Ungerechte Boni drücken die Arbeitsmoral 
Mittwoch, 30. April 2014 - Studien
Die gesellschaftliche Diskussion über Sinn und Gerechtigkeit von Bonuszahlungen schlägt in regelmäßigen Abständen neue Wellen. Eine Studie des Bamberger Centrums für Empirische Studien in Kooperation mit der Hans-Böckler-Stiftung und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung liefert neue Erkenntnisse, wann Boni auf Akzeptanz stoßen und wann sie sogar die Arbeitsmoral der Beschäftigten untergraben können. Befragt wurden 1.400 Beschäftigte aller Branchen. 55 Prozent halten Bonuszahlungen an Geschäftsführer der Studie zufolge für ungerecht oder eher ungerecht, 41 Prozent erachten sie als gerecht. In Unternehmen, in denen Boni bereits gängige Praxis ist, empfinden sie 51 Prozent der Beschäftigten als gerecht und 47 Prozent als ungerecht. Die Akzeptanz der Zahlungen steigt, wenn sie gut begründet werden, z.B. als Mittel zur Gewinnung guter Führungskräfte, für Geschäftsführer in Würdigung derer hohen Belastung und Verantwortung und in Fällen, in denen die Geschäftsführung unter besonders schwierigen Marktbedingungen den Unternehmensgewinn verbessert. Wenn nicht nur die Führungskräfte, sondern auch die Mitarbeiter über Bonuszahlungen am Unternehmenserfolg beteiligt werden, steigt die Akzeptanz der Boni um 42 Prozentpunkte. Andererseits: Von denjenigen, die Bonuszahlungen an die Geschäftsführung als ungerecht empfinden, berichten 53 Prozent über ein schlechteres Arbeitsklima.
Der Bonus des Chefs demotiviert die Mitarbeiter, WiWo 22.4.14


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Gleichberechtigung zwischen Wunsch und Wirklichkeit 
Dienstag, 29. April 2014 - Studien
Ein Dossier des Bundesfamilienministeriums mit Auswertungen aus dem Mikrozensus 2012 und den Daten verschiedener Studien zeigt: Gleichberechtigung in der Berufsausübung und bei der Verteilung familiärer Pflichten wird den Deutschen immer wichtiger - doch die Rahmenbedingungen der Arbeitswelt verhindern diese nur allzu oft. Das typische Alleinverdiener-Modell, bei dem Väter die Familie ernähren, während die Mütter sich um den Nachwuchs kümmern, empfinden lediglich 20 Prozent der Altern als ideal - doch immer noch 30 Prozent aller deutschen Familien leben es. Der Vater in Vollzeit, die Mutter in Teilzeit ist bei 44 Prozent der Familien die momentane Praxis, wenngleich nur 41 Prozent diese Aufteilung als ideal empfinden. Vollzeit für beide Eltern wird von 14 Prozent realisiert - 17 Prozent wünschen es sich. Noch größer wird die Lücke, wenn es um vollständige Gleichverteilung von Erwerbs- und Familienarbeit geht. 60 Prozent der Eltern mit Kindern im Alter von ein bis drei Jahren würden es bevorzugen, wenn beide Partner in gleichem Umfang erwerbstätig sind und sich die Familienarbeit ebenfalls gleichberechtigt teilen. Gelebt werden kann dieses Modell jedoch nur von 14 Prozent. Das Dossier nennt fehlende Flexibliliserungsmöglichkeiten bei den Arbeitszeiten sowie eine nicht ausreichende Kinderbetreuung als wesentliche Gründe für diese Divergenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Junge Eltern scheitern an der Gleichberechtigung, SZ 23.4.14


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Self-Tracking steht bei Managern hoch im Kurs 
Montag, 28. April 2014 - Management
Wissen Sie, wie viele Schritte Sie heute zurückgelegt haben oder wie viele Kalorien Sie zu sich nehmen? Ob Sie ausreichend schlafen und fit sind? Der Trend zur Selbstvermessung, der in den Vereinigten Staaten schon seit einiger Zeit tobt, scheint nun auch nach Deutschland überzuschwappen. Fitness-Armbänder, die einem zeigen, welche sportliche Leistung man vollbracht hat, Sensoren, die die Schlafqualität protokollieren und Apps, die einem sagen, dass man auf das Dessert vielleicht besser verzichten sollte - dank wachsender technischer Möglichkeiten ist die persönliche Rundum-Kontrolle inzwischen für fast jeden mit einigen technischen Gadgets realisierbar. Ein Bericht auf Spiegel online skizziert, wie immer mehr Führungskräfte in den Kampf gegen den eigenen inneren Schweinehund einsteigen - und gleichzeitig die Gelegenheit nutzen, über Onlineplattformen die eigene Leistung mit der anderer zu vergleichen. Laut Artikel fühlen sich vor allem Manager von dem Trend angezogen, da "Kontrollieren, Optimieren und Effizienzsteigern" ihrem beruflichen Selbstverständnis besonders entsprechen. Spiegel online spricht von "konsumfreudigen Ego-Modellierern" und meint spöttisch: "So wird jeder zu seinem eigenen Tamagotchi." Verfechter des Trends sehen es positiv, wenn Menschen auf diese Weise versuchen, die Autonomie über ihren Körper zurückzugewinnen. Die Beratungsgesellschaft PwC hat errechnet, dass EU-weit im Gesundheitswesen fast 100 Milliarden Euro eingespart werden könnten, wenn mehr Menschen sich dem Selbstoptimierungstrend anschließen. Allein in Deutschland sollen die jährlichen Produktionsausfälle aufgrund von Bewegungsmangel sich auf rund zehn Milliarden Euro summieren. Skeptiker indes warnen davor, dass der selbstinduzierte Leistungsdruck auch unglücklich machen könne, da man, wenn die selbstgesetzten Optimierungsziele verfehlt werden, sich zusätzlich zu den normalen Anforderungen des Lebens unter Druck setze.
"Blöd, dass der Körper keinen USB-Anschluss hat", Spiegel online 17.4.14


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Weniger ist mehr - in 6 Stunden effektiver und gesünder arbeiten 
Freitag, 25. April 2014 - Arbeit
Die schwedische Stadt Göteborg wagt ein Experiment. In einem wissenschaftlich begleiteten Versuch sollen 20 bis 30 städtische Mitarbeiter in den Genuss kommen, nur noch sechs Stunden täglich zu arbeiten. Hintergrund des Vorstoßes von Kommunalrat Mats Pilhem, Mitglied der Linkspartei, ist die Annahme, dass kürzere Arbeitszeiten zu mehr Effektivität führen und gleichzeitig Menschen bei geringerer Belastung seltener krank werden. Das Projekt ist in Schweden nicht unumstritten, kostet doch allein der Göteborger Testlauf rund 550.000 Euro, da neue Mitarbeiter eingestellt werden müssen. Die Zukunftsvision der Linkspartei ist die Einführung 35-Stunden-Woche innerhalb von fünf Jahren. Würden alle Schweden nur noch sechs Stunden pro Tag arbeiten, soll dies - mögliche positive Effekte wie eine potentiell steigende Effektivität und geringere Krankheitskosten nicht eingerechnet - mit 12,1 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Die Skepsis der Kritiker ist entsprechend groß. Aber vielleicht bringt das Experiment in Göteborg ja belastbare Zahlen zustande, die zeigen, dass an der Ausgangsthese etwas dran ist.
Im Sechs-Stunden-Paradies, SZ 11.4.14


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Immer mehr, immer länger 
Donnerstag, 24. April 2014 - Studien
Schuften bis zum Anschlag - einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes unter 5.800 Beschäftigten zufolge ist das für immer mehr Menschen der ganz normale Arbeitsalltag. So gaben 61 Prozent der Befragten an, dass im vergangenen Jahr ihre Arbeitsbelastung erneut gestiegen sei. 56 Prozent fühlen sich deshalb oft gehetzt. Und 45 Prozent gehen davon aus, dass sie die gegenwärtigen Belastungen nicht bis ins Rentenalter werden durchhalten können. Um die an sie gestellten Anforderungen überhaupt erfüllen zu können, leistet bereits ein Sechstel der Arbeitnehmer regelmäßig unbezahlte Überstunden - im Bereich Erziehung und Unterricht sind es gar 45 Prozent. Von den Mehrarbeitern gaben wiederum 44 Prozent, dass ihr Arbeitgeber von ihnen ständige Erreichbarkeit fordere. Die Gewerkschafter mahnen, dass Überstunden zum Nulltarif einer Lohnsenkung gleichkämen - und warnen vor einem "oft selbstzerstörerischen Umgang mit den eigenen Ressourcen".
Jeder Sechste macht unbezahlte Überstunden, WiWo 9.4.14


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Haben Sie noch einen Beruf oder fühlen Sie sich schon berufen? 
Mittwoch, 23. April 2014 - Arbeit
Im Hinblick auf die eigene Arbeit die Sinnfrage zu stellen, scheint ein Phänomen zu sein, das immer mehr um sich greift. Wir wollen nicht mehr einfach einen Beruf ausüben, sondern suchen nach einer Berufung (mit der wir auch Geld verdienen können). Wo Karriere eher ein Streben nach Macht oder hohem Einkommen meint, bedeutet das Calling, die Berufung, Arbeit und Leben als Einheit zu sehen und die Beziehung zwischen beiden zum vitalen Bestandteil der eigenen Identität zu machen. Was auf den ersten Blick wie ein Einklang auf höherer Ebene wirkt, könnte jedoch auch seine Tücken haben. So mahnt ein Artikel auf Zeit online zum Thema: "Künftig werden mehr und mehr Menschen ihre Arbeit als Berufung wahrnehmen, ob aus oktroyierter Illusion oder echter Empfindung. Durch die Konzentration auf ihre Talente und die dauernde, fast narzisstische Eigenreflexion finden sie Halt bei sich selbst, während sich der Rest der bekannten Welt in Unbeständigkeiten auflöst. Das kann zu ihrem Selbstwertgefühl und ihrer Lebenszufriedenheit beitragen, birgt aber auch ein großes Risiko. Denn wer aus inneren oder äußeren Beweggründen ganz in seiner Arbeit aufgeht, dem bleibt kaum Zeit für andere Dinge." Die Tücke liegt hier vielleicht im Detail, denn in seiner Schlussfolgerung vollzieht der Kommentar dann doch wieder eine Trennung - zwischen Berufung und Leben ... Und dies nicht gänzlich unbegründet, denn solange unsere Berufung sich in den Strukturen einer Arbeitswelt vollzieht, in der Gewinnmaximierung und stetige Leistungssteigerung zu den nach wie vor wenig hinterfragten Rahmenbedingungen zählen, besteht immer die Gefahr, dass des Einen höherer Ruf des Anderen Ausbeutungsmechanismen nährt. Bereicherung hat eben nach wie vor viele Facetten. Aber vielleicht hat es ja auch positive Auswirkungen auf bestehende Systeme und Strukturen, wenn wir uns häufiger die Sinnfrage stellen und dem, was als Antwort in uns aufsteigt, folgen?
Wir fühlen uns berufen, Zeit online 8.4.14


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Frisch am Kiosk: evolve Nr. 2 - Magazin für Bewusstsein und Kultur 
Dienstag, 22. April 2014 - Medien
Heute mal wieder eine Nachricht in "eigener" Sache: Ab sofort gibt es am Kiosk (oder via Online-Bestellung) Ausgabe 2 von "evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur". Dieses Mal haben wir uns dem Schwerpunktthema "Weltinnenraum: Denken - Fühlen - Intuition" gewidmet. Der Dreiklang mag auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich anmuten, ist in unserer Kultur doch die Wahrnehmung verbreitet, dass vor allem Denken und Fühlen eher Gegenspieler denn Teamplayer sind. Die Beiträge des Hefts beleuchten vor diesem Hintergrund Berührungspunkte, Spannungen und mögliche Synthesen zwischen diesen Sphären, die die Grundlage unseres Daseins in der Welt bilden. Tom Steininger zeigt beispielsweise, welche evolutionäre Entfaltungsleistung hinter dem steckt, was wir heute gerne als Intuition bezeichnen, denn diese ganzheitliche Form der Weltwahrnehmung bringt unsere Fähigkeit des Denkens und Fühlens auf einer völlig neuen Entwicklungsebene zusammen. Die große Evolutionsforscherin Barbara Marx Hubbard lässt uns im Interview erahnen, wie wir dem Geschmack der Evolution näher kommen und ihm folgen können. Der Psychotherapeut Joachim Galuska wiederum sensibilisiert in einem Interview für die wachsende Spannweite der Gefühlsdimension und zeigt, wie wir uns in einem ganzheitlichen Spüren die Welt aneignen und sie gestalten. Mike Kauschke wiederum wirft einen erfrischend neuen Blick auf das Allzeit-Trendthema Resilienz und geht der Frage nach, welche Wege der Transformation uns aus der Burn-out-Falle führen können. Ich selbst wage in einem Beitrag den Versuch einer kurzen Geschichte der Emotionen und erkunde, wie Denken und Fühlen sich über die Jahrhunderte von Antagonisten hin zu Kooperationspartnern entwickelt haben - ein Streifzug von der ungefilterten Emotionalität eines Werthers bis zu den Neurowissenschaften. Zum Heftthema gibt es auch eine Radio-Sendung bei Radio EnlightenNext, in der Tom Steininger und ich ein wenig eintauchen in die vielen Facetten von Denken, Fühlen und Intuition.
Weitere Informationen zum Magazin

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Lernen, auf den Wandel zu reagieren 
Donnerstag, 17. April 2014 - Arbeit
Die Pisa-Tests, die einen internationalen Leistungsvergleich zwischen den Schulsystemen und dem, was durch sie möglich wird, ermöglichen, führen schubweise zu immer neuen Einsichten darüber, welche Kompetenzen im Leben wie im Job an Bedeutung gewinnen. Die jüngste Feststellung, dass es deutschen Schülern an Kreativität mangele, wirft einmal mehr Fragen auf. Gefragt sei heute beispielsweise insbesondere die Fähigkeit, um Lösungen ringen zu können, und weniger statisches Wissen, erklärt der Politiker und Lehrer Andreas Schleicher, der Pisa 2001 mitkonzipierte, in einem Interview mit der Welt. Für Schleicher ist klar, dass Strebsamkeit und Pflichterfüllung nicht ausreichen, um Spitzenleistungen zu erbringen. "Die Welt bezahlt Sie heute nicht mehr dafür, was Sie wissen. Google weiß alles. Sie werden dafür bezahlt, was Sie mit Ihrem Wissen tun können", so der Pisa-Vater. Um sich kreativ in der Berufswelt bewegen zu können, komme es darauf an, fächerübergreifende Kompetenzen zu entwickeln, in unterschiedlich zusammengesetzten Gruppen unterpersonelle Fähigkeiten zu zeigen und insgesamt eine Kompetenz zu entfalten, die den Einzelnen befähigt, auf die sich immer schneller wandelnden äußeren Rahmenbedingungen angemessen zu antworten.
Nur Strebsamkeit reicht nicht für Spitenleistungen, Die Welt 7.4.14


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