Chef setzt sich auf Mindestlohn 
Donnerstag, 23. April 2015 - Management
Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns von 9,47 auf 15 Dollar pro Stunde im US-Staat Washington hat Dan Price, Gründer des Bezahldienstes Gravity Payments" zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasst. Um seinen 120 Angestellten künftig ein Jahresgehalt von 70.000 Dollar zahlen zu können, kürzt er sein eigenes auf den gleichen Betrag - und verzichtet damit künftig um jährlich 930.000 Dollar. Price ist ohnehin als eher sparsamer Typ bekannt, fährt laut Medienberichten einen alten Audi und lebt in einer Dreizimmerwohnung. Gegenüber dem Fernsehen äußerte er, mit dem Schritt wolle er seine Mitarbeiter glücklich machen und loyal stimmen.
Sozialismus made in USA, HB 16.4.15

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Unendliche Stressspirale 
Mittwoch, 15. April 2015 - Management
In einem Interview mit Zeit online geht der Arbeitspsychologe Andreas Krause der Frage nach, warum sich in Unternehmen zunehmend Dauerstress ausbreitet. Für den Experten liegt die Tücke im Detail, denn seiner Erfahrung nach sind es vor allem vorgebliche neue Freiheiten in der Arbeitswelt, die längerfristig zur oft unbewussten Selbstausbeutung von Mitarbeitern führen. Vertrauensarbeitszeit, Zielvereinbarungen, Gestaltungsfreiheiten - immer seltener wird den Arbeitnehmern vorgeschrieben, wann und wie sie ihre Aufgaben zu erledigen haben. Werden die Ziele erreicht, nicht selten durch Mehrarbeit oder besonderes Engagement, geschehe es häufig, dass in der nächsten Vereinbarungsrunde die Latte einfach höher gelegt werde. "Von Jahr zu Jahr werden die Ziele automatisch angehoben. In den ersten Jahren erreicht man die immer höheren Ziele vielleicht noch. Doch das Erreichen bedeutet für das Folgejahr immer eine Zielsteigerung. Also bekommen die Mitarbeiter irgendwann Angst vor dem eigenen Erfolg – weil sie nicht mehr wissen, wie sie diesen im Jahr darauf noch steigern sollen. Dann haben auch absolute Leistungsträger das Gefühl, den Anforderungen kaum noch gerecht werden zu können", so Krause. In seinen Augen wird das Reflektieren über diese Zusammenhänge für Arbeitnehmer immer wichtiger - bis dahin, aus den gewonnenen Einsichten auch aktiv Konsequenzen zu ziehen: "Der einzelne Betroffene kann versuchen, seinen Handlungsspielraum radikaler auszuloten, möglichst zusammen im Team. Was passiert, wenn ich vorgegebene Ziele infrage stelle oder Erwartungen an allzu kurze Reaktionszeiten und an eine Erreichbarkeit am späten Abend ablehne, wenn ich Erholung und Sport in meinen Arbeitsalltag integriere und dafür an einzelnen Besprechungen fehle?" Das erfordert natürlich - andererseits rotiert die Stressspirale ohne Widerspruch unendlich weiter ...
"Irgendwann stresst sogar der eigene Erfolg", Zeit online 7.4.15


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Fehlinterpretationen von Authentizität 
Dienstag, 14. April 2015 - Management
Herminia Ibarra, Professorin für Organizational Behaviour an der französischen Business School Insead, geht in einem Beitrag für den Harvard Business Manager von ihr wahrgenommenen Fehlinterpretationen von Authentizität auf den Grund. Auf das typische Statement "Es ist wichtig, sich selbst treu zu bleiben" antwortet sie: "Welchem Selbst? Jeder Mensch hat verschiedene Persönlichkeiten, die davon abhängen, welche Rolle er gerade spielt. Mit jeder neuen Erfahrung entwickeln wir uns weiter. Wie können Sie also einem zukünftigen Ich treu bleiben, von dem Sie noch nicht einmal genau wissen, wie es aussehen wird?" Klingt eher wie ein rhetorisches Manöver, denn das, was Menschen als ihr authentisch Sein empfinden, dürfte sich schlicht mit der Entwicklung ihres Selbst verändern... Weiter rät Ibarra dazu, nicht immer das zu sagen und zu tun, was den eigenen Gefühlen entspricht: "Eine Führungskraft, die ihren Mitarbeitern gegenüber permanent ihr Innerstes offenbart, verliert schnell an Respekt und Glaubwürdigkeit. Das gilt insbesondere dann, wenn sie sich in ihrer neuen Rolle noch nicht bewähren konnte." Die Strategie ist augenscheinlich: anpassen, sich einfügen, bloß nichts wagen, was andere aus der Routine reißen könnte. Hier zeigt sich einmal mehr, wie stark verbreitet an den Business Schools noch eine Persönlichkeitsauffassung ist, die Menschen im Arbeitsleben eher als Container betrachtet, in das man einfach das hineinfüllt, was gerade gebraucht wird. Originalität, aber auch Menschlichkeit könne so wohl eher nicht gedeihen ... Vielleicht sollten wir die Frage nach der Authentizität einfach noch viel öfter stellen, anstatt sie immer gleich mit Verweisen auf das Übliche oder die äußeren Notwendigkeiten zu negieren.
Was ist Authentizität? HBM 1.4.15

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Sind Machiavellisten ein Auslaufmodell? 
Montag, 13. April 2015 - Management
Christian Montag, Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm, hat untersucht, wie sich typische Machiavellisten, also besonders herschsüchtige und machthungrige Typen, in der heutigen Unternehmenswelt schlagen. Vor der Finanzkrise, aber beispielsweise auch im Kontext von Umstrukturierungen, seinen machtbewusste Alleinentscheider häufig gefragt, doch die zunehmende Ethisierung im Business führe zu neuen Rahmenbedingungen. In Unternehmen mit flachen Hierarchien hätten es die Macht-Typen ebenfalls schwer - und diese werden sich laut Montag in den nächsten Jahren noch ausweiten. Für Montag ist augenscheinlich, dass es ein gesundes Maß des Eigeninteresses brauche, damit man im Job nicht untergebuttert werden. Aber: "Man muss seine Ziele nicht auf Kosten anderer durchboxen – so wie es der Machiavellist in jedem Fall tun würde. Besser ist es nach Lösungen zu suchen, in denen beide Parteien am Ende besser dastehen also vorher."
"Wenn der Chef ausrastet, immer freundlich bleiben", Zeit online 31.3.15

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Authentisch sein oder eine Rolle spielen? 
Donnerstag, 9. April 2015 - Management
Wie kann ich im Job authentisch sein? Diese Frage beschäftigt wohl viele Arbeitnehmer. Coach Peter Modler neigt zu pragmatischen Antworten, zu weniger Gefühl und mehr Reflektion. "Arbeit ist ein Geschäft, keine Selbsterfahrungsgruppe", so seine Meinung. Er rät Führungskräften dazu, den "reflektierten Einsatz der beruflichen Rolle" zu einem "wesentlichen Faktor für das innere Energiemanagement" zu machen. "Führungskräfte sollten erst einmal den Job machen, für den sie bezahlt werden. Und den machen sie selbstverständlich immer nur mit einem Ausschnitt ihrer Persönlichkeit. Sie werden auch nur für diesen Ausschnitt bezahlt. Ob sie dann immer mit dieser Selbstbeschränkung leben möchten, ist eine ganz andere Frage", so Modler. Die eigenen Eigenheiten komplett im Beruf abbilden zu wollen, hält er hingegen für eher illusorisch. Sicher entspricht diese Einschätzung den heute vorherrschenden funktionalistischen Gepflogenheiten im Business. Was getan werden soll und wie, hat sich oft über Jahrzehnte etabliert. Doch die Welt verändert sich und mit ihr die Menschen. Vielleicht stehen wir ja gerade wieder einmal an einem solchen Wendepunkt, denn die immer öfter gestellte Frage nach der Authentizität deutet ja auf konkrete Bedürfnisse hin. Vielleicht wäre es also interessanter, anstatt immer nur den Abgleich mit dem, was gerade möglich ist, zu versuchen, viel öfter die Frage zu stellen, was darüber hinaus möglich werden kann, wenn ich einfach authentisch bin ...
Echt ist recht, SZ 27.3.15

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Meditation für bessere Performance 
Montag, 23. Februar 2015 - Management
Der gegenwärtige Meditations-Boom hat nun sogar Eingang in den Harvard Business Manager gefunden, der in einem Artikel einen "Überblick über die aktuellen Forschungsergebnisse und die wichtigsten Lehren für Berufstätige" gibt. Da Meditation die Hirnregion stärkt, die für die Selbstregulation zuständig ist, könnten Berufstätige davon profitieren, weil sie dabei helfe, "flexibel von einer Strategie zur anderen umzuschalten" und "aus Erfahrungen zu lernen, um möglichst gute Entscheidungen zu treffen". Ein weitere Hirnareal, das durch die Stillepraxis gestärkt wird, spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Resilienz - "eine weitere Fähigkeit, die wir in unserem heutigen Geschäftsleben mit seinen hohen Anforderungen dringend benötigen". Was klingt, wie aus einem Werbeprospekt, stammt aus den Federn der drei angesehenen Meditationsforscherinnen Christina Congleton, Britta Hölzel und Sara Lazar. Ihre Schlussfolgerung: "Deshalb sollten wir Achtsamkeit nicht länger als eine Eigenschaft betrachten, die für Führungskräfte zwar wünschenswert, aber nicht unbedingt notwendig ist. Im Gegenteil: Achtsamkeit ist ein absolutes Muss - nur so bleibt unser Gehirn gesund und funktionstüchtig, nur so sind wir zu einer effektiven Selbstregulation in der Lage, können die richtigen Entscheidungen treffen und uns vor schädlichem Stress schützen. Achtsamkeitsübungen kann man in sein religiöses oder spirituelles Leben integrieren oder auch einfach nur als mentales Training betreiben." Die gegenwärtige Popularisierung von Meditation hat sicherlich auch ihr Gutes - gesund zu sein ist besser als krank, keine Frage. Die Frage ist allerdings, ob Meditation als so verstandene Selbstoptimierungsmethode wirklich funktioniert, denn letztlich beruht ein nicht unwesentlicher Teil ihrer Wirkung auf dem Loslassen ...
Workout für das Gehirn, HBM 10.2.15

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Davos meditiert 
Dienstag, 17. Februar 2015 - Management
Seit dem Weltwirtschaftsforum schwappt eine neue Welle der Berichterstattung über Meditation durch die Medien und man könnte meinen, die Achtsamkeitsrevolution ist in vollem Gange. In Davos hatten die Mächtigen immerhin die Gelegenheit, mit Jon Kabat-Zinn, dem Entwickler der heute wohl weltweit verbreitetsten Achtsamkeitsmeditation Mindfulness-Based Stress Reduction das Dasein im Hier und Jetzt zu üben. "Ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender berichtet von seiner Erleichterung darüber, dass Meditieren heute Mainstream ist. Im Silicon Valley ist es ein Volkssport. Die Firmen dort, allen voran Google, treiben ihre Mitarbeiter geradezu in die Kurse", berichtet die FAS. Und Arianna Huffington, Gründerin der Huffington Post, äußert auf dem Podium: "Meditation hat mein Leben verändert." Ob Achtsamkeit nicht nur ruhig, gelassen und glücklich macht, wie Jon Kabat-Zinn sagt, sondern auch "Chefs zu besseren Chefs", wie die FAS folgert, wird sich zeigen. Von den 2.900 Besuchern des Weltwirtschaftsforums nahmen an der Morgenmeditation mit dem weltbekannten Mediziner und Meditationslehrer immerhin 80 teil.
Wenn Manager meditieren, FAS 17.2.15

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Konfusion im Management 
Freitag, 13. Februar 2015 - Management
Von Führenden erwartet man, dass sie wissen, wo es langgeht. Doch die wachsende Unübersichtlichkeit in der Weltwirtschaft macht auch vor den Führungsetagen nicht halt. In einem Beitrag über die "überforderte Elite" fängt die Welt am Sonntag Stimmungsbilder ein, die zeigen, dass die Top Executives langsam zu erkennen beginnen, wie wenig sie eigentlich im Griff haben. So stellen immer mehr Führungskräfte ernüchtert fest, dass sie nicht nur ein oder zwei Krisenherde im Blick behalten müssen, sondern sich eine Vielzahl sich stetig wandelnder Gefährdungslagen entwickelt hat, deren wechselseitiges Ineinanderwirken so etwas wie Planung oder Kontrolle nahezu unmöglich werden lässt. In Davos habe der Begriff "Disruption", also Verwerfung, sich fast schon zum Schlagwort entwickelt. Berater sprechen bereits davon, dass es immer mehr zur Führungsaufgabe werden, "das Unplanbare zu planen". Manche Top-Manager indes verabschieden sich sogar vom Planen-Wollen und setzen darauf, lieber möglichst schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Wo der Einfluss des Individuums sinkt, schlagen manche Führungskräfte sogar einen Kurs des Loslassens ein. In dem Beitrag bekennt sich beispielsweise Klaus Kleinfeld, früher Siemens-Vorstand, heute CEO des Aluminiumherstellers Alcoa, dazu, mindestens drei Mal pro Woche zu meditieren.
Die überforderte Elite, Welt am Sonntag 25.1.15

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