Gemeinwohl ist vielen wichtig 
Dienstag, 28. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Immer mehr Menschen entwickeln ein Gespür dafür, wie wichtig es in der heutigen Zeit ist, bei allem, was wir tun, auch das Gemeinwohl im Blick zu haben. Für die Erstellung des Gemeinwohl-Atlas befragten die Handelshochschule Leipzig und die Universität St. Gallen 12.000 Deutsche, welche Organisationen ihrer Meinung nach am ehesten zum Gemeinwohl beitragen. Dabei zeigt sich eine klare Spaltung zwischen NGOs und eher gesellschaftlich agierenden Institutionen auf der einen und den Wirtschaftsunternehmen auf der anderen Seite. Feuerwehr, Polizei und ähnliche Organisationen genießen einen guten Ruf. Das beste Unternehmen in der Umfrage kommt hingegen erst auf Rang 30. Wenn es um Lebensqualität, Zusammenhalt, Moral und Aufgabenerfüllung geht, scheinen Firmen hier in der Wahrnehmung der Bevölkerung selten eine Vorreiterrolle einzunehmen und wenn, dann sind es vor allem Familienunternehmen, denen diese zugesprochen wird. 81 Prozent der Befragten äußerten Besorgnis, dass dem Gemeinwohl zu wenig Beachtung geschenkt werde. 71 Prozent wären bereit, für ein geringeres Gehalt als gewohnt zu arbeiten, wenn ihr Arbeitgeber sich in der Gesellschaft dienlicher Weise engagiert. Hier wächst also ein Bewusstsein für mehr gemeinschaftliche Orientierung - und gleichzeitig scheint es weiterhin schwer, dass diese Einstellungen auch einen gemeinsamen größeren kulturellen Ausdruck finden.
Soziale Sieger, HBM 21.5.19

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Agilität als wirkliche Praxis 
Montag, 27. Mai 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Im Business wird in der letzten Zeit viel über Agilität gesprochen, denn viele Unternehmen spüren, dass sie mit ausgeprägten Hierarchien und starren Prozessen die eigentliche Komplexität unserer Lebens- und Arbeitswelten zunehmend verfehlen. Doch gerade Agilität ist weit mehr als eine Methode, die man einfach mal so im Unternehmen zur Anwendung bringt. Denn all die Ansätze, die hier eingebracht werden, von flachen Hierarchien über mehr Eigenverantwortung bis hin zu völlig fluiden Prozessen, die sich immer wieder aufs neue finden und ausrichten, sind nicht einfach Tools, die man nutzt, sondern im Prinzip persönlichkeitsverändernde Türöffner für eine völlig neue Art des Zusammenseins und miteinander Arbeitens. Spiegel online zeigt am Beispiel des Telko-Unternehmens Sipgate, wie weitreichend diese inneren Prozesse sein können. Mitarbeiter, denen diese von ihnen angefragte Offenheit und Flexibilität zu schätzen wissen, blühen in solchen Kontexten auf, das zeigt der Artikel deutlich. Doch es gibt auch Menschen, die mehr Orientierung brauchen oder sogar klare Vorgaben. Bei Sipgate konnten sich nicht alle Mitarbeiter mit der agilen Arbeitsweise anfreunden und einige verließen das Unternehmen. Mir stellt sich an diesem Punkt immer wieder die Frage, wie wir dazu beitragen können, dass Menschen sich leichter für solche sich verändernden Umstände öffnen - nicht im Sinne von Anpassung, sondern indem sie wirklich innerlich wachsen. Das geschieht nicht auf Knopfdruck und in Unternehmen scheint momentan die natürliche Auslese, wie im Artikel beschrieben, eine verbreitete Entwicklung zu sein. Aber wie könnte es möglich werden, dass Firmen selbst Wachstumspfade kreieren, die Menschen in unterschiedlichen Graden mitnimmt und dabei dennoch in der Zusammenarbeit eine Ganzheit aufrechterhalten?
Wo Überstunden ein No-Go sind, spiegel.de 16.5.19

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Der Kampf um Überstunden und Vertrauen 
Freitag, 24. Mai 2019 - Arbeit, Management
Überstunden sind in der Arbeitswelt inzwischen eine Selbstverständlichkeit, die vor allem von Arbeitgebern ungern hinterfragt wird. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, demzufolge Unternehmen künftig grundsätzlich verpflichtet werden sollen, die vollständige Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter zu erfassen, hat vielerorts zu Aufschreien geführt. Manche klagen über mehr Bürokratie, andere empfinden die Vorgabe in Zeiten von Home Office und Vertrauensarbeitszeit als Anachronismus. Worüber die Arbeitgeber nur ungern sprechen, ist das Ausmaß an Überstunden, dass hierzulande geleistet wird - und vielfach nicht vergütet wird. Dieser Eisberg dürfte, wenn die Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs umgesetzt werden, noch einmal auf neue Weise in Erscheinung treten. 2017 wurden in Deutschland 2,1 Milliarden Überstunden geleistet, die Hälfte davon blieb unbezahlt. Die Gewerkschaften bemängeln das schon lange. Eine durchgehende Arbeitszeiterfassung dürfte mit Blick auf diese bisher unentgeltlich geleistete Mehrarbeit die Arbeitgeber unter Druck setzen. Deren Klagen sind in gewisser Weise nachvollziehbar, denn in Anbetracht des Ausmaßes der bisher unbezahlten Überstunden kann man ahnen, um wie viel Geld es hier auch in Zukunft gehen könnte. Denn was erst einmal offiziell erfasst ist (und viele Unternehmen tun das bisher nicht), schafft Fakten. Andererseits ist es wohl auch ein Gebot der Fairness, das, was geleistet wird, auch zu honorieren. Darüber sprechen in diesen Tagen eher weniger Arbeitgeber.
Dieses Urteil verspricht Arbeitnehmern die Überstunden-Wende, welt.de 14.5.19

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Macht Sinn für Unternehmen keinen Sinn? 
Montag, 20. Mai 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
In der Business-Welt hat ein neuer Hype Einzug gehalten. Der Sinn. In Zeiten, in denen Arbeitskräfte rarer zu werden scheinen, ist jedes Mittel recht, um Mitarbeiter zu motivieren. "Der Traum vieler Manager geht so: Unternehmen sollen Orte werden, an denen die Mitarbeiter täglich Sinn erfahren und Sinn stiften. Das steigert die Motivation... Profiteur ist auch die Gesellschaft insgesamt: Mitarbeiter, die von einem höheren Zweck beseelt sind, stoßen Prozesse an, um die Umwelt zu schützen und die soziale Wohlfahrt zu erhöhen. Lange waren solche Träume ein Vorrecht selbstverwalteter Betriebe, politischer Basisinitiativen und utopischer Lebensgemeinschaften. Inzwischen sind sie im Mainstream des Managements angekommen", beschreibt ein Beitrag im Harvard Business Manager diesen neuen Trend. Und setzt auch gleich nach, warum solche Entwicklungen, zumindest für die Unternehmen, eigentlich grober Unfug und schädlich sein sollen. Denn: "Ein Unternehmen büßt durch die Zweckidentifikation seiner Mitarbeiter - und das mag zunächst überraschend klingen - stark an Wandlungsfähigkeit ein. ... Für Mitarbeiter ist es schwer einzusehen, warum sie Veränderungen akzeptieren sollen, wenn sie nicht dem Zweck entsprechen. Wer seine Motivation daraus zieht, ein bestimmtes, eng mit dem Purpose des Unternehmens verbundenes Produkt zu vermarkten, wird kaum dafür zu begeistern sein, ein anderes Produkt zu verkaufen." Mich bringen solche Argumentationen immer zum Schmunzeln. Denn ihre vordergründige Logik sagt viel über unsere vorherrschende Kultur. Im Beispiel hier wird unterstellt, dass Unternehmen gewissermaßen einen Eigensinn haben, der Gefahr läuft, dem Sinn, den Mitarbeiter sich wünschen, zuwiderzulaufen. Man kann die Sache aber auch sehr leicht von der anderen Seite aus denken. Wenn sich Märkte verändern und Produkte nicht mehr laufen, sollte man vielleicht einfach mal nachdenken, welche anderen Dinge für die Kunden und Mitarbeiter sinnhaft sein könnten.
Wandel zwecklos, HBM Mai 2019

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Das Stress-Paradox 
Freitag, 17. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Medienbericht zum wachsenden Stress in der Bevölkerung erscheint. Auch ich habe diese Woche einmal mehr darüber geschrieben. Doch warum genau die Klagen in den letzten Jahren so zunehmen, erschließt sich der Wissenschaft nicht. Ein Artikel in der Zeit geht diesem Paradox nach. Einerseits bekunden in Erhebungen immer mehr Menschen, in ihrem Leben unter Stress zu stehen - durch Verdichtung der Arbeit, mehr Aufgaben, Multitasking. Studien, die die realen Belastungen von Arbeitenden messen, darunter die Häufigkeit des Unterbrochen-Werdens, geforderte Schnelligkeit oder Termin- und Leistungsdruck, zeigen hingegen, dass sich diese Faktoren in den letzten zehn Jahren kaum verändert haben. Ist Stress also eher ein Gefühlsding? Die Wissenschaftler vermuten, dass das Stressempfinden selbst bei gleichbleibender Belastung über die Jahre womöglich stärker werden könnte - weil Daueranspannung sich über die Zeit eventuell kumuliert. Auch das Altern der Arbeitenden könnte einen Grund liefern, dass sie heute vieles anstrengender empfinden als noch zehn Jahre zuvor. Und die auch messbar immer mehr um sich greifende digitale Verfügbarkeit über den Feierabend hinaus könnte natürlich dazu beitragen, dass die heute stärker Gestressten einfach überhaupt nicht mehr zurück zu einem Nullpunkt des Entspanntseins finden. Die wissenschaftlichen Befunde legen in meiner Wahrnehmung nahe, dass selbst gleichbleibende Belastungen über die Zeit verheerende Wirkungen haben könnten, wenn es im Leben als Ganzem immer weniger Ruhepole gibt.
Druck, mehr Druck, noch mehr Druck, zeit.de 9.5.19

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Mentale Gesundheit darf im Job oft kein Thema sein 
Mittwoch, 15. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Eine nicht zu unterschätzende Zahl von Angestellten fühlt sich im Job in ihrer mentalen Gesundheit herausgefordert. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens YouGov mit gut 1.000 Befragten im Auftrag des Karrierennetzwerks LinkedIn zeigt: 57 Prozent stehen im Job unter hoher Anspannung, 44 Prozent leiden unter Unruhe und 40 Prozent werden von Schlafstörungen geplagt. Insgesamt sprechen 82 Prozent der Befragten von Stress am Arbeitsplatz. Aber nur 21 Prozent bekommen von ihren Arbeitgebern Angebote zur Stressbewältigung gemacht. 42 Prozent erklären den Mangel entsprechender Vorsorgeprogramme mit Desinteresse auf höchster Ebene in ihren Unternehmen. Erschöpfung und Überarbeitung scheinen immer noch ein Tabuthema zu sein. Nur 34 Prozent können mit ihren Kollegen über ihre mentale Befindlichkeit offen sprechen, mit Vorgesetzten sogar nur 25 Prozent. Viele haben Angst, zu viel Offenheit könnte negative Folgen für sie haben. 17 Prozent haben in ihrem Unternehmen schon mitbekommen, dass Kollegen benachteiligt wurden, weil sie offen über psychische Krankheiten gesprochen hätten.
Arbeit stresst vier von fünf Arbeitnehmern, WiWo 6.5.19

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Kranke Arbeitswelt 
Freitag, 10. Mai 2019 - Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit
Zwang früher vor allem schwere körperliche Arbeit Menschen schon vor Erreichen des Rentenalters in die Knie, sind es heute die psychischen Erkrankungen. Die Versicherung Swiss Life hat anhand ihrer Versichertendaten herausgefunden, dass sich in diesem Feld in den letzten zehn Jahren ein deutlicher Anstieg der Berufsunfähigkeit entwickelt hat. 37 Prozent derer, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können, haben heute eine psychische Krankheit wie Burn-out, Depression oder Angststörungen. Vor zehn Jahren waren es noch 26 Prozent, was einem Anstieg um 40 Prozent entspricht. Wissenschaftler führen diese Entwicklung darauf zurück, dass heute mehr Sensibilität gegenüber psychischen Erkrankungen besteht und sie deshalb häufiger diagnostiziert und damit aktenkundig werden. Das mag sein. Aber sollte es uns nicht dazu führen, die Gesetzlichkeiten der Arbeitswelt viel offensiver zu hinterfragen?
Immer mehr Menschen wegen psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig, spiegel.de 24.2.19

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Empathischer Egoismus? Wie bitte? 
Donnerstag, 9. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Das Optimierungsdenken in der Arbeitswelt treibt immer neue Blüten. In der Wirtschaftswoche etwa proklamiert Björn Waide, CEO von Smartsteuer, einem Unternehmen, dass sich daran versucht, das Steuerwesen zu digitalisieren, "empathischen Egoismus" als Führungsstil der Zukunft. Die Empathie soll dabei die Ellbogen anscheinend etwas zügeln. "Wir brauchen einen gesunden Egoismus, der empathisch für den Egoismus der anderen ist. Dies zu moderieren, ist eine gewaltige Führungsaufgabe. Leadership im digitalen Zeitalter, das bedeutet daher auch, eine heterogene Ansammlung von Ich-AGs zu einer schlagkräftigen Einheit zu formen, Interessen auszugleichen, Konflikte zu moderieren und transparent zu kommunizieren. Wir müssen Räume schaffen, in denen genau diese empathischen Egoisten ihre individuellen Potentiale und Ziele einbringen können", so Waide. Von New-Work-Kuscheln hält er eher wenig. Ihm schwebt anscheinend eher ein Win-Win vor, in dem Egoisten sich nicht gegenseitig boykottieren, sondern gemeinsam ihre Vorteile maximieren. Bei Waide liest sich das dann so: "Es liegt an uns, den gesunden Egoismus durch kluge und empathische Führung im Sinne der Organisation in wertschöpfende Bahnen zu kanalisieren. Genau dies wird die große Herausforderung der Zukunft sein: Unternehmen zu schaffen, die die Interessen von Unternehmen und Mitarbeitern in Einklang bringen, sodass sich die eingebrachten Energien ergänzen und allseitig Nutzen stiften." Mich überkommt bei solch smartem Business-Sprech immer ein Abwehrreflex. Und ich wüsste gerne, was unter Waides "Allseitigkeit" so alles fällt. Ein Blick in den Duden kann da manches erhellen. Der beschreibt Egoismus wie folgt: "Haltung, die gekennzeichnet ist durch das] Streben nach Erlangung von Vorteilen für die eigene Person, nach Erfüllung der die eigene Person betreffenden Wünsche ohne Rücksicht auf die Ansprüche anderer; Selbstsucht, Ichsucht, Eigenliebe." Mal rein logisch gefragt: Kann der Verzicht auf Rücksicht gegenüber den Ansprüchen anderer "allseitigen Nutzen" stiften? Oder begegnet uns hier nur ein neues, perfides Wortspiel? Dann lächeln empathische Egoisten ihre Opfer vielleicht noch an, bevor sie zuschlagen ...
Unternehmen brauchen empathische Egoisten, WiWo 18.4.19

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