Sich vom Schmerz nicht vereinnahmen lassen 
Dienstag, 31. März 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Meditation ist nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil sie es Menschen erlaubt, resilienter zu leben. Meditierende mögen das Gleiche erleben und spüren wie andere Menschen auch, was sie unterscheidet ist, dass sie mehr Handlungsfreiheit im Hinblick auf ihre Reaktionen empfinden. Wissenschaftliche Untersuchungen von Schmerzpatienten etwa zeigen: Auch wer meditiert, verarbeitet im Gehirn die gleichen Schmerzsignale und nimmt auf der körperlichen Ebene den gleichen Schmerz wahr wie Nichtmeditierende. Doch im Gefühlszentrum des Gehirns lässt sich bei Meditierern beobachten, dass hier deutlich weniger emotionale Reaktionen ablaufen. Es ist eine Freiheit, die vielleicht deshalb so wertvoll erscheint, weil sie nicht darauf angewiesen ist, dass äußere Umstände, die oft nicht in der eigenen Hand liegen, sich verändern.
Gesund dank Meditation, Psychologie heute 11.3.20

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Narzissmus gibt Aufschluss über politische Gesinnung 
Mittwoch, 25. März 2020 - Psychologie, Studien
Narzissmus hat viele Gesichter und manche seiner Ausprägungen lassen auch Rückschlüsse auf die politische Perspektive von Menschen zu. Eine neue Studie hat dazu zwei Aspekte narzisstischer Persönlichkeiten näher betrachtet. Menschen, die der Aussage "Ich gewinne eine große Stärke aus dem Wissen, dass ich eine ganz besondere Person bin" haben einen starken Drang nach Anerkennung. Für sie steht vor allem die eigene Person im Vordergrund, was jedoch nicht zwingend auch mit einer Abwertung anderer verbunden ist. Bei jenen, die vor allem einem Statement wie "Ich möchte, dass meine Rivalen verlieren" zustimmen, spielt hingegen diese Abwertung eine herausragende Rolle. In der Studie zeigte sich, dass wenn man diese Einstellungen mit dem Wahlverhalten vergleicht, Menschen, die ihren Selbstwert besonders aus dieser Art von Abgrenzung ziehen, oft auch starke Präferenzen im Rechtspopulismus aufweisen.
Wer andere abwertet, wählt gerne rechts außen, FAZ 17.3.20

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Schlafen will gelernt sein 
Mittwoch, 11. März 2020 - Lebensart, Psychologie, Wissenschaft
Schlafmangel ist in unserer modernen Gesellschaft längst zu einem Kostenfaktor geworden - er kostet jene, die nicht schlafen können, Nerven, Energie und letztlich die Gesundheit. Und die Folgen davon lassen sich sogar monetär beziffern. So sollen der deutschen Wirtschaft jedes Jahr rund 55 Milliarden Euro entgehen, weil Arbeitende übermüdet sind. Wen wundert es da, dass viele mögliche Lösungsvorschläge ebenfalls aus dem Reich des monetären Denkens kommen. Mit besonderen Matratzen, Schlaflampen und anderem Equipment, das den Gebeutelten helfen soll, besser zu schlafen, werden weltweit jährlich rund 70 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Die Forschung zeigt, dass wohl die meisten dieser vermeintlichen Helfer schlicht unnütz sind und nichts bewirken. Krankenkassen setzen deshalb inzwischen immer öfter auf professionelle Schlaftrainings - die kosten zwar mehr als eine neue Matratze, aber dürften sich durch sinkende Krankheitskosten amortisieren. Vielleicht denken wir dieses Thema auch einfach von der falschen Seite aus, denn das funktionale Effizienzdenken, dass hier bei Lösungsversuchen mitschwingt, könnte ja auch etwas sein, das zum eigentlichen Problem beiträgt. Wo Menschen ständig in dem Bewusstsein leben, andauernd etwas leisten zu müssen, und wo der Alltag bis in die letzten Abendstunden mit Aktivitäten gefüllt wird (denn irgendwie möchte man ja auch noch "etwas vom Leben haben"), ist Dauererregung der Normalfall. Manches einfach mal sein zu lassen, könnte diese Spirale durchbrechen. Das erzeugt keine Kosten und schafft den Raum für Schlaf.
Das zweifelhafte Geschäft mit dem Schlaf der Deutschen, welt.de 10.3.20

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Ungleichheit bewegt die Menschen 
Montag, 9. März 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Drei Viertel aller Deutschen empfinden die Verteilung von Einkommen und Vermögen in Deutschland als ungerecht. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Befragung von 5.000 Menschen im Auftrag des Spiegel. Interessant daran: Statistisch betrachtet ist die Einkommensungleichheit im EU-Durchschnitt eher unauffällig und im Vergleich zu den OECD-Staaten insgesamt sogar unterdurchschnittlich. Die Gefühlslage der Deutschen spricht hingegen eine andere Sprache. Vor allem unter den Wählerinnen von SPD, Linken und Grünen ist dieses Ungerechtigkeitsempfinden besonders stark ausgeprägt. Hinzu kommt, dass drei Viertel der Befragten das Gefühl haben, dass die Ungleichheit in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Rund 57 Prozent finden, dass Leistung sich in Deutschland nicht mehr lohnt - unter den Wähler*innen der AfD sind es sogar gut 80 Prozent (Linke: 64 Prozent, FDP: 61 Prozent, Grüne/SPD/CDU/CSU jeweils um die 40 Prozent). Bei einer solch starken Stimmungslage fragt man sich natürlich, warum nicht mehr Menschen aktiv für Veränderungen eintreten. Womöglich ist ein Grund, dass das Erleben dieser Ungerechtigkeiten sich vor allem auf Distanz abspielt, denn 44 Prozent nehmen sie vor allem durch die Medien zur Kenntnis. 30 Prozent sehen sie im Freundes- und Bekanntenkreis, 25 Prozent in benachbarten Stadtteilen oder Orten.
Bürger empfinden Deutschland als extrem ungerecht, Spiegel.de 5.3.20

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Spiritualität kann bei der Heilung helfen 
Montag, 2. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Die traditionelle Psychologie macht oft einen Bogen um Spirituelles. Dabei können spirituelle Bezüge insbesondere Menschen, die krank sind, helfen. Der Harvard-Professor David H. Rosmarin hat nun an einem Krankenhaus das Programm SPIRIT ins Leben gerufen, nachdem er in einer Studie darauf gestoßen war, dass 80 Prozent der befragten Patient*innen religiöse Bezüge als sehr hilfreich empfanden, um mit ihrem krankheitsbedingten Stress umzugehen. Bereits 1.500 Patient*innen haben inzwischen an dem Programm, das während des Krankenhausaufenthalts Gesprächsrunden zu spirituellen Themen anbietet, teilgenommen. Die positivste Wirkung hatte das Programm bisher für Menschen, die selbst einen Bezug zu religiösen Themen haben, aber auch für Menschen, die das nicht von sich behaupten, könne das Programm psychische Unterstützung bieten.
Psychology’s new openness to religion, The Harvard Gazette 5.12.19

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Weniger arbeiten motiviert und ist oft auch produktiver 
Dienstag, 25. Februar 2020 - Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Das Stresslevel in der Arbeitswelt ist inzwischen auf so hohem Niveau, dass immer mehr Firmen versuchen, die Problematik in den Griff zu bekommen. Eine beliebte Variante, vor allem bei kleinen und/oder inhabergeführten Firmen: Einfach die Arbeitszeit verkürzen. Der Spiegel hat kürzlich wieder eine Reihe solcher Vorreiter in einem Beitrag vorgestellt. Viele Unternehmen, die ihre Mitarbeiter kürzer treten lassen, machen die Erfahrung, dass die Produktivität kaum oder gar nicht leidet, wenn weniger Stunden pro Woche gearbeitet wird. Die Arbeitenden scheinen nicht nur motivierter, sondern auch kraftvoller zu handeln, wenn sie wissen, dass sie auch ausreichende Erholungsphasen haben werden. Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz hat laut dem Beitrag bereits gezeigt, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit den Stresspegel reduziert, gut für den Blutdruck ist und zu weniger Krankheitstagen führt. Hinzu kommt - immer mehr wünschen es sich sehnlichst, weniger zu arbeiten. Jeder zweite, der im Beruf steht, wäre schon zufrieden, wenn das Wochenpensum bei 35 Stunden gedeckelt werden würde. Gegenwärtig liegt die Durchschnittsarbeitszeit der Deutschen bei 41,4 Wochenstunden.
"Freitags arbeiten wir nicht", spiegel.de 16.2.20

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Intensive Erfahrungen schaffen Sinn 
Montag, 24. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Ein sinnhaftes Leben dürfte für die meisten Menschen etwas zutiefst Positives sein. Paradoxerweise erwächst dieses Sinngefühl jedoch nicht zwingend auch allein aus positiven Erfahrungen. Eine neue australische Studie zeigt - auch negative Erlebnisse und Emotionen können sehr sinnstiftend sein, denn ausschlaggebend ist vor allem die Intensität der gemachten Erfahrung. Die Wissenschaftler hatten Menschen nach Ereignissen gefragt, die für ihr Leben besonders sinnstiftend waren. Und waren zunächst erstaunt, dass ihnen eben nicht nur positive oder beglückende Aspekte genannt wurden, sondern gleichermaßen auch negative. Bei genauerer Analyse stellte sich heraus, dass auch schwerwiegende Erlebnisse einen Sinn schaffen können, und zwar dann, wenn die gemachte Erfahrung besonders intensiv war. Hinter diesem Phänomen verbirgt sich unsere so genannte "narrative Identität". Ein Erleben, das besonders ist, und darunter fallen auch sehr negative Erfahrungen, hinterlässt scheinbar mehr Spuren in unserem Selbstbild und wir können daran wachsen.
Warum wir extreme Erfahrungen brauchen, spektrum.de 14.2.20

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Körperlicher Schmerz gegen schlechte Gefühle 
Mittwoch, 19. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Von Borderline-Patienten ist bekannt, dass sie sich bisweilen körperlichen Schmerz zufügen, um besser mit ihren aufgewühlten Emotionen zurechtzukommen. Eine neue psychologische Studie zeigt nun, dass anscheinend auch psychisch gesunde Menschen viel von dieser Methode halten. In der Untersuchung wurden den Probanden Bilder gezeigt, die in ihnen Angst, Wut oder Traurigkeit auslösten. Anschließend boten die Forscher ihnen verschiedene Kompensationsmöglichkeiten an - beispielsweise eine Umdeutung der Inhalte oder schlicht eine Ablenkung. Oder sie konnten sich dafür entscheiden, einen schmerzhaften elektrischen Stimulus zu erhalten. Die meisten der Probanden, die die Art des Umgehens mit ihren negativen Gefühlen frei wählen konnten, entschieden sich für den körperlich schmerzhaften Elektroimpuls. Er erwies sich als ebenso effektiv wie die anderen zur Bewältigung angebotenen Maßnahmen. Der Studie ging es vor allem darum, unterschiedliche Methoden der Schmerzbewältigung näher zu untersuchen. Ich finde es überraschend, dass so viele der Versuchsteilnehmer sich für den körperlichen Schmerz entschieden. Wirkt irgendwie wie ein extremes Ausweichmanöver, sozusagen der Wunsch nach maximaler Betäubung, anstatt sich mit dem, was einem widerfährt, erst einmal tiefer auseinanderzusetzen. Aber vielleicht ist das ja ein Zeichen unserer Zeit - möglichst schnell das, was uns vielleicht bedrückt, wieder loswerden zu wollen.
Hilft körperlicher Schmerz gegen seelischen Schmerz?, Psychologie heute 8.2.20

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