"Erschöpfungsstolz" - Selbstwirksamkeitsbeweis der Vielarbeiter 
Donnerstag, 23. Juni 2016 - Arbeit
In einem Interview mit der Wirtschaftswoche beschreibt der Psychologe Stephan Grünewald das Phänomen, wie Stress für immer mehr Menschen zu einer Art "Erschöpfungsstolz" führt und so eine unheilvolle Spirale der Verausgabung sich immer weiter selbst anfeuert. "Die beste Art, bestehende Zukunftsängste auszublenden, ist, sich in einen Zustand besinnungsloser Betriebsamkeit zu stürzen. Wir dynamisieren im übertragenen Sinn das Hamsterrad, in dem wir uns täglich befinden, damit wir uns mit möglichen Krisen nicht auseinandersetzen müssen", so Grünewald. Das permanente Beschäftigtsein wird so unbewusst zu einem kulturellen Raum, der die Wahrnehmung verändert: "Ich beobachte seit einigen Jahren einen Paradigmenwechsel vom Werkstolz hin zum Erschöpfungsstolz. Das heißt, früher waren wir stolz auf ein Werk, das wir erstellt haben und waren noch in der Lage, am Ende des Tages im übertragenen Sinn einen Schritt zurückzutreten, und das Geschaffene zu bewundern. Heute kommt es darauf an, wie erschöpft man ist." In einem solchen Kontext ist Stressmanagement oder gar Stressvermeidung dann vielleicht gar nicht mehr erstrebenswert, weil die Erschöpfung schon beinahe zu etwas wie einer Belohnung wird, könnte man meinen. Ein wunder Punkt: Das übermäßige Tun wird zu einer Selbstverständlichkeit, die auf gewisse Weise völlig inhaltsleer und sinnlos ist. "Leistungsdruck ist in Ordnung, solange wir das Gefühl haben, in einem sinnvollen Prozess zu sein. In dem Moment, in dem man das Gefühl hat, denn Sinn des Handels komplett zu verlieren und nur noch getrieben zu werden, wird es ungesund", erklärt Grünewald. Die gegenwärtige Arbeitskultur scheint sich rasant in diese Richtung zu bewegen ...
"Früher waren wir stolz auf unser Werk, heute auf unsere Erschöpfung", WiWo 14.6.16

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Meditation als Kamikaze-Taktik im Business 
Montag, 20. Juni 2016 - Arbeit
Die Welt hat in einem hervorragenden Beitrag sehr viele Facetten des augenblicklichen Meditationstrends im Business zusammengestellt. Neben sehr vielen positiven Anwendungsbeispielen und Hinweisen, welche Möglichkeiten der inneren Entwicklung und Entfaltung mit Meditation verbunden sind, wirft der Beitrag auch einen fundiert-kritischen Blick auf mögliche Auswüchse. So wird beschrieben, wie immer mehr als "harte Hunde" in Erscheinung tretende Top-Manager Achtsamkeit nutzen, um die eigene Performance zu optimieren und damit die eigene Power in ethisch kritisierbaren Geschäftsaktivitäten zu verbessern. "Wer Meditation allein nutzen will, um die eigene Leistung zu steigern, gefährdet sich und andere", sagt dazu Matthias Weniger, Chef des Instituts für Stressmedizin am Bergmannsheil-Klinikum in Gelsenkirchen. Mir gefällt an dem Beitrag, dass er wirklich ein größeres Bild zeigt. Natürlich lässt sich Meditation auch instrumentalisieren. Aber ich denke, es tut Menschen auch gut, im Zuge einer Achtsamkeitspraxis die eigene Wachheit und Kritikfähigkeit zu schulen und so Meditationsangebote zu hinterfragen, die vielleicht zum Ziel haben könnten, einfach nur aus Mitarbeitern mehr rauszuholen. Das ist ja letztlich das Wunderbare an Achtsamkeit - sie macht für alles achtsamer, wenn man nur hinschaut.
Wie Chefs durch Meditation unerbittlich werden, Die Welt 8.6.16


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Aufmerksamkeit - die Umgebung zählt auch 
Montag, 13. Juni 2016 - Arbeit
Leise Hintergrundgeräusche und bunte Farben wirken beim Arbeiten stimulierend. Berge Unerledigtes auf dem Schreibtisch und Zwangsbeschallung durch die Telefonate des Gegenübers hingegen killen die Produktivität. Im Interview mit der Zeit erklärt der Neurowissenschaftler Henning Beck, welche äußeren Rahmenbedingungen der Aufmerksamkeit beim Arbeiten dienlich sind - und welche nicht. "Die Umgebung hat einen großen Einfluss auf unsere Konzentrationsfähigkeit, denn das Gehirn neigt dazu, ständig hin- und herzuspringen. Es ist nicht darauf ausgelegt, sich lange zu konzentrieren. Daher sind Ablenkungen auch so verführerisch", so Beck. Darunter fallen auch die selbstgewählten Ablenkungen, zu denen auch das Multitasking gehört. "Menschen, die sich für multitaskingfähig halten, schneiden bei Multitasking-Untersuchungen besonders schlecht ab. Unser Hirn kann maximal zwei leichte Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Alles, was darüber hinausgeht, schadet nur. Wer viele Dinge gleichzeitig macht, verwirrt sein Hirn. Es verliert die Gewichtung von Aufgaben. Dieses Springen kostet aber nicht nur Zeit, sondern macht auch fehleranfälliger", erklärt der Wissenschaftler.
"Ablenkungen sind für unser Hirn verführerisch", Zeit online 31.5.16

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Millenials verabschieden sich vom Kapitalismus 
Freitag, 10. Juni 2016 - Arbeit
Im US-Präsidentschaftswahlkampf zeigt sich: Die jüngere Generation hat vom Kapitalismus genug. Einer Umfrage der harvard Universität zufolge lehnen 51 Prozent der Jungwähler den Kapitalismus ab, nur noch 42 Prozent stehen hinter ihm. Die neuen Antikapitalisten finden, gesundheitliche Versorgung, die Mittel für eine gute Ernährung und ein Dach über dem Kopf müssten ein Grundrecht sein, für das notfalls die Regierung aufkommen müsse. In den USA zeigt sich seit Jahren, dass immer mehr Menschen in der Arbeitswelt abgehängt werden. Heute haben nur noch 71 Prozent derer ohne College-Abschluss Arbeit (1960: 84 Prozent). Wer hingegen studiert, startet mit rund 30.000 Dollar Schulden ins Berufsleben. Für die junge Generation ist sozialistisches Denken längst kein no-go mehr, weil sie immer öfter erleben, dass das bestehende System nicht mehr trägt.
Kapitalismus? Nein, danke! Zeit online 2.6.16

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Achtsamkeit nicht nur auf dem Kissen, sondern im Alltag! 
Donnerstag, 12. Mai 2016 - Arbeit
Die Frankfurter Neue Presse geht in einem Interview mit Rohan Gunatillake, Leiter des britischen Kreativstudios „Mindfulness everywhere“, der Frage nach, wie sich ein achtsamer Lebensstil entwickeln lässt. Gunatillake plädiert dafür, nicht allein in der formellen Meditation nach Balance zu suchen, sondern achtsame Verhaltensweisen in verschiedenen Alltagskontexten zu entwickeln. "Wenn wir im Stillen auf einem Meditationskissen sitzen, kann diese formelle Praxis sehr effektiv sein – aber sie hat mit dem Rest unseres Lebens nichts zu tun. Warum trainieren wir nicht die Fähigkeit zur Achtsamkeit in den Situationen, in denen wir gestresst sind? Denn dort brauchen wir sie am meisten", sagt er. Und er rät zum Beispiel: "Wenn man etwa in der Stadt spazieren geht, ist man oft in seine eigenen Probleme vertieft. Man kann aber auch die anderen Leute aufmerksam betrachten und ihnen gedanklich etwas Gutes wünschen. Wenn man telefoniert, kann man gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf seinen Körper richten, zum Beispiel darauf achten, wo man verspannt ist. Oder Pendler können sich darauf trainieren, dass sie beim Anblick einer Werbung jedes Mal in sich hineinhorchen, wie sie sich gerade fühlen. Das sind alles kleine Spiele, um den Geist zu trainieren, Konzentration und Selbstbeobachtung zu üben." Ein weiterer Punkt - nicht alles durch Achtsamkeit kurieren zu wollen, sondern realistisch zwischen individuellen Entwicklungspotentialen und äußeren Gegebenheiten, die nicht zuträglich sind, zu unterscheiden: "Man muss sowohl an der Situation als auch an seiner Einstellung zu der Situation arbeiten. Um das Beispiel Burnout zu nehmen: Wenn die Arbeitsumgebung das Wohlbefinden zerstört, ist es oft das Beste, die Umgebung zu wechseln. Man kann nicht alle Probleme durch Achtsamkeit lösen."
Meditation trotz Smartphone, FNP 3.5.16

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Achtsamkeit ist Arbeit 
Montag, 4. April 2016 - Arbeit
Die FAZ stellt in einem Artikel das Programm Achtsamkeit am Arbeitsplatz vor, das vom Giessener Forum entwickelt wurde. Die Trainings sind für Unternehmen und Berufstätige gedacht und erleichtern es mit praxisnahen Übungen, die eigene Achtsamkeit im Alltag zu entwickeln. "Achtsamkeit ist keine Wunderpille oder ein Allheilmittel, sondern erfordert persönliches Engagement. Wenn man es ernsthaft betreibt, geht es ans Eingemachte, weil man wieder lernt, sich auf sich selbst zu konzentrieren und die Selbstwahrnehmung zu trainieren", erklärt Trainer Justus Ludwig. Heike Bordin-Knappmann, Personalentwicklerin bei Ista in Essen, hat bereits einen Teil ihrer Vertiebsmannschaft von Ludwig schulen lassen - weil sie feststellte, dass in diesem Arbeitsbereich die Belastungen besonders hoch sind. Im Training bekamen die Vertriebler Achtsamkeitsübungen vermittelt, die sie unterwegs machen können. Begleitende Telefoncoachings wurden in den Randstunden des Tages, wenn die Betroffenen auch verfügbar waren, angeboten. Die Rückmeldungen zum Programm sind positiv. Eine Mitarbeiterin berichtete sogar, nun vor jedem Kundenbesuch eine kleine Achtsamkeitsübung einzuschieben.
Achtung, Achtsamkeit! FAZ 18.3.16

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Doping für mehr Leistung etabliert sich 
Dienstag, 15. März 2016 - Arbeit
Laut DAK ist die Zahl derer, die zumindest schon einmal Medikamente oder Drogen zur Leistungssteigerung genommen haben, zwischen 2008 und 2015 von kanpp fünf auf 6,7 Prozent gestiegen. In einer Umfrage des Handelsblatts gaben 2015 sieben Prozent der anonym befragten Fach- und Führungskräfte an, sogar regelmäßig Medikamente zur Leistungssteigerung zu nehmen. Ritalin für die bessere Konzentration, Modafinil für den Leistungs-Push - es hat inzwischen eine gewisse Selbstverständlichkeit zu haben, die eigene Power chemisch zu pushen. Große Unternehmen wie Bayer oder BASF versuchen inzwischen, mit Drogentests dem neuen Trend Herr zu werden, kann der Drogenkonsum doch je nach Arbeitsbereich zu erheblichen Risiken und Sicherheitsproblemen führen. Möglicherweise wäre es viel einfacher - und auch erheblich gesünder, einfach die moderne Arbeitskultur selbst, die den Bedarf nach unbegrenzter Leistung schürt, zu überdenken und zu verändern.
So pushen sich Manager nach oben, WiWo 3.3.16

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Internet-Giganten treiben Zweiklassengesellschaft voran 
Freitag, 11. März 2016 - Arbeit
Die Welt findet klare Worte für die Bewertung der neuen Forbes-Liste der Superreichen. Während die Milliardäre, die in eher konventionellen Branchen zu ihrem Reichtum gekommen seien, im vergangenen Jahr ihr Vermögen kaum erhalten konnten oder sogar Verluste verbuchen mussten, preschen die Milliardäre der High-Tech-Branche immer weiter nach vorne. "Die Liste sendet ein neues Signal. Sie offenbart nicht nur die fortschreitende Macht der personifizierten Tech-Giganten. Sie führt auch vor Augen, wie die Arbeitswelt in Zukunft aussehen könnte: eine Zweiteilung der Gesellschaft in vermögende Eliten und eine Unterschicht. Die Mittelschicht wird in dieser neuen Welt ausgedünnt. Denn ihren Aufstieg verdanken die "Forbes"-Giganten ihrer kreativen Zerstörung", kommentiert die Welt. Auch Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller sieht diese Gefahr: "Die Gesellschaft spaltet sich in zwei Klassen auf. Es wird keine Mittelklasse mehr geben. Es passiert einfach. Es gibt keine einfache Lösung."Superreiche werden zur Gefahr für die Mittelschicht, Die Welt 1.3.16

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