Aggression as usual 
Montag, 8. Juni 2015 - Management
Ein schönes Beispiel dafür, wie wenig wir die inhärenten Gepflogenheiten der Arbeitswelt noch hinterfragen, ist ein Interview von Zeit online mit dem Trainer Jens Weidner über Aggression in der Führung. Im Gespräch erklärt der Professor für Erziehungswissenschaften und Kriminologie, wie "positive Aggression" dazu diene, "die eigene Stärke zu demonstrieren". "Das passende Verhältnis im Verhalten ist 80 Prozent Gutmensch und 20 Prozent Mephisto", so Weidner. Dabei sei es häufig gar nicht notwendig, wirklich auf den Tisch zu hauen, denn: "Wenn das Gegenüber weiß, dass sein Konkurrent auch kritisch, streng, böse werden kann, reicht das schon als Drohung aus. Dieses Phänomen nennt man das Machtparadoxon. Darum halten sich auch häufig despotische Chefs über sehr lange Zeit, auch wenn sie eigentlich unbeliebt sind." Denkt man ein bisschen hinter das Gesagte, fällt auf, dass Business anscheinend nur als Konkurrenzveranstaltung denkbar ist. Wer erfolgreich sein möchte, muss immer bereit sein zum Angriff. Und gerade die Trainerkaste trägt im Zweifel nicht unerheblich dazu bei, dass diese Verhaltensmuster sich vervielfältigen. Darauf angesprochen, dass die Generation Y deutlich "weicher" sei als heute altgediente Führungskräfte, kontert Weidner, dass auch die Jungen über die Zeit sich "Neigungen zulegen müssen", die die Älteren bereits praktizieren. Auf die Idee, dass Standhaftigkeit, Zielorientierung und Umsetzungsfähigkeit vielleicht nicht nur auf die harte Tour zustande kommen können, kommt anscheinend in dem Gespräch niemand.
"Führungskräfte benutzen Handlanger", Zeit online 28.5.15

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Die Hassliebe der Deutschen zu Google 
Freitag, 5. Juni 2015 - Studien
Google macht uns Angst, doch hält uns das nicht davon ab, die Online-Services des Technologie-Giganten dennoch täglich zu nutzen. Stern und RTL ließen 2.500 Deutsche befragen, was sie von Google halten. 38 Prozent empfinden das Unternehmen als "bedrohlich", 86 Prozent als "mächtig" und 78 Prozent als "allgegenwärtig" - mit Blick auf den Marktanteil von über 90 Prozent bei Internetsuchen hierzulande eine realistische Wahrnehmung. Nur 26 Prozent halten das Unternehmen für "vertrauenswürdig", nur 24 Prozent glauben, ihre Daten wären via Google "sicher". Und dennoch geht von dem Giganten ein Reiz aus, dem man sich anscheinend nur schwer entziehen kann. 60 Prozent betrachten das Unternehmen als "visionär", 43 Prozent als "sympathisch" und 42 Prozent als "unverzichtbar".
In Deutschland wird google geliebt und gefürchtet, Welt 27.5.15

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Narzissmus entsteht bereits im Kindesalter 
Mittwoch, 3. Juni 2015 - Wissenschaft
In einem Beitrag über Narzissmus geht die FAZ der Frage nach, welchen Anteil Eltern mit ihrer Erziehung daran haben, wenn Menschen eine übertriebene Selbstliebe entwickeln. In einer Studie zeigte sich, dass die Kinder, deren Eltern ihnen regelmäßig zeigten und sagten, dass sie etwas Besonderes seien, über die Zeit ein entsprechendes Selbstbild entwickelten. Langzeitstudien mit Studenten wiederum legen nahe, dass in den letzten 25 Jahren deren Werte auf der Narzissmus-Skala immer höher ausfielen. "Vielleicht sind die Jugendlichen heute einfach ehrlicher, wenn sie die entsprechenden Fragebögen ausfüllen. Für viele Autoren und Forscher hat der zunehmende Narzissmus jedoch kulturelle Gründe. Es fallen Schlagworte wie Leistungsdruck, Selbstoptimierung, Individualisierung. Im Grunde meinen alle das Gleiche. Eine Gesellschaft, die immer versucht, das Maximum aus dem Einzelnen herauszuholen, fördert eine übersteigerte Selbstliebe. Bei den Kindern, die das Gefühl haben, etwas Besonderes sein zu müssen. Und bei den Eltern, die das Gefühl haben, ihre Kinder zu etwas Besonderem machen zu müssen", so die Einschätzung der FAZ. Bestes Gegenmittel gegen diese Tendenzen - menschliche Wärme. Interesse und Zuneigung ermöglichen es Kindern, selbst herauszufinden, wer sie sind - und an der Reibung am Leben zu wachsen.
Denn Narzissmus hält ein Leben lang, FAZ 26.5.15

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Macht Geld kreativer als geteilte Visionen? 
Dienstag, 2. Juni 2015 - Studien
Eine Studie der Rotterdam School of Management wirft ein interessantes Licht auf mögliche Faktoren, die Kreativität fördern können. In der Befragung von 21 Führungskräften und 121 Mitarbeitern eines deutschen Logistikunternehmens wurden die Führungsstile der Chefs untersucht, bestehende Anreizsysteme sowie der kreative Output der Mitarbeiter beim firmeneigenen Ideenmanagement. Dabei zeigte sich, dass die Mitarbeiter von Vorgesetzten, die versuchten, ihnen Visionen vorzuleben, also eine transformationale Führung praktizierten, weniger kreative Ideen entwickelten als jene, die durch konkrete Anreize wie Zielvereinbarungen geführt wurden. Die Mitarbeiter der mit Anreiz Führenden kamen auf zwei bis drei Ideen mehr. Andererseits schaffen die transformational Führenden eine deutlich höhere Identifikation mit ihrem Unternehmen. Die Forscher waren von diesen Unterschieden selbst überrascht. Allerdings verwundern sie kaum, wenn man bedenkt, dass es nach wie vor insbesondere die materiellen Faktoren sind, die bestimmen, wie Menschen ihr Leben jenseits des Jobs gestalten können. In sehr individualistischen Kulturen dürfte hier unterschwellig noch ein starker "Überlebenstrieb" unbewusst mitschwingen, der materielle Anreize schlicht höher bewertet. In Kontexten hingegen, in denen Werte wie Selbstverwirklichung im Sinne einer starken Gemeinschaftlichkeit stärker gewichtet werden, könnte eine solche Studie vielleicht zu ganz anderen Ergebnissen kommen.
Finanzielle Anreize machen Mitarbeiter kreativer, WiWo 25.5.15

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Spiritualität stärker als Ressource nutzen 
Montag, 1. Juni 2015 - Wissenschaft
David Brooks, Kolumnist der New York Times, plädiert dafür, Spiritualität als Ressource der persönlichen Entwicklung und der Resilienz ernster zu nehmen. Am Beispiel der Forschungen von Lisa Miller, Psychologin an der Columbia-Universität, zeigt er, dass spirituelle Bewusstheit, nach Miller der "innere Sinn einer Beziehung zu einer höheren Macht, die liebend und führend ist, Menschen dafür stärken kann, den Herausforderungen des Lebens besser zu begegnen. Laut Miller basiert (gemessen in Studien mit Zwillingen) die spirituelle Bewusstheit zu 29 Prozent auf genetischem Erbe, zu 24 Prozent auf der familiären Umgebung und zu 47 Prozent auf den individuellen Lebensumständen. Menschen, die sich spirituell gegründet fühlen, neigen um 70 bis 80 Prozent seltener zu Suchtverhalten und junge Erwachsene, die sich im Alter von 26 Jahren als sehr spirituell betrachten, haben zu 75 Prozent einen Schutz gegenüber Depressionen. Brooks zieht aus diesen befunden den Schluss, dass wir es uns in einer Zeit, in der immer mehr Erwachsene unter die Räder zu kommen scheinen, nicht leisten können, die Vorteile spiritueller Entwicklung zu ignorieren.
Building Spiritual Capital, New York Times 22.5.15

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Untere Mittelschicht bleibt zurück 
Freitag, 29. Mai 2015 - Studien
Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt davor, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland wächst und vor allem die untere Mittelschicht drohe, abgehängt zu werden. Nahezu 40 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland arbeiteten bereits in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der letzten Jahre sei die Ungleichheit zwar nicht noch stärker gewachsen, doch hätten die unteren 40 Prozent der Haushalte nicht von der positiven Entwicklung profitiert. Die Kluft zwischen Arm und Reich, gemessen mit dem Gini-Koeffizienten, sei so groß wie seit 30 Jahren nicht mehr. Die Hartz IV-Reformen hätten zwar einen Abbau zur Arbeitslosigkeit in Deutschland geleistet, doch haben sie aus Sicht vieler Ökonomen auch zum rapiden Anstieg der Ungleichheit hierzulande beigetragen. Die Forscher gehen davon aus, dass aufgrund der steigenden Ungleichheit die Wirtschaft in 19 OECD-Ländern zwischen 1990 und 2010 um 4,7 Prozentpunkte weniger stark gewachsen sei, als dies bei einer unveränderten Reichtumsverteilung der Fall gewesen wäre.
Deutschland untere Mittelschicht wird abgehängt, Die Welt 21.5.15

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Besser Leben - die Idee des Magazins "transform" 
Donnerstag, 28. Mai 2015 - Medien
Zeit online berichtet über einen neuen Start-up, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, mit einem Magazin namens "transform" neue Perspektiven für die Arbeits- und Lebenswelt zu verbreiten. "Ich bin davon überzeugt, dass wir vieles wieder zurückerobern müssen – zum Beispiel Zeitsouveränität. Muße, Müßiggang, Zeit zum Nichtstun sind wichtig für ein gutes Leben. Und darum geht es uns – das gute Leben. Überall gibt es nur Krisen, in den Medien wird überwiegend über Probleme berichtet. Da wird immer nur kritisiert, selten geht es um Lösungen – und wenn, dann sind sie kompliziert oder verweisen auf eine höhere Instanz. 'Die Politik müsste….' heißt es dann. Aber was hat das mit mir zu tun?", beschreibt Ko-Gründer Jan Korte die Motivation hinter dem Projekt. Die Devise der Gründer: "Jeder einzelne kann die Welt mitgestalten und prägen, insbesondere in seinem unmittelbaren Lebenszusammenhang." Auf der Magazin-Webseite gibt es bereits Artikel zu Themen wie "Anleitung zum Blaumachen", "Kein Job erfüllt alles" und "Was ist das 'gute Leben'"? Gegenwärtig sammeln die Gründer via Crowdfunding Geld, um eine gedruckte Version des Magazins herauszubringen.
"Her mit dem guten Leben", Zeit online 20.5.15
Webseite "transform"


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Das Business braucht mehr Romantik 
Mittwoch, 27. Mai 2015 - Management
"Am Arbeitsplatz sollten wir unsere Identität nicht auf ein superperformantes, ausgeglichenes Ich beschränken", sagt Tim Leberecht, der Marketingchef bei der Design- und Architekturagentur NBBJ in San Francisco ist und Mitglied des Werterats beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Sich verwundbar zeigen und etwas von sich preisgeben zu können, sei die Grundvoraussetzung für Kreativität. Leberecht hat ein Buch geschrieben über die neue Romantik im Business und findet: "Es gibt auch im Arbeitsalltag Schönheit und spirituelle Erfahrungen - das bleibt aber oft verborgen. Aber ich halte Gefühle und Fantasie für elementar im Business. Ich möchte die Wirtschaft romantischer und damit menschlicher machen." Er rät Unternehmen dazu, "Dinge auch einmal nicht zu erklären, nur der Schönheit wegen zu tun, ohne sofort einen Nutzen daraus ziehen zu wollen". Der Arbeitsalltag werde spannender, wenn es gelinge, "mechanistische Vorgänge" zu durchbrechen. Eine "Kultur der Verletzbarkeit" könne es wiederum Managern erleichtern, Fehler einzugestehen oder auch einfach mal zu sagen: Ich weiß die Antwort nicht.
Suchen Romantiker für Führungsposition, Spiegel online 13.5.15

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