Verbreiten technische Gadgets Sexismus? 
Freitag, 31. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Warum haben eigentlich so viele technische Gadgets Frauenstimmen? Über die Jahre habe ich mich daran gewöhnt, dass mein Navigationssystem als "Frau" zu mir spricht - und gleichzeitig nervt mich das ein wenig, weil etwas in mir spürt, dass hier auch etwas Stereotypes in meine Lebenswelt einzudringen scheint. Seit ein paar Wochen habe ich einen Staubsaug-Roboter. Für mich ist das ein klarer Fall von "er", doch dieser fleißige Geselle kommt nur mit weiblicher Stimme und alternative Audiotracks hat der Hersteller anscheinend nicht vorgesehen. Mich stört es durchaus, dass der Sauber-Zauber in unserem Haus, ohne dass ich es ändern könnte, eine weibliche Konnotation bekommt. Die Unesco zeigt nun, dass mein Unbehagen kein rein persönliches ist. Sie hat einmal näher hingeschaut, wie die Sprachassistenten von Apple oder Amazon, natürlich auch als weiblich deklariert, gestrickt sind. Und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Sprachroutinen zeigen, beispielsweise wenn man Siri oder Alexa anzüglich anspricht, ein übles devotes Verhalten. Die Unesco empfiehlt deshalb Technologieherstellern, Frauenstimmen nicht als Standard zu setzen und auch dafür zu sorgen, dass die Sprachassistenten in der Lage sind, beispielsweise auf Beleidigungen gemäß ihrem "Geschlecht" gesellschaftlich angemessen zu reagieren. Ich finde es ungemein wichtig, dass wir bewusster mit all diesen unbewussten Einflüssen auf unsere Weltwahrnehmung umgehen. Ich gebe zu, es ist vor allem der Chauvi in mir, der im Saugroboter eine Männerstimme vermisst - weil es mich einfach wütend macht, wenn Putzen durch programmierte Frauenstimmen mal eben so wieder als Frauensache deklariert wird. (Und ganz nebenbei - bei uns putzt meistens mein Partner, während ich lieber Ikea-Regale zusammenschraube ... dafür würde ich auch gar keinen Roboter haben wollen ...)
Unesco kritisiert Alexa und Siri als sexistisch und unterwürfig, welt.de 23.5.19

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Naturerfahrungen in jungen Jahren schützen Seele auch im Alter 
Mittwoch, 29. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Natur ist wie ein Lebenselexier für uns Menschen und das nicht allein in physiologischer Hinsicht. Eine europäische Studie mit knapp 3.600 Erwachsenen zeigt: Menschen, die in jungen Jahren viel in der Natur waren, sind auch als Erwachsene psychologisch stabiler und weniger anfällig für seelische Erkrankungen. Für die Untersuchung wurden die Studienteilnehmenden danach gefragt, wie viel Zeit sie als Kinder in der Natur verbrachten, und es wurde untersucht, wie es um ihre psychische Verfassung heute bestellt ist. Warum tiefere Naturerfahrungen in der Jugend bis ins Erwachsenenalter eine solch positive Wirkung entfalten, kann die Studie nicht klären. Aber vor dem Hintergrund, dass heute in Europa etwa 70 Prozent der Bevölkerung in urbanen Lebensräumen zuhause sind, stellt sich die Frage, ob durch die immer geringer werdenden Möglichkeiten für Naturerlebnisse wir nicht etwas Wesentliches in unserem Menschsein verlieren. Grüner Schutz für die Seele? wissenschaft.de 22.5.19

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Gemeinwohl ist vielen wichtig 
Dienstag, 28. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Immer mehr Menschen entwickeln ein Gespür dafür, wie wichtig es in der heutigen Zeit ist, bei allem, was wir tun, auch das Gemeinwohl im Blick zu haben. Für die Erstellung des Gemeinwohl-Atlas befragten die Handelshochschule Leipzig und die Universität St. Gallen 12.000 Deutsche, welche Organisationen ihrer Meinung nach am ehesten zum Gemeinwohl beitragen. Dabei zeigt sich eine klare Spaltung zwischen NGOs und eher gesellschaftlich agierenden Institutionen auf der einen und den Wirtschaftsunternehmen auf der anderen Seite. Feuerwehr, Polizei und ähnliche Organisationen genießen einen guten Ruf. Das beste Unternehmen in der Umfrage kommt hingegen erst auf Rang 30. Wenn es um Lebensqualität, Zusammenhalt, Moral und Aufgabenerfüllung geht, scheinen Firmen hier in der Wahrnehmung der Bevölkerung selten eine Vorreiterrolle einzunehmen und wenn, dann sind es vor allem Familienunternehmen, denen diese zugesprochen wird. 81 Prozent der Befragten äußerten Besorgnis, dass dem Gemeinwohl zu wenig Beachtung geschenkt werde. 71 Prozent wären bereit, für ein geringeres Gehalt als gewohnt zu arbeiten, wenn ihr Arbeitgeber sich in der Gesellschaft dienlicher Weise engagiert. Hier wächst also ein Bewusstsein für mehr gemeinschaftliche Orientierung - und gleichzeitig scheint es weiterhin schwer, dass diese Einstellungen auch einen gemeinsamen größeren kulturellen Ausdruck finden.
Soziale Sieger, HBM 21.5.19

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Schlechte Gefühle beim Meditieren 
Donnerstag, 23. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Meditation ist nicht nur ein seeligmachender Heilsbringer, auch wenn der gegenwärtige Achtsamkeitstrend das bisweilen suggeriert. Eine Befragung von rund 1.200 Meditierenden zeigt: Etwa ein Viertel der Übenden hat nach dem Praktizieren bisweilen negative Gefühle oder sogar Angstzustände. Vor allem bei eher dekonstruierenden Methoden wie Zen oder Vipassana ist das der Fall, weniger bei Menschen, die MBSR-Übungen machen. Meditation ist ihrem Ursprung nie eine Methode gewesen, die zu Wohlbefinden führen soll, sondern eher ein Weg, auch Selbsttäuschungen zu durchschauen. Das innerliche Herausgefordertsein, das durchaus auch zu existenziellen Ängsten führen kann, könnte man auch als Beleg dafür sehen, dass das Meditieren etwas bewirkt. Die Wissenschaftler weisen auch darauf hin, dass solche Effekte in den spirituellen Traditionen Teil der gemeinsamen Erfahrungswelt seien. Ihre Sorge gilt jenen Menschen, die, weil sie einfach ein bisschen entspannen möchten, in solche Erfahrungen hineinschliddern und dann oft nicht wissen, wie sie mit ihnen umgehen sollen.
Häufig negative Erfahrungen beim Meditieren, spektrum.de 14.5.19

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Hin und her, sich zu entscheiden, fällt schwer 
Mittwoch, 22. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Warum tun wir uns manchmal so schwer damit, uns zu entscheiden? "Ein Problem, das bei Entscheidungen oft auftritt, ist, dass wir diese dramatisieren. Wir stellen uns automatisch das Schlimmste vor, was passieren könnte. Das Problem dabei ist, dass wir Risiken sehr viel stärker bewerten als potenzielle Gewinne", sagt Philip Meissner, Professor für Entscheidungsfindung, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Er hat einen Tipp für Entscheidungsschwache parat, dem, was man wirklich möchte, näher zu kommen - und so die passende Entscheidung zu treffen. Meissner rät, sich durch Warum-Fragen immer tiefer zu arbeiten. Wer sich fragt, ob er den Job wechseln sollte, kann fragen, warum ihm oder ihr der Gedanke kommt. Die Antwort wird wieder der Warum-Frage unterzogen und die Antwort darauf dreht eine weitere Warum-Runde. Probieren Sie's mal aus. Mir passiert es immer wieder, dass ich auf diesem Weg merke, dass meine Ausgangsannahme das Problem oft gar nicht trifft - die Warum-Fragen öffnen dann bisweilen einen Weg in eine ganz andere und stimmige Richtung.
"Wir stellen uns automatisch das Schlimmste vor, was passieren könnte", SZ 13.5.19

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Gute Laune? Sport rockt's ... 
Dienstag, 21. Mai 2019 - Lebensart, Psychologie, Studien
Gute Stimmung kommt nicht von ungefähr. Körperliche Ertüchtigung tut dem Gemüt gut. Ein Beitrag in Psychologie heute zeigt, was von welchen sportlichen Betätigungen zu erwarten ist. Krafttraining fördert die Bildung eines Botenstoffes, der das Nervenzellenwachstum stimuliert und so nicht nur die Kognition fördert, sondern auch bei der Stimmungsregulierung wirkt. Yoga und ähnliche Bewegungsmeditationen scheinen eine ganzheitliche Balance für Körper und Geist mit sich zu bringen. Wenn es ums Laufen geht, ist sich die Forschung indes nicht einig - manche Studien zeigen, dass Menschen hier zu emotionalen Höhenflügen ansetzen, andere legen gegenteiliges nahe. Wenn es um die Trainingsintensität geht, lautet die Devise - nicht zu viel, nicht zu gering, besser mittendrin. Und, für die, die nie Zeit haben, wichtig: 10 bis 30 Minuten reichen für den stimmungsaufhellenden Kick.
Gemütsbewegend, Psychologie heute 8.5.19

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Das Stress-Paradox 
Freitag, 17. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Medienbericht zum wachsenden Stress in der Bevölkerung erscheint. Auch ich habe diese Woche einmal mehr darüber geschrieben. Doch warum genau die Klagen in den letzten Jahren so zunehmen, erschließt sich der Wissenschaft nicht. Ein Artikel in der Zeit geht diesem Paradox nach. Einerseits bekunden in Erhebungen immer mehr Menschen, in ihrem Leben unter Stress zu stehen - durch Verdichtung der Arbeit, mehr Aufgaben, Multitasking. Studien, die die realen Belastungen von Arbeitenden messen, darunter die Häufigkeit des Unterbrochen-Werdens, geforderte Schnelligkeit oder Termin- und Leistungsdruck, zeigen hingegen, dass sich diese Faktoren in den letzten zehn Jahren kaum verändert haben. Ist Stress also eher ein Gefühlsding? Die Wissenschaftler vermuten, dass das Stressempfinden selbst bei gleichbleibender Belastung über die Jahre womöglich stärker werden könnte - weil Daueranspannung sich über die Zeit eventuell kumuliert. Auch das Altern der Arbeitenden könnte einen Grund liefern, dass sie heute vieles anstrengender empfinden als noch zehn Jahre zuvor. Und die auch messbar immer mehr um sich greifende digitale Verfügbarkeit über den Feierabend hinaus könnte natürlich dazu beitragen, dass die heute stärker Gestressten einfach überhaupt nicht mehr zurück zu einem Nullpunkt des Entspanntseins finden. Die wissenschaftlichen Befunde legen in meiner Wahrnehmung nahe, dass selbst gleichbleibende Belastungen über die Zeit verheerende Wirkungen haben könnten, wenn es im Leben als Ganzem immer weniger Ruhepole gibt.
Druck, mehr Druck, noch mehr Druck, zeit.de 9.5.19

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Stille in der Mitte der Gesellschaft 
Donnerstag, 16. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Stille wird bisweilen zu einem öffentlichen Thema, beispielsweise wenn eine Stadt wie Wiesbaden gleich eine ganze "Woche der Stille" ausruft. Und das Thema scheint in der breiten Bevölkerung anzukommen. Ein Bericht im Wiesbadener Tagblatt vermittelt, dass Achtsamkeit und das bewusste Innehalten nicht allein die Domäne asiatischer Meditationsstile sind, sondern auch im Christentum lange Tradition haben. Der Volkswirt Marcus Lübbering führte die Teilnehmenden bei einem vollbesetzten Vortrag in die Grundlagen der christlichen Meditation ein. Lübbering arbeitete schon für die Deutsche Bank und war Referatsleiter im Kanzleramt. In der Academie Kloster Eberbach ist er für betriebliches Gesundheitsmanagement und christliche Meditation zuständig. Besonders wichtig ist ihm: "Christliche Demut. Das heißt, die Situation so annehmen, wie sie ist und auch sich selbst akzeptieren zu können. Es ist gut, so wie du bist." Über die Stille sagt er: "Ziel ist es, die Stille im jeweiligen Moment zu erleben. Dadurch entstehen ein neues Bewusstsein für unser Umfeld sowie eine veränderte Wahrnehmung." Mir ist diese Down-to-Earth-Haltung sehr sympathisch. Keine Heilsversprechen, kein Achtsamkeits-Hype. Einfach ein bisschen mehr Wahrnehmung dafür, was wir als Menschen wirklich sind.
Thema Meditation bei der Wiesbadener „Woche der Stille“, Wiesbadener Tagblatt 9.5.19

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