Juristen entdecken die Meditation für sich 
Dienstag, 28. März 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit
Glück ist zu 40 Prozent eine Einstellungssache. Für Juristen keine leichte Sache, werden sie in ihrer Ausbildung doch vor allem in der Kultivierung ihres Problembewusstseins geschult. "Elementar in der Juristenausbildung ist das Problembewusstsein. Das kann mal im Wege stehen, aber als Faustformel gilt: 50 Prozent des Glücks liegen an der Genetik, 10 Prozent an äußeren Umständen und 40 Prozent an der Einstellung. So haben also auch wir Juristen alle Möglichkeiten, z.B. mittels Meditation an diesen 40 Prozent zu arbeiten. Ein leuchtendes Juristenbeispiel ist hier sicherlich Nelson Mandela", erklärt André Rode. Der ehemalige Wirtschaftsanwalt hat die Akademie für Meditation in Recht und Wissensgesellschaft (AMREWI) gegründet, um Fachkollegen Zugangswege zur Meditation aufzuzeigen. Für Rode ist es wichtig, dass Glück nicht etwas ist, dass uns allein durch das Tun zufällt, durch den Fleiß des Tüchtigen. Sondern dass es auch durch Mitgefühl in zwischenmenschlichen Beziehungen erwächst. Und auch wenn das Rechtswesen als sehr konservative Branche gilt, scheint der Meditationstrend auch hier langsam anzukommen. "Oft kommen die Berufsträger auf mich zu, nachdem sie über die Medien erfahren haben, dass immer mehr Entscheider in Recht, Wirtschaft und Politik Meditation praktizieren und die Neurowissenschaften dies empfehlen. Wer hört, dass an Law Schools wie Harvard, Berkeley und Yale, bei Konzernen wie Siemens, Bosch und BMW, aber auch in Kanzleien wie Ashurst oder Herbert Smith Freehills meditiert wird, ist gleich viel aufgeschlossener", so Rode.
"Glück ist zu 40 Prozent Einstellung - auch für Juristen", Legal Tribune Online 20.3.17

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Die subtile Macht des Geldes 
Montag, 27. März 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft, Arbeit
In vielen modernen Partnerschaften teilen die Partner heute ihr Einkommen, wenn beide unterschiedlich viel Geld verdienen. Unter dem Strich hat jedoch meist die Person das Sagen, die das meiste Geld verdient - und das ist vielen Beteiligten gar nicht bewusst. "Die Person, die mehr einzahlt, weil sie mehr verdient oder Einkünfte aus anderen Quellen hat, hat in der Regel auch mehr Zugriffsrecht auf das Konto. Ein gemeinsames Konto ist kein Beweis dafür, dass beide sich gleichermaßen bedienen können", so sie Ökonomin Miriam Beblo. Sie testete mit einem Experiment, wie Paare mit geschenktem Geld umgehen. Einmal erhielten beide Partner jeweils für sich einen Betrag zur eigenen Verfügung, das andere Mal wurde das Geld explizit einer der beiden Personen ausgehändigt. Dabei zeigte sich, dass in den meisten Fällen, die Person, die das Geld erhalten hatte, mehr Einfluss auf seine Verwendung ausübte. "Im Experiment ging es eben nicht um ein Arbeitseinkommen, sondern um einen zusätzlichen Gewinn, der den Teilnehmern in den Schoß fällt. Jetzt wissen wir aber aus der Literatur, dass Menschen Geld, das sie durch eigene Leistung verdient haben, einen höheren Wert beimessen als Geldgeschenken. Von einem Geschenk ist man eher bereit, etwas abzugeben. Wenn man das zusammennimmt, könnte man sogar vermuten, dass wir nur die Spitze des Eisbergs gesehen haben", erklärt Beblo. Es könnte also gut sein, dass wir uns als wesentlich gleichberechtigter wahrnehmen, als wir eigentlich sind beziehungsweise handeln. Interessant wäre, auch einmal die gesellschaftliche Bedeutung dieses Experiments weiter zu erforschen. Welche Bedeutung hat diese direkte Verfügungsgewalt über Geldmittel, dem in modernen Gesellschaften wichtigsten Medium für Teilhabe (an der Konsumgesellschaft), für Gestaltungsfähigkeit? Regiert Geld die Welt?
Paare scheitern daran, ihr Geld gerecht zu teilen, SZ 17.3.17

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Ganz im Augenblick verfliegt der Stress 
Freitag, 24. März 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Es gibt viele Möglichkeiten, auf Stress zu reagieren, manche davon konstruktiv, manche mit längerfristigen Nebenwirkungen. Wer sich kompetent fühlt, auch stressige Situationen durchzustehen, entwickelt Resilienz und wird so längerfristig in die Lage versetzt, weniger unter Stress zu leiden. Menschen, die sich auch unter Herausforderungen ihrer Werte bewusst bleiben und ihnen entsprechend handeln, fühlen sich psychisch weniger von Stress tangiert. Dann gibt es da noch die Stressvermeider, die allem, was herausfordert, lieber aus dem Weg gehen. Das mag zwar die Stressmomente reduzieren, führt aber auch über die Lebenszeit gesehen zu Stressgefühlen und einem verminderten Wohlbefinden. Australische Forscher untersuchten nun die Stressreaktionen von 143 Studenten und Universitätsmitarbeitern, die einen Achtsamkeitskurs absolvierten. Dabei zeigte sich: Diejenigen, die die Fähigkeit, im Augenblick zu verweilen, in besonderem Maße kultiviert hatten, reagierten auf Stresssituationen eher mit den beiden ersten, konstruktiven Strategien. Die anderen legten eher Vermeidungsverhalten an den Tag.
Present Moment Awareness buffers the effects of daily stress, mindful.org 15.3.17

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Selbst-Tuning via App 
Donnerstag, 9. März 2017 - Lebensart, Psychologie, Arbeit
Besser schlafen, besser denken, besser leben - für viele Lebensbereiche gibt es inzwischen Apps, mit denen an sich selbst arbeiten, die eigenen Verhaltensmuster reflektieren und verändern kann oder einfach im hektischen Arbeitsalltag ein bisschen ausspannt. Die Grenzen zwischen Coaching-ähnlichen Hilfsmitteln und Programmen, die sensiblere psychische Bereiche ansprechen, sind dabei fließend. "Nicht alle Angebote, die man im Internet oder App Stores findet, sind auch empfehlenswert", zitiert die Wirtschaftswoche Philipp Klein, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums Schleswig-Holstein. Die Psychologin Corinna Jacobi, Professorin an der Technischen Universität Dresden, warnt: "Derzeit existieren noch keine klaren Qualitätsstandards." In einer Welt, in der im Prinzip jeder eine App programmieren und verkaufen kann, wünschen sich die Experten aus Medizin und Psychologie mehr Transparenz im Hinblick darauf, welche Wirkungen von Apps realistisch zu erwarten sind, für welche Zielgruppen sie geeignet sind, und auch darüber, was Anwender in Krisensituationen unternehmen können. Psychisch Gesunde dürften keine Probleme damit haben, wenn die Nutzung einer App ihnen nicht zu den erwarteten Ergebnissen verhilft. Doch kann es kritisch werden, wenn ohnehin schon entmutigte Menschen im Umgang mit digitalen Helfern weitere Negativerlebnisse machen.
Mit ein paar Klicks zur inneren Balance, WiWo 28.2.17

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Zukunft soll lieber überraschen 
Freitag, 3. März 2017 - Psychologie, Studien
Wüssten Sie gerne, wie es Ihnen in 20 Jahren geht? Ob Sie gesund oder krank sind, in einer Partnerschaft? Falls ja, sind Sie eher eine Ausnahme, denn die meisten Menschen lassen sich von der Zukunft lieber überraschen. Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung untersuchte mit mehr als 2.000 Menschen aus Spanien und Deutschland, ob sie gerne mehr über ihre Zukunft wüssten. 86 bis 90 Prozent gaben an, über negative künftige Entwicklungen lieber nichts wissen zu wollen. Selbst wenn es um Positives ging, zeigten lediglich 40 bis 70 Prozent Interesse. Der Hang, Unschönes auszublenden, mag nicht weiter überraschen. Doch anscheinend lässt sich der Mensch doch lieber überraschen - selbst wenn auch böse Überraschungen auf ihn warten.
Wir wollen es nicht wissen, scinexx.de 24.2.17

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Ausgrenzung fördert Verschwörungsmentalität 
Donnerstag, 2. März 2017 - Psychologie, Studien
Menschen, die sich ausgeschlossen fühlen, suchen verstärkt nach Sinn in ihrem Leben - und sie sind zugänglicher für Verschwörungstheorien. Zu diesem Ergebnis kommt eine amerikanische Studie. In einem ersten Test ließen die Wissenschaftler 119 Probanden eine unangenehme Begebenheit aus ihrem Leben erzählen, an der ein oder mehrere enge Freunde beteiligt waren. Danach wurden sie gefragt, wie sie sich gerade fühlten, wobei explizit auch nach einem Gefühl der Ausgeschlossenheit gefragt wurde. Außerdem sollten sie angeben, wie stark sie sich in ihrem Leben nach Bedeutung sehnen. Anschließend wurden ihnen mehrere Verschwörungstheorien zur Beurteilung vorgelegt. Bei der Auswertung zeigte sich, dass diejenigen, die ein Gefühl der Ausgeschlossenheit beklagt hatten, sich stärker als andere Probanden nach Bedeutsamkeit sehnten und auch zugänglicher für die Verschwörungstheorien waren. Die Wissenschaftler sehen hier die Gefahr eines Teufelskreises im Hinblick auf mögliche gesellschaftliche Entwicklungen. Menschen, die sich bereits nicht akzeptiert fühlten, flüchteten sich dann in Verschwörungstheorien, was sie nur noch weiter von der Gesellschaft entferne.
Ausgeschlossenheit verstärkt Verschwörungsmentalität, spektrum.de 21.2.17

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Wann Lob besonders wirkt 
Dienstag, 28. Februar 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Lob motiviert, so viel ist klar. Aber gibt es auch Kontexte, in denen es sich als besonders wirkungsvoll erweist? Eine Studie der Universität Konstanz ging dieser Frage nach und untersuchte das Verhalten von 300 Studierenden, die zu Semesteranfang und -ende jeweils eine Klausur in Mikroökonomie zu schreiben hatten. In einer Studierendengruppe wurden nach der ersten Benotung die besten 30 Prozent vor versammelter Mannschaft gelobt, in der anderen nicht. Bei der Folgeklausur zeigte sich, dass sich insbesondere diejenigen, die bei der ersten Klausur nur knapp schlechter abgeschnitten hatten als die erwähnten 30 Prozent der Besten sich deutlich verbessert hatten. Die ohnehin schon sehr guten Studenten wiesen diese Verbesserung nicht auf. Die Forscher gehen davon aus, dass es vor allem die durch das Lob kommunizierte implizite Norm war, die zu diesen Verbesserungen beitrug. Sie gab denen, die sie knapp verfehlt hatten, einen Anhaltspunkt, sich noch stärker für das wünschenswerte Ergebnis zu engagieren.
Wem Lob wirklich hilft, spektrum.de 20.2.17

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Achtsamkeit lindert Angst 
Montag, 27. Februar 2017 - Psychologie, Studien
Eine neue amerikanische Studie zeigt, wie Patienten mit Angststörungen von Achtsamkeitsübungen profitieren können. Für die Untersuchung wurden 89 Probanden in zwei Gruppen eingeteilt - eine erhielt einen achtwöchigen MBSR-Kurs zum Training ihrer Achtsamkeit, während die andere an einem gleich langen Stressmanagement-Kurs teilnahm mit dem Fokus auf Verhaltensänderungen, besserem Schlaf und Wohlbefinden. Vor und nach der Studie absolvierten alle Probanden den Trier-Stress-Test, bei dem sie vor Publikum eine Rede halten mussten. Bei den Achtsamkeit Übenden verringerten sich nach dem Kurs die Stresshormone deutlich und sie empfanden weniger Ängste. Die Probanden, die am Stressmanagement teilgenommen hatten, verspürten indes nach dem Kurs beim Halten der Rede sogar größere Angst.
Angststörungen: Meditation statt Medikamente, esanum 19.2.17

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