Das Paradox der Normalität 
Dienstag, 11. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Als "normal" bezeichnet zu werden, dürfte für viele Menschen einer Beleidigung gleichkommen, denn mit normal verbinden wir leicht langweilig. Und doch wird unser ganzes Leben von vielen Bezügen zur Normalitäten zusammengehalten - ohne sie würden wir schlicht die Orientierung verlieren. Statistisch betrachtet beschreibt die Gaußsche Normalverteilung Normalität - sie erfasst den Durchschnitt und seine Abweichungen. Angewendet auf menschliches Verhalten könnte man sagen, wenn zwei Drittel der Menschen etwas gleich oder sehr ähnlich tun, ist dies normal. Normal kann ein wertfreier Begriff sein, doch steckt in ihm auch der Impetus der Norm, also der Hinweis darauf, was wir tun sollten. Was nicht normal ist, kann dann leicht stigmatisiert werden. Im Zeitalter des Individualismus ist Normalität natürlich eine Zumutung. Andererseits: Der Wunsch, einzigartig zu sein, ist so verbreitet, dass auch er längst normal ist.
Wie viele müssen dasselbe tun, damit es normal ist?, Zeit.de 4.2.20

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Von der Manipulation zur Mindfulness 
Montag, 10. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Die Tech-Firmen des Silicon Valley haben in den letzten Jahren, zumindest was ihre Moral angeht, auf der Beliebtheitsskala rasant verloren. Doch in manchen Kreisen zeichnet sich eine Umkehr ab - von der Manipulation zur Mindfulness. Die FAZ hat in einem Artikel mit dem Direktor des kalifornischen Esalen-Instituts Ben Tauber gesprochen. Esalen, einst Hochburg der Human Potential Bewegung und der Hippie-Kultur, zieht heute immer mehr Menschen aus der Tech-Branche an. "Tech verbessert unser Leben nicht mehr. Die alte Euphorie ist verschwunden. Eine Weile dachten wir, dass Disruption etwas sehr Positives ist, es gab diese ,magic moments‘ im Silicon Valley. Momente, in denen wir sahen: Von hier aus verändern wir die Welt. Doch dann übernahm eine bestimmte Aufmerksamkeitsindustrie unsere Welt. Und dann ging es bergab", erzählt Tauber. Er versucht, die großen Influencer des Silicon Valleys zu beeinflussen. Und bei manchen hat er Erfolg - weil sie nachts nicht mehr schlafen können oder längst den Sinn ihrer Arbeit nicht mehr sehen. Tauber arbeitete selbst eine Zeit lang für Google, nachdem das Unternehmen seinen Start-up gekauft hatte. Und er kennt aus eigener Erfahrung die Abwärtsspirale, die die Mischung aus Tech, Fun, Karriere und Macht in Gang setzen kann. "Ich war auf dem Höhepunkt meiner Karriere und fühlte mich so leer wie noch nie. Ich besuchte Esalen, meditierte, sprach mit Therapeuten und begann, auf mich zu hören. Ich spürte auf einmal, dass ich in meinem Job nichts anders tat, als die Wissenschaft der Sucht und Abhängigkeit zu studieren und auf Menschen anzuwenden", erzählt er der FAZ freimütig. Wie ihm geht es längst vielen und einige davon landen nun bei ihm in Esalen. Vielleicht der Beginn einer neuen Erfolgsgeschichte der anderen Art.
Wo lernt das Silicon Valley eine neue Moral?, FAZ 16.1.20

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Der richtige Beat macht das Training leichter 
Freitag, 7. Februar 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wer beim Sport Musik hört, tut sich leichter mit dem Training, weil das Work-out als weniger anstrengend wahrgenommen wird, so die Erkenntnisse einer neuen Studie. Sowohl beim Kraft- als auch beim Ausdauertraining hat sich Musik mit hohem Tempo bewährt. Der Effekt ließ sich auch bei der Herzfrequenz der Probanden beobachten. Trainingsmuffel sollten sich also ihren Lieblings-Soundtrack schnappen und gleich mal eine Runde laufen oder Gewichte stemmen.
Hilft Musik tatsächlich beim Training?, wissenschaft.de 2.2.20

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Belohnungen führen zum Wunsch nach mehr Belohnung 
Donnerstag, 6. Februar 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Boni scheinen eine Spirale des Wunsches nach mehr in Gang zu setzen, so der Hirnforscher Gerhard Roth. Denn im Gehirn stellen sich Gewöhnungseffekte ein. Eben noch beglückt über einen Bonus, wird dieser schnell als selbstverständlich "eingepreist". Dann erwarten Menschen bei der nächsten Gelegenheit die gleiche Gratifikation oder sogar eine höhere. Und Nichtzahlungen führen leicht zum Gefühl, einem werde etwas entzogen. Diese Mechanismen zeigen sich auch bei immateriellen Belohnungen wie dem Lob, so der Wissenschaftler. Lediglich bei intrinsischen Belohungen, beispielsweise der Freude an der Arbeit, griffen diese Automatismen nicht. Für Arbeitgeber ist das keine einfache Nachricht, denn gerade diese Belohnungsart liegt nur bedingt in ihren Händen. Zwar können sie gute Arbeitsbedingungen schaffen, aber letztlich sind die Umstände, unter denen sich diese Art der Freude einstellt, sehr individueller Natur.
„Eine ungerechte Belohnung verdirbt die Sitten“, FAZ 30.1.20

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Lob hilft der Konzentration 
Montag, 3. Februar 2020 - Bewusstsein, Studien, Arbeit, Management
Vielleicht sollten sich Führungskräfte öfter ein Beispiel an Lehrern nehmen - an den guten natürlich. Eine Studie zeigt nämlich: Wenn die Lehrenden ihre Schüler*innen regelmäßig loben, kann deren Aufmerksamkeitsspanne sich um bis zu 30 Prozent verbessern. In der Untersuchung hatten die Wissenschaftler ausgewertet, wie die Lehrenden ihren Schüler*innen gewünschte Verhaltensweisen vermitteln. Das Lob hat hier eine bestätigende Funktion. Und je öfter der Nachwuchs gelobt wird, umso länger bleibt er auch konzentriert an einer Aufgabe dran.
Kinder, die öfter gelobt werden, arbeiten konzentrierter, spektrum.de 29.1.20

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"Green Pressure" ist Zukunftswort des Jahres 
Freitag, 31. Januar 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Das Zukunftsinstitut von Mathias Horx ist bekannt für blumige Wortschöpfungen. Bei der von ihm veranstalteten Wahl zum Zukunftswort 2020 schaffte es die Phrase "Green Pressure" auf Platz 1. Sie meint: "Der deutlich zunehmende Druck zum Grünen und Ökologischen. Das Thema Global Warming erfasst heute alle Branchen, alle ökonomischen und politischen Diskurse. Deshalb wird uns der grüne Druck noch lange begleiten." Weitere Kandidaten auf der Liste, die die weiteren Plätze bekleiden: Eco-Elegance (echte Ökoprodukte ohne Fake), Numanism (die Neubesinnung auf den Menschen im Zeitalter der Digitalisierung), Sinnfluencing (wenn Influencer sinnstiftende Themen ansprechen) oder Yolds, was für Young Olds, die jungen Alten steht. Eines muss man dem Zukunftsinstitut lassen - in diesen nervigen Begrifflichkeiten ist der reale Verlust geistiger Tiefenschärfe der Gegenwartskultur wirklich gut eingefangen.
Zukunftswort 2020

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Der Kreativitäts-Mythos rund um LSD 
Mittwoch, 29. Januar 2020 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Seit wenigen Jahren gibt es immer mal wieder eine Schlagzeile, in der auf die Subkultur des Microdosings hingewiesen wird. Menschen verabreichen sich minimale Dosen an LSD, weil sie davon überzeugt sind, dass sie das kreativer macht. Die Wirtschaftswoche hat sich kürzlich auch an einer Geschichte versucht. Spricht man mit LSD-Konsumenten, sind sich diese einig, dass die psychoaktive Substanz ihre Kreativität verbessert, sie relaxter und entspannter macht und ihre Lebensfreude steigert. Eine Studie der Universität Chicago hingegen kommt zu eher ernüchternden Erkenntnissen. Sie untersuchten Probanden mit verschiedenen Microdosierungen LSD und kamen zu dem Ergebnis, dass Stimmungen, depressive Gefühle und auch die kognitive Leistungsfähigkeit durch die Droge nicht verändert wurde. Die Konsumenten der Studie nahmen allenfalls mehr Anläufe bei der Lösung kreativer Aufgaben. So kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Wirkungen des Microdosings gerade mal minimale Effekte auf die Hirnfunktion haben. Vielleicht ist es ja eher das Gefühl, supercool und easy zu sein, dass mit der Einnahme von LSD verbunden sein und damit eine veränderte Selbstwahrnehmung bewirken könnte. Ein schickes Placebo also.
Was bringt Microdosing wirklich?, WiWo 23.1.20

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Mut geht übers Ich hinaus 
Montag, 27. Januar 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Der Harvard Business Manager widmet seine aktuelle Ausgabe der Frage, was Mut ausmacht. Ich bin vor allem an den Betrachtungen von Kai Dierke und Anke Houben, Gründer von Dierke Houben Leadership Partners, hängengeblieben, denn in dem, was sie sagen, eröffnet sich meiner Wahrnehmung nach eine Perspektive, die vor allem unsere Beziehungen zur Welt in den Blick nimmt - und, wie wir uns dieser Welt auszusetzen bereit sind. Die beiden sprechen beispielsweise vom "Mut zum Nichtwissen" und dem Verzicht auf vorschnelle Urteile, davon, eine Gefolgschaft zu schaffen, die sich nicht an der eigenen Person, sondern an etwas Größerem orientiert, sich selbst als "Lernexperiment" zu sehen und den Panzer des Selbstschutzes zu durchbrechen und Verletzlichkeit zuzulassen. Es sind Haltungen, die einen Menschen öffnen. Und es sind Haltungen, die natürlich beunruhigen, weil man (Schein)Sicherheiten aufgibt. Und sie drehen sich nicht darum, etwas zu machen oder zu erreichen. Sondern sie deuten irgendwie auf eine andere Berührbarkeit.
"Mut ist Bescheidenheit", HBM 16.1.20

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