Wertvoller Erfolg: Führung zwischen Realität und Idealismus 
Freitag, 30. Juni 2006 - Wissenschaft
Das Institut für angewandtes Wissen (iaw-Köln) betrachtet das Spannungsfeld von werteorientierter Unternehmensführung und Erfolgserwartung. In den Augen der Forscher befinden sich Manager hier in einem permanenten Spannungsfeld, denn: "Vor allen geschriebenen Leitlinien kommen im Ernstfall die Kennzahlen." Das vom iaw vorgeschlagene Prinzip des "Wertvollen Erfolgs" versucht, diesen Gegensatz von Realität und Idealismus zu überwinden. Eine Werte-Erfolgs-Balance soll es erleichtern, die zwei konkurrierenden Fragen
- Wie werden wir als Team erfolgreich, im Sinn des Unternehmens?
- Wie erreichen wir dies als Gemeinschaft und bleiben dabei menschlich?
miteinander zu versöhnen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Phase der Umsetzung von Werten im Unternehmensalltag gelegt, denn nur, wenn die strukturellen Hemmnisse, die ein werteorientiertes Verhalten erschweren, abgebaut werden, ist nachhaltiger Erfolg zu erwarten. Das iaw hat deshalb ein vierstufiges Modell erarbeitet, um den Wertewandel in Unternehmen leichter gestaltbar zu machen. Gute Methoden allein sind jedoch für einen Erfolg nicht ausreichend. "Das wichtigste Instrument bleibt ein sehendes Auge und ein wacher Verstand", so die Forscher.
Werte-Erfolgs-Balance des iaw-Köln

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Leadership: Wenn Werte sich ins Gegenteil kehren 
Donnerstag, 29. Juni 2006 - Management
Die neuen Management-Diskurse zum Thema "Leadership" sind zahlreich. Manche Theoretiker feiern das Konzept als Abkehr von einem mechanistischen Management, das sich eher emotionslos an Prozessen und Strukturen abarbeitet. In diesem Kontext wird Leadership zum "Next Big Thing", das Führung und Mitarbeiter zusammenschweißen soll, um zu neuen Höhenflügen anzusetzen. Bisweilen hat man jedoch das Gefühl, dass Unternehmen nur die Gunst der Stunde nutzen, um alten Wein in neuen Schläuchen zu servieren. Wer glaubt, dass das Label "Leadership" Führung menschlicher macht, wird in seiner Naivität leicht eines Besseren belehrt. So heißt es bei der Allianz unter der Überschrift "Leadership Values": "Der Kulturwandel, den die Leadership Values zum Ziel haben, soll eine offene Kommunikation und vertrauensvolle Atmosphäre im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden schaffen." Hört sich zunächst gut an, doch die Einschränkung folgt auf dem Fuß: "Beides ist notwendig, um die Erreichung unserer strategischen Ziele voranzutreiben." Was aus den Werten wird, zeigte sich in den letzten Tagen dann knallhart: Bei einem Rekordgewinn von 4,4 Milliarden Euro (ein Plus von 30 Prozent) verkündet die Allianz die Streichung von 7.500 Arbeitsplätzen. Aus Allianz-Sicht ein absolut konsistentes Vorgehen, denn die beschworenen "Values" dienen einzig der Erreichung der zuvor definierten Konzernziele, die da sind:
1. die Kapitalbasis zu schützen und zu stärken,
2. die operative Profitabilität zu erhöhen und
3. die Komplexität in der Gruppe zu reduzieren.
Im Zuge der Corporate Social Responsibility-Diskussion hat sich der Heuschrecken-Kapitalismus also nur einen neuen Maßanzug gegönnt.
3+Eins-Programm der Allianz
"Leadership Values" der Allianz


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Unkenrufe an der Börse - und Ideen für ein neues Währungssystem 
Mittwoch, 28. Juni 2006 - Wissenschaft
"Der Dax wird langfristig unter 2000 Punkte fallen", orakelte kürzlich Analyst Heribert Müller in der FAZ. Auf Basis der Elliott-Wellen-Theorie, mit Fibonacci und Goldenem Schnitt, rechnet Müller vor, dass die Talfahrt bis etwa 2018 anhalten werde. Immer schneller, immer tiefer, möchte man meinen, fällt der Dax. Frisst die Globalisierung ihre eigenen Kinder? Die technische Analyse betrachtet Wellen, Wendemarken und Tiefpunkte und weniger das tatsächliche Geschehen. Anders der Währungsspezialist Bernard Lietaer, einer der Väter des Euros. Der Ökonom warnt bereits seit Jahren, dass das gegenwärtige Währungssystem völlig instabil ist, da das zirkulierende Geld nicht mehr an eine materielle Wirklichkeit gebunden ist. Wenn die Luft aus dem Ballon entwichen ist, ist er eben leer. Da nutzen die besten Zahlen nichts mehr. Lietaer hat sich deshalb zum Vorreiter einer neuen Weltwährung, dem Terra, gemacht. Dieser soll auf einem Warenkorb aus Gütern und Dienstleistungen basieren und damit inflationssicher sein. Wenn die technische Analyse mit ihren Prognosen richtig liegt, wird es höchste Zeit.
Beitrag von Heribert Müller in der FAZ
Interview mit Bernard Lietaer in Brandeins
Terra-Projekt

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Eigenes Business nicht immer eine Frage der Selbstverwirklichung 
Dienstag, 27. Juni 2006 - Studien
Trotz Anreizen wie Überbrückungsgeld oder Ich-AG ist Deutschland nach wie vor weit davon entfernt, zu einer Nation der Entrepreneure zu werden. Zwar stieg der Anteil der werdenden und neuen Unternehmer laut "Global Entrepreneurship Monitor 2005" auf 5,39 Prozent, doch ist das im internationalen Vergleich nicht unbedingt viel. Hier belegt Deutschland Rang 23 von 35 Ländern - wobei allerdings gerade in Schwellenländern aufgrund fehlender Alternativen die Gründerwerte besonders hoch liegen. Zum Vergleich: In Amerika macht sich bereits mehr als jeder zehnte Erwerbstätige (12,44 Prozent) selbstständig. In Deutschland ist es weniger ein Gründer-Spirit, sondern eher Not, die das Unternehmerdasein zur Option werden lässt. So gründen 46 Prozent der Neu-Unternehmer allein mit dem Motiv der Existenzsicherung, also aus Mangel an Alternativen wie einer Festanstellung. Nur 40 Prozent der Gründer geben dagegen Selbstverwirklichung und den Wunsch nach einem höheren Einkommen als Antriebsfaktor an.
Global Entrepreneurship Monitor 2005

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Die "Generation jetzt" schlägt zu - Kuscheln war gestern! 
Montag, 26. Juni 2006 - Management
"Die Zeit" hat ein neues Phänomen im Management-Kosmos ausgemacht. Die so titulierte "Generation jetzt" legt Hand an und entrümpelt die letzten Reste der Deutschland AG. Sie sind smart, engagiert und scheuen keine Einschnitte. Kuscheln war gestern! Manager wie Siemens-Chef Klaus Kleinfeld oder Mercedes-Vorstand Dieter Zetsche tun alles, um ihre Unternehmen von Altlasten zu befreien. Sie machen Druck, um profitabel zu sein. Dabei sind Entlassungen und Verkäufe längst nicht mehr nur eine Option, sondern eher wahrscheinlich. Der Vorteil dieses Führungsstils liegt auf der Hand: Effiziente Unternehmen sind natürlich konkurrenzfähiger. Doch was kommt danach? Wo sind die Visionen für eine blühende Zukunft? So bemerkt "Die Zeit" denn auch: "Echte Unternehmer bauen etwas auf und nicht nur um." Downsizing jedenfalls dürfte keine Generallösung sein, sondern höchstens ein Mittel, um akute Fehlentwicklungen in den Griff zu bekommen. Nichtfunktionierendes über Bord zu werfen, ist indes noch keine Zukunftsstrategie.
"Generation jetzt" in der Zeit

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Innovation + Nachhaltigkeit = EcoTopTen 
Freitag, 23. Juni 2006 - Wissenschaft
Das so genannte Top-Runner-Programm, das vom Bundestag im vergangenen Jahr mit einem Beschluss für Deutschland adaptiert wurde, formuliert im besten Sinne eine sportliche Herausforderung für Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe. Sein Ziel: eine hundertprozentige Marktdurchdringung mit der jeweils energieeffizientesten Technologie zu erreichen. Grundgedanke des Programms ist es, Produktinnovationen für den Massenmarkt zu fördern, die nicht nur technologisch fortschrittlich sind, sondern dabei auch ressourcenschonend produziert werden und für den Endkunden nicht deutlich teurer sind als herkömmliche Waren. Die Initiative "EcoTopTen" nimmt diesen Ansatz bereits auf und lässt vom Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt und dem Öko-Institut in Freiburg Produkte im Hinblick auf ihre ökologischen und ökonomischen Herstellungs- und Folgekosten untersuchen. Da nicht nur die Anschaffungs-, sondern auch die Verbrauchskosten in eine Bewertung einfließen, wird der Blick des Verbrauchers weniger von Dumping-Preisen getrübt. Die bisherigen Produkttests von "EcoTopTen" zeigen außerdem, dass ökologisch verträgliche Produkte nicht unbedingt teurer sind, als nicht nachhaltig produzierte Waren. Für Unternehmen, die Corporate Social Responsibility auch auf der Produkt- und Marketing-Ebene verankern möchten, ein interessanter Ansatzpunkt, um ihre Produktionsprozesse vollständig zu überdenken und gegebenenfalls zu modifizieren.
EcoTopTen

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Win-Win: Harvard meditiert 
Donnerstag, 22. Juni 2006 - Management
Meditation und Mediation liegen nur einen Buchstaben - oder einen achtsamen Atemzug - weit voneinander entfernt. An der Harvard Law School versucht ein neues Programm, beide Welten miteinander zu verbinden, um die Kerngedanken der Win-Win-Strategie, wie sie im legendären Harvard-Konzept zur Konfliktlösung verankert sind, auf eine neue Ebene zu heben. "Win-Win richtet sich an die höhere und bessere Natur der Menschen. Im Grunde möchten Menschen eigentlich auf einer höheren Ebene agieren, aber unsere Kultur gibt ihnen keine Anleitung dazu, wie das aussehen könnte", sagt Erica Ariel Fox, Gründerin der Harvard Negotiation Insight Initiative im Gespräch mit der Journalistin Elizabeth Debold. Die Initiative macht Achtsamkeitsübungen zum essenziellen Bestandteil der Konfliktlösungspraxis, denn selbst im Harvard-Konzept sehr erfahrene Praktiker verlieren in der Hitze des Gefechts leicht den Bezug, wie sie der schönen Theorie in der Praxis auch Ausdruck verleihen können, ohne in ihre alten, von Konkurrenzdenken geprägten Gewohnheiten zurückzufallen. Wenn die Law School Fellows sich in Achtsamkeit und Meditation üben, erfahren sie das fundamentale Prinzip einer Allverbundenheit am eigenen Leib - und können so die Idee, die hinter dem Win-Win-Prinzip steckt, auch wirklich leben. Das Beispiel Harvard hat Überzeugungskraft und verschiedene andere amerikanische Law Schools haben längst eigene Übungsprogramme entwickelt, um dem Prozess der Mediation auf diese Weise eine tiefere Substanz zu verleihen
Artikel von Elizabeth Debold in WIE
Meditations-Programme amerikanischer Law Schools

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Manager auf der Suche nach Balance 
Mittwoch, 21. Juni 2006 - Management
Deutsche Führungskräfte sind zwar mit ihrer beruflichen Situation grundsätzlich sehr zufrieden, doch kommt das Privatleben häufig zu kurz. Einer Umfrage der Saaman Consultants AG unter 1.000 Managern zufolge sind 40 Prozent der Befragten der Ansicht, dass ihnen außerhalb des Berufs nicht genügend freie Zeit bleibt, um einen Ausgleich zum Arbeitsleben zu schaffen. So wünschen sich 32 Prozent der Führungskräfte mehr Zeit für die Familie, 24 Prozent sehnen sich nach mehr Regeneration und 23 Prozent würden gerne ihre Freizeitaktivitäten erweitern. Jeder fünfte Manager wäre sogar bereit, auf Karrierechancen zu verzichten bzw. für eine geringere Arbeitsbelastung auch Abstriche beim Einkommen hinzunehmen. Das Problem: In den meisten Führungspositionen ist ein solches Ansinnen bisher kaum denkbar, da in vielen Unternehmen immer noch an dem Paradigma des allzeit bereiten und unabkömmlichen Managers festgehalten wird. Work-Life-Balance ist in den Führungsetagen eben noch ein Fremdwort.
Bericht in der Financial Times Deutschland
Saaman Consultants AG

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