Mittelstand mit Nachholbedarf bei Nachhaltigkeit 
Montag, 30. April 2012 - Studien
Eine Studie der Beratung Ernst & Young zeigt, dass vor allem der Mittelstand noch erheblichen Nachholbedarf in Fragen der Nachhaltigkeit hat. Von den befragten 500 Firmen gaben 55,4 Prozent an, sich noch nicht mit der Thematik zu beschäftigen - und das, obwohl 31,9 Prozent die Thematik für mittelständische Unternehmen für sehr wichtig erachten und 47,5 Prozent für wichtig. Unter Nachhaltigkeit verstehen die Mittelständler vor allem langfristig angelegte Planungen und Bestandssicherung (26,3 Prozent), umweltverträgliches Handeln und das Schonen von Ressourcen (22,4 Prozent), Mitarbeiter zu fördern und sie nicht auszunutzen (13,7 Prozent), zukunftsorientierte Strategien (13,2 Prozent) und soziale Verantwortung (12 Prozent). Schlusslicht der erkannten Nachhaltigkeitsthemen bildet mit lediglich zwei Prozent der Nennungen die Energieersparnis. Wichtigste Steuerungsinstrumente sind für rund 60 Prozent der Firmen Unternehmensleitbilder und Unternehmenswerte. Immerhin 55 Prozent berücksichtigen das Thema Nachhaltigkeit auch beim Qualitätsmanagement. 40,9 Prozent verfügen über eine Nachhaltigkeitsstrategie. Auf der formalen Ebene ist der Mittelstand hingegen noch eher schwachbrüstig aufgestellt - nur 3,1 Prozent der Firmen setzen weitere Steuerungsinstrumente und gar nur 0,8 Prozent nutzen Zertifizierungen.
Studie von Ernst & Young

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Schizophrenie des Systems 
Freitag, 27. April 2012 - Wissenschaft
Im Interview mit der taz geht der ehemalige Manufaktum-Manager Uli Burchardt hart mit der Discount-Mentalität ins Gericht. "Ich schließe aus, dass ein Discountkonzept ein Qualitätskonzept sein kann. Discount ist eine Wertvernichtungsstrategie. Und ich sage: Qualität kann nur etwas sein, das nachhaltig ist. Wertvernichtung kann nicht nachhaltig sein", so Burchardts Ansage. Der Freund qualitätsvoller Wirtschaftsprozesse erklärt, dass Billiganbieter zwar für einige Bevölkerungsgruppen wichtig seien, aber meist nicht reflektiert werde, dass gerade diese Billigstrategien mit dazu beitragen, dass sich der Lebensstandard immer größerer gesellschaftlicher Gruppen damit auch weiter nach unten entwickele. "Warum gibt es immer mehr Menschen in Zeitarbeit? Weshalb gibt es immer mehr Freiberufler, die von ihrer Arbeit lediglich gerade so leben können? Weil alles maximal ausgepresst wird. Wir landen stets wieder bei der Nachhaltigkeit", so Burchardt. Der ehemalige Manager und heutige Berater kritisiert zudem, dass die Bundesregierung zwar immer von Menschenrechten spreche, aber nur wenig dafür tue, dass die Ausbeutung von Arbeitnehmern in Ländern wie Indien oder Bangladesch, die die hierzulande konsumierten Billigwaren herstellen, verhindert wird.
"Die meisten Kunden denken zu wenig", taz 15.4.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Was zählt, ist letztlich Härte 
Donnerstag, 26. April 2012 - Management
In einem Beitrag zum Thema Führung im Manager Magazin diskutieren Jutta Allmendinger vom Wissenschaftszentrum Berlin, Jörg Ritter, Berater bei Egon Zehnder, und Tobias Leipprand, Vorstand der Stiftung neue Verantwortung, über die Erkenntnisse ihrer gerade abgeschlossenen Führungsstudie. Alle drei sehen in Deutschlands Führungsetagen eine Menge Nachholbedarf, wenn nicht gar die Notwendigkeit für einen sehr grundlegenden Wandel. "Als Personalberater erlebe ich einen eklatanten Mangel an Persönlichkeiten, wenn es darum geht, Positionen an der Schnittstelle zweier Bereiche zu besetzen. Menschen, die in verschiedenen Welten zu Hause sind, sind rar", moniert etwa Jörg Ritter. Jutta Allmendinger konstatiert ebenfalls, dass viele Führungskräfte stark auf ihr eigenes Umfeld beschränkt seien und es vermieden, sich anderen Bereichen auszusetzen. Das ist ein Problem, da die Veränderungen in der Wirtschaft immer mehr ein grenzüberschreitendes Denken erfordern. "Führungspersönlichkeiten, nicht nur in der Wirtschaft, sehen sich heute mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die Grenzen, die früher in Bezug auf die eigene Tätigkeit, auf Märkte und Produkte galten, sind ins Wanken geraten. Jeder sieht, dass keiner allein weiterkommt. Doch man findet noch zu selten zusammen. Letztendlich mangelt es an einem Leitbild, wie das Führen von Organisationen und Menschen über Sektoren hinaus gelingen kann", so Jörg Ritter. Die typischen Karrierekriterien im Business sorgen wiederum dafür, dass gegenwärtig laut Tobias Leipprand nicht unbedingt Menschen mit den größten Führungsqualitäten an die Spitze kommen, sondern eher die härtesten. Jutta Allmendinger wiederum weist darauf hin, dass es entsprechende Anreize brauche, damit sich eine werteorientierte Führung durchsetzen könne, denn gegenwärtig sei dieses Thema nur bei wenigen Top-Managern auf dem Schirm. In den Gesprächen, die die Grundlage der Studie bildeten, hätten beispielsweise nur wenige der Beteiligten von sich aus über Werte gesprochen oder darüber, welchen Sinn sie in ihrer Arbeit sehen.
"Erfolg haben die Härtesten, nicht die besten", Manager Magazin 17.4.12

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Führungsfähigkeit mal wieder Fehlanzeige 
Mittwoch, 25. April 2012 - Studien
Eine Umfrage der Personalberatung DDI unter fast 1.300 Mitarbeitern aus zehn Ländern zeigt einmal mehr, dass es mit den Führungsqualitäten vieler Chefs nicht zum besten steht. 39 Prozent haben schon einmal den Job gewechselt, weil sie mit dem Boss nicht klarkamen. Mehr als die Hälfte meint, sie könnte mit besserem Chef 20 bis 60 produktiver arbeiten - eine in vielen Firmen ungehobene Reserve. Von den Befragten, die derzeit glauben, sie hätten den besten Chef ihrer bisherigen Laufbahn, sind hingegen 98 Prozent bereit, stets alles zu geben. Jeder dritte Befragte beklagt die Resistenz der Vorgesetzten gegenüber Kritik und Verbesserungsvorschlägen. So wundert es nicht, dass viele Mitarbeiter einen Strafzettel oder eine Erkältung als weniger unangenehm empfinden als ein schwieriges Gespräch mit dem Chef.
Fachlich gut, als Chef daneben, FTD 16.4.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Vorreiter der Familien-Balance 
Dienstag, 24. April 2012 - Arbeit
Der vom Bundesfamilienministerium ausgelobte Wettbewerb "Erfolgsfaktor Familie" zeigt, dass es in der Unternehmenswelt bereits viele gute Beispiele gibt, wie sich Job und Familie vereinbaren lassen - zum Wohle der Mitarbeiter und des Unternehmens. Beim Outdoor-Ausrüster Vaude beispielsweise, der zum dritten Mal ins Finale der Ausscheidung gelangt ist, gibt es eine betriebseigene Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeitmodelle. 38 Prozent der Führungskräfte des Mittelständlers sind Frauen. Der Arzneimittelhersteller Weleda lässt ein Viertel seiner 900 Mitarbeiter Teilzeit arbeiten - 70 Prozent davon sind Frauen. Werdende Eltern werden bereits vor der Geburt der Kids begleitet, damit ihnen die Rückkehr ins Unternehmen leicht fällt. Bei Bosch ist es für Mitarbeiter ohne Kinder sogar schwerer, Karriere zu machen, denn in dem Elektronikkonzern gilt die Elternzeit als wichtige Lebenserfahrung, die Führungskräfte brauchen. Airbus bietet seinen Mitarbeitern an, so es die Arbeitsabläufe zulassen, bis zu 60 Prozent ihrer Arbeitszeit außerhalb des Unternehmens zu verbringen. Und bei der Versicherung Barmer GEK gibt es für die 19.000 Mitarbeiter mehr als 150 verschiedene Teilzeitmodelle. Die Liste der einsichtigen Unternehmen ist also schon lang, und es ist anzunehmen, dass Firmen wie diese im War for Talents künftig die Nase vorne haben werden.
Glückliche Mitarbeiter dank Familie, WiWo 16.4.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Müßiggang ist aller Freude Anfang 
Montag, 23. April 2012 - Arbeit
Die Financial Times Deutschland zeigt in einem Interview mit dem professionellen britischen Müßiggänger Tom Hodgkinson, dass ein entspanntes (Arbeits-)Leben durchaus möglich ist, wenn man die Weichen richtig stellt. Hodgkinson hat sich als Autor, dessen Lieblingsthema das Faulenzen ist, einen Namen gemacht. Viele Jahre gelang es ihm, nur vier Stunden pro Tag zu arbeiten, weil er seine Prioritäten entsprechend setzte. Obwohl er die Verwerfungen der heutigen Arbeitswelt weitgehend umschifft, ist er Systemkritik nicht abgeneigt: "Im Mittelalter hatte man eine sehr gute Einstellung zur Arbeit. Durch die Gilden gab es kein Konkurrenzdenken. Und außerdem war es eine unglaublich kreative Zeit: Die Universitäten und das Wohlfahrtssystem wurden gegründet, es gab viel mehr Gesang und Poesie." Auf die Kritik seines Gesprächspartners, dass zu dieser Zeit das Leben für die Unterschicht kein Zuckerschlecken war, entgegnet er: "Nach Schätzungen des International Labour Offices sterben heutzutage zwei Millionen Menschen pro Jahr bei der Arbeit, hinzu kommen 160 Millionen, die ihre Arbeit krank macht. Das Mittelalter ist nichts dagegen." Für Hodgkinson sind Freiheit und Eigenverantwortung wesentliche Tugenden für ein selbstbestimmtes Leben: "Ich glaube, es macht glücklich, Verantwortung zu übernehmen und Alternativen zum kapitalistischen System zu entwickeln. Die Gewerkschaften haben dazu beigetragen, Arbeitsbedingungen und Löhne zu verbessern, aber alles auf der Position des Sklaven, innerhalb der Tretmühle. Ich mag die Idee der Eigenverantwortung." Damit andere von seinem erprobten Lebensstil lernen können, hat er die Idler Akademie für Philosophie, Landwirtschaft und Frohsinn gegründet, denn seiner Meinung nach sind die Frage nach dem "Wer bin ich?", regelmäßige Gartenarbeit und eine fröhliche Grundhaltung die wichtigsten Zutaten für ein glückliches Leben.
Faulenzen lernen von Daniel Düsentrieb, FTD 15.4.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die Sehnsucht nach Sinn und Freiheit 
Freitag, 20. April 2012 - Arbeit
Die Zeit portraitiert in einer spannenden Reportage zahlreiche Menschen, die ihre Jobs in der Finanzbranche hingeschmissen haben, um sich ein neues Lebensziel zu suchen. Ob es die Angst war, zum "seelenlosen Automaten" zu werden, der Wunsch nach wirklicher Freiheit oder das Gefühl, dass das tägliche Jonglieren mit absurd hohen Summen einfach keinen Sinn macht - die Gründe, die die Aussteiger zu einer Neudefinition ihrer Lebensziele führten, erscheinen vordergründig recht verschieden, zeigen jedoch eine Schnittmenge: Letztlich scheint der Mensch mit seinem Leben früher oder später etwas nachvollziehbar Positives bewirken zu wollen. In dem Beitrag ist viel vom Arbeiten für eine "gute Sache" die Rede, vom Wunsch nach einem "Lebenswerk", von Kreativität, die sich ausdrücken möchte - alles Perspektiven, die allzu menschlich sind und uns letztlich von Systemen, die nur um ihrer selbst willen laufen, unterscheiden. Die Finanzkrise hat vielen Bankern von außen betrachtet ihre Grenzen aufgezeigt - aber immer mehr Menschen durchbrechen diese Grenzen auch von innen. Sie erkennen, was menschliches Potential wirklich bedeutet - und trauen sich zunehmend, es auch zu leben.
Neuanfang als Normalo, Zeit online 5.4.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Was ist uns etwas wert? 
Donnerstag, 19. April 2012 - Success Stories
In seinem neuen Buch "Ausgegeizt!" plädiert der Manufaktum-Marketingdirektor Uli Burchardt dafür, sich im Business wieder mehr auf Werte zu besinnen. Nicht im Sinne abstrakter Moraldiskussionen, sondern ganz handfest. Manufaktum, bekannt als Unternehmen, das nur hochwertige Waren zu ebensolchen Preisen vertreibt, hat die Wertfrage zum Erfolgskonzept gemacht. Das Unternehmen erklärt seinen Kunden, welchen Wert die von ihm angebotenen Produkte haben - im Hinblick auf die Herstellung, aber auch auf den Nutzen. Für Burchardt ist dabei klar, dass das Investment in langlebige Qualitätsprodukte sich lohnt, denn weil sie länger halten, sind sie unter dem Strich nicht teurer als Billigprodukte. Eigentlich - das ist der Rezension in der FTD jedoch nicht zu entnehmen - sind sie auch stressfreier, denn man muss nicht ständig nach Ersatz Ausschau halten. Die FTD kritisiert, dass Burchardt mit dieser "Mission" zwar die (unausgesprochen elitäre) Manufaktum-Kundschaft erreiche, die Mehrheit der deutschen Verbraucher jedoch nicht. In meinen Augen nicht unbedingt das Versagen des Autors, sondern eher eine implizit traurige Diagnose zur Lage der Nation: Das Geiz-Gen ist bei den meisten Konsumenten eben immer noch angeschaltet.
Geiz ist ungeil, FTD 7.4.12


[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter