Wenn der Achtsamkeits-Trend nervig wird 
Dienstag, 23. März 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
"Wenn ein paar Atemübungen vor dem nächsten Meeting, Smartphone-Detox nach Feierabend und Slow Food beim Lunch zur Leistungssteigerung eingesetzt werden, hat das nichts mehr mit der Idee von Achtsamkeit zu tun. Dann gehts wieder nur darum, ein schnelles Geschäft zu machen und mehr Leistung aus den Angestellten und sich selbst rauszuholen", kritisiert der Autor Marco Weimer auf Business Insider. Mit welcher Euphorie, mehr noch wahrscheinlich in den Medien selbst als in den Unternehmen, Achtsamkeit betrachtet wird, kann einem wirklich manchmal schwindelig machen. Der Yoga-Lehrer findet es besorgniserregend, wie viele Menschen im Job über ihr Limit gehen - und dann versuchen, die Überlastung durch Meditation oder Yoga zu kompensieren. Für Weimer hat Achtsamkeit auch etwas damit zu tun, öfter mal den gesunden Menschenverstand zu bemühen: "Nicht auszuschließen, dass einer viel beschäftigten Managerin und anderen Workoholics mit ein paar Achtsamkeitstechniken geholfen sein könnte. Allerdings sollten wir uns dann darauf einigen, dass es nicht wirklich um Achtsamkeit geht, sondern um Leistungssteigerung. Wirklich achtsam zu sein, würde hingegen beispielsweise bedeuten, ein Gespür dafür zu entwickeln, ob das auferlegte Arbeitspensum angemessen ist oder nicht. Egal ob der Chef es einem aufgebrummt hat oder man sich selbst unter Druck setzt." Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass der Trend zur Zeit eher gegenläufig ist. Achtsamkeit wird dann zum letzten Strohhalm, doch noch ein bisschen mehr Power aus sich herauszuholen, obwohl man eigentlich gerade fertig hat.
Der Hype um Achtsamkeit nervt, weil es oft nur um Leistungssteigerung geht, Business Insider 13.3.21

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Care-Arbeit wird selten als "Arbeit" anerkannt 
Montag, 22. März 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit
Wir nennen es Arbeit, wenn Menschen morgens das Haus verlassen, um einem Job nachzugehen, mit dem sie Geld verdienen. Findet die Arbeit Zuhause statt, beispielsweise für all die reproduktiven Tätigkeiten von Essenkochen über Wäschewaschen bis hin zur Fürsorge für Angehörige, haben wir gesellschaftlich einen blinden Fleck. Diese Care-Arbeit bildet eigentlich das Fundament unserer Gesellschaft, doch Anerkennung findet sie kaum, Bezahlung noch weniger. Sie ist höchst ungleich verteilt. Laut einer Untersuchung der Bundesregierung haben wir hierzulande einen "Gender Care Gap" von 52 Prozent: Frauen wenden anderthalb Mal so viel Zeit für Fürsorge- und Reproduktionstätigkeiten auf wie Männer. Bei Paaren mit Kindern beträgt die Lücke sogar 83 Prozent. Die App WhoCares sensibilisiert dafür, wie selbstverständlich es noch immer genommen wird, dass diese Tätigkeiten in der Volkswirtschaft nicht eingerechnet und bezahlt werden. In der App kann man seine Haushaltstätigkeiten erfassen und mit einem Stundensatz verrechnen lassen, beispielsweise dem Mindestlohn, einem mittleren Lohn oder dem Stundenlohn, den man für eine bezahlte Tätigkeit erhält. So wird vielen Menschen erstmals wirklich deutlich, welche Werte im materiellen Sinne sie mit ihrer unentgeltlichen Arbeit tagtäglich leisten. Das Statistische Bundesamt hat ausgerechnet, dass in Deutschland die geleistete unbezahlte Arbeit um ein Drittel höher liegt als die bezahlte.
Was Ihre Care-Arbeit wert ist (und warum Sie niemand bezahlt), spiegel.de 8.3.21

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Wie viel ist genug? 
Freitag, 19. März 2021 - Lebensart, Psychologie
Genug ist vielen Menschen nicht genug, sonst gäbe es das Phänomen der Gier nicht. In den Augen des Psychologen Patrick Mussel ist es dabei nicht nur der Wunsch nach mehr, der Menschen ihrer Gier auch nachgeben lässt, sondern es brauche auch die Energie, diesem Wunsch auf Biegen und Brechen nachzugehen, koste es, was es wolle. Wer wirklich gierig sei, überschreite Grenzen, seien es moralische oder rechtliche. "Diesen Punkt zu finden, wo man sagt, nein, das mache ich nicht, obwohl ich es eigentlich will, das charakterisiert nicht-gierige Menschen", so Mussel im Deutschlandfunk. Glaubenssätze wie "Ich bin nichts wert", "Ich werde nicht geliebt" oder "Ich muss Leistung bringen, um geliebt zu werden" können Gier begünstigen. "Was wir zeigen konnten, ist, dass Personen, die diesen Aussagen zustimmen, höhere Werte auf Gier haben und sich auch im Laufe der Zeit stärker in Gier verändern, also die Gier stärker ansteigt", erklärt der Psychologe.
Wie viel Gier steckt in uns allen?, Deutschlandfunk Kultur 11.3.21

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Armut verfestigt sich 
Donnerstag, 18. März 2021 - Lebensart, Studien
Nahezu jede/r sechste Deutsche lebt heute unterhalb der Armutsrisikoschwelle, verglichen mit den 1990er Jahren ein Anstieg um fünf Prozentpunkte. Ein besonderes Problem ist die Verfestigung dieser Lebenslage. Laut dem "Datenreport 2021 – ein Sozialbericht für Deutschland", der vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung erstellt wurde, waren 88 Prozent der heute Armen in den vergangenen vier Jahren schon einmal von Armut betroffen, 44 Prozent sogar im gesamten Zeitraum. Zu den besonderen Risikogruppen zählen Alleinerziehenden (41 Prozent), Menschen mit Hauptschulabschluss ohne Berufsabschluss (35 Prozent) oder mit direktem Migrationshintergrund (29 Prozent). 75 Prozent der West- und 80 Prozent der Ost-Deutschen wünschen sich, dass der Staat sich für den Abbau von Einkommensunterschieden einsetzt.
Deutschlands Armut und wie Corona sie verändert, spiegel.de 10.3.21


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Führen am Bildschirm fordert heraus 
Mittwoch, 17. März 2021 - Arbeit, Management
Viele Führungskräfte sind mit Pandemie und Home Office in einer neuen Situation, denn jene, die sie führen, begegnen ihnen heute oft vor allem in Form von kleinen Bildchen auf dem Bildschirm. Für viele Führende sei dies eine "Verlusterfahrung", so Jürgen Weibler, Professor für Personalführung: "Denn das, was das Soziale im Kern ausmacht, lässt sich digital nicht erzielen: eine intensiv erlebte Form der Kommunikation, des Austausches und der Nähe." Für Weibler wird durch die Bildschirmerfahrung spürbar, welche Aspekte in das Führen hineinwirken: "Wir vergessen sehr oft, dass im Führungsbereich natürlich die Worte wichtig sind, aber auch sehr stark die Frage, wie ich auf andere als Person körperlich wirke, also mit der Körperspannung oder mit der Stimmlage. In Präsenz bekommt vieles dadurch eine andere Nuancierung und Qualität." Um etwas Atmosphäre zu schaffen und den Rückzug ins Schweigen zu vermeiden, rät Weibler dazu, die Anwesenden sehr direkt einzubeziehen. Die Distanz von Online-Meetings habe übrigens manchmal auch Vorteile: "Dort, wo ich eine Führungsbeziehung habe, in der ich am liebsten nicht wäre, der ich am liebsten aus dem Weg gehen würde – da bietet das Virtuelle gewisse Chancen, mein Wohlbefinden zu fördern, und ich glaube auch, dass gewisse toxische Führungskräfte, die im Alltag den einen oder die andere drangsalieren, nicht so viel Spielraum haben."
Das große Schweigen in der Zoom-Konferenz, FAZ 10.3.21

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Verlieren lernen 
Dienstag, 16. März 2021 - Arbeit, Management
Durch die Start-up-Kultur ist das Thema Scheitern in der Geschäftswelt sichtbarer geworden, denn insbesondere beim Launchen neuer Geschäftsmodelle ist das Risiko hoch, dass die Erwartungen nicht aufgehen. Ein Beitrag im Harvard Business Manager widmet sich der Frage, wie man Scheitern lernen kann und welche Rahmenbedingungen dabei helfen, dass sich keine Gefühle einer vernichtenden Niederlage einstellen. In den Augen von Tim Leberecht, Co-Gründer und Co-Geschäftsführer des Netzwerks "House of Beautiful Business", kann ein Geschäftsmodell, das nicht aufgeht, ein Hinweis sein, die Fähigkeiten, die man darauf fokussiert hat, in eine produktivere Richtung zu lenken. Wäre das Videospiel Glitch ein Erfolg geworden, gäbe es heute die in vielen Unternehmen genutzte Software Slack nicht. Als die Spieleentwickler scheiterten, entwickelten sie einfach ihre zuvor nur intern genutzte Kommunikationssoftware weiter und landeten damit diesen Markterfolg. Beim Scheitern kann auch die Unternehmenskultur eine große Hilfe sein. "Als Mensch, als Team oder als Organisation müssen wir Scheitern Raum geben, um unsere Emotionen, unseren Frust und die Trauer ausleben zu können. Wir schaffen damit psychologische Sicherheit, die eine bessere Zusammenarbeit, Innovation und Produktivität fördern kann. Eine Studie fand heraus, dass traurige Führungskräfte oft bessere Leistungen erzielen als wütende. Negative Gefühle anzuerkennen kann auch zu besseren Leistungsbewertungen führen. Wenn Menschen nicht das Gefühl haben, nicht immer und bei jeder Aufgabe Höchstleistungen erbringen zu müssen, entstehen vielleicht bedeutsamere Gespräche, mit denen sie sich persönlich und beruflich weiterentwickeln können", so Leberecht. Er rät dazu, sich, wenn ein Projekt hakt, auch zu fragen, ob man wirklich um die Sache selbst kämpft oder einfach nur nicht verlieren möchte: "Führungskräfte müssen erkennen, wann ihre Handlungen mehr davon geprägt sind, unbedingt gewinnen zu wollen, als vom echten Wunsch nach Veränderung. Sie sollten erkennen, wenn ihr Sieg nur vordergründig ist, kurzfristig oder der Preis dafür zu hoch ist."
Welche Art von Verlierer wollen Sie sein?, Harvard Business Manager 8.3.21

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Eingebildete Höhenflüge 
Montag, 15. März 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Ich habe schon mehrmals über den neuen Microdosing-Trend geschrieben, die Einnahme von LSD in minimaler Dosierung, die von manchen als kleine Inspirationsquelle im Alltag betrieben wird. Überzeugte Microdoser berichten davon, dass sie sich dadurch wacher fühlen und kreativer und häufig insgesamt eine bessere Stimmung haben. Eine Studie des Imperial College London mit knapp 200 Teilnehmenden zeigt nun: Diese Effekte könnten größtenteils auf Einbildung beruhen. Die Wissenschaftler bauten in ihr Testsetting nämlich eine Placebo-Kontrolle ein. So erhielten manche Probanden vier Wochen lang LSD, andere vier Wochen ein Placebo und wieder andere zwei Wochen LSD und zwei Wochen ein Placebo. Die Studienteilnehmenden protokollierten, wie wohl sie sich während der Untersuchungsphase fühlten. Zusätzlich sollten sie jede Woche angeben, ob sie glaubten, das Placebo oder den richtigen Wirkstoff erhalten zu haben. In der Auswertung zeigte sich, dass alle Mitwirkenden an der Studie sich nach deren Abschluss insgesamt besser fühlten. Und es fiel auf, dass die Teilnehmenden, in den Wochen, in denen sie glaubten, LSD erhalten zu haben, dann auch ein höheres Wohlbefinden notierten - selbst wenn sie das Placebo bekommen hatten. Da die Studienteilnehmenden alle erfahrene Microdoser waren, könnte es durchaus sein, dass ihre Erwartungshaltung aufgrund früherer Erfahrungen Anteil an diesem Ergebnis hat. Für Menschen, die damit noch unerfahren sind, aber auch für jene, die Microdosing betreiben, um psychische Probleme zu lindern, müsste noch untersucht werden, ob Placebos auch hier diese Wirkung entfalten.
Laut Studie nur so wirksam wie ein Placebo, spektrum.de 8.3.21

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Home Office? Da geht noch mehr ... 
Freitag, 12. März 2021 - Studien, Arbeit, Management
Aufgrund der Pandemie bieten inzwischen 81 Prozent der deutschen Unternehmen für Teile ihrer Belegschaft Home Office an. Allerdings betrifft diese Option nur 30 Prozent aller Beschäftigten. Das ifo Institut kommt in einer Studie indes zu dem Schluss, dass bis zu 56 Prozent der Angestellten auch von Zuhause aus arbeiten könnten. Mit 40 Prozent hat der Dienstleistungssektor zur Zeit den höchsten Home-Office-Anteil, gefolgt vom Großhandel mit 24 Prozent und der Industrie mit knapp 22 Prozent. Ein Gefälle besteht auch zwischen der Industrie und dem Mittelstand. In kleinen und mittleren Betrieben arbeitet ein Viertel der Beschäftigten Zuhause, in der Industrie ist es ein Drittel. Das ifo Institut rät dazu, die Anreize für das Home Office zu verstärken, um andererseits mehr Öffnungen der Wirtschaft zulassen zu können.
Homeoffice-Potential bei weitem nicht ausgeschöpft, FAZ 3.3.21

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