Kultur macht froh 
Donnerstag, 28. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Kulturelle Veranstaltungen zu besuchen oder ins Museum zu gehen, ist mehr als nur ein schöner Zeitvertreib. Eine britische Langzeitstudie mit 2.148 Probanden im Alter zwischen 52 und 89 Jahren zeigt: Wer regelmäßig erbauliche kulturelle Impulse in seinem Leben hat, läuft weniger Gefahr, depressiv zu werden. Ob Theater, Kino oder Kunst - Menschen, die mindestens einmal im Monat oder auch häufiger kulturellen Aktivitäten nachgehen, zeigen ein um 50 Prozent geringeres Risiko, an einer Depression zu erkranken, im Vergleich mit jenen, die seltener als ein Mal pro Jahr dem Wahren, Schönen, Guten nachgehen. Die Gesundheit der Probanden, ihre finanzielle Situation wie auch, ob sie eher introvert oder gesellig sind, scheint dabei keinen Unterschied zu machen. Man kann also sagen, Kultur fördert die geistige Gesundheit und das Wohlbefinden.
Ihr Arzt empfiehlt: Kultur, Psychologie heute 13.3.19

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Wenn Antidepressiva zur Dauerlösung werden 
Mittwoch, 27. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Die Verschreibungszahlen von Antidepressiva sind im Steigeflug - in Deutschland haben sie sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt und auch in anderen Ländern zeigen sich ähnliche Tendenzen. Eine britische Studie richtet nun den Blick darauf, was sich hier zusammenbraut. Befragt wurden 752 Menschen, die die Medikamente nehmen. Drei Viertel gaben dabei an, dies schon seit einem Jahr zu tun. Bei 20 Prozent kommen sogar schon seit zehn Jahren nicht ohne ihre Tabletten aus. Ein Viertel der Befragten äußerte, die Medikamente nicht absetzen zu wollen. Diese Langzeiteinnahme dürfte also, was die Verschreibungszahlen insgesamt angeht, zur Kumulation über viele Jahre beitragen. Ein Wunder Punkt - vielen Menschen scheint es, selbst wenn sie wollen, nicht zu gelingen, von Antidepressiva wieder runterzukommen. 60 Prozent der Befragten hatten dies bereits erfolglos versucht. Von denen, die es geschafft haben, berichteten 30 Prozent, dass es sehr schwer gewesen sei. Eine mehr als bedenkliche Entwicklung, zumal es für Menschen, die psychisch nicht stabil sind, aber vielleicht keine Pillen schlucken möchten, anscheinend nur wenig Hilfen gibt, dennoch ihr Leben angemessen gestalten zu können. Hier geht es um mehr als individuelle Erkrankungen. Datenbefunde wie dieser zeugen von einer kranken Kultur.
Langzeitnutzung von Antidepressiva weit verbreitet, spektrum.de 25.3.19

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Abgelenkt im Job - vor allem durch die Kollegen 
Dienstag, 26. März 2019 - Psychologie, Studien, Arbeit
Konzentriertes Arbeiten scheint in Zeiten um sich greifender digitaler Demenz immer mehr zum Kraftakt zu werden. Dabei sind, zumindest im Job, gar nicht mal die virtuellen Verlockungen die größten Aufmerksamkeitsdiebe. Einer repräsentativen Studie zufolge lassen sich 86 Prozent der Befragten regelmäßig beim Arbeiten ablenken. Häufigste Störquelle - quatschende Kollegen und Privatgespräche. Von ihnen lassen sich zwei Drittel vom produktiven Arbeiten abhalten. Dem Smartphone fällt hingegen nur jeder dritte Befragte zum Opfer. Jeder Vierte lenkt sich selbst ab, in er private Mails schreibt. Die gute Nachricht: Bei zwei Dritteln belaufen sich die täglichen Ablenkungen auf unter einer halben Stunde. Nur zehn Prozent sind eine Stunde oder länger am Tag nicht bei der Sache. Knapp zehn Prozent behaupten von sich, gar nicht abgelenkt zu sein. Ob das stimmt? Vielleicht sind aber auch einfach so abgelenkt, dass sie nicht einmal mehr merken, wo sie mit den Gedanken sind. Irgendwie schade finde ich ja, dass in der Untersuchung nicht danach gefragt wurde, ob Tagträumen die Menschen von der Arbeit ablenkt. Vielleicht bin ich ja auch einfach zu altmodisch. Und im Job gibt es ja wirklich viel zu tun. Da sind die Small Talks mit den Kollegen, das Smartphone, die privaten Mails - da mag fürs Träumen schlicht die Zeit fehlen...
Das sorgt für Ablenkung im Büro, FAZ 22.3.19

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Wenn Arbeit zur Identifikationsquelle wird 
Mittwoch, 20. März 2019 - Psychologie, Arbeit, Management
Wir haben uns schon so daran gewöhnt, in Arbeitskontexten auch die Sinnfrage zu stellen, dass wir ganz aus dem Blick verlieren, dass dies ein relativ neues Phänomen ist. Heute sagen wohl die meisten Menschen von sich, dass sie sich einen Job wünschen, der ihnen das Gefühl gibt, etwas Sinnvolles zu tun. Noch in den 1980er Jahren machten hingegen viele Menschen eine klare Trennung zwischen ihrer Arbeit und ihrem wirklichen Leben, erklärt der Arbeitspsychologe Theo Wehner in einem Interview mit der Zeit. "Heute erwarten wir von einem Unternehmen sinnstiftende Aufgaben, kreative Freiheiten und gemeinwohlorientierte Unternehmensziele. Der Anteil an Unternehmen, die mit ihrer Arbeit – egal ob in Form von Dienstleistungen oder der Produktion von Waren – einen sozialökologischen Mehrwert verfolgen, wächst stark an. Viele Menschen wollen heute bei einem Unternehmen arbeiten und einkaufen, in dem ökologisch und menschlich gedacht wird", so Wehner. Er findet, dass heutige "Bullshit-Jobs" an Maschinen delegiert werden sollten, damit Menschen die Freiheit bekommen, zu tun, was sie wirklich möchten. Eine Entkopplung vom Zwang, mit der Arbeit den eigenen Lebensunterhalt sicherzustellen, wie sie beispielsweise die Idee des Grundeinkommens vorsieht, könnte dies bewirken: "je weniger Geld als Motivation für die Arbeit herhalten muss, desto eher können sich Menschen einen Job aussuchen, der für sie Sinn ergibt. Wenn man Arbeit von Geld entkoppelt wie in der Freiwilligenarbeit, dann übernehmen Menschen nur noch Aufgaben, die ihnen sinnvoll erscheinen. Und Sinn ist die beste Motivationsquelle überhaupt." Diese Freiheit wäre auch ein hervorragender Indikator dafür, was wir ganz grundsätzlich als sinnvoll erachten und was nicht.
Sinn ist die beste Motivationsquelle überhaupt", zeit.de 13.3.19

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Mitarbeiter vor Burn-out bewahren 
Freitag, 15. März 2019 - Psychologie, Arbeit, Management
Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Firmen längst dazu, mögliche psychische Gefährdungen ihrer Arbeitnehmer zu untersuchen und zu dokumentieren. Und die steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen legen nahe, wie dringend notwendig dies ist. Aber wie erkennen, ob ein Mitarbeiter auf dem Weg dazu, ist eine Depression oder einen Burn-out zu entwickeln? Der Start-up Humangold hat einen Online-Fragebogen entwickelt, mit dem Firmen herausfinden können, wo im Unternehmen Schwachstellen sind. Es werden Daten zu Arbeitszufriedenheit erhoben. Auch wird danach gefragt, ob Mitarbeiter sich bevormundet fühlen oder viele Freiheiten bei der Ausgestaltung ihrer Aufgaben haben. Überstunden und Zeitdruck bei der Arbeit sind ebenso ein Thema wie die Einschätzung der Vorgesetzten - haben diese ein offenes Ohr für ihre Untergebenen, erkennen sie deren Arbeit an? Man möchte sich wünschen, dass mehr Unternehmen Instrumente wie dieses nutzen, um sich aktiv für ein gesünderes Arbeitsklima einzusetzen.
Ein Start-up will helfen, depressive Mitarbeiter zu erkennen, welt.de 5.3.19

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Was man hat, gibt man ungern wieder her 
Freitag, 8. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wer unerwartet etwas gewinnt, ist sicher gerne bereit, anderen etwas abzugeben. Möchte man meinen, stimmt aber nicht. Eine britische Studie mit mehr als 1.300 Probanden zeigt: Solange Menschen nur die ungewisse Aussicht auf einen Gewinn haben, ist ihre theoretische Bereitschaft, zu teilen, deutlich höher ausgeprägt, als bei Menschen, die den Gewinn schon erhalten haben. "Wer vor der Bekanntgabe der Gewinner entscheiden musste, ob er etwas von seinem Gewinn abgeben wollte, zeigte sich spendabler. Die betreffenden Probanden spendeten mit einer 23 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit als Teilnehmer, die sich bereits sicher waren, dass sie den Bonus erhalten würden. Außerdem griffen Personen, die noch auf ihr Glück hofften, auch 25 Prozent tiefer in die Tasche als die Vergleichsgruppe", so Gehirn&Geist über die Studie. Es scheint also zu gelten: Was man einmal hat, gibt man nur ungern wieder her. Die Studie legt gemeinnützigen Organisationen, die um Spenden werben, deshalb nahe, an die Selbstverpflichtung möglicher Spender zu appellieren, noch bevor diese zu Geld kommen. Kampagnen zum Jahresende beispielsweise könnten, bevor die jährlichen Boni ausgezahlt werden, bereits Spenden einwerben.
Geldsegen macht geizig, spektrum.de 27.2.19

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Grün stärkt die Psyche selbst in der Stadt 
Dienstag, 5. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Die Psychologie weiß schon länger, dass das Landleben der Psyche besser tut als urbane Umgebungen. Eine dänische Langzeitbetrachtung zeigt nun, dass auch die Stadt der Psyche nicht unbedingt schaden muss, so lange Kinder mit genügend Grün in ihrer Umgebung aufwachsen. In der Datenbetrachtung wurde deutlich, dass Kinder, die mit Parks oder Grünanlagen in ihrer Umgebung aufwachsen, ein um bis zu 55 Prozent geringeres Risiko für die Entwicklung psychischer Erkrankungen aufweisen. Ein Befund, der vor allem im Hinblick auf die stetig zunehmende Urbanisierung für künftige Generationen immer bedeutsamer werden dürfte. Die Studie vermag noch keine Aussagen darüber zu treffen, wie viel Grün die Psyche wirklich braucht. Einige sozioökonomische Faktoren, die ebenfalls Effekte haben dürften, wie die Tatsache, dass eher Menschen mit gutem Einkommen und entsprechendem Lebensstil in grünen Stadtvierteln leben, wurden bei der Studie bereits berücksichtigt, weitere müssten in künftigen Untersuchungen geklärt werden, um den wirksamen Zusammenhängen noch näher zu kommen. Deutlich ist aber auch, wie wichtig die Natur für das menschliche Wohlbefinden ist.
Je grüner die Stadt, desto gesünder ihre Kinder, zeit.de 25.2.19

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Aufschieberitis im Management 
Dienstag, 26. Februar 2019 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Bei manchen Studien frage ich mich, welche Erkenntnisse sie jenseits der Vermittlung von Daten im Sinn haben. Gehirn&Geist etwa berichtet über die Forschung zweier russischer Psychologinnen, die den Hang zum Aufschieben und das Verhältnis zu Zeit bei Führungskräften untersucht haben. Dabei zeigte sich: Top-Manager schauen vor allem in die Zukunft, halten sich nicht lange mit Fehlschlägen auf und lassen sich weniger durch Nebensächliches oder Privates ablenken. Damit einher gehe eine geringere Neigung, Dinge aufzuschieben. Im mittleren Management hingegen sieht es anders aus. Im mittleren Management scheinen Führungskräfte dagegen stärker mit den Fehlern der Vergangenheit beschäftigt zu sein. Und ihre persönlichen Vorlieben können auch mal zur Ablenkung werden. Da bleibt leicht einmal was liegen. Womöglich sind diese unterschiedlichen Neigungen auch eine Folge der verschiedenen Arbeitsvoraussetzungen. Top-Leader sind meist genau dazu da, in die Zukunft zu schauen und das Ziel vorzugeben. Das Mittelmanagement hingegen ist stärker mit der realen Umsetzung beschäftigt - und spielen eben auch die Fehler der Vergangenheit eine Rolle. Das ist dann vielleicht kein Fatalismus, sondern auch der Versuch, aus dem, was nicht funktioniert hat, zu lernen, um es künftig besser zu machen. Und immer alles möglichst effizient und zack-zack abzuarbeiten, ist vielleicht auch nicht immer die beste Lösung. Wohl jeder macht immer wieder die Erfahrung, dass vieles sich auch von selbst erledigt.
Zeitmanagement in den Chefetagen, spektrum.de 20.2.19

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