Zufriedenheit und innere Kündigung 
Freitag, 30. März 2012 - Studien
Neun von zehn Arbeitnehmern in Deutschland sind zwar zufrieden mit ihrer Arbeit, aber dennoch hat knapp jeder vierte Angestellte (23 Prozent) innerlich bereits gekündigt. So das Ergebnis einer Repräsentativerhebung von Gallup Deutschland. Nur 14 Prozent der Arbeitnehmer sind wirklich Feuer und Flamme für ihren Job, während 63 Prozent eher Dienst nach Vorschrift machen. Die Forscher machen einen Unterschied zwischen Zufriedenheit und innerer Bindung und nennen auch die Gründe, warum immer mehr Mitarbeiter kaum eine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben. Nur jeder Vierte werde von Vorgesetzten gelobt, nur jeder Dritte um seine Meinung gefragt. Dies seien jedoch die Faktoren, die Verbundenheit entstehen lassen. Die Zufriedenheit hingegen resultiert auch aus "oberflächlicheren" Faktoren. So betrachten beispielsweise sechs von zehn Befragten ihre Vergütung als angemessen - ein Aspekt, der viele im Job verharren lässt, auch wenn sie nicht fürs Unternehmen brennen.
Mitarbeiter vermissen Lob vom Chef, Zeit online 20.3.12


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Sich nicht mehr in die eigene Tasche lügen 
Donnerstag, 29. März 2012 - Medien
In der FAZ wagt der Vorsitzende der Piratenpartei Deutschland Sebastian Nerz einen mutigen Vorstoß und "enttarnt" beliebte "Nachhaltigkeitslügen", die in seinen Augen davon ablenken, wie ernst es einerseits wirklich um die Lage der Welt bestellt ist, und welche Konsequenzen wir als Weltbevölkerung daraus letztlich ziehen müssten. Nerz führt die ursprüngliche Definition des Begriffs Nachhaltigkeit - nicht mehr zu verbrauchen, als auf natürlichem Wege nachwächst - wieder ins Bewusstsein. Da wir gegenwärtig das 2,7-Fache dessen, was die Erde hergibt, verbrauchen, sei es augenscheinlich, dass mit Optimierungen (z.B. regenerativen Energien, umweltfreundlichere Produktion) allein das Dilemma nicht zu lösen sei, wir also ob kurz oder lang den Gürtel in der einen und auch anderen Weise werden enger schnallen müssen. Ähnliches gilt beim Thema Geld: Staatsverschuldung, Rentenlücke und davonlaufende Kosten im Gesundheitssystem lassen sich laut Nerz nicht mehr durch ein bisschen Nachhaltigkeits-Feintuning wegdiskutieren. Im Prinzip fordert der Pirat hier das Nachdenken über einen grundlegenden Paradigmenwechsel, da ein Drehen an einigen Schräubchen des Systems den Kollaps vielleicht noch für einige Jahre oder gar Jahrzehnte aufschieben könne, aber die grundsätzlichen Problemlagen nicht lösen werde. Ein weiterer Grund für Alarmstimmung: Viele der Rohstoffe, die heute benötigt werden, um beispielsweise nachhaltige Energien zu erschließen, werden bereits in wenigen Jahrzehnten knapp oder ganz erschöpft sein. Die Frage, was wir dann tun, traue sich hingegen niemand zu stellen. Das Plädoyer von Nerz ist eindeutig, unbequem und mutig - und fordert uns alle heraus, uns nicht mehr länger in die eigene Tasche zu lügen: "Um diese Ehrlichkeit zu erreichen, müssen dringend notwendige Reformen im Staat endlich umgesetzt werden. Der ganze Apparat ist so groß und komplex geworden, dass er nicht mehr überschaubar ist. ... Denn wenn heute an einer Stellschraube gedreht wird, weiß niemand genau, welche Auswirkungen dies morgen haben wird. Das heißt erst einmal nicht, dass wir Leistungen kürzen müssen, aber wir müssen anfangen, sie übersichtlicher zu gestalten. Daher ist meine Bitte an dieser Stelle: Stellen wir uns der Situation wie sie ist. Hören wir auf, uns selbst etwas vorzulügen und gedankenlos die Ressourcen der Zukunft zu verbrauchen. Beginnen wir ehrlich zu werden. Und als nächstes lösen wir dann den Kleber und ziehen das Pflaster langsam runter. Der Prozess wird nicht einfach werden. Aber je später wir uns ihm stellen, desto schwieriger wird er."
Schluss mit der Nachhaltigkeitslüge! FAZ 19.3.12


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Zeit für Revolution 
Mittwoch, 28. März 2012 - Management
Die Financial Times Deutschland stellt in einem Beitrag die wichtigsten Ideen des Management-Vordenkers Gary Hamel vor und zeigt, wie veränderungsresistent die Führungswelt im Prinzip seit Jahrzehnten ist. Hamel lehrt an der London Business School und gehört zu den Visionären, die über viele Jahre die Reibungsstellen im Business as usual herausarbeiten und neue Paradigmen entwickeln. Zu Hamels wichtigsten Gedankengängen gehört die Absage an alte Hierarchien in Unternehmen. Für den Management-Theoretiker ist offensichtlich, dass die Gestaltungskraft verstärkt von unten nach oben fließen muss. Die Flexibilisierung der Arbeitswelt, verbunden mit dem digitalen Wandel und damit neuen Informationsflüssen, mache es notwendig, Mitarbeiter künftig wirklich einzubeziehen - wobei die Betonung auf "wirklich" liegt. Hamel will Bestehendes nicht abschaffen, deshalb lautet seine Devise, die von ihm propagierten neuen Formen der Flexibilität mit den Notwendigkeiten einer Struktur zu verbinden, also die bisherige Basis des Managements konsequent evolutionär weiterzuentwickeln.
Management-Theorien an der Schwelle zur Revolution, FTD 19.3.12

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Ungerechtigkeit zwischen den Zeilen 
Dienstag, 27. März 2012 - Studien
Seit 1981 hat sich der Anteil der Weltbevölkerung, der unter der absoluten Armutsgrenze lebt, von 52 Prozent auf 22 Prozent (2008) mehr als halbiert, meldet die Weltbank. Hinter der guten Nachricht versteckt sich jedoch eine Botschaft, die aufhorchen lassen sollte. Dank der Entwicklungen in Ostasien, China, Lateinamerika, Nordafrika und dem Mittleren Osten leben in diesen Regionen tatsächlich heute weniger arme Menschen als in den letzten Jahrzehnten. Aber in anderen Regionen wiederum stiegen die Zahlen, beispielsweise in Südasien leicht um zwei Millionen, in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara sogar von 204 auf 386 Millionen. Statistisch betrachtet mag das kein Aufreger sein, mit Blick aufs System hingegen könnte dies eine bedenkliche Entwicklung sein, denn der Boom in China lenkt davon ab, dass in anderen Regionen die finanzielle Ungerechtigkeit weiter wächst. Rechnet man China aus der Datenbasis heraus, ist die Zahl der absolut Armen nämlich in den letzten 30 Jahren weiter gestiegen.
Die absolute Hälfte, taz 15.3.12


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Zu viel Genügsamkeit 
Montag, 26. März 2012 - Studien
Frauen scheinen einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran zu haben, dass sie im Gehaltsvergleich mit Männern nach wie vor hinterher hinken. Eine Studie der Uni Bielefeld mit 10.000 Arbeitnehmern zeigt: Rund jeder dritte Befragte schätzt sein Einkommen als ungerecht ein, aber die persönliche Gerechtigkeitsgrenze liegt bei Frauen deutlich niedriger als bei Männern. Und dies über alle Berufsgruppen hinweg. Die OECD-Statistiken sprechen eine ähnliche Sprache: Sie weisen einen durchschnittlichen Lohnrückstand von 21,6 Prozent beim Einkommen von Frauen gegenüber dem Verdienst von Männern aus - die höchste Diskrepanz in allen 34 Mitgliedstaaten. Hier kommt zum Tragen, dass Frauen deutlich seltener - hochdotierte - Führungspositionen einnehmen, aber auch, dass sie sich häufig unter Wert verkaufen.
Frauen sind mit weniger Gehalt zufrieden, WiWo 13.3.12


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Wirtschaft geht auch anders 
Freitag, 23. März 2012 - Wissenschaft
Die FAZ stellt in einem Portrait die Alanus Hochschule vor und illustriert damit, dass ein Fach wie die Wirtschaftswissenschaften zum Denken und kritischen Hinterfragen des Status quo gezielt anregen kann. Die Universität mit den anthroposophischen Wurzeln betrachtet seit jeher beispielsweise die Kunstpraxis als essenziellen Bestandteil aller Studiengänge - weil sie eine Grundspannung der Spontaneität erzeuge. Philosophie und Reflexion sind bei Alanus ebenfalls festes Programm. Der Unterschied, den das Studium an der Hochschule macht, wird besonders augenscheinlich im Vergleich von Klausurfragen. So druckt die FAZ eine Fragen aus einer VWL-Klausur der Uni München ab, bei denen die Studenten in erster Linie mit volkswirtschaftlichen Rechenformeln zu arbeiten haben. Bei Alanus hingegen werden klassische VWL-Theorien auf den Prüfstand gestellt - die Studenten müssen einerseits ihr fachliches Wissen demonstrieren und andererseits in ihren Klausuren die Dinge weiterdenken, neue Argumentationen entwickeln und vor allem die Grundannahmen ihres Faches gezielt hinterfragen. Bei Alanus ist mechanisches Denken nicht gefragt und auch die "Mitleidlosigkeit", die vielen Studenten durch neoklassische Theorien der Ökonomie antrainiert werde, wird zum Thema gemacht. Auch bei Alanus stehen Formeln auf dem Lehrplan - mit ihnen wird aber nicht nur gerechnet, sondern ihre Auswirkungen auf den Menschen werden gezielt thematisiert.
Die Beseelung des Wirtschaftsstudiums, FAZ 10.3.12

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Nachhaltigkeit braucht zivilgesellschaftliche Resonanz 
Donnerstag, 22. März 2012 - Wissenschaft
Eine Nachhaltigkeitskonferenz der Leuphana Universität endete mit dem dringenden Appell der Wissenschaftler, dass Wissenschaft und Zivilgesellschaft sich nicht mehr damit zufrieden geben dürften, allein Chronisten der Umweltzerstörung zu sein. Trotz öffentlicher Appelle und zunehmender Inselmaßnahmen sei die ökologische Zerstörung in den letzten Jahre rapide fortgeschritten, so die Einschätzung der Forscher. Und noch immer sei vielen Menschen das Ausmaß der weltweiten Umweltkrise nicht bewusst. Die Wissenschaftler glauben, dass vor allem die politischen Institutionen reformiert, das Bevölkerungswachstum gebremst, ausufernder Konsum eingedämmt und soziale Ungerechtigkeiten beseitigt werden müssten, um die Zerstörungsspirale zu durchbrechen. Hierbei komme auch die Verantwortung der Zivilgesellschaft ins Spiel, denn Entscheidungsträger fehle es häufig am Mut, politisch riskante Entscheidungen zu treffen. Jörn Fischer, Professor für nachhaltige Landnutzung an der Leuphana Universität, fordert deshalb mehr Druck aus der Zivilgesellschaft, damit Lösungen auf politischer Ebene auf Resonanz stoßen.
Diagnose allein hilft Patient Erde nicht, Landeszeitung Lüneburg 6.3.12

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Schöne heile Arbeitswelt 
Mittwoch, 21. März 2012 - Studien
58 Prozent der Deutschen gehen gerne zur Arbeit, 33 Prozent sogar sehr gerne - so das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Personaldienstleisters Edenred unter 1001 deutschen Arbeitnehmern. Die Zahl derer, die ihren Job gerne machen, ist damit im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozentpunkte gestiegen. Überdurchschnittlich hoch ist laut Erhebung die Arbeitsfreude bei Angestellten mit Personalverantwortung. Das Gehalt scheint als Motivationsfaktor eine untergeordnete Rolle zu spielen, denn für 82 Prozent der Befragten stellen angenehme Kollegen die wichtigste Randbedingung für Zufriedenheit im Job dar, für 75 Prozent sind es der Respekt und die Anerkennung von Vorgesetzten, gefolgt von einer abwechslungsreichen Tätigkeit und einer ausgeglichenen Work-Life-Balance.
Die Deutschen arbeiten gerne, WiWo 6.3.12

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