Vorsicht Hormone! Von Testosteron und Gewinnen 
Mittwoch, 23. April 2008 - Wissenschaft
Über eine interessante Forschungsarbeit zwischen Neurologie und Börsenhandel berichtet die Frankfurter Allgemein Zeitung. John Coates, Wissenschaftler in Cambridge und ehemaliger Leiter des Handelssaals der Deutschen Bank in New York untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Hormonspiegel von Börsenhändlern und ihren Kaufentscheidungen. Das Ergebnis: Je höher der Testosteron-Spiegel der Untersuchten, umso größer ist ihre Risikobereitschaft, was sich positiv auf ihre Gewinne auswirkt. Das Problem: Durch den Euphorie-Schub, der sich aus der Melange von hohem Testosteron-Spiegel und Gewinnen ergibt, stellt sich leicht Übermut ein, so dass rationale Entscheidungen dann kaum noch möglich sind. Auch für Abschwungszenarien hat Coates eine Antwort aus hormoneller Perspektive gefunden. Laufen die Geschäfte an der Börse nicht mehr wie erwünscht, produziert der Körper verstärkt das Stress-Hormon Cortisol. Ängste lassen die Händler dann vor Entscheidungen zurückschrecken. Das zeigt unter anderem, warum Interventionen der Notenbanken in Krisensituationen oft nur langsam greifen, denn ein hoher Cortisol-Spiegel lässt die Händler nur langsam und unter innerem Widerstand auf die geänderte Situation reagieren.
"Sexualhormon verspricht Gewinne", FAZ 19.4.2008


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Das Gehirn ist schneller als der Geist 
Dienstag, 22. April 2008 - Studien
Während der Mensch glaubt, er denkt, ist es eigentlich das Gehirn, das lenkt - das könnte man zumindest meinen, wenn man die aktuellen Forschungsergebnisse der Neurologie betrachtet. Eine aktuelle Studie des Wissenschaftlers John-Dylan Haynes belegt, dass sich im Gehirn bereits sieben Sekunden (!), bevor ein Mensch eine Entscheidung tatsächlich meint, getroffen zu haben, im Gehirn anbahnt. Bisherige Forschungen, die zu ähnlichen, wenn auch im Hinblick auf den Zeithorizont wesentlich unspektakuläreren Ergebnissen kamen, hatten die im Gehirn ablaufenden Reaktionen jeweils in Situationen getestet, in denen sich die Probanden durch einen Impuls von außen schnell entscheiden mussten. Das Setting der Haynes-Studie nun war ein völlig anderes: Die Probanden sollten nach eigener Entscheidungen zwei Knöpfe drücken und waren frei, wann sie dies tun. Selbst die Forscher zeigten sich überrascht, dass die Aufnahmen des Kernspintomographen zeigten, wie lange vorher die entsprechende Reaktion im Gehirn vorbereitet werden. "Dass selbstgewählte Entscheidungen vom Gehirn schon so früh angebahnt werden, hat man bisher nicht für möglich gehalten", so John-Dylan Haynes. Der Forscher möchte die aktuellen Ergebnisse jedoch nicht als Beleg dafür sehen, dass der Mensch schlicht von Gehirnprozessen bestimmt wird: "Nach unseren Erkenntnissen werden Entscheidungen im Gehirn zwar unbewusst vorbereitet. Wir wissen aber noch nicht, wo sie endgültig getroffen werden. Vor allem wissen wir noch nicht, ob man sich entgegen einer vorgebahnten Entscheidung des Gehirns auch anders entscheiden kann." Dass diese Möglichkeit sehr realistisch erscheint, zeigen meiner Meinung immer wieder die Erfahrungen von Meditierenden, die durch das Sitzen in Stille früher oder später die Erfahrung machen: "Ich bin nicht meine Gedanken." Durch die fokussierte Achtsamkeit fallen Meditierende in die Rolle des Beobachters und erleben die Lücke zwischen der Entstehung von Gedanken und der Identifizierung mit ihnen. Sicherlich wäre es spannend, die dadurch entstehende Entscheidungsfreiheit in die neurologische Forschung miteinzubeziehen.
Pressemitteilung "Unbewusste Entscheidungen im Gehirn", 13.4.2008


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Unter Alpha-Tieren lässt die Mitte nach  
Montag, 21. April 2008 - Studien
Eine interessante Studie der kanadischen Forscherin Jennifer Brown, die im vergangenen Jahr an der Universität in Berkeley/Kalifornien die Performance von Golf-Spielern untersuchte, wirft die Frage auf, inwiefern Alpha-Tiere die Performance der Mittelfeld-Spieler negativ beeinflussen. Die Wissenschaftlerin untersuchte die Leistungen von Spielern in Golf-Turnieren und stellte dabei fest, dass, sobald ein Top-Performer wie Tiger Woods, dem stets außergewöhnlich hohe Gewinnchancen zugeschrieben werden, am Start ist, die Leistungen der Spieler im Mittelfeld deutlich nachlassen. Da die Preisgelder bei Golf-Turnieren sich auf die Höchstplatzierten konzentrieren - die 15 Höchstplatzierten erhalten 70 Prozent der Preisgelder, während z.B. ein Spieler auf Platz 70 nur 0,2 Prozent der verteilten Gesamtsumme erhält -, scheinen die Anreize zur besonderen Anstrengung für das Mittelfeld gering, wenn viele Alpha-Tiere am Start sind. Brown stellte fest: Liegt Tiger Woods fast uneinholbar vorne, brauchen selbst die stärksten Konkurrenten in der Weltrangliste in der entscheidenden Runde 0,32 Schläge mehr als gewöhnlich. Schwächelt Woods dagegen, liegt der Vergleichswert seiner Gegner bei nur noch 0,06 Schlägen. In der Gesamtbetrachtung brauchten die Profi-Golfer 0,8 Schläge mehr pro Runde, wenn Woods im Teilnehmerfeld war. Interessant wäre sicherlich eine Übertragung der Studienszenarien auf die Wirtschaftswelt. Wie verändert sich beispielsweise die Performance von Mitarbeitern, die, im Vergleich zum hoch bezahlten Top-Management eines Unternehmens, für sich nur noch wenige Aufstiegschancen sehen?
"Mit Handicap", FAZ 11.4.2008


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Verantwortung: Grundlage des Unternehmertums überdenken 
Freitag, 18. April 2008 - Management
Grundlage für ein verantwortliches Unternehmertum muss laut Wolfgang Schulhoff, Präsident des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstages, die tatsächliche Verantwortung, die Manager für ihr handeln übernehmen, sein. In einem Kommentar für die Frankfurter Allgemeine Zeitung weißt Schulhoff darauf hin, dass Haftung die Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft sei. Das Problem: Während in inhabergeführten Unternehmen meist der Unternehmer als Eigentümer direkt haftet, sieht dies in Management-geführten Firmen und Konzernen deutlich anders aus. "Strafe bei Misserfolg gilt für den angestellten Manager nur zur Hälfte: Erfolge werden mit Belohnungen bedacht, während Misserfolge nicht mit der Haftung für den angerichteten Schaden verbunden sind. Im Gegenteil: Im Falle ihres Scheiterns erhalten Manager häufig noch den 'goldenen Handschlag'", kritisiert Schulhoff. Das Beispiel der gegenwärtigen Finanzkrise zeige deutlich, wohin Geldgier, steigende Renditeerwartungen und eine Risikobereitschaft, die in relativer Freiheit von Haftungsrisiken eine unheilvolle Verbindung eingehen, führen können. Schulhoff befürwortet es, auch angestellte Manager in das Haftungsrisiko miteinzubeziehen, beispielsweise, indem sie im Sinne eines normativen Mindestschadens mit ihrem Gehalt haften.
"Mehr Markt für Manager", FAZ 10.4.2008


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Beziehungsthemen werden im Coaching wichtiger 
Donnerstag, 17. April 2008 - Management
Die 4. Trigon-Coaching-Befragung zeigt: Professionelle Beratung in Unternehmen erlebt einen Wandel von der persönlichen Hilfestellung zum professionellen Enabling in Sachen Beziehungs- und Change-Kompetenz. Für die Studie befragte die Trigon Entwicklungsberatung, Graz, mehr als 250 Coaching-Kunden und Personalentwickler. Wichtigstes Coaching-Thema sind mit 28 Prozent aller Nennungen Beziehungs- und Konfliktfragen zwischen Vorgesetzten, KollegInnen oder MitarbeiterInnen). An zweiter Stelle stehen Change- und Veränderungsfragen (17 Prozent), gefolgt von Selbstreflexion (15 Prozent) sowie Stressbewältigung und Work-Life-Balance (11 Prozent). Im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2003 hat sich damit der Fokus der Coachees verschoben. Vor fünf Jahren stand noch das Thema Selbstreflexion an erster Stelle, gefolgt von Fragen der Karriere- und Zukunftsgestaltung, die 2007 nur noch für 10 Prozent der Befragten von Belang waren.
Trigon Coaching-Befragung


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Governance: Es geht um gelebte Werte, nicht um Kodices 
Mittwoch, 16. April 2008 - Management
Das Weiterbildungsmagazin ManagerSeminare widmet seine aktuelle Ausgabe dem Schwerpunkt Corporate Governance. Darin weist der Management-Vordenker Fredmund Malik in einem Interview darauf hin, dass Kodices allein kaum ausreichen werden, um einen geeigneten Rahmen für ein verantwortliches Wirtschaften. Sein Hinweis: Eigentlich würde das bisherige deutsche Aktienrecht völlig ausreichen, um Governance sicherzustellen - würde es denn korrekt angewendet. Malik legt den Daumen in eine Wunde der Zeit, wenn er feststellt, dass - mit den besten Absichten entwickelte - Handlungsanweisungen ins Leere laufen, wenn sie im Widerspruch zur gängigen, im täglichen Business immer wieder bestätigten Praxis stehen. "Das Thema Werte wird verkürzt auf eine einzige Dimension - den monetären Wert der Unternehmung. Ihn zu steigern, scheint häufig das alleinige Streben des Managements zu sein. Man schaut nicht mehr nach rechts und links, es geht nur noch um das eine", kritisiert Malik. Wer dies als alleiniges Ziel vor Augen hat - und nicht zuletzt die Vergütungssysteme sowie die Anspruchshaltung der Shareholder nach kurzfristigen Gewinnen begünstigen genau diese einseitige Ausrichtung -, wird sich im Tagesgeschäft schwer damit tun, dem Governance-Kodex den Vorrang zu lassen. Malik hält dieser Sackgasse die Praxis in vielen unternehmerisch geführten Unternehmen (UGU) als positives Beispiel entgegen: "Der echte Leader ist kein Ausstrahlungs- oder Ausdünstungsmensch. Er steht für die Sache, er setzt sich mit allen Kräften dafür ein, ohne sein Leben zu geben. Sehen wir uns die Geschäftsführer und Vorstände der UGUs an: Kein Charakter gleicht hier dem anderen, es gibt unterschiedliche Führungstypen, aber einige Gemeinsamkeiten, die wichtig sind. Die weitaus meisten Unternehmer zeigen keinen übertriebenen Egoentrismus, das Auftreten der Personen ist eher unauffällig, sie sind kein Freund der großen Sprüche. Dafür sind lange Verweildauern an der Spitze die Regel..." Der Punkt: Solange Shareholder, Medien und Manager unter Werten nur kurzfristige finanzielle Gewinne verstehen und diese bejubeln, sind Kodices das Papier, auf dem sie geschrieben stehen, kaum wert.
"Kurzfristiges Wertstreben ist ein Antreiber", ManagerSeminare 4.2008

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Liebe macht das Business erfolgreicher 
Dienstag, 15. April 2008 - Arbeit
Kürzlich habe ich für das Unternehmerinnen-Magazin Existenzielle die amerikanische Trendforscherin Patricia Aburdene interviewt. In ihrem jüngsten Buch beschreibt sie verschiedene spirituelle Paradigmen, die die Wirtschaft langfristig positiv verändern und den Aufstieg eines bewussten und zukunftsfähigen Kapitalismus begünstigen. In dem Interview, das inzwischen auf dem Online-Portal Femity vollständig zu lesen ist, erklärt Aburdene, dass der Faktor Liebe fürs Business immer wichtiger wird: "Ich bedauere jeden, der glaubt, im Business ginge es alleine darum, Geld zu machen. Wer so denkt, wird keinen Spaß an der Arbeit haben. Und außerdem nicht wirklich viel Geld verdienen. Erfolg erwächst aus Leidenschaft, Überzeugung und Kreativität. Das sind alles sehr emotionale Dimensionen. Warum? Weil diese Werte den Menschen ausmachen. Und Menschen, sei es als Kunden, Führungskräfte, Arbeitnehmer, Investoren oder Zulieferer, sind es, die ein Unternehmen erfolgreich machen - nicht eine 'Es geht alleine um den Profit'-Mentalität. ... Das eigene Unternehmen einwandfrei zu führen, ist eine Voraussetzung, um im Business zu bleiben. Aber die persönliche Leidenschaft und die eigenen Werte sind es, die es unverwechselbar machen. So entstehen wirkliche Alleinstellungsmerkmale. Liebe, Goodwill, Mut und andere transzendente menschliche Werte verwandeln sich so in konkreten Erfolg." Im Oktober 2008 erscheint die deutsche Übersetzung ihres Buches "Megatrends 2020: Der Aufstieg des zukunftsfähigen Kapitalismus. Sieben Trends, die unser Leben und Arbeiten verändern" bei J.Kamphausen, Bielefeld.
"Wir sind auf dem Weg in eine neue Business-Welt", Existenzielle März 2008


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Gerechte Umstände fördern das Glück 
Montag, 14. April 2008 - Wissenschaft
Glück kann man nicht "machen", die Lebenszusammenhänge eines Menschen und seine Möglichkeiten, diese zu gestalten, können jedoch das Glücksempfinden fördern. Der Glücksforscher Stefan Klein erklärt diese Zusammenhänge in einem Interview mit der Rheinischen Post wie folgt: "Glück hat wesentlich damit zu tun, wie stark der Zusammenhalt in einer Gesellschaft ist. Denn es kommt darauf an, wie sehr die Menschen das Gefühl haben, dass sie auf die Gestaltung ihrer Umgebung Einfluss nehmen können. Neurobiologische Untersuchungen legen nahe, dass das Gefühl, ohnmächtig zu sein, ein schlechtes ist, das sogar krank machen kann." Kritiker weisen in der aktuellen wirtschaftspolitischen Diskussion immer wieder darauf hin, dass das immer stärkere Auseinanderklaffen der Löhne von Niedrig- und Spitzenverdienern für die gesellschaftliche Entwicklung problematisch ist, selbst wenn sich die Lebenssituation der Menschen am unteren Ende der sozialen Leiter im Laufe der letzten Jahre verbessert haben. Dieser These stimmt Glücksforscher Klein zu, wenn er sagt: "Der Zusammenhalt einer Gesellschaft ist ein Wert an sich, der in der Tat Menschen zufriedener macht. Man hört ja oft das Argument, dass, wenn der eine in einem Land 12 Millionen, der andere aber nur 12.000 Euro jährlich verdient, dann sei das doch überhaupt kein Problem, weil der Wohlhabendere dem Ärmeren ja nichts wegnehme und noch dazu hohe Steuern zahle. ... Es mag gute Gründe für unterschiedliche Einkommen geben. Aber Untersuchungen zeigen sehr klar, dass die Lebenszufriedenheit aller Bürger sinkt, wenn sich die Lebensverhältnisse in einer Gesellschaft zu weit voneinander entfernen. Und dass eine Gesellschaft gut beraten ist, bei solchen Entwicklungen gegenzusteuern. Das hat auch damit zu tun, dass Menschen so etwas haben wie einen angeborenen Gerechtigkeitssinn."
"Glück braucht Gerechtigkeit", RP 28.3.2008


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