Deutsche Eliten kommen schlecht weg 
Montag, 28. April 2008 - Studien
Eine Studie zum Politiker- und Managerbild des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigt: Die deutschen Eliten kommen bei der Bevölkerung nicht gut weg. So sind die Befragten der Ansicht, dass 69 Prozent der Manager und 63 Prozent der Politiker kein Verständnis für die "Sorgen der kleinen Leute" haben. 67 Prozent der Manager und 50 Prozent der Politiker wird unterstellt, sie seien gierig. Willensstärke sehen die Befragten zwar bei 62 Prozent der Manager, bei den Politikern aber nur in 31 Prozent der Fälle. Das Image der hart Arbeitenden können sich immerhin noch 47 Prozent der Wirtschaftsführer zugute halten, von Politikern nehmen dies hingegen nur 28 Prozent der Bevölkerung an. Einen Blick für Chancen und Entwicklungen sehen bei Politikern gerade einmal 19 Prozent, bei Managern immerhin 43 Prozent. Fähigkeit und Kompetenz wird nur 17 Prozent der Politiker und 27 Prozent der Manager zugeschrieben. Ähnlich sieht es beim Verantwortungsbewusstsein (Manager: 25 Prozent, Politiker: 28 Prozent) aus, noch düsterer beim Thema Selbstlosigkeit (Manager: 12 Prozent, Politiker: 3 Prozent). Dass Manager das Beste für das Land wollen, glauben lediglich 6 Prozent der Befragten, bei den Politikern wird immerhin 27 Prozent dieser Anspruch zugeschrieben.
"Skepsis gegenüber den Führungseliten", FAZ 23.4.2008


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Das Gehirn ist schneller als der Geist 
Dienstag, 22. April 2008 - Studien
Während der Mensch glaubt, er denkt, ist es eigentlich das Gehirn, das lenkt - das könnte man zumindest meinen, wenn man die aktuellen Forschungsergebnisse der Neurologie betrachtet. Eine aktuelle Studie des Wissenschaftlers John-Dylan Haynes belegt, dass sich im Gehirn bereits sieben Sekunden (!), bevor ein Mensch eine Entscheidung tatsächlich meint, getroffen zu haben, im Gehirn anbahnt. Bisherige Forschungen, die zu ähnlichen, wenn auch im Hinblick auf den Zeithorizont wesentlich unspektakuläreren Ergebnissen kamen, hatten die im Gehirn ablaufenden Reaktionen jeweils in Situationen getestet, in denen sich die Probanden durch einen Impuls von außen schnell entscheiden mussten. Das Setting der Haynes-Studie nun war ein völlig anderes: Die Probanden sollten nach eigener Entscheidungen zwei Knöpfe drücken und waren frei, wann sie dies tun. Selbst die Forscher zeigten sich überrascht, dass die Aufnahmen des Kernspintomographen zeigten, wie lange vorher die entsprechende Reaktion im Gehirn vorbereitet werden. "Dass selbstgewählte Entscheidungen vom Gehirn schon so früh angebahnt werden, hat man bisher nicht für möglich gehalten", so John-Dylan Haynes. Der Forscher möchte die aktuellen Ergebnisse jedoch nicht als Beleg dafür sehen, dass der Mensch schlicht von Gehirnprozessen bestimmt wird: "Nach unseren Erkenntnissen werden Entscheidungen im Gehirn zwar unbewusst vorbereitet. Wir wissen aber noch nicht, wo sie endgültig getroffen werden. Vor allem wissen wir noch nicht, ob man sich entgegen einer vorgebahnten Entscheidung des Gehirns auch anders entscheiden kann." Dass diese Möglichkeit sehr realistisch erscheint, zeigen meiner Meinung immer wieder die Erfahrungen von Meditierenden, die durch das Sitzen in Stille früher oder später die Erfahrung machen: "Ich bin nicht meine Gedanken." Durch die fokussierte Achtsamkeit fallen Meditierende in die Rolle des Beobachters und erleben die Lücke zwischen der Entstehung von Gedanken und der Identifizierung mit ihnen. Sicherlich wäre es spannend, die dadurch entstehende Entscheidungsfreiheit in die neurologische Forschung miteinzubeziehen.
Pressemitteilung "Unbewusste Entscheidungen im Gehirn", 13.4.2008


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Unter Alpha-Tieren lässt die Mitte nach  
Montag, 21. April 2008 - Studien
Eine interessante Studie der kanadischen Forscherin Jennifer Brown, die im vergangenen Jahr an der Universität in Berkeley/Kalifornien die Performance von Golf-Spielern untersuchte, wirft die Frage auf, inwiefern Alpha-Tiere die Performance der Mittelfeld-Spieler negativ beeinflussen. Die Wissenschaftlerin untersuchte die Leistungen von Spielern in Golf-Turnieren und stellte dabei fest, dass, sobald ein Top-Performer wie Tiger Woods, dem stets außergewöhnlich hohe Gewinnchancen zugeschrieben werden, am Start ist, die Leistungen der Spieler im Mittelfeld deutlich nachlassen. Da die Preisgelder bei Golf-Turnieren sich auf die Höchstplatzierten konzentrieren - die 15 Höchstplatzierten erhalten 70 Prozent der Preisgelder, während z.B. ein Spieler auf Platz 70 nur 0,2 Prozent der verteilten Gesamtsumme erhält -, scheinen die Anreize zur besonderen Anstrengung für das Mittelfeld gering, wenn viele Alpha-Tiere am Start sind. Brown stellte fest: Liegt Tiger Woods fast uneinholbar vorne, brauchen selbst die stärksten Konkurrenten in der Weltrangliste in der entscheidenden Runde 0,32 Schläge mehr als gewöhnlich. Schwächelt Woods dagegen, liegt der Vergleichswert seiner Gegner bei nur noch 0,06 Schlägen. In der Gesamtbetrachtung brauchten die Profi-Golfer 0,8 Schläge mehr pro Runde, wenn Woods im Teilnehmerfeld war. Interessant wäre sicherlich eine Übertragung der Studienszenarien auf die Wirtschaftswelt. Wie verändert sich beispielsweise die Performance von Mitarbeitern, die, im Vergleich zum hoch bezahlten Top-Management eines Unternehmens, für sich nur noch wenige Aufstiegschancen sehen?
"Mit Handicap", FAZ 11.4.2008


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Nur weniger als jedes zweite Change-Projekt ist erfolgreich 
Mittwoch, 9. April 2008 - Studien
Der Wandel in Unternehmen ist schwerfälliger, als viele Führungskräfte es gerne hätten. Eine Studie von IBM Global Business Services in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn kommt zu dem ernüchternden Ergebnis: 46 Prozent aller Change-Projekte führen nicht zum gewünschten Ergebnis, 16 Prozent scheitern sogar ganz. Dabei ist die schwierigste Hürde nach Ansicht der 220 befragten Projekt- und Change-Manager die Veränderung von Denkweisen und Einstellungen. Eine weitere Untersuchung der Düsseldorfer Unternehmensberatung C4 Consulting belegt diese Tendenz. Von den 201 befragten Führungskräften zeigten sich lediglich 26 Prozent mit den Ergebnissen ihrer jüngsten Veränderungsprozesse zufrieden. Nur jede fünfte Manager (21 Prozent) konnte einen erfolgreichen Change verbuchen. Bei dieser Studie äußerten sich die Verantwortlichen vor allem kritisch gegenüber den oberen Führungsebenen, die Veränderungsprozesse ihrer Meinung nach nicht ausreichend unterstützten.
"Die Angst vor dem Neuen", FTD 31.3.2008


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die weltbesten Companies und was sie auszeichnet 
Freitag, 4. April 2008 - Studien
Das jährliche Ranking der weltweit besten Unternehmen, das vom Fortune Magazine und der Hay Group veröffentlicht wird, hat es wieder einmal in sich. Bestes deutsches Unternehmen auf Platz 9 ist BMW, gefolgt von BASF (Platz 41), Siemens (43) und Lufthansa (48). Die geringe Präsenz deutscher Firmen in dem internationalen Ranking liegt unter anderem daran, dass zu den Voraussetzungen für das Voting ein Jahresumsatz von mindestens zwölf Milliarden Dollar gehört. Die Liste der "Most Admired Companies" wurde nach einer Befragung von 16.000 Top-Managern und Analysten aus 26 Ländern zusammengestellt. Unangefochtener Spitzenreiter wurde die amerikanische Technologie-Schmiede Apple, die für ihre besondere Innovationskraft ausgezeichnet wurde. Was die Beliebten anders machen als ihre Konkurrenten, analysiert die Hay Group wie folgt: 82 Prozent der Most Admired Companies stimmen ihre Vergütungsprogramme regelmäßig mit ihren Beschäftigten ab, während dies bei der Vergleichsgruppe nur bei 64 Prozent der Firmen der Fall ist. 41 Prozent sind der Ansicht, dass es ihrem Management gelingt, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen (Vergleichsgruppe: 21 Prozent). 41 Prozent sind der Ansicht, dass ihre Vergütungsprogramme fair sind (Vergleichsgruppe: 27 Prozent).
Fortune-Liste der 50 Most Admired Companies
Analyse der Hay Group

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Fairness zahlt sich für Firmen langfristig aus 
Donnerstag, 3. April 2008 - Studien
Fairness im Umgang mit Geschäftspartnern zahlt sich für Unternehmen längerfristig aus. Das ist das Ergebnis einer Studie der US-Business-School Wharton und der University of Minnesota. "Wenn Manager von ihren Verhandlungspartnern als fair angesehen werden und so handeln, ersparen sie sich zeitraubende Verhandlungen und Gespräche über Verträge, die in der Praxis dann meistens viel zu kompliziert sind", zitiert das Handelsblatt die Wharton-Professoren. In einem Modell belegen die Professoren, dass, sofern die Partner ihre jeweiligen Kosten in den Verhandlungen transparent machen, beide Seiten langfristig davon profitieren, wenn sie nicht nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Auf diese Weise spare man Zeit und Kosten und Erhöhe damit den Ertrag der Geschäftsbeziehung. Das Problem in der Realität: gerade Großunternehmen feiern Manager eher für kurzfristige, maximale Erfolge.
"Fair gewinnt", Handelsblatt 26.3.2008


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die Deutschen sind wenig optimistisch 
Mittwoch, 2. April 2008 - Studien
Die Deutschen werden dem gängigen Vorurteil, sie neigten nicht gerade zum Optimismus, wieder einmal gerecht. Eine Umfrage des Forschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag der Europäischen Kommission zeigt: Im europaweiten Vergleich sind die Deutschen tatsächlich Pessimisten. Befragt wurden über 30.000 Bewohner der 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie der Beitrittskandidaten Kroatien, Mazedonien und Türkei, und zwar dahingehend, welche Erwartungen sie an die nächsten zwölf Monate haben. Im Durchschnitt gehen 54 Prozent der Europäer davon aus, dass ihre Lebensumstände gleich bleiben werden, 30 Prozent rechnen mit Verbesserungen, 13 Prozent mit Verschlechterungen. Damit liegt der Optimismus-Index für ganz Europa bei +17 (Anteil derjenigen, die eine Verbesserung erwarten, abzüglich derjenigen, die mit einer negativen Entwicklung rechnen). Besonders optimistisch sind im Ländervergleich die Schweden (+38), die Dänen (+33) sowie Spanier und Iren (+29). Die größten Pessimisten sind Ungarn (-22), Tschechien (-5) und Portugal (-1). Deutschland liegt mit einem Index-Wert von +4 immerhin noch im optimistischen Bereich. Während hier 20 Prozent der Bevölkerung mit Verbesserungen rechnen, erwarten 16 Prozent negative Entwicklungen.
Presseinformation TNS Infratest



[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Narzisstische Chefs lieben riskante Deals 
Montag, 31. März 2008 - Studien
Je narzisstischer ein CEO, desto riskanter die Deals, die er einfädelt - so das Ergebnis einer Studie der Pennsylvania State University. Die Forscher untersuchten die Profile von 111 CEOs der amerikanischen Computerbranche zwischen 1992 und 2004. In ihren Narzissmus-Index flossen die Präsentation der CEOs in den Geschäftsberichten (Größe der Portraits), die Frequenz der Bezugnahmen auf Begriffe wie "Ich", "mein" und "mich" in Interviews im Verhältnis zu einem "Wir" sowie die Gehaltshöhe im Vergleich zum nächsthochbezahlten Angestellten Firma ein. Wie die Forscher erwartet hatten, bestätigte sich ihre Hypothese, dass CEOs mit ausgeprägtem Ego zu unternehmerischen Entscheidungen neigen, die gut sichtbar sind, also zu spektakulären Coups. Allerdings räumt die Studie ein, dass solche riskanten Entscheidungen nicht nur mit ausgeprägtem Narzissmus zu tun haben müssen, sondern auch schlicht auf zu viel Selbstvertrauen oder ein Entlohnungsschema, das Anreize für risikoreiches Engagement setzt, zurückzuführen sein können. Deutlich wurde in der Studie jedoch, dass die CEOs mit ausgeprägtem Narzissmus im Vergleich stärker als andere die Aufmerksamkeitswirkung ihres Handelns betonen, sich stärker auf das Wachstum und den Produktwandel des Unternehmens konzentrieren und sich weniger Kostenfragen und Qualitätsverbesserungen widmen. So schön diese Erkenntnisse auch sein mögen, auf die langfristige Performance des Unternehmens wirkt sich der Narzissmus-Faktor anscheinend nicht aus, denn insgesamt schneiden die narzisstisch geführten Firmen in ihrer Leistungsbilanz weder besser noch schlechter ab als Unternehmen, die von eher zurückhaltenden CEOs geführt werden - ihre Performance ist lediglich größeren Schwankungen ausgesetzt.
"Schaut mal alle her, das war alles ich", FAZ 18.3.2008


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter