Wenn Stille in der Tiefe wirkt 
Freitag, 12. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Meditation ist für viele Neueinsteiger schlicht eine Methode, um ein bisschen besser mit den Herausforderungen des Lebens zurechtzukommen. Umso mehr hat mich ein kürzlich in der Kirchenzeitung erschienener Beitrag berührt, in dem ein Autor über seine Erfahrungen mit einem Kontemplations-Retreat und den längerfristigen Auswirkungen auf sein Leben berichtet. "Ich hatte den Eindruck, in der Stille lernt man seine Mitmenschen besser kennen als im stundenlangen Geplapper. Man kennt sich auf einer anderen Ebene. Man spürt die Energie, die von jemand ausgeht", schreibt Andreas Kaiser. Und: "Die seltenen Gespräche waren die intensivsten Gespräche, die ich in meinem Leben geführt habe. Da ging es nicht um Äußerlichkeiten, das Auto, die Arbeit. Es ging um uns, was uns ausmacht." Für Kaiser war das Retreat auch eine Tür zu einem veränderten Leben, die sich hier öffnete. Im Alltag verzichtete er mehr und mehr auf Ablenkungen und Zerstreuungen, fühlte sich nicht mehr von Krimis, sondern von spirituellen Büchern angezogen und erlaubt sich mehr Langsamkeit, um am Leben nicht vorbeizusausen. Meditation mag viel bewirken, man sollte darauf gefasst sein.
Die Stille verändert, Kirchenzeitung 3.6.20

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Mehr Resilienz und kollektive Intelligenz mit Achtsamkeit 
Mittwoch, 10. Juni 2020 - Bewusstsein, Studien, Arbeit, Management
In den letzten Wochen sind viele Artikel erschienen, in denen Achtsamkeit als Krisen-Tool gehyped wird. Dass Achtsamkeit nicht nur die Resilienz fördert, sondern auch zur kollektiven Intelligenz beiträgt, zeigt eine neue Untersuchung der Boston Consulting Group in Zusammenarbeit mit Awaris, einem globalen Netzwerk, das sich mit wissenschaftlich fundierten achtsamkeitsbasierten Interventionen beschäftigt. Untersucht wurden 31 Teams mit knapp 200 Personen in einem deutschen Automobilkonzern und einer politischen Organisation, die ein zehnwöchiges Achtsamkeits-Training durchliefen. Ein anschließender Test mit einem vom MIT Center for Collective Intelligence entwickelten Verfahren zeigte, dass in den Teams die kollektive Intelligenz durch das Training um 13 Prozent gestiegen war. Die Mitarbeiter konnten ihre eigenen Emotionen und die Befindlichkeit anderer besser wahrnehmen und so angemessener mit ihnen umgehen. Dadurch nahm auch der wahrgenommene Stress ab. Die gegenseitige Unterstützung trug zudem zu mehr Resilienz in den Teams bei. Die Boston Consulting Group hat das Thema Achtsamkeit längst intern zu einem kontinuierlichen Begleiter der Unternehmensberater gemacht und bietet über die hauseigene Mindfulness Community für inzwischen mehr als 1.000 Beschäftige tägliche Meditationen und regelmäßige Achtsamkeits-Trainings an.
Mit Mindfulness und kollektiver Intelligenz aus der Krise, haufe.de 2.6.20

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Verzicht ist Freiheit, Mangel lässt uns ohnmächtig sein 
Dienstag, 9. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Der Shutdown hatte für viele Menschen etwas Erleichterndes. Endlich einmal Zeit, weil viele Alltäglichkeiten einfach weggefallen sind. In der Philosophiegeschichte taucht der Rückzug immer wieder als produktiver Zustand auf. Ein Beitrag des Philosophie Magazins zeigt jedoch auch: Es macht einen großen Unterschied, ob dieser Verzicht (beispielsweise auf Kontakte oder Ablenkungen) selbst gewählt ist oder uns aufgezwungen wirkt. Die Isolation aus freien Stücken können wir als Freiheit erleben und das nicht nur aufgrund der vielleicht positiven Erfahrungen, die wir damit machen, sondern auch, weil wir den Zustand jederzeit wieder beenden können, also die Kontrolle über die Situation haben. Sind wir hingegen durch äußere Zwänge auf uns selbst zurückgeworfen, erleben wir eine analoge Situation vielleicht eher als Mangel und dies vor allem, weil wir an ihr nichts ändern können und ihr ohnmächtig ausgeliefert sind. Vielleicht ist es auch einfach eine Frage, wie viel inneren Widerstand wir dem, was (unvermeidlich) ist, entgegenbringen. Denn auch, wenn wir Umstände nicht frei wählen können, ist es uns natürlich möglich, sie zu akzeptieren - dann öffnet sich unsere Wahrnehmung vielleicht auch für die guten Seiten, die damit verbunden sein könnten.
Isolation als Kontrollverlust, Philosophie Magazin 22.5.20

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Fiktive Rache kann erleichtern 
Montag, 8. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Rache ist süß, weiß der Volksmund. Und dieses impulsive Gefühl scheint tief in uns verwurzelt zu sein, selbst wenn unsere ethischen Erwägungen uns etwas anderes sagen. Eine neue Studie zeigt, wie sehr wir in beiden Dimensionen zuhause sind. 85 Versuchsteilnehmern wurden 15 Geschichten vorgelesen, in denen es um einen Bösewicht ging. Die Stories hatten drei unterschiedliche Ausgänge. Einmal wurde der Übeltäter besonders hart bestraft, einmal eher mäßig und einmal wurde ihm einfach verziehen. Anschließend befragten die Wissenschaftler die Teilnehmenden zu ihren Eindrücken über die Geschichten und sie sollten mit einem Button zusätzlich signalisieren, ob sie die Geschichte mochten oder nicht. Die Geschichten, in denen der Bösewicht hart rangenommen wurde, gefielen den Studienteilnehmern am besten, doch räumten sie ein, dass der Ausgang wenig sinnvoll sei. Geschichten, die mit einem Verzeihen endeten, stießen hingegen auf wenig Gegenliebe, wurden aber sehr wertschätzend und als sinnvoll wahrgenommen. Dass hier innere Gefühle im Widerstreit sind, konnten die Forscher auch daran erkennen, wie lange die Beteiligten brauchten, um den "Like"- oder "Dislike"-Button zu klicken. Bei den Stories, die zwar sehr gut gefielen, aber ein ethisch eher fragwürdiges Ende mit zu harter Bestrafung hatten, benötigten die Teilnehmenden deutlich länger für ihre Entscheidung. Die Wissenschaftler deuten die Reaktion dahingehend, dass Rache durchaus erleichtern wirken könne, weil sie von den Einschränkungen des Alltags, denen Menschen ausgesetzt seien, ablenken. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass unser Racheinstinkt sehr impulsiv und schnell daher kommt, wir aber, wenn wir einmal kurz darüber nachdenken, eben auch Zugang zu unseren eher ethischen Erwägungen haben.
Verzeihen ist nicht vergnüglich, Psychologie heute 8.5.20

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Grundsätzlich optimistisch, aber wenig Vertrauen ins eigene Land 
Freitag, 5. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung bringt ein "Optimismus-Paradox" der Europäer zum Vorschein. 58 Prozent der Befragten in den 27 EU-Ländern gaben sich in der Untersuchung zuversichtlich im Hinblick auf ihr eigenes Leben, während sie die Zukunftsaussichten ihres Landes längst nicht so positiv einschätzen. "Die Deutschen fallen durch ihr hohes Vertrauen in die eigene Kraft bei besonderer Verzagtheit hinsichtlich der Zukunft Deutschlands auf", zitiert die Zeit die Studienleiterin Isabell Hoffmann. 65 Prozent der Deutschen malen sich ihre eigene Zukunft positiv aus, doch sehen gleichzeitig 56 Prozent die Zukunft Deutschlands kritisch. In Spanien, den Niederlanden und Polen zeigten sich vergleichbare Tendenzen, während Franzosen und Italiener mehrheitlich negativ eingestellt sind. Die Einschätzungen von Anhänger*innen rechtspopulistischer Parteien fallen im Gesamtbild deutlich negativer aus. Unter den AfD-Anhängern etwa bewerten 90 Prozent die Zukunft des Landes negativ und 66 Prozent schauen pessimistisch auf die eigenen Aussichten. In anderen Ländern sind die Tendenzen ähnlich, mit Ausnahme von Polen. Hier sind mehr als 80 Prozent der Anhänger der Regierungspartei PiS sowohl optimistisch, was ihre eigene Zukunft angeht als auch die Zukunft des Landes.
Europäer sind gleichzeitig Optimisten und Pessimisten, zeit.de 28.5.20

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Einsamkeit trifft besonders junge Individualisten 
Donnerstag, 4. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Sich allein zu fühlen und kaum Kontakte zu anderen Menschen zu haben, galt lange Zeit vor allem als Problem der älteren Generation. Das BBC Loneliness Experiment, für das 46.000 Menschen weltweit aus den unterschiedlichsten Kulturen und Altersgruppen befragt wurden, zeigt nun, dass Einsamkeit ein komplexeres Phänomen ist, denn sie trifft auch viele junge Menschen und vor allem jene, die in individualistischen Kulturen zuhause sind. Hier stellte sich heraus, dass es vor allem junge Menschen sind, die über Einsamkeit klagen - sie tun dies häufiger als Menschen der mittleren Altersgruppen, die wiederum mehr Einsamkeit empfinden als Ältere. Insgesamt zeigte sich auch, dass Menschen in sehr auf Individualismus ausgerichteten Kulturen insgesamt einsamer sind als jene, die in Ländern mit einem starken kollektiven Bezug leben. Die Wissenschaftler glauben, dass die überraschenden Erkenntnisse im Hinblick auf die Altersverteilung etwas mit den unterschiedlichen Erwartungen an das Leben in den verschiedenen Lebensaltern zu tun haben könnten. Kulturen, die noch stärker auf Gemeinschaftlichkeit ausgerichtet sind, dürften wiederum der Einsamkeit entgegenwirken.
Je jünger, desto einsamer, spektrum.de 27.5.20

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Deutsche haben vor Corona-Zukunft eine gewisse Furcht 
Mittwoch, 3. Juni 2020 - Psychologie, Studien
Corona bestimmt unser Leben und beherrscht die Schlagzeilen. Und viele Klimaschützer fürchten bereits, dass darüber die ökologischen Herausforderungen, vor denen wir stehen, aus dem Blick geraten. Eine Allensbach-Umfrage zeigt nun, dem ist nicht so. Für 34 Prozent der Bevölkerung ist nach wie vor der Klimawandel die größte persönliche Sorge, gefolgt von Corona (30 Prozent) und der Angst vor Einkommensverlusten (26 Prozent). Dabei treibt nur 31 Prozent die Angst vor einer eigenen Ansteckung. Viel bedrückender ist für viele der Blick in die Zukunft und auf die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. 70 Prozent der Deutschen glauben, dass sich die Konjunktur im kommenden Jahr nicht erholen wird. 46 Prozent befürchten eine Verschlechterung ihrer eigenen wirtschaftlichen Lage. Das trübt auch die Erwartungen an die Zukunft. Hoffnungsvoll schauen gegenwärtig nur 22 Prozent auf das kommende Jahr, während 44 Prozent Befürchtungen mit sich tragen und 27 Prozent skeptisch sind.
Die größte Sorge der Deutschen gilt in der Corona-Krise weder dem Virus noch der Wirtschaft — sondern dem Klimawandel, Business Insider 26.5.20

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Diversität gibt der Performance einen Push 
Dienstag, 2. Juni 2020 - Studien, Arbeit, Management
In einer komplexen Welt braucht es komplexe Lösungen. Und die erreicht man wohl am besten, wenn man möglichst viele verschiedene Perspektiven bei der Ideenentwicklung einbringt. Das jedenfalls mag erklären, dass Unternehmen mit gemischten Führungsteams eine besonders gute wirtschaftliche Performance erreichen. Eine neue Untersuchung von McKinsey, für die 1.039 Unternehmen aus 15 Ländern betrachtet wurden inklusive aller Dax-Konzerne und 35 deutscher Mittelständler, zeigt: Firmen mit dem höchsten Frauenanteil in der obersten Führungsriege haben eine um 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Profitabilität als jene, die kaum oder gar keine Frauen im Top-Management haben. Die Unternehmensberater machen in ihrer Einschätzung deutlich, dass Quotenfrauen hier nicht helfen, sondern dass es um die Einbeziehung einer breiten Basis unterschiedlicher Blickwinkel geht. Der Effekt, den die Untersuchung zutage bringt, hat sich übrigens in den vergangenen Jahren gesteigert. 2014 lag die höhere Wahrscheinlichkeit besserer Erfolge von gemischten Führungsteams noch bei 15 Prozent. Die Berater glauben, dass der größer werdende Effekt darin begründet ist, dass die Herausforderungen in der Unternehmenswelt immer vielfältiger werden und deshalb eine möglichst breite Erfahrungsbasis wesentlicher Teil von Erfolg ist.
Gemischte Führungsteams sind finanziell erfolgreicher, spiegel.de 19.5.20

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