Abgehängte ziehen sich aus der Gesellschaft zurück 
Freitag, 31. März 2017 - Studien, Arbeit
Der alljährliche Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung sorgt wie immer für Diskussionen. Wo die einen darauf verweisen, dass es vielen Menschen heute besser geht denn je (und damit recht haben), schauen die anderen eher besorgt, was sich am unteren Rand der Gesellschaft tut und sind besorgt. Arbeitsministerin Nahles etwa kritisiert, dass gerade die unteren Einkommensschichten in den letzten zwei Jahrzehnten immer schlechter dastehen. Die unteren 40 Prozent hätten im Hinblick auf die Realstundenlöhne 2015 weniger in der Tasche gehabt als noch 20 Jahre zuvor. Zwar haben nur zehn Prozent Verluste von ungefähr vier Prozent hinnehmen müssen und weitere zehn Prozent haben sich "minimal" verschlechtert, aber in den unteren Einkommensklassen sind dies merkliche Tendenzen. Ein wunder Punkt, den Nahles anspricht: Die Ärmeren ziehen sich immer mehr aus dem politischen Prozess zurück und gehen deutlich seltener wählen, wohl weil sie den Eindruck haben, dass ihre Perspektiven ohnehin kein Gehör finden. Nahles verkündet ihre eigene düstere Armuts-Botschaft, Welt.de 23.3.17

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Arbeit toll, Chef doof 
Donnerstag, 30. März 2017 - Studien, Arbeit, Management
77 Prozent der Arbeitnehmer haben eine positive Einstellung zur Arbeit. Allerdings scheint es den wenigsten Unternehmen zu gelingen, daraus auch etwas zu machen, denn 70 Prozent der Angestellten haben nur eine geringe emotionale Bindung an ihren Arbeitgebern, so die Ergebnisse der jüngsten Gallup-Umfrage. Ein wesentliches Problem dabei: die Chefs. Jeder dritte Mitarbeiter hat im letzten Jahr schon mal schwere Bedenken runtergeschluckt und nicht mit dem Chef geteilt, unter denen mit geringer Bindung ans Unternehmen sogar jeder zweite. Nur ungefähr jeder Fünfte findet, dass die Führung, die er im Job erfährt, ihn zu guten Leistungen animiere. Nur die Hälfte aller Mitarbeiter hat im vergangenen Jahr Feedback über die eigenen Leistungen erhalten, nur 14 Prozent haben dazu einen kontinuierlichen Austausch mit dem Vorgesetzten. Immerhin 40 Prozent sagen, dass die Rückmeldungen, die sie bekommen, es ihnen erlauben, ihre Arbeit besser zu machen. Die Chefs hingegen scheinen gegenüber diesen Indifferenzen recht blind zu sein - 97 Prozent von ihnen halten sich für gute Führungskräfte.
Jeder Siebte hat mehr Frust als Lust, Karrierespiegel 23.3.17

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Klare Anweisungen, Freiheit bei der Umsetzung 
Mittwoch, 29. März 2017 - Arbeit, Management
Der Wunsch nach flachen Hierarchien greift in den Unternehmen um sich. In einer Befragung von 12.000 Fach- und Führungskräften durch das Online-Portal Stepstone und die Beratung Kienbaum gaben 80 Prozent an, dass sie lieber eigenverantwortlich arbeiten als ständig vom Chef dirigiert zu werden. Von den Befragten waren 58 Prozent Fachkräfte ohne Personalverantwortung, 42 Prozent Führungskräfte aus der oberen und mittleren Managementebene. Zwei Drittel finden es am besten, wenn der Chef das Ziel vorgibt, sie in der Umsetzung aber frei sind. Der Trend zu flachen Hierarchien schafft auch Schwierigkeiten. Gerade im Mittelmanagement werden Führungskräfte dann leicht zu Übermittlern ohne Machtbefugnisse. Und die Mitarbeiter selbst müssen mehr Verantwortung übernehmen. Da stellt sich schnell die Frage, ob es überhaupt funktionieren kann, Ziele von oben vorzugeben und die Verantwortlichkeit für den Erfolg allein bei den Mitarbeitern zu sehen. Dies funktioniert am ehesten dann, wenn die gesamten Entscheidungsprozesse auf mehr Mitbestimmung ausgelegt sind - und wenn die, die mitentscheiden, auch in der Lage sind, die damit verbundene Verantwortung zu tragen.
Nur ein Chef, ganz oben, Zeit online 22.3.17

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Juristen entdecken die Meditation für sich 
Dienstag, 28. März 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit
Glück ist zu 40 Prozent eine Einstellungssache. Für Juristen keine leichte Sache, werden sie in ihrer Ausbildung doch vor allem in der Kultivierung ihres Problembewusstseins geschult. "Elementar in der Juristenausbildung ist das Problembewusstsein. Das kann mal im Wege stehen, aber als Faustformel gilt: 50 Prozent des Glücks liegen an der Genetik, 10 Prozent an äußeren Umständen und 40 Prozent an der Einstellung. So haben also auch wir Juristen alle Möglichkeiten, z.B. mittels Meditation an diesen 40 Prozent zu arbeiten. Ein leuchtendes Juristenbeispiel ist hier sicherlich Nelson Mandela", erklärt André Rode. Der ehemalige Wirtschaftsanwalt hat die Akademie für Meditation in Recht und Wissensgesellschaft (AMREWI) gegründet, um Fachkollegen Zugangswege zur Meditation aufzuzeigen. Für Rode ist es wichtig, dass Glück nicht etwas ist, dass uns allein durch das Tun zufällt, durch den Fleiß des Tüchtigen. Sondern dass es auch durch Mitgefühl in zwischenmenschlichen Beziehungen erwächst. Und auch wenn das Rechtswesen als sehr konservative Branche gilt, scheint der Meditationstrend auch hier langsam anzukommen. "Oft kommen die Berufsträger auf mich zu, nachdem sie über die Medien erfahren haben, dass immer mehr Entscheider in Recht, Wirtschaft und Politik Meditation praktizieren und die Neurowissenschaften dies empfehlen. Wer hört, dass an Law Schools wie Harvard, Berkeley und Yale, bei Konzernen wie Siemens, Bosch und BMW, aber auch in Kanzleien wie Ashurst oder Herbert Smith Freehills meditiert wird, ist gleich viel aufgeschlossener", so Rode.
"Glück ist zu 40 Prozent Einstellung - auch für Juristen", Legal Tribune Online 20.3.17

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Die subtile Macht des Geldes 
Montag, 27. März 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft, Arbeit
In vielen modernen Partnerschaften teilen die Partner heute ihr Einkommen, wenn beide unterschiedlich viel Geld verdienen. Unter dem Strich hat jedoch meist die Person das Sagen, die das meiste Geld verdient - und das ist vielen Beteiligten gar nicht bewusst. "Die Person, die mehr einzahlt, weil sie mehr verdient oder Einkünfte aus anderen Quellen hat, hat in der Regel auch mehr Zugriffsrecht auf das Konto. Ein gemeinsames Konto ist kein Beweis dafür, dass beide sich gleichermaßen bedienen können", so sie Ökonomin Miriam Beblo. Sie testete mit einem Experiment, wie Paare mit geschenktem Geld umgehen. Einmal erhielten beide Partner jeweils für sich einen Betrag zur eigenen Verfügung, das andere Mal wurde das Geld explizit einer der beiden Personen ausgehändigt. Dabei zeigte sich, dass in den meisten Fällen, die Person, die das Geld erhalten hatte, mehr Einfluss auf seine Verwendung ausübte. "Im Experiment ging es eben nicht um ein Arbeitseinkommen, sondern um einen zusätzlichen Gewinn, der den Teilnehmern in den Schoß fällt. Jetzt wissen wir aber aus der Literatur, dass Menschen Geld, das sie durch eigene Leistung verdient haben, einen höheren Wert beimessen als Geldgeschenken. Von einem Geschenk ist man eher bereit, etwas abzugeben. Wenn man das zusammennimmt, könnte man sogar vermuten, dass wir nur die Spitze des Eisbergs gesehen haben", erklärt Beblo. Es könnte also gut sein, dass wir uns als wesentlich gleichberechtigter wahrnehmen, als wir eigentlich sind beziehungsweise handeln. Interessant wäre, auch einmal die gesellschaftliche Bedeutung dieses Experiments weiter zu erforschen. Welche Bedeutung hat diese direkte Verfügungsgewalt über Geldmittel, dem in modernen Gesellschaften wichtigsten Medium für Teilhabe (an der Konsumgesellschaft), für Gestaltungsfähigkeit? Regiert Geld die Welt?
Paare scheitern daran, ihr Geld gerecht zu teilen, SZ 17.3.17

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Ganz im Augenblick verfliegt der Stress 
Freitag, 24. März 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Es gibt viele Möglichkeiten, auf Stress zu reagieren, manche davon konstruktiv, manche mit längerfristigen Nebenwirkungen. Wer sich kompetent fühlt, auch stressige Situationen durchzustehen, entwickelt Resilienz und wird so längerfristig in die Lage versetzt, weniger unter Stress zu leiden. Menschen, die sich auch unter Herausforderungen ihrer Werte bewusst bleiben und ihnen entsprechend handeln, fühlen sich psychisch weniger von Stress tangiert. Dann gibt es da noch die Stressvermeider, die allem, was herausfordert, lieber aus dem Weg gehen. Das mag zwar die Stressmomente reduzieren, führt aber auch über die Lebenszeit gesehen zu Stressgefühlen und einem verminderten Wohlbefinden. Australische Forscher untersuchten nun die Stressreaktionen von 143 Studenten und Universitätsmitarbeitern, die einen Achtsamkeitskurs absolvierten. Dabei zeigte sich: Diejenigen, die die Fähigkeit, im Augenblick zu verweilen, in besonderem Maße kultiviert hatten, reagierten auf Stresssituationen eher mit den beiden ersten, konstruktiven Strategien. Die anderen legten eher Vermeidungsverhalten an den Tag.
Present Moment Awareness buffers the effects of daily stress, mindful.org 15.3.17

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Vertrauen im Sinkflug 
Donnerstag, 23. März 2017 - Bewusstsein, Studien
Das Vertrauen in deutsche Parteien ist im Sinkflug - laut dem GfK Global Trust Report 2017 haben nur noch 18 Prozent der Deutschen Zutrauen in sie. Große Unternehmen und Konzerne landen mit 30 Prozent immerhin noch auf dem vorletzten Platz. Bodenständigere Branchen wie das Handwerk oder die Polizei genießen hingegen bei 85 Prozent der Bevölkerung Vertrauen. Auch die Justiz (67 Prozent) und die Verwaltung (65 Prozent) schneiden nicht schlecht ab. Die Autoindustrie ist, wahrscheinlich aufgrund des Abgasskandals, im Sturzflug - vor zwei Jahren vertrauten ihr noch 70 Prozent der Menschen, heute nur noch 53 Prozent. Es könnte allerdings sein, dass dieses Vertrauen nicht auf ewig verloren ist - oder die Menschen so lange vertrauen, bis sie persönlich negative Erfahrungen machen (oder Angst davor haben). Die Bekleidungs- und Schuhindustrie nämlich wird von 74 Prozent mit Vertrauen bedacht, Skandale über miese Arbeitsbedingungen in Niedriglohnländern scheinen hierzulande darauf kaum Einfluss zu haben.
Wem die Deutschen überhaupt noch vertrauen, Die Welt 16.3.17


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Um den Schlaf gebracht 
Mittwoch, 22. März 2017 - Studien, Arbeit
Schlaf scheint in der 24/7-Kultur der heutigen Zeit immer mehr zum Luxus zu werden. Und immer mehr Menschen leiden unter zum Teil akuten Schlafproblemen. Laut DAK-Gesundheitsreport sind seit 2010 die Schlafstörungen unter den 35- bis 65-jährigen Arbeitnehmern um 66 Prozent gestiegen. Schon jeder zehnte Arbeitnehmer leidet unter der schweren Schlafstörung Insomnie, hat Ein- und Durchschlafstörungen, beklagt eine schlechte Schlafqualität und leidet unter Tagesmüdigkeit und Erschöpfung. Insgesamt berichten fast 80 Prozent der Arbeitnehmer von Schlafproblemen, die Hälfte ist bei der Arbeit müde. Fatal ist, dass die meisten Betroffenen versuchen, selbst mit den Problemen zurecht zu kommen. Nur knapp fünf Prozent gehen deshalb zum Arzt. Der Schlafmittelgebrauch hat sich seit 2010 unter den Arbeitnehmern verdoppelt und fast jeder Vierte nimmt die Einschlafhilfen länger als drei Jahre ein.
Schlafstörungen nehmen zu, WiWo 15.3.17


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