aufhören. Andererseits denke ich, dass ein paar statistische Messgrößen über einen noch dazu kurzen Zeitraum wenig Aufschluss geben. Befindlichkeiten wie das Wohlbefinden zu messen, ist, auch wenn die Datenerhebung selbst statistischen Kriterien genügt, immer eine Gratwanderung, denn hier werden komplexere Lebenszusammenhänge auf eine schlichte Variable reduziert. Wesentlich interessanter wäre sicherlich, mehr Langzeitbeobachtungen unter Alltagsbedingungen zu haben, die zeigen, was sich im Leben von Menschen auf welche Weise zum Besseren verändert.
Studie auf PubMed

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Psyche macht schon bei den Jüngsten schlapp 
Freitag, 14. Februar 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wir scheinen immer mehr zu einer Depressionsgesellschaft zu werden. Die von der DAK in ihrem Kinder- und Jugendreport 2019 vorgelegten Zahlen sind besorgniserregend, denn selbst unter Schulkindern stellen psychische Probleme schon ein ernsthaftes Problem dar - etwa jedes vierte Kind leidet bereits darunter. Laut DAK haben die Klinikeinweisungen aufgrund von Depressionen unter Kindern zwischen 2016 und 2017 um fünf Prozent zugenommen. Zwei Prozent der Kinder leiden unter einer diagnostizierten Depression, ebenso viele unter einer Angststörung. Die DAK hat verschiedene Präventionsprogramme aufgelegt, um in Zusammenarbeit mit Schulen den Jugendlichen mehr Hilfen anbieten zu können. Vielleicht sollte aber auch verstärkt die Frage gestellt werden, wie wir all die äußeren gesellschaftlichen wie auch sozialen Umstände so verbessern können, dass Kinder erst gar nicht in diese Spirale der psychischen Erkrankung hineingeraten. Laut DAK liegt die Rehospitalisierungsquote gegenwärtig bei 24 Prozent, was die Krankenkasse als alarmierend bezeichnet.
Kinder- und Jugendreport 2019 der DAK

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Altruismus ist uns in die Wiege gelegt 
Donnerstag, 13. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Hilfsbereitschaft ist eine menschliche Grundverfassung, die wir anscheinend nicht einmal lernen müssen. Eine neue amerikanische Studie zeigt, dass schon Kinder im Alter von 18 Monaten selbstloses Verhalten erkennen lassen. Im Versuch ließ ein Erwachsener eine Banane fallen. Ein Drittel der Kinder hob die Banane daraufhin auf und gab sie zurück, bei Kindern, die zum Versuchszeitpunkt nicht hungrig waren, sogar die Hälfte. Diese Hilfsbereitschaft stellte sich insbesondere dann ein, wenn der Erwachsene sich selbst bemühte, die Banane wieder aufzuheben. "Selbstlosigkeit ist eine entscheidende menschliche Eigenschaft und ein wichtiger Teil des moralischen Gefüges unserer Gesellschaft“, so Rodolfo Cortes Barragan, der an der Studie mitgearbeitet hat.
Schon Babys sind selbstlos, spiegel.de 5.2.20

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