Zeit für Nichts als Produktivitätspotenzial 
Mittwoch, 30. April 2008 - Management
In der aktuellen Ausgabe des Weiterbildungsmagazins ManagerSeminare erläutert Fritz B. Simon, Professor für Führung und Organisation an der Universität Witten/Herdecke, warum freie, nicht verplante Zeit für Unternehmen ein wahres Produktivitätstool sein kann. "Nur in Luxussituationen, in denen Menschen nicht durch Vorgaben eingeengt oder durch kurzfristige Unterhaltung abgelenkt sind, entscheiden sie sich zur Abweichung vom Gewohnten. Sie kommen sozusagen auf 'dumme Gedanken'. Denn um sich die Zeit zu vertreiben, müssen sie sich etwas einfallen lassen. Es ist kein Zufall, dass Albert Einstein die Relativitätstheorie während der Dienstzeit im Berner Patentamt erdacht hat. Langeweile hat ein ungeheuer kreatives Potenzial. Wenn Unternehmen Kreativität entfalten wollen, müssen sie deshalb Langeweile riskieren. Deshalb fordere ich: mehr Zeit für nichts", so Simon im Interview. Der gegenwärtigen Berichterstattung über das Problemthema "Bore-out", der lähmenden Langeweile von Mitarbeitern, die sich nicht gemäß ihren Fähigkeiten am Arbeitsplatz gefördert fühlen und deshalb nur noch Dienst nach Vorschrift schieben, hält der Führungsexperte entgegen, dass Langeweile auch ein positiver Trigger sein könne, wenn man sie zum Anlass nehme, genau die Dinge, die man als störend erlebt, überhaupt wahrzunehmen - und sie dann auch zu verändern. Simons Rat an Unternehmen: "Organisationen müssen Räume für Muße schaffen, damit die Menschen bei der Arbeit zur Besinnung kommen und gemeinsam vor sich hin spinnen können. Zeiten, in denen Mitarbeiter ohne Arbeitsaufgaben, ohne definierte Zielstellungen zusammensitzen und sich austauschen.
"Wir brauchen mehr Zeit für nichts", ManagerSeminare Mai 2008


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Stille fördert den Innovationsprozess 
Dienstag, 29. April 2008 - Wissenschaft
In der Stille entstehen die besten Idee. Das ist das Ergebnis einer Dissertation des Betriebswirtschaftlers Arne de Vet über Kreativität und Innovation Der ehemalige McKinsey-Berater untersuchte, welche Umstände das Kreativitätspotenzial von Gruppen besonders fördern. Eine Erkenntnis seiner Forschung: Zeitgleiches Sprechen und Denken, wie es in Sitzungen oder gemeinsamen Brainstormings erforderlich ist, setzt bei einigen Menschen die Kreativität herab - insbesondere, wenn sie für die Reaktionen und Meinungen anderer anfällig sind, denn das durch den Abgleich zwischen eigener Idee und Erwartung des Umfeldes entstehende Multitasking belegt Hirnkapazitäten, die dann nicht mehr für die Ideenfindung zur Verfügung stehen. Abhilfe schaffen hier gezielte Phasen der Stille. De Vet stellte fest: Die Kreativität einer Gruppe geht während einer Besprechung steil nach oben, wenn ruhiges Nachdenken die Diskussion unterbricht. Fünf Minuten der Stille während einer 45-minütigen Besprechung verdoppeln die Anzahl der Ideen in der Gruppe - vor allem, wenn mindestens ein Teilnehmer introvertiert ist.
Pressemitteilung "Weniger reden fördert die Innovation", 8.11.2007


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Deutsche Eliten kommen schlecht weg 
Montag, 28. April 2008 - Studien
Eine Studie zum Politiker- und Managerbild des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigt: Die deutschen Eliten kommen bei der Bevölkerung nicht gut weg. So sind die Befragten der Ansicht, dass 69 Prozent der Manager und 63 Prozent der Politiker kein Verständnis für die "Sorgen der kleinen Leute" haben. 67 Prozent der Manager und 50 Prozent der Politiker wird unterstellt, sie seien gierig. Willensstärke sehen die Befragten zwar bei 62 Prozent der Manager, bei den Politikern aber nur in 31 Prozent der Fälle. Das Image der hart Arbeitenden können sich immerhin noch 47 Prozent der Wirtschaftsführer zugute halten, von Politikern nehmen dies hingegen nur 28 Prozent der Bevölkerung an. Einen Blick für Chancen und Entwicklungen sehen bei Politikern gerade einmal 19 Prozent, bei Managern immerhin 43 Prozent. Fähigkeit und Kompetenz wird nur 17 Prozent der Politiker und 27 Prozent der Manager zugeschrieben. Ähnlich sieht es beim Verantwortungsbewusstsein (Manager: 25 Prozent, Politiker: 28 Prozent) aus, noch düsterer beim Thema Selbstlosigkeit (Manager: 12 Prozent, Politiker: 3 Prozent). Dass Manager das Beste für das Land wollen, glauben lediglich 6 Prozent der Befragten, bei den Politikern wird immerhin 27 Prozent dieser Anspruch zugeschrieben.
"Skepsis gegenüber den Führungseliten", FAZ 23.4.2008


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Mythos der Kosteneinsparungen bröckelt 
Freitag, 25. April 2008 - Management
Mit Arbeitsplatzverlagerungen in Niedriglohnländer Kosten sparen - der Mythos vieler Industriebetriebe beginnt zu bröckeln. Eine neue Studie des Verbands Deutscher Ingenieure (VDI) zeigt, dass die Standortverlagerungen ins vermeintlich kostengünstigere Ausland viele Unternehmen unter dem Strich eher teuer zu stehen kommen. Sie kappen bisweilen ihre bisher guten Verbindungen zu einheimischen Zulieferern - oder lassen (verbunden mit höheren Kosten) für die Produktion im Ausland benötigte Güter über weite Strecken an die neuen Standorte transportieren. Der VDI geht davon aus, dass Kosteneinsparungen durch Verlagerungen erst dann entstehen, wenn der Lohnkostenanteil bei etwa 20 Prozent liegt. In vielen deutschen Unternehmen machen die Löhne jedoch nur zehn Prozent aus, so dass hier kaum Einsparpotenziale zu realisieren sind. Einseitige Rechnungen zu möglichen Einspareffekten, die Probleme wie eine niedrigere Qualität im Ausland oder dort sich vollziehende Lohnsteigerungen nicht berücksichtigen, führen in deutschen Firmen häufig zu Fehlkalkulationen. Nicht verwunderlich also, dass auf jede vierte bis fünfte Auslagerung inzwischen wieder ein - reumütiger - Rückkehrer kommt.
"Produktion im Ausland spart oft keine Kosten", Netzzeitung 22.4.2008


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Die Macht der Vorbilder 
Donnerstag, 24. April 2008 - Wissenschaft
Die bekannte Trainerin Vera F. Birkenbihl, die seit Jahren das Themengebiet gehirngerechtes Arbeiten erforscht, beleuchtet in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Frage, wie der Mensch am besten lernt. Beim Erlernen von neuen Tätigkeiten spielen die so genannten Spiegelneuronen eine herausragende Rolle. Sie sind aktiv, wenn der Mensch beobachtet, wie seine Mitmenschen emotional agieren oder reagieren. Das Tückische: Die durch Beobachtung erworbenen "Kenntnisse" treten oft erst Jahre später zutage. Am Beispiel eines Management-Falles, ein Mitarbeiter, der viele Jahre als typischer Revoluzzer galt und, einmal zum Chef befördert, plötzlich die selben verharrenden Tendenzen wie seine Vorgänger an den Tag legt, erklärt Birkenbihl die Wirkung der oft über Jahre ausgebildeten Spiegelneuronen: "Ich erinnere an den jungen Rebellen, der zeit seines Lebens gegen Autoritätsfiguren gekämpft hat und den die Kollegen unter anderem deshalb schätzten. Wenn sie ihn dann eines Tages zum Chef haben, sind sie völlig erstaunt, weil er über Nacht all die schlimmen Manierismen, die er an großen Chefs immer bekämpft hatte, selbst an den Tag legt. Solches Verhalten konnte man sich lange nicht erklären, aber Spiegelneuronen machen es verständlich: In dem Moment, da er sich zum ersten Mal in seinen großen Chefsessel fallen lässt, geht die Zeitbombe hoch und sämtliche Spiegelneuronen, die das Chef-Verhalten spiegeln, werden aktiviert." Diese Gehirnfunktionen zeigen deutlich: Veränderung, egal in welcher Hinsicht, ist immer auch ein Kampf gegen alle Erfahrungen oder Beobachtungen, die ein Mensch bereits gemacht hat. Für die Management-Entwicklung könnte das unter anderem bedeuten: Ohne passende Vorbilder dürfte es schwer sein, frischen Wind in Unternehmen zu bringen.
"Der Tanz der Phantome", FAZ 19.4.2008


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Vorsicht Hormone! Von Testosteron und Gewinnen 
Mittwoch, 23. April 2008 - Wissenschaft
Über eine interessante Forschungsarbeit zwischen Neurologie und Börsenhandel berichtet die Frankfurter Allgemein Zeitung. John Coates, Wissenschaftler in Cambridge und ehemaliger Leiter des Handelssaals der Deutschen Bank in New York untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Hormonspiegel von Börsenhändlern und ihren Kaufentscheidungen. Das Ergebnis: Je höher der Testosteron-Spiegel der Untersuchten, umso größer ist ihre Risikobereitschaft, was sich positiv auf ihre Gewinne auswirkt. Das Problem: Durch den Euphorie-Schub, der sich aus der Melange von hohem Testosteron-Spiegel und Gewinnen ergibt, stellt sich leicht Übermut ein, so dass rationale Entscheidungen dann kaum noch möglich sind. Auch für Abschwungszenarien hat Coates eine Antwort aus hormoneller Perspektive gefunden. Laufen die Geschäfte an der Börse nicht mehr wie erwünscht, produziert der Körper verstärkt das Stress-Hormon Cortisol. Ängste lassen die Händler dann vor Entscheidungen zurückschrecken. Das zeigt unter anderem, warum Interventionen der Notenbanken in Krisensituationen oft nur langsam greifen, denn ein hoher Cortisol-Spiegel lässt die Händler nur langsam und unter innerem Widerstand auf die geänderte Situation reagieren.
"Sexualhormon verspricht Gewinne", FAZ 19.4.2008


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Das Gehirn ist schneller als der Geist 
Dienstag, 22. April 2008 - Studien
Während der Mensch glaubt, er denkt, ist es eigentlich das Gehirn, das lenkt - das könnte man zumindest meinen, wenn man die aktuellen Forschungsergebnisse der Neurologie betrachtet. Eine aktuelle Studie des Wissenschaftlers John-Dylan Haynes belegt, dass sich im Gehirn bereits sieben Sekunden (!), bevor ein Mensch eine Entscheidung tatsächlich meint, getroffen zu haben, im Gehirn anbahnt. Bisherige Forschungen, die zu ähnlichen, wenn auch im Hinblick auf den Zeithorizont wesentlich unspektakuläreren Ergebnissen kamen, hatten die im Gehirn ablaufenden Reaktionen jeweils in Situationen getestet, in denen sich die Probanden durch einen Impuls von außen schnell entscheiden mussten. Das Setting der Haynes-Studie nun war ein völlig anderes: Die Probanden sollten nach eigener Entscheidungen zwei Knöpfe drücken und waren frei, wann sie dies tun. Selbst die Forscher zeigten sich überrascht, dass die Aufnahmen des Kernspintomographen zeigten, wie lange vorher die entsprechende Reaktion im Gehirn vorbereitet werden. "Dass selbstgewählte Entscheidungen vom Gehirn schon so früh angebahnt werden, hat man bisher nicht für möglich gehalten", so John-Dylan Haynes. Der Forscher möchte die aktuellen Ergebnisse jedoch nicht als Beleg dafür sehen, dass der Mensch schlicht von Gehirnprozessen bestimmt wird: "Nach unseren Erkenntnissen werden Entscheidungen im Gehirn zwar unbewusst vorbereitet. Wir wissen aber noch nicht, wo sie endgültig getroffen werden. Vor allem wissen wir noch nicht, ob man sich entgegen einer vorgebahnten Entscheidung des Gehirns auch anders entscheiden kann." Dass diese Möglichkeit sehr realistisch erscheint, zeigen meiner Meinung immer wieder die Erfahrungen von Meditierenden, die durch das Sitzen in Stille früher oder später die Erfahrung machen: "Ich bin nicht meine Gedanken." Durch die fokussierte Achtsamkeit fallen Meditierende in die Rolle des Beobachters und erleben die Lücke zwischen der Entstehung von Gedanken und der Identifizierung mit ihnen. Sicherlich wäre es spannend, die dadurch entstehende Entscheidungsfreiheit in die neurologische Forschung miteinzubeziehen.
Pressemitteilung "Unbewusste Entscheidungen im Gehirn", 13.4.2008


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Unter Alpha-Tieren lässt die Mitte nach  
Montag, 21. April 2008 - Studien
Eine interessante Studie der kanadischen Forscherin Jennifer Brown, die im vergangenen Jahr an der Universität in Berkeley/Kalifornien die Performance von Golf-Spielern untersuchte, wirft die Frage auf, inwiefern Alpha-Tiere die Performance der Mittelfeld-Spieler negativ beeinflussen. Die Wissenschaftlerin untersuchte die Leistungen von Spielern in Golf-Turnieren und stellte dabei fest, dass, sobald ein Top-Performer wie Tiger Woods, dem stets außergewöhnlich hohe Gewinnchancen zugeschrieben werden, am Start ist, die Leistungen der Spieler im Mittelfeld deutlich nachlassen. Da die Preisgelder bei Golf-Turnieren sich auf die Höchstplatzierten konzentrieren - die 15 Höchstplatzierten erhalten 70 Prozent der Preisgelder, während z.B. ein Spieler auf Platz 70 nur 0,2 Prozent der verteilten Gesamtsumme erhält -, scheinen die Anreize zur besonderen Anstrengung für das Mittelfeld gering, wenn viele Alpha-Tiere am Start sind. Brown stellte fest: Liegt Tiger Woods fast uneinholbar vorne, brauchen selbst die stärksten Konkurrenten in der Weltrangliste in der entscheidenden Runde 0,32 Schläge mehr als gewöhnlich. Schwächelt Woods dagegen, liegt der Vergleichswert seiner Gegner bei nur noch 0,06 Schlägen. In der Gesamtbetrachtung brauchten die Profi-Golfer 0,8 Schläge mehr pro Runde, wenn Woods im Teilnehmerfeld war. Interessant wäre sicherlich eine Übertragung der Studienszenarien auf die Wirtschaftswelt. Wie verändert sich beispielsweise die Performance von Mitarbeitern, die, im Vergleich zum hoch bezahlten Top-Management eines Unternehmens, für sich nur noch wenige Aufstiegschancen sehen?
"Mit Handicap", FAZ 11.4.2008


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