Von Konsumieren auf Kümmern umschalten 
Montag, 30. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Die Corona-Krise zwingt das Leben, wie wir es kennen, in die Knie. Und manche hoffen bereits, dass die neuen Erfahrungsräume, die sich im Angesicht des Unbeherrschbaren auftun, vielleicht auch einen kulturellen Wandel nach sich ziehen. Die Philosophin Svenja Flaßpöhler etwa richtet den Blick darauf, dass jetzt, wo unsere üblichen Konsumtaktiken um erliegen kommen, vielleicht das Kümmern stärker in den Vordergrund rückt. "Jetzt merken wir, wie wichtig das Kümmern, Sorgen und Verpflegen ist. Und gleichzeitig realisieren wir eben auch, wie sehr unser ganzes System darauf angelegt ist, dass wir konsumieren und produzieren, um diese Endlosschleife am Laufen halten. Jetzt merken wir, wie fragil dieses kapitalistische System ist und dass es möglicherweise nun angezeigt ist, diese Hierarchie ganz neu zu denken", sagt sie in einem Interview mit der Deutschen Welle. Die Philosophin geht nicht so weit, gleich einen großen Umbruch zu denken, sie sieht eher an den Rändern des bestehenden Systems Chancen für Veränderungen: "Diese Krise und dieser Stillstand ist ein Denkraum, der uns geschenkt wird. Ich würde jetzt nicht so weit gehen und sagen: Wir brauchen den antikapitalistischen Kampf und die große Revolution. Aber wir können natürlich einzelne Elemente innerhalb dieses Systems neu denken, die schon seit längerer Zeit in der Diskussion sind. Und da gehören Home Office, größere Flexibilität und Familienvereinbarkeit absolut dazu." Gleichwohl ist für Flaßpöhler, und da bezieht sie sich auf den antiken Glücksbegriff, die gegenwärtige Zeit ein guter Moment, grundsätzlich tiefer zu gehen und zu hinterfragen, denn: "Nur ein moralisches Leben ist auch ein gutes Leben." Fanden zumindest die alten Philosophen.
Philosophin Flaßpöhler: "Der Stillstand schenkt uns einen Denkraum", Deutsche Welle 21.3.20

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Die Arbeit geht online 
Freitag, 27. März 2020 - Lebensart, Arbeit
Wohl nie zuvor haben so viele Menschen so spontan ihre Arbeit ins Virtuelle verlagern müssen. Home Office, vor einigen Wochen in vielen Firmen noch ein Thema mit viel Gesprächsbedarf, ist dabei, unter den Vorzeichen von Corona zu einem neuen Standard zu werden. Und man darf gespannt, ob diese Möglichkeitsräume bleiben werden, wenn die Krise wieder abflaut. Für viele Selbstständige werden Angebote via Videokonferenz nun zur Möglichkeit, wenigstens einen Teil ihrer Einnahmeausfälle zu kompensieren - indem sie beispielsweise ihren Musikunterricht oder Yoga-Stunden ins Internet verlagern. Als Freiberuflerin lebe ich seit Jahren sehr virtuell. Für uns im Team des evolve Magazins läuft gegenwärtig beispielsweise die Produktion der aktuellen Ausgabe wie immer, denn als verteiltes Team sind Videokonferenzen schon lange unser primärer Arbeitsmodus. Und wir halten seit Jahren viele Kurse rund um Meditation und Bewusstseinsentwicklung online ab. Dabei machen wir die Erfahrung, dass menschliches Miteinander auch im Angesicht eines Computermonitors eine besondere Tiefe entfalten kann. Vielleicht sind die Herausforderungen dieser Tage ja auch eine Möglichkeit, uns im virtuellen kulturell weiterzuentwickeln?
Selbst Yoga-Unterricht geht aus dem Homeoffice, spiegel.de 18.3.20

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Das Leben völlig neu wahrnehmen 
Dienstag, 24. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Viele Menschen machen in diesen Tagen die Erfahrung, dass bei all den schlimmen und herausfordernden Entwicklungen, deren Zeugen wir gerade werden und von denen wir selbst betroffen sind, die Corona-Krise auch etwas zu öffnen scheint. Sie verändert unsere Wahrnehmung des Lebens auf einer tiefgreifenden Ebene. "Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt 'endet', aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren", schreibt etwa der Zukunftsforscher Matthias Horx. In einem Essay lädt er dazu ein, bewusst nach den positiven Möglichkeiten zu suchen, die in den gegenwärtigen Umbrüchen liegen - nicht im Sinne einer naiven Beschönigung, sondern aus der Offenheit, die entsteht, wenn das Gewohnte kollabiert. "Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren", so Horx.
Die Welt nach Corona

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Kann die Corona-Krise unsere Ego-Kultur überwinden? 
Montag, 23. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Wir sind noch ganz am Anfang zu erfassen, was uns hier mit der Corona-Krise entgegen kommt. Und wir erleben sie aufgrund all der äußeren Einschränkungen, die wir gerade erfahren, wahrscheinlich zunächst vor allem als ein äußeres Ereignis. Doch gibt es schon erste Stimmen, die bereit sind, tiefer zu schauen. "Der Virus hält uns einen Spiegel vor. Er zwingt uns dazu, uns unseres eigenen Verhaltens und dessen Einfluss auf die Gemeinschaft bewusst zu werden. Dieser Spiegel lädt uns ein, unseren inneren Ort vom Ego zu einer Eco-Wahrnehmung zu verlagern", schreibt etwa der Transformationsexperte Otto Scharmer in einem Aufsatz zur Corona-Krise. Er beschreibt, dass unser Umgang mit Krisen, die Frage, ob wir erstarren und uns abwenden, oder uns ihr zuwenden, sowohl eine persönliche wie eine kollektive Dimension hat. Die Krise zu leugnen oder, wie in Amerika zu beobachten, egoistische Alleingänge zu propagieren, feuere eine Spirale der Selbstzerstörung an, findet Scharmer. Er stellt die - herausfordernde - Frage: "Was wäre, wenn wir den Umbruch als Chance begreifen, all das loszulassen, was in unserem Leben, unserer Arbeit und unseren institutionellen Routinen nicht notwendig ist?" Es ist spannend, sich auf diese Frage einzulassen. Denn wenn sich der erste Frust darüber, dass unser Leben gerade Kopf steht, legt, und wenn vielleicht sogar einige unserer berechtigten Ängste leiser werden, tut sich etwas auf. Man kommt wieder tiefer in Kontakt mit all dem, was wirklich wesentlich ist - und was in der alltäglichen Betriebsamkeit und der Einbindung in die Systeme as usual leicht aus der Wahrnehmung fällt. Scharmer äußert eine Hoffnung: "Vielleicht sind wir gerade zu einem globalen Moment aufgerufen, in dem alles und jeder für einen Augenblick innehält, für einen Moment der Stille, einen Moment der Verbindung zur Quelle."
Eight Emerging Lessons: From Coronavirus to Climate Action, 16.3.20

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Auf die Bedürfnisse statt aufs Wachstum schauen 
Freitag, 20. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Die ungleichen Einkommenschancen von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt werden immer wieder zum Thema. Die Soziologin Gabriele Winker findet, dass es nicht ausreicht, nur über die unterschiedlichen Präferenzen der Geschlechter bei der Berufswahl zu diskutieren. Ihrer Erfahrung nach wird noch viel zu wenig betrachtet, dass die so genannte Care Arbeit, das Sorgen für die Familie, Haushalt oder die Betreuung von Verwandten, viel zu wenig als gesamtgesellschaftliches Thema wahrgenommen wird. Wo Care-Arbeit immer noch stärker von Frauen als von Männern wahrgenommen werde, müsse man über grundsätzliche Systemveränderungen nachdenken und vor allem über eine wirklich gemeinschaftliche Solidarität. "Nach wie vor wird die vor allem von Frauen ausgeführte unentlohnte Sorgearbeit in der Familie gesellschaftlich abgewertet und kaum unterstützt. Die Arbeitsteilung geht also mit einer Hierarchie der Geschlechter einher. Wenn wir das durchbrechen wollen, müssen wir die Trennung zwischen entlohnter und unentlohnter Arbeit aufheben. Dafür muss es uns gelingen, die entlohnte Arbeit zurückzudrängen. Zunächst bedarf es einer existenziellen Absicherung aller Menschen, beispielsweise durch das bedingungslose Grundeinkommen. Ferner muss Vollzeiterwerbsarbeit auf maximal 30 Wochenstunden begrenzt werden. Nur so bleibt Zeit für familiäre Sorge und auch Muße. Letztendlich plädiere ich für eine solidarische Gesellschaft: Eine solche Gesellschaft muss das Zusammenleben ausgehend von menschlichen Bedürfnissen gestalten, anstatt sich weiter an Wachstum und Profit auszurichten", sagt Winker in einem Interview in der Zeit. Gedankengänge wie diese sollten viel öfter öffentlich Beachtung finden, zumal die starke Fokussierung auf Erwerbsarbeit - die wachsende Zahl an Stresserkrankungen zeigt dies deutlich - beide Geschlechter immer mehr an die Grenze zur Überforderung bringt.
"Frauen wollen nicht nur Kinder gebären, damit andere sie betreuen", zeit.de 6.3.20

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Zwischen Pessimismus und möglicher Verbundenheit 
Mittwoch, 18. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Noch schwappt die Corona-Krise mehr oder weniger über uns hinweg und wir sitzen staunend im Zentrum einer Entwicklung, deren weitere Folgen für niemanden auch nur zu erahnen sind. Das Zukunftsinstitut wirft indes bereits einen Blick auf mögliche Szenarien, wie die aktuellen Erfahrungen auf unser globales Zusammenleben wirken könnten. Anhang der Skalen Optimismus/Pessimismus und lokal/global sehen die Zukunftsforscher vier Szenarien, zu denen die Corona-Erfahrung führen könnte. Die positivste Möglichkeit wäre, wenn sich Optimismus und eine globale Haltung treffen und sich ein Adaptionsprozess zur resilienten Gesellschaft gestaltet. Damit meinen die Forscher, dass die Weltwirtschaft zu einem gesunden Verhältnis von lokalem und globalem Handel findet und damit zu einem insgesamt gesünderen Wirtschaftssystem, dass wir Menschen uns als Teil einer Weltgesellschaft aufeinander beziehen und unser Gesundheitsverständnis nicht nur ganzheitlich im Hinblick auf den eigenen Körper und Geist, sondern auch auf unser Zusammenwirken mit der Umwelt wird. Gelingt diese globale Perspektive nicht, wären auch lokale Wir-Kultur-Zusammenhänge denkbar, die sich allerdings in begrenzten, überschaubaren Beziehungsräumen entfalten. Nicht auszuschließen sei aber auch, dass wir uns weltweit in einen permanenten Krisenmodus, gepaart mit Ressourcenverteidigung, hineinmanövrieren und all unsere bestehenden Systeme langfristig crashen. Schlimmstenfalls könnte das in einem Kampf aller gegen alle gipfeln. Wir sollten uns bewusst machen, dass gegenwärtig all diese beschriebenen Szenarien durchaus denkbar sind. Und dass es von uns allen abhängt, was aus dieser Krise hervorgehen kann (oder durch sie verloren geht).
Zukunftsinstitut: Der Corona-Effekt

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In der Krise geeint im Verzicht 
Dienstag, 17. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Die Bedrohung durch den Corona-Virus lässt uns alle mehr zusammenrücken, zumindest innerlich, denn seit das soziale Leben immer mehr zum Erliegen kommt, sind wir vor allem im Verzicht miteinander verbunden. WELT-Redakteur Moritz Seyffarth, 26 Jahre alt, stellt in einem Kommentar eine Beziehung zur Diskussion über die Klimakrise her, in der vor allem die Jungen von der älteren Generation immer wieder Verzicht fordern. Unter den Vorzeichen von Corona müssten nun jedoch auch die Jungen "Verzicht lernen und Größe beweisen". Er ruft seine Altersgenossen dazu auf, achtsam zu sein im Umgang mit Älteren, um deren Ansteckungsrisiken zu minimieren, Hilfe anzubieten und füreinander da zu sein. "Es ist an der Zeit zu zeigen, dass auch wir bereit sind, Opfer zu bringen. Dass wir solidarisch sind. Es wird die Generationen in Deutschland wieder mehr zusammenschweißen. Das hilft dem ganzen Land – auch wenn die Krise überstanden ist", so Seyffarth. Vielleicht ist die Corona-Krise eine Chance, uns menschlich auf einer tieferen Ebene wieder näher zu kommen.
Nun muss meine Generation Verzicht lernen und Größe beweisen, welt.de 15.3.20

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Jeder fünfte Deutsche bekommt nicht genug Schlaf 
Montag, 16. März 2020 - Lebensart, Studien
Schlaf ist eine wesentliche Quelle für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Und doch bekommen wir selten genug davon. In Deutschland sagt nur jeder Zweite von sich, wirklich ausreichend zu schlafen, während jeder Fünfte spürt, nicht genügend Schlaf zu haben. Weltweit besonders ausgeschlafen sind die Inder, von ihnen bekommen zwei Drittel genügend Schlaf und nur etwa jeder Siebte beklagt Schlafmangel. In den USA, Frankreich und Spanien liegt der Anteil der Zuwenig-Schläfer bei gut 20 Prozent. Insbesondere das Arbeitsleben scheint bei vielen Menschen den Schlafmangel zu begünstigen, denn eine Studie zeigt, dass die Menschen an Arbeitstagen im Schnitt 1,2 Stunden zu wenig Schlaf bekommen. In einer Kultur, die immer in Bewegung ist, und einer Arbeitswelt, die uns mehr und mehr fordert, scheint ausreichender Schlaf immer mehr zum Luxus zu werden. Und darüber vergessen wir leicht, dass längerfristiger Schlafmangel unsere Gesundheit untergräbt. Wenn sich der Schlafmangel über längere Zeit hinzieht, leidet unsere körperliche Befindlichkeit. Bereits nach fünf Jahren können sich die Risiken, an Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder sogar an Krebs zu erkranken, erhöhen.
Die Deutschen schlafen zu wenig, welt.de 16.3.20

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