Körperlicher Schmerz gegen schlechte Gefühle 
Mittwoch, 19. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Von Borderline-Patienten ist bekannt, dass sie sich bisweilen körperlichen Schmerz zufügen, um besser mit ihren aufgewühlten Emotionen zurechtzukommen. Eine neue psychologische Studie zeigt nun, dass anscheinend auch psychisch gesunde Menschen viel von dieser Methode halten. In der Untersuchung wurden den Probanden Bilder gezeigt, die in ihnen Angst, Wut oder Traurigkeit auslösten. Anschließend boten die Forscher ihnen verschiedene Kompensationsmöglichkeiten an - beispielsweise eine Umdeutung der Inhalte oder schlicht eine Ablenkung. Oder sie konnten sich dafür entscheiden, einen schmerzhaften elektrischen Stimulus zu erhalten. Die meisten der Probanden, die die Art des Umgehens mit ihren negativen Gefühlen frei wählen konnten, entschieden sich für den körperlich schmerzhaften Elektroimpuls. Er erwies sich als ebenso effektiv wie die anderen zur Bewältigung angebotenen Maßnahmen. Der Studie ging es vor allem darum, unterschiedliche Methoden der Schmerzbewältigung näher zu untersuchen. Ich finde es überraschend, dass so viele der Versuchsteilnehmer sich für den körperlichen Schmerz entschieden. Wirkt irgendwie wie ein extremes Ausweichmanöver, sozusagen der Wunsch nach maximaler Betäubung, anstatt sich mit dem, was einem widerfährt, erst einmal tiefer auseinanderzusetzen. Aber vielleicht ist das ja ein Zeichen unserer Zeit - möglichst schnell das, was uns vielleicht bedrückt, wieder loswerden zu wollen.
Hilft körperlicher Schmerz gegen seelischen Schmerz?, Psychologie heute 8.2.20

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Meditations-Apps helfen - auch bei sporadischer Nutzung 
Dienstag, 18. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Meditations-Apps hilfreiche Helfer sind, wenn es darum geht, Achtsamkeit zu erlernen. Eine britische Studie mit 270 Usern der App Calm zeigt nun: Die Nutzer, die mit dem 7-tägigen Einführungskurs der App übten, zeigten deutliche Verbesserungen im Hinblick auf ihr Wohlbefinden, ihr Selbstvertrauen und auch in ihrer Achtsamkeit. Interessanterweise traten diese Effekte nicht nur bei den Anwendern auf, die die App täglich nutzten (wie vom Anbieter empfohlen), sondern auch bei jenen, die nur sporadisch übten. Das könnte eine Ermutigung darstellen für Menschen, die es nicht schaffen, täglich zu üben und dann vielleicht, weil das schlechte Gewissen überhand nimmt, einfach ganz damit aufhören. Andererseits denke ich, dass ein paar statistische Messgrößen über einen noch dazu kurzen Zeitraum wenig Aufschluss geben. Befindlichkeiten wie das Wohlbefinden zu messen, ist, auch wenn die Datenerhebung selbst statistischen Kriterien genügt, immer eine Gratwanderung, denn hier werden komplexere Lebenszusammenhänge auf eine schlichte Variable reduziert. Wesentlich interessanter wäre sicherlich, mehr Langzeitbeobachtungen unter Alltagsbedingungen zu haben, die zeigen, was sich im Leben von Menschen auf welche Weise zum Besseren verändert.
Studie auf PubMed

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Nachwuchs liebt Business mit grünem Touch 
Montag, 17. Februar 2020 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Firmen mit "grüner" Ausrichtung scheinen beim Arbeitnehmernachwuchs besser punkten zu können als konventionelle Firmen. Der „Future Talents Report“, für den mehr als 4.600 Praktikanten und Werkstudenten mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren befragt wurden, zeigt, dass der Wohlfühlfaktor bei grünen Firmen deutlich höher ist. 93 Prozent der Befragten, die in Firmen mit umweltbewusster Ausrichtung ihr Praktikum machen, fühlten sich dort zufrieden, verglichen mit 48 Prozent jener, die in eher konventionellen Unternehmen mitarbeiteten. Wichtig ist dem Nachwuchs, ob er für die Firma einen Mehrwert leisten kann. Machen sie diese Erfahrung im Praktikum, spielen 93 Prozent mit dem Gedanken, sich dort später für eine Stelle zu bewerben, während es bei den anderen lediglich 64 Prozent sind.
Nachwuchskräfte wollen in „grüne“ Unternehmen, wiwo.de 6.2.20

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Psyche macht schon bei den Jüngsten schlapp 
Freitag, 14. Februar 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wir scheinen immer mehr zu einer Depressionsgesellschaft zu werden. Die von der DAK in ihrem Kinder- und Jugendreport 2019 vorgelegten Zahlen sind besorgniserregend, denn selbst unter Schulkindern stellen psychische Probleme schon ein ernsthaftes Problem dar - etwa jedes vierte Kind leidet bereits darunter. Laut DAK haben die Klinikeinweisungen aufgrund von Depressionen unter Kindern zwischen 2016 und 2017 um fünf Prozent zugenommen. Zwei Prozent der Kinder leiden unter einer diagnostizierten Depression, ebenso viele unter einer Angststörung. Die DAK hat verschiedene Präventionsprogramme aufgelegt, um in Zusammenarbeit mit Schulen den Jugendlichen mehr Hilfen anbieten zu können. Vielleicht sollte aber auch verstärkt die Frage gestellt werden, wie wir all die äußeren gesellschaftlichen wie auch sozialen Umstände so verbessern können, dass Kinder erst gar nicht in diese Spirale der psychischen Erkrankung hineingeraten. Laut DAK liegt die Rehospitalisierungsquote gegenwärtig bei 24 Prozent, was die Krankenkasse als alarmierend bezeichnet.
Kinder- und Jugendreport 2019 der DAK

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Altruismus ist uns in die Wiege gelegt 
Donnerstag, 13. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Hilfsbereitschaft ist eine menschliche Grundverfassung, die wir anscheinend nicht einmal lernen müssen. Eine neue amerikanische Studie zeigt, dass schon Kinder im Alter von 18 Monaten selbstloses Verhalten erkennen lassen. Im Versuch ließ ein Erwachsener eine Banane fallen. Ein Drittel der Kinder hob die Banane daraufhin auf und gab sie zurück, bei Kindern, die zum Versuchszeitpunkt nicht hungrig waren, sogar die Hälfte. Diese Hilfsbereitschaft stellte sich insbesondere dann ein, wenn der Erwachsene sich selbst bemühte, die Banane wieder aufzuheben. "Selbstlosigkeit ist eine entscheidende menschliche Eigenschaft und ein wichtiger Teil des moralischen Gefüges unserer Gesellschaft“, so Rodolfo Cortes Barragan, der an der Studie mitgearbeitet hat.
Schon Babys sind selbstlos, spiegel.de 5.2.20

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Arbeitsverdichtung wird für viele zum Problem 
Mittwoch, 12. Februar 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Die Arbeitsverdichtung in den Unternehmen scheint immer mehr um sich zu greifen. Laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat sich 2018 in 81 Prozent der Firmen die Arbeit für die Beschäftigten weiter verdichtet. Drei Viertel der Befragten nehmen höhere Leistungserwartungen wahr und mehr Multitasking. 71 Prozent finden, ihre Aufgaben werden immer komplexer. 65 Prozent fühlen sich gestresst, weil sie immer mehr Projekte gleichzeitig zu bewältigen haben. Das Institut sieht diese Entwicklungen nicht unbedingt dem technologischen Wandel geschuldet, der die Menschen womöglich herausfordert. Oft seien schlicht die betrieblichen Rahmenbedingungen ungünstig für die Beschäftigten. Von diesen fürchten bereits 77 Prozent gesundheitliche Probleme aufgrund der hohen Belastung. 68 Prozent glauben, dass sich in ihrem Unternehmen das Betriebsklima bereits verschlechtert habe. Und 47 Prozent rechnen damit, dass die Qualität der Arbeit unter der Überbeanspruchung leiden wird.
Die Arbeitstage werden dichter und dichter, FAZ 4.2.20

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Das Paradox der Normalität 
Dienstag, 11. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Als "normal" bezeichnet zu werden, dürfte für viele Menschen einer Beleidigung gleichkommen, denn mit normal verbinden wir leicht langweilig. Und doch wird unser ganzes Leben von vielen Bezügen zur Normalitäten zusammengehalten - ohne sie würden wir schlicht die Orientierung verlieren. Statistisch betrachtet beschreibt die Gaußsche Normalverteilung Normalität - sie erfasst den Durchschnitt und seine Abweichungen. Angewendet auf menschliches Verhalten könnte man sagen, wenn zwei Drittel der Menschen etwas gleich oder sehr ähnlich tun, ist dies normal. Normal kann ein wertfreier Begriff sein, doch steckt in ihm auch der Impetus der Norm, also der Hinweis darauf, was wir tun sollten. Was nicht normal ist, kann dann leicht stigmatisiert werden. Im Zeitalter des Individualismus ist Normalität natürlich eine Zumutung. Andererseits: Der Wunsch, einzigartig zu sein, ist so verbreitet, dass auch er längst normal ist.
Wie viele müssen dasselbe tun, damit es normal ist?, Zeit.de 4.2.20

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Von der Manipulation zur Mindfulness 
Montag, 10. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Die Tech-Firmen des Silicon Valley haben in den letzten Jahren, zumindest was ihre Moral angeht, auf der Beliebtheitsskala rasant verloren. Doch in manchen Kreisen zeichnet sich eine Umkehr ab - von der Manipulation zur Mindfulness. Die FAZ hat in einem Artikel mit dem Direktor des kalifornischen Esalen-Instituts Ben Tauber gesprochen. Esalen, einst Hochburg der Human Potential Bewegung und der Hippie-Kultur, zieht heute immer mehr Menschen aus der Tech-Branche an. "Tech verbessert unser Leben nicht mehr. Die alte Euphorie ist verschwunden. Eine Weile dachten wir, dass Disruption etwas sehr Positives ist, es gab diese ,magic moments‘ im Silicon Valley. Momente, in denen wir sahen: Von hier aus verändern wir die Welt. Doch dann übernahm eine bestimmte Aufmerksamkeitsindustrie unsere Welt. Und dann ging es bergab", erzählt Tauber. Er versucht, die großen Influencer des Silicon Valleys zu beeinflussen. Und bei manchen hat er Erfolg - weil sie nachts nicht mehr schlafen können oder längst den Sinn ihrer Arbeit nicht mehr sehen. Tauber arbeitete selbst eine Zeit lang für Google, nachdem das Unternehmen seinen Start-up gekauft hatte. Und er kennt aus eigener Erfahrung die Abwärtsspirale, die die Mischung aus Tech, Fun, Karriere und Macht in Gang setzen kann. "Ich war auf dem Höhepunkt meiner Karriere und fühlte mich so leer wie noch nie. Ich besuchte Esalen, meditierte, sprach mit Therapeuten und begann, auf mich zu hören. Ich spürte auf einmal, dass ich in meinem Job nichts anders tat, als die Wissenschaft der Sucht und Abhängigkeit zu studieren und auf Menschen anzuwenden", erzählt er der FAZ freimütig. Wie ihm geht es längst vielen und einige davon landen nun bei ihm in Esalen. Vielleicht der Beginn einer neuen Erfolgsgeschichte der anderen Art.
Wo lernt das Silicon Valley eine neue Moral?, FAZ 16.1.20

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