Reiche sind bereit zu zahlen 
Mittwoch, 30. Juni 2010 - Studien
Während auf dem politischen Parkett die Stimmungswogen noch hoch schlagen, weil die Bundesregierung mit ihrem Sparprogramm in den Augen vieler Geringverdiener über die Maßen belastet, aber vor einschneidenden Einschnitten bei den Vermögenden zurückweicht, zeigt eine Umfrage des Manager Magazins, dass die Reichen im Prinzip bereit wären, ihren Teil zur Rettung der Staatsfinanzen beizutragen. Zwar begrüßen 77 Prozent der befragten 330 Entscheidungsträger die aktuelle Kürzungspolitik, weil sie in Sparmaßnahmen ein besseres Mittel gegen die Schuldenkrise sehen als in Steuererhöhungen, doch 54 Prozent würden, sollte es zu Steuererhöhungen kommen, am ehesten die Reichen belasten - durch die Wiedereinführung der Vermögensteuer oder eine Anhebung des Spitzensteuersatzes. In eine ähnliche Richtung weist eine Forsa-Erhebung im Auftrag des Stern. 42 Prozent der Deutschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro und mehr erklärten sich bereit, zur Bewältigung der Krise mehr Steuern zahlen zu wollen, ähnlich viele waren es in der Einkommensklasse zwischen 3.000 und 4.000 Euro netto. Selbst jeder Dritte, der pro Monat weniger als 3.000 Euro netto in der Tasche hat, war dazu bereit.
Mehrheit der Manager befürwortet Reichensteuer, Spiegel Online 23.6.10

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Talent lässt sich entwickeln 
Dienstag, 29. Juni 2010 - Management
Die Wirtschaftswoche geht in einem Artikel der Frage nach, was besonders talentierte Menschen auszeichnet und welche Fähigkeiten überdurchschnittliche Menschen zum Erfolg führen. Als besonders wichtige Persönlichkeitsmerkmale haben Forscher bereits vor einigen Jahrzehnten Neugier, Offenheit und Gewissenhaftigkeit ausgemacht. Diese Erkenntnisse decken sich mit neueren Forschungen, die den persönlichen "Biss" als Basis für Höchstleistungen ausmachen. Kinder, die erfolgreicher als andere an einem Buchstabierwettbewerb teilnahmen, zeichneten sich beispielsweise durch ihr Durchhaltevermögen aus - sie übten schlicht länger als die schlechtere Konkurrenz. Auch die Fähigkeit zur Selbstdisziplin gilt als Garant für spätere Erfolge. So wurden in einer Studie Kinder dem so genannten Marshmallow-Test unterzogen - sie konnten entweder sofort die Süßigkeit bekommen oder - nach einer Wartezeit von 15 Minuten - mit der doppelten Zuteilung rechnen. Bei Folgeuntersuchungen nach zehn Jahren zeigte sich, dass die Kinder, die in jungen Jahren ihre Gier im Zaum halten konnten, später erfolgreicher waren. Kinder für ihre Klugheit zu loben, kann hingegen als Schuss nach hinten losgehen, wie eine weitere Studie zeigt, denn wer allein für seine Intelligenz gelobt wird, traut sich weniger zu. Lob für Anstrengungen - auch wenn sie nicht immer zum Erfolg führen, führt andererseits zu größerer Ausdauer und Geduld, was wiederum langfristig die Erfolgschancen steigert. Unter dem Strich verliert der Mythos der Überflieger viel von seinem Glanz, lässt er sich doch letztlich auf eher klassische Tugenden zurückführen, die eigentlich jeder kultivieren kann: Disziplin, Ausdauer, Fleiß.
Das Geheimnis der Überflieger, WiWo 21.6.10

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Das Tun folgt dem Bewusstsein 
Montag, 28. Juni 2010 - Management
In einem Interview mit dem Magazin Forum Nachhaltig Wirtschaften spricht der Management-Berater Dr. Friedrich Assländer über spirituelle Perspektiven (in) der Wirtschaft. Assländer sieht einerseits eine wachsende Offenheit für die Thematik, aber zugleich auch einen Backlash der Gegenorientierungen: "Wir haben eine Gruppe von Verantwortlichen, v.a. aus mittelständischen Betrieben, die eine ganz klare Werteorientierung und auch spirituelle Orientierung hat und der es um gelebte Nachhaltigkeit geht. Ich sehe aber umgekehrt auch eine zunehmende Polarisierung, beispielsweise, wenn wir uns die Finanzmärkte ansehen die den Bezug zur Wirklichkeit verloren haben." Assländer plädiert für ein wacheres Bewusstsein und mehr wechselseitige Verbindlichkeit im Geschäfts- und Berufsleben: "Der Kern ist immer das Bewusstsein. Unser Tun folgt unserem Bewusstsein. Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir das Bewusstsein verändern. Ich denke es geht darum zu entdecken, dass wir ein Teil einer größeren Wirklichkeit sind. Es gibt kein Leben, keine Existenz unabhängig, getrennt vom Leben Anderer. Die klare Aussage aller spirituellen Wege und Traditionen, dass alles mit allem verbunden ist, das muss immer mehr ins Bewusstsein der Allgemeinheit rücken. Das Leiden des Anderen ist letztendlich auch mein Leiden und wird irgendwann wieder zu mir zurückkommen. Und wenn ich das Leiden des Anderen lindere, dann lindere ich letztendlich auch mein eigenes Leiden."
Wege zum Wesentlichen, FNW 21.6.10

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Statuspanik in der Mittelschicht 
Freitag, 25. Juni 2010 - Studien
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) diagnostiziert eine Statuspanik in der Mittelschicht. Eine neue DIW-Studie zeigt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft. Die Zahl derer, die weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, stieg von 18 Prozent im Jahr 2000 auf fast 22 Prozent im Jahr 2009. Die Gruppe der Wohlhabenden, die mehr als 150 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben, wuchs von 16 Prozent im Jahr 2000 auf 19 Prozent im Jahr 2008. Laut DIW gehören die Bezieher mittlerer Einkommen in den letzten Jahren zu den Verlierern. Eine Entwicklung, die sich auch negativ auf die Stabilität der Gesellschaft auswirken könne. "Gerade bei den mittleren Schichten, deren Status sich auf Einkommen und nicht auf Besitz gründet, besteht eine große Sensibilität für Entwicklungen, die diesen Status bedrohen", so das DIW. Die Forscher sehen in der Folge vor allem in den Städten eine wachsende Segregation und kritisieren, dass das von der Bundesregierung favorisierte Sparpaket die Einkommensunterschiede weiter vertiefe.
Große Panik in der Mittelschicht, SZ 15.6.10

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Der Paradigmenwechsel braucht seine Zeit 
Donnerstag, 24. Juni 2010 - Management
Im Interview mit Forum Nachhaltig Wirtschaften spricht der bekannte Kommunikationsexperte, Zen-Lehrer und Management-Coach über den sich abzeichnenden Paradigmenwechsel im Business. Kohtes erkennt in der Wirtschaft, wenn auch noch verhalten, durchaus ein neues Selbstverständnis: "In dem Moment, als das Handelsblatt zum ersten Mal das Wort "Meditation" erwähnte, vor etwa acht bis zehn Jahren, war dann das Tabu gebrochen. Es ist zwar noch immer ein schwieriges Thema, aber inzwischen hat sich auch bei Spitzenmanagern ein latentes Bewusstsein dafür entwickelt. Das Dilemma ist, dass dieses Bewusstsein zwar wächst, aber die Bereitschaft, wirklich einen Übungsweg einzuschlagen, dennoch extrem gering ist. Und wenn die Menschen einen Weg nach Innen gehen, dann beschränkt sich das zumeist auf den privaten Bereich. Diese Praxis ist eben noch fast nirgends institutionalisiert. Es gibt zwar da und dort Räume der Stille, wie beispielsweise die private Initiative zur Zen-Praxis in der Deutschen Bank, aber bezogen auf die Gesamtheit der Wirtschaft sind das alles noch Einzelfälle." Obwohl größere Veränderungen auf der System also noch auf sich warten lassen, gibt der Management-Berater sich dennoch optimistisch: "Wir müssen nüchtern sehen, dass unser wirtschaftliches System, das auf der einen Seite so unglaublich marode ist, auf der anderen Seite unglaublich erfolgreich ist. Es ist ja nicht so, dass wir sagen können: Meditiere und dann wirst du erfolgreich. Sondern bislang ist es ja eher so, dass jemand, der sich nicht so sehr mit der eigenen Achtsamkeit beschäftigt, in unserem System zunächst einmal als der Erfolgreichere erscheint. Erst langfristig kehrt sich das um. Dann zeigt sich, dass Achtsamkeit und persönliche Sensibilität zu dauerhaftem Erfolg und zu einer tieferen Lebensqualität führen."
zen@work - vom langsamen Bewusstseinswandel in der Wirtschaft, FNW 16.6.10

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Spirituelle Intelligenz - Danah Zohar kommt nach Deutschland 
Mittwoch, 23. Juni 2010 - Veranstaltungen
Sie gehört zu den Vorreitern der Erforschung menschlicher Entwicklung und hat mit ihren Arbeiten zur spirituellen Intelligenz weltweit Maßstäbe gesetzt - beim diesjährigen Celebrate Life Festival wird die Quantenphysikerin und Management-Beraterin Danah Zohar ihre zukunftsweisenden Erkenntnisse persönlich vorstellen. Am 3. August 2010 hält sie bei dem Festival in Oberlethe bei Oldenburg einen Vortrag zum Thema “Spiritual Intelligence and the Evolution of Consciousness” und gibt einen Workshop zu “Spiritual Intelligence and the Evolution of Self”. Für an einem neuen Spirit im Business Interessierte bietet das Festival, das vom 30. Juli bis 8. August läuft, darüber hinaus einen Treffpunkt “Wirtschaft und Bewusstsein” mit Mini-Workshops, Diskussionen und Präsentationen zum Thema.
Weitere Informationen zur Veranstaltung

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Hören Sie auf zu rennen - Das Buch zum Sonderpreis 
Dienstag, 22. Juni 2010 - Bücher
Stress, Hektik, Zielfixierung - wenn Sie im Job manchmal das Gefühl haben, Sie setzen einseitig auf Power und die Verschnaufpausen kommen zu kurz, empfehle ich Ihnen einen Blick in das Buch "Hören Sie auf zu rennen", das ich gemeinsam mit Paul Kohtes geschrieben habe. Am Beispiel des Märchens vom Hase und vom Igel zeigen wir darin, wie man die richtige Balance zwischen beherztem Handeln und relaxter Fokussierung findet - die Chinesen nennen diese Haltung wu wei, was so viel heißt wie Handeln im Nicht-Handeln. Der Verlag hat den Preis für das Buch nun reduziert und es ist jetzt für sagenhafte 9,95 Euro erhältlich. Viel Spaß beim Schmökern!
Weitere Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit

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Konsumdenken hinterfragen 
Montag, 21. Juni 2010 - sonstiges
Die taz berichtet über ein Selbstexperiment der Autorin Rosa Wolff, die ausprobiert hat, ob es möglich ist, mit dem Hartz IV-Satz für Lebensmittel eine gesunde Bio-Ernährung zu realisieren. Wolffs Experiment rüttelt an alten Konsumgewohnheiten (Bio ist zu teuer) und fordert auch dazu heraus, die eigenen Essgewohnheiten zu überdenken, denn bei 4,50 Euro pro Tag sind Fleisch oder besondere Leckereien natürlich nicht drin, wohl aber ein ausgewogener Speiseplan, der hauptsächlich auf Gemüse, Teigwaren, Hülsenfrüchte und vor allem regionale Saisonware setzt. Wolffs Resümé: "Ich habe einen Monat lang nur so viel fürs Essen ausgegeben, wie Hartz-IV-Empfängern für die Ernährung zugebilligt wird: etwa 4,50 Euro am Tag. Trotzdem konnte ich zu 100 Prozent Bio essen. Und das im teuren München. Wenn man es mit dem wenigen Geld schafft, hat ein Normalverdiener keinen Grund mehr zu sagen, dass er sich Bio nicht leisten könne. Man fragt sich dann wirklich, warum die Leute mit ihren teuren Autos vor Aldi stehen." Der Autorin geht es bei dem Selbstversuch nicht darum, zu zeigen, dass man mit Hartv IV unter dem Strich gut leben könne - ein Vorwurf, der ihr in den Leserkommentaren auf der taz-Webseite mehrfach gemacht wird, sondern darum, auch eine politische Perspektive im Hinblick auf selten hinterfragte Konsumwerte zu entwickeln: "Fleisch und Wurst kann man sich am wenigsten leisten. Aber das ist nicht wirklich schlimm, weil der Konsum an tierischen Produkten ja generell zu hoch ist in unseren reichen Ländern. Weniger Fleisch und Wurst tut in der Regel den meisten gut. Auch der Umwelt und der globalen Verteilungsgerechtigkeit.
Ich habe keine Lust, mein bisschen Geld bei den Milliardären Albrecht, also bei Aldi abzuliefern. Aber es lohnt auch nicht, wenn man allein lebt. Ich war nur einmal bei Lidl und habe ein Kilo Karotten gekauft, davon sind mir zwei Stück vergammelt. Dadurch war es unterm Strich teurer als im Bioladen, wo man sich die Sachen einzeln raussuchen kann."
"100 Prozent Bio trotz Hartz IV", taz 21.5.10

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