Der Kampf um Überstunden und Vertrauen 
Freitag, 24. Mai 2019 - Arbeit, Management
Überstunden sind in der Arbeitswelt inzwischen eine Selbstverständlichkeit, die vor allem von Arbeitgebern ungern hinterfragt wird. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, demzufolge Unternehmen künftig grundsätzlich verpflichtet werden sollen, die vollständige Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter zu erfassen, hat vielerorts zu Aufschreien geführt. Manche klagen über mehr Bürokratie, andere empfinden die Vorgabe in Zeiten von Home Office und Vertrauensarbeitszeit als Anachronismus. Worüber die Arbeitgeber nur ungern sprechen, ist das Ausmaß an Überstunden, dass hierzulande geleistet wird - und vielfach nicht vergütet wird. Dieser Eisberg dürfte, wenn die Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs umgesetzt werden, noch einmal auf neue Weise in Erscheinung treten. 2017 wurden in Deutschland 2,1 Milliarden Überstunden geleistet, die Hälfte davon blieb unbezahlt. Die Gewerkschaften bemängeln das schon lange. Eine durchgehende Arbeitszeiterfassung dürfte mit Blick auf diese bisher unentgeltlich geleistete Mehrarbeit die Arbeitgeber unter Druck setzen. Deren Klagen sind in gewisser Weise nachvollziehbar, denn in Anbetracht des Ausmaßes der bisher unbezahlten Überstunden kann man ahnen, um wie viel Geld es hier auch in Zukunft gehen könnte. Denn was erst einmal offiziell erfasst ist (und viele Unternehmen tun das bisher nicht), schafft Fakten. Andererseits ist es wohl auch ein Gebot der Fairness, das, was geleistet wird, auch zu honorieren. Darüber sprechen in diesen Tagen eher weniger Arbeitgeber.
Dieses Urteil verspricht Arbeitnehmern die Überstunden-Wende, welt.de 14.5.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Schlechte Gefühle beim Meditieren 
Donnerstag, 23. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Meditation ist nicht nur ein seeligmachender Heilsbringer, auch wenn der gegenwärtige Achtsamkeitstrend das bisweilen suggeriert. Eine Befragung von rund 1.200 Meditierenden zeigt: Etwa ein Viertel der Übenden hat nach dem Praktizieren bisweilen negative Gefühle oder sogar Angstzustände. Vor allem bei eher dekonstruierenden Methoden wie Zen oder Vipassana ist das der Fall, weniger bei Menschen, die MBSR-Übungen machen. Meditation ist ihrem Ursprung nie eine Methode gewesen, die zu Wohlbefinden führen soll, sondern eher ein Weg, auch Selbsttäuschungen zu durchschauen. Das innerliche Herausgefordertsein, das durchaus auch zu existenziellen Ängsten führen kann, könnte man auch als Beleg dafür sehen, dass das Meditieren etwas bewirkt. Die Wissenschaftler weisen auch darauf hin, dass solche Effekte in den spirituellen Traditionen Teil der gemeinsamen Erfahrungswelt seien. Ihre Sorge gilt jenen Menschen, die, weil sie einfach ein bisschen entspannen möchten, in solche Erfahrungen hineinschliddern und dann oft nicht wissen, wie sie mit ihnen umgehen sollen.
Häufig negative Erfahrungen beim Meditieren, spektrum.de 14.5.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Hin und her, sich zu entscheiden, fällt schwer 
Mittwoch, 22. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Warum tun wir uns manchmal so schwer damit, uns zu entscheiden? "Ein Problem, das bei Entscheidungen oft auftritt, ist, dass wir diese dramatisieren. Wir stellen uns automatisch das Schlimmste vor, was passieren könnte. Das Problem dabei ist, dass wir Risiken sehr viel stärker bewerten als potenzielle Gewinne", sagt Philip Meissner, Professor für Entscheidungsfindung, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Er hat einen Tipp für Entscheidungsschwache parat, dem, was man wirklich möchte, näher zu kommen - und so die passende Entscheidung zu treffen. Meissner rät, sich durch Warum-Fragen immer tiefer zu arbeiten. Wer sich fragt, ob er den Job wechseln sollte, kann fragen, warum ihm oder ihr der Gedanke kommt. Die Antwort wird wieder der Warum-Frage unterzogen und die Antwort darauf dreht eine weitere Warum-Runde. Probieren Sie's mal aus. Mir passiert es immer wieder, dass ich auf diesem Weg merke, dass meine Ausgangsannahme das Problem oft gar nicht trifft - die Warum-Fragen öffnen dann bisweilen einen Weg in eine ganz andere und stimmige Richtung.
"Wir stellen uns automatisch das Schlimmste vor, was passieren könnte", SZ 13.5.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Gute Laune? Sport rockt's ... 
Dienstag, 21. Mai 2019 - Lebensart, Psychologie, Studien
Gute Stimmung kommt nicht von ungefähr. Körperliche Ertüchtigung tut dem Gemüt gut. Ein Beitrag in Psychologie heute zeigt, was von welchen sportlichen Betätigungen zu erwarten ist. Krafttraining fördert die Bildung eines Botenstoffes, der das Nervenzellenwachstum stimuliert und so nicht nur die Kognition fördert, sondern auch bei der Stimmungsregulierung wirkt. Yoga und ähnliche Bewegungsmeditationen scheinen eine ganzheitliche Balance für Körper und Geist mit sich zu bringen. Wenn es ums Laufen geht, ist sich die Forschung indes nicht einig - manche Studien zeigen, dass Menschen hier zu emotionalen Höhenflügen ansetzen, andere legen gegenteiliges nahe. Wenn es um die Trainingsintensität geht, lautet die Devise - nicht zu viel, nicht zu gering, besser mittendrin. Und, für die, die nie Zeit haben, wichtig: 10 bis 30 Minuten reichen für den stimmungsaufhellenden Kick.
Gemütsbewegend, Psychologie heute 8.5.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Macht Sinn für Unternehmen keinen Sinn? 
Montag, 20. Mai 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
In der Business-Welt hat ein neuer Hype Einzug gehalten. Der Sinn. In Zeiten, in denen Arbeitskräfte rarer zu werden scheinen, ist jedes Mittel recht, um Mitarbeiter zu motivieren. "Der Traum vieler Manager geht so: Unternehmen sollen Orte werden, an denen die Mitarbeiter täglich Sinn erfahren und Sinn stiften. Das steigert die Motivation... Profiteur ist auch die Gesellschaft insgesamt: Mitarbeiter, die von einem höheren Zweck beseelt sind, stoßen Prozesse an, um die Umwelt zu schützen und die soziale Wohlfahrt zu erhöhen. Lange waren solche Träume ein Vorrecht selbstverwalteter Betriebe, politischer Basisinitiativen und utopischer Lebensgemeinschaften. Inzwischen sind sie im Mainstream des Managements angekommen", beschreibt ein Beitrag im Harvard Business Manager diesen neuen Trend. Und setzt auch gleich nach, warum solche Entwicklungen, zumindest für die Unternehmen, eigentlich grober Unfug und schädlich sein sollen. Denn: "Ein Unternehmen büßt durch die Zweckidentifikation seiner Mitarbeiter - und das mag zunächst überraschend klingen - stark an Wandlungsfähigkeit ein. ... Für Mitarbeiter ist es schwer einzusehen, warum sie Veränderungen akzeptieren sollen, wenn sie nicht dem Zweck entsprechen. Wer seine Motivation daraus zieht, ein bestimmtes, eng mit dem Purpose des Unternehmens verbundenes Produkt zu vermarkten, wird kaum dafür zu begeistern sein, ein anderes Produkt zu verkaufen." Mich bringen solche Argumentationen immer zum Schmunzeln. Denn ihre vordergründige Logik sagt viel über unsere vorherrschende Kultur. Im Beispiel hier wird unterstellt, dass Unternehmen gewissermaßen einen Eigensinn haben, der Gefahr läuft, dem Sinn, den Mitarbeiter sich wünschen, zuwiderzulaufen. Man kann die Sache aber auch sehr leicht von der anderen Seite aus denken. Wenn sich Märkte verändern und Produkte nicht mehr laufen, sollte man vielleicht einfach mal nachdenken, welche anderen Dinge für die Kunden und Mitarbeiter sinnhaft sein könnten.
Wandel zwecklos, HBM Mai 2019

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Das Stress-Paradox 
Freitag, 17. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Medienbericht zum wachsenden Stress in der Bevölkerung erscheint. Auch ich habe diese Woche einmal mehr darüber geschrieben. Doch warum genau die Klagen in den letzten Jahren so zunehmen, erschließt sich der Wissenschaft nicht. Ein Artikel in der Zeit geht diesem Paradox nach. Einerseits bekunden in Erhebungen immer mehr Menschen, in ihrem Leben unter Stress zu stehen - durch Verdichtung der Arbeit, mehr Aufgaben, Multitasking. Studien, die die realen Belastungen von Arbeitenden messen, darunter die Häufigkeit des Unterbrochen-Werdens, geforderte Schnelligkeit oder Termin- und Leistungsdruck, zeigen hingegen, dass sich diese Faktoren in den letzten zehn Jahren kaum verändert haben. Ist Stress also eher ein Gefühlsding? Die Wissenschaftler vermuten, dass das Stressempfinden selbst bei gleichbleibender Belastung über die Jahre womöglich stärker werden könnte - weil Daueranspannung sich über die Zeit eventuell kumuliert. Auch das Altern der Arbeitenden könnte einen Grund liefern, dass sie heute vieles anstrengender empfinden als noch zehn Jahre zuvor. Und die auch messbar immer mehr um sich greifende digitale Verfügbarkeit über den Feierabend hinaus könnte natürlich dazu beitragen, dass die heute stärker Gestressten einfach überhaupt nicht mehr zurück zu einem Nullpunkt des Entspanntseins finden. Die wissenschaftlichen Befunde legen in meiner Wahrnehmung nahe, dass selbst gleichbleibende Belastungen über die Zeit verheerende Wirkungen haben könnten, wenn es im Leben als Ganzem immer weniger Ruhepole gibt.
Druck, mehr Druck, noch mehr Druck, zeit.de 9.5.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Stille in der Mitte der Gesellschaft 
Donnerstag, 16. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Stille wird bisweilen zu einem öffentlichen Thema, beispielsweise wenn eine Stadt wie Wiesbaden gleich eine ganze "Woche der Stille" ausruft. Und das Thema scheint in der breiten Bevölkerung anzukommen. Ein Bericht im Wiesbadener Tagblatt vermittelt, dass Achtsamkeit und das bewusste Innehalten nicht allein die Domäne asiatischer Meditationsstile sind, sondern auch im Christentum lange Tradition haben. Der Volkswirt Marcus Lübbering führte die Teilnehmenden bei einem vollbesetzten Vortrag in die Grundlagen der christlichen Meditation ein. Lübbering arbeitete schon für die Deutsche Bank und war Referatsleiter im Kanzleramt. In der Academie Kloster Eberbach ist er für betriebliches Gesundheitsmanagement und christliche Meditation zuständig. Besonders wichtig ist ihm: "Christliche Demut. Das heißt, die Situation so annehmen, wie sie ist und auch sich selbst akzeptieren zu können. Es ist gut, so wie du bist." Über die Stille sagt er: "Ziel ist es, die Stille im jeweiligen Moment zu erleben. Dadurch entstehen ein neues Bewusstsein für unser Umfeld sowie eine veränderte Wahrnehmung." Mir ist diese Down-to-Earth-Haltung sehr sympathisch. Keine Heilsversprechen, kein Achtsamkeits-Hype. Einfach ein bisschen mehr Wahrnehmung dafür, was wir als Menschen wirklich sind.
Thema Meditation bei der Wiesbadener „Woche der Stille“, Wiesbadener Tagblatt 9.5.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Mentale Gesundheit darf im Job oft kein Thema sein 
Mittwoch, 15. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Eine nicht zu unterschätzende Zahl von Angestellten fühlt sich im Job in ihrer mentalen Gesundheit herausgefordert. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens YouGov mit gut 1.000 Befragten im Auftrag des Karrierennetzwerks LinkedIn zeigt: 57 Prozent stehen im Job unter hoher Anspannung, 44 Prozent leiden unter Unruhe und 40 Prozent werden von Schlafstörungen geplagt. Insgesamt sprechen 82 Prozent der Befragten von Stress am Arbeitsplatz. Aber nur 21 Prozent bekommen von ihren Arbeitgebern Angebote zur Stressbewältigung gemacht. 42 Prozent erklären den Mangel entsprechender Vorsorgeprogramme mit Desinteresse auf höchster Ebene in ihren Unternehmen. Erschöpfung und Überarbeitung scheinen immer noch ein Tabuthema zu sein. Nur 34 Prozent können mit ihren Kollegen über ihre mentale Befindlichkeit offen sprechen, mit Vorgesetzten sogar nur 25 Prozent. Viele haben Angst, zu viel Offenheit könnte negative Folgen für sie haben. 17 Prozent haben in ihrem Unternehmen schon mitbekommen, dass Kollegen benachteiligt wurden, weil sie offen über psychische Krankheiten gesprochen hätten.
Arbeit stresst vier von fünf Arbeitnehmern, WiWo 6.5.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter