Ethischer Ablasshandel fördert Egoismus 
Mittwoch, 31. März 2010 - Studien
Ist der gegenwärtige Bio-Trend nur eine moderne Form des Ablasshandels, die uns nicht zu besseren Menschen werden lässt, sondern im Gegenteil dem Egoismus Vorschub leistet? Betrachtet man die Ergebnisse einer neuen Studie der Universität Toronto, so liegt dieser Schluss nahe. Das Setting: 156 Studenten wurden in vier Gruppen aufgeteilt: jeweils der Gruppen sollten sich das Sortiment eines Bio-Shops online anschauen, zwei weitere das eines konventionellen Shops - jeweils eine der beiden Gruppen durfte im ihr zugewiesenen Shop auch einkaufen. Im Anschluss hatten alle Teilnehmer die Aufgabe, sechs Dollar mit einer ihnen unbekannten Person zu teilen. Das verblüffende Ergebnis: Während die meisten Teilnehmer mehr oder weniger gleichmäßig die Summe verteilten, erwiesen sich die Bio-Käufer als deutlich knickriger. In einem zweiten Test konnten sich die Studenten bei einem Computerspiel Geld durch richtige Lösungen verdienen, hatten aber auch die Möglichkeit, in einer ersten Testrunde herauszufinden, wie man das System betrügt. Am Ende des Spiels durften sich die Teilnehmer den von ihnen erspielten Betrag selbst aus einem Kuvert entnehmen. Ergebnis: Die Bio-Käufer betrogen nicht nur beim Spiel häufiger, sondern logen zum Abschluss des Spiels auch häufiger, um mehr Geld zu bekommen. Die Forscher gehen davon aus, dass die Käufe unter ethischen Rahmenbedingungen durch die Hinertür unethisches Verhalten und Selbstbezogenheit fördern, da sich die Betroffenen auf die Position zurückziehen, mit ihrem Kauf bereits etwas Gutes getan zu haben.
Bio verdirbt den Charakter, taz 17.3.10

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Fairer Handel als Investmentfonds 
Dienstag, 30. März 2010 - sonstiges
Die GLS Bank und die evangelische KD-Bank für Kirche und Diakonie haben einen Investmentfonds aufgelegt, der neben ökonomischen und klassischen Nachhaltigkeitskriterien auch entwicklungspolitische Perspektiven berücksichtigt. Ziel des FairWorldFonds ist es, die Idee des fairen Handels auf die Kapitalmärkte zu übertragen - ein Schritt, der aus Sicht der beteiligten Banken den Nerz der Zeit treffe. "Es gilt, auf den Finanzmärkten Verantwortung für die sozialen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen von Investitionen in Industriestaaten ebenso wie in Entwicklungsländern zu übernehmen. Der FairWorldFonds vereint erstmals alle Kriterien und geht beispielgebend voran", so GLS-Vorstandssprecher Thomas Jorberg.
In Gerechtigkeit investieren, GLS Bank 18.3.10

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Krisenstimmung auch eine Frage der Führung 
Montag, 29. März 2010 - Studien
In Krisenzeiten scheinen viele Unternehmen bei der Führung der Mitarbeiter kläglich zu versagen. Diese Einschätzung legt eine Online-Panel-Untersuchung mit 500 Beteiligten, die vom Skopos Instituts für Markt- und Kommunikationsforschung realisiert wurde, nahe. Lediglich 21 Prozent der Befragten fühlen sich von der Unternehmensführung noch motiviert. Bei 63 Prozent sinkt die Motivation, weil die Vorgesetzten in ihren Augen den besonderen Herausforderungen der Krise nicht gerecht werden. 74 Prozent fühlen sich von der Unternehmensleitung nicht als "gewinnbringendes Kapital" gewertschätzt. 55 Prozent sehen sich nur unzureichend über die Auswirkungen der Krise informiert, 35 Prozent fühlen sich mit den daraus resultierenden Ängsten allein gelassen. 57 Prozent stellen eine Verschlechterung des Arbeitsklimas durch die Krise fest.
Mitarbeiterführung in der Krise, HB 6.3.10

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Frauenquote käme der Wirtschaft zugute 
Freitag, 26. März 2010 - Studien
Die Telekom prescht vor: Bis 2015 sollen 30 Prozent der Führungsjobs im Konzern mit Frauen besetzt sein. Ein Schritt, der Not tut, denn gegenwärtig sind im deutschen Top-Management nur sechs Prozent der Führungskräfte weiblich. Eine Frauenquote kommt Firmen zugute, wie eine Auswertung von McKinsey deutlich illustriert. die durchschnittliche Rendite von Unternehmen mit Frauenquote lag in den Jahren 2003 bis 2008 zehn Prozent über dem Industriedurchschnitt (11,4 Prozent vs. 10,3 Prozent). Beim durchschnittlichen Gewinn vor Zinsen und Steuern wirkt sich die Frauenquote noch deutlicher aus, denn hier performen die Frauenintegrierer um 48 Prozent besser (11,1 Prozent vs. 5,8 Prozent). Auch der Aktienkurs lässt sich von mehr Frauen in der Führungsetage beflügeln - er liegt in solchen Unternehmen um 17 Prozent höher als die Entwicklung des Eurostoxx 600 (64 Prozent vs. 47 Prozent).
Frauen zahlen sich aus, taz 16.3.10

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Führungskräfte verdienen auch in Krisenzeiten mehr 
Donnerstag, 25. März 2010 - Studien
Eine Auswertung der Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt im Auftrag der WirtschaftsWoche zeigt: Zwar steigen in Krisenzeiten die Gehälter deutlich moderater, doch vor allem Führungskräfte können ihr Einkommen im Vergleich zu gewöhnlichen Mitarbeitern deutlich erhöhen, so dass die Einkommensschere deutlich weiter auseinander geht. 2009 erhöhten sich die Bezüge von Führungskräften um drei bis fünf Prozent, die Einstiegsgehälter in den zehn bestbezahlten Branchen hingegen nur um ein Prozent. Betrachtet man den Zeitraum zwischen 2003 und 2009, wird die Diskrepanz noch deutlicher: Führungskräfte verbesserten in diesem Zeitraum ihr Einkommen um 15 Prozent, Fachkräfte um lediglich 4,2 Prozent und für Berufseinsteiger gab es nur einen Zuwachs von 3,8 Prozent.
Die Schere bei den Einkommen geht weiter auseinander, WiWo 13.3.10

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Die Verführung des Hirndopings 
Mittwoch, 24. März 2010 - Wissenschaft
Die Zeit geht in einem Interview mit dem Psychiater Klaus Lieb der Frage nach, welche Verführungskraft gegenwärtig von Möglichkeiten des Hirndopings ausgeht und welche Folgen diese haben kann. Lieb stellte in einer Studie mit 1.035 Schülern und 512 Studenten fest, dass rund vier Prozent der Befragten bereits einmal versucht haben, ihre Konzentration, Aufmerksamkeit oder Wachheit mit Hilfe von Medikamenten zu steigern. In den USA liegt dieser Anteil bereits bei etwa acht Prozent, eine Umfrage der Zeitschrift Nature unter Akademikern kam sogar auf 20 Prozent. Die Angst vor Nebenwirkungen scheint gegenwärtig die beste Abschreckung zu sein, denn mehr als 80 Prozent von Liebs Studienteilnehmern gaben an, nebenwirkungsfreie Pillen, die keine Langzeitschäden verursachen, einnehmen zu wollen, wenn es sie denn gäbe. Lieb sieht explizit mögliche Gefahren von Visionen einer stetigen Leistungssteigerung und warnt dafür, dass eine Pilleneuphorie tiefe Auswirkungen auf die psychische Entwicklung von Menschen haben kann: "Bislang ist völlig unklar, wie sicher die heute verfügbaren Mittel langfristig sind. Sie können womöglich zu Abhängigkeit und Psychosen führen. There is no such thing as a free lunch , sagen die Amerikaner dazu treffend. Wir können eben unsere Leistungen nicht unbegrenzt steigern. Nach Abschluss einer intensiven Lernphase oder eines wichtigen Projekts muss eine Phase der Erholung einsetzen, in der wir abschalten, zur Ruhe kommen. Natürlich wäre es toll, wenn wir dauerhaft nur zwei Stunden Schlaf bräuchten, um geistig fit zu sein. Aber da macht unser Gehirn nicht mit. ... n einem ständigen Konkurrenzkampf vergessen wir schnell, dass im Leben auch anderes zählt als nur der Erfolg. Als Individuen reifen wir auch durch Schwächen und Niederlagen."
"Das macht unser Gehirn nicht mit", Die Zeit 11.3.10

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Jeder dritte Arbeitnehmer ist nicht engagiert 
Dienstag, 23. März 2010 - Studien
Die Global Workforce Study 2010 von Towers Watson zeigt, dass auch in Zeiten der Krise die Arbeitsmotivation hoch ausgeprägt ist. So sind in Deutschland 24 Prozent der Arbeitnehmer (weltweit: 21 Prozent) hoch engagiert und 43 Prozent (weltweit: 42 Prozent) moderat engagiert. Befragt wurden mehr als 20.000 Arbeitnehmer in 27 Ländern. Immerhin jeder Dritte zeigt jedoch ein unterdurchschnittliches Engagement bzw. überhaupt keines. So verweigern sich zumindest teilweise in Deutschland 27 Prozent (weltweit: 30 Prozent) und sechs Prozent (weltweit: acht Prozent) sogar ganz. Die Verbundenheit mit dem Unternehmen hängt nach Aussage der Studienautoren vor allem mit dem Top-Management zusammen. Wird dieses als ineffektiv eingeschätzt, steigt die Wechselbereitschaft der Mitarbeiter auf 50 Prozent. Die Beurteilung von Leistung spielt für viele Mitarbeiter eine große Rolle. Nur 41 Prozent sehen bei ihren Vorgesetzten einen effektiven Umgang mit schlechten Leistungen, nur 45 Prozent finden, dass ihre Chefs gute Leistungen entsprechend würdigen.
Nachhaltiges Mitarbeiterengagement braucht neue Erfolgsformel, Towers Watson 16.3.10

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Leistungswahn richtet Unternehmen zugrunde 
Montag, 22. März 2010 - Management
In einem Beitrag in der Wirtschaftswoche spricht sich Prof. Dr. Lutz Becker, der an der Karlshochschule International University in Karlsruhe den Masterstudiengang "Leadership" leitet, gegen den im Business immer mehr zunehmenden Leistungswahn aus: "Dass dauernde Spitzenleistungen nicht funktionieren, ist in der Wissenschaft hinlänglich bekannt. Wenn sich Wertschätzung allein am vermeintlichen Wertbeitrag orientiert, entwickeln Mitarbeiter in der Folge Angstprogramme, die Standards nicht zu erfüllen. Was unter dem Strich geschieht, ist, dass die Menschen physiologisch in einen Alarmzustand verfallen. Dieser Zustand führt dazu, dass die Menschen zwar bis zu einem gewissen Punkt funktionieren wie die Ratte im Laufrad, aber nicht wirklich Leistungen erbringen können." Becker beruft sich auf den Management-Vordenker Fredmund Malik, demzufolge es nicht die individuellen Spitzenleistungen sind, die Unternehmen langfristig erfolgreich machen, sondern die Stetigkeit, mit der Mitarbeiter zum Unternehmenserfolg beitragen.
Selbstausbeutung und echte Führungstugenden, WiWo 4.3.2010

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