Alkoholkonsum steigt in Corona-Zeiten 
Mittwoch, 17. Juni 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Aus Einsamkeit oder Langeweile zum Alkohol greifen? Für einen nennenswerten Teil der Bevölkerung ist das in Zeiten der Pandemie zur neuen Gewohnheit geworden. Der Global Drug Survey mit mehr als 16.000 Teilnehmenden zeigt: 30 Prozent der Befragten gönnen sich seit einigen Wochen häufiger mal ein Gläschen mehr, und knapp elf Prozent berichten sogar von einem deutlich gestiegenen Alkoholkonsum. Rund jede*r Fünfte räumt sogar ein, wenn er oder sie trinkt, dann mehr als fünf alkoholische Getränke zu konsumieren. Die genannten Gründe: mehr Zeit und mehr Langeweile. Manche trinken mehr aus Stress oder weil sie sich einsam fühlen, für andere ist der Alkohol ein kleiner Stimmungsaufheller gegen depressive Gedanken. Am anderen Ende der Skala zeigt sich allerdings auch eine gegenläufige Tendenz, denn gerade die Menschen, die meist nur in Gesellschaft trinken, halten sich, allein in den eigenen vier Wänden, etwas zurück.
Alkohol aus Langeweile, Zeit.de 4.6.20

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Umgang mit Krankheit im Job überdenken 
Dienstag, 16. Juni 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Die Wirtschaftswoche widmet sich einer Kolumne der Frage, warum es erst des Corona-Viruses bedurfte, bis einmal ernsthaft darüber gesprochen wird, warum wir im Arbeitsleben oft völlig nachlässig mit Ansteckungsrisiken umgehen. Erkältet zur Arbeit? Das war vor Corona eher eine Regel denn eine Ausnahme. Der WiWo-Beitrag dekliniert durch, wie wir gerade lernen, dass das Arbeiten auch bei Ansteckungsrisiken weitergehen kann - im Homeoffice, virtuell vernetzt. Und er schlägt vor, diese innerhalb weniger Wochen flächendeckend erlernte Praxis auch in Nach-Corona-Zeiten aufrechtzuerhalten. "Zuhause ist das neue anwesend", heißt es in dem Artikel - vorausgesetzt natürlich, dass Chefs dafür genügend Vertrauen aufbringen und auch Menschen nur dann daheim weiterarbeiten, wenn die Ansteckung anderer das Hauptproblem wäre und man ansonsten ziemlich fit ist.
Neue Kategorie „ansteckend“: arbeitsfähig, aber zu Hause, WiWo 3.6.20

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Wie gefühlte Bedrohungen anderes verschleiern 
Montag, 15. Juni 2020 - Bewusstsein, Psychologie
Die Verschwörungsszenarien rund um Corona verbreiten sich immer mehr im öffentlichen Raum. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass wir solche Psychodynamiken nicht zum ersten Mal erleben. Auf Spiegel online beschreibt beispielsweise der Psychoanalytiker Hans-Jürgen Wirth viele Parallelen, die vor wenigen Jahrzehnten auch die Reaktionen auf Aids geprägt haben. Besonders interessant an seinen Betrachtungen finde ich, was er darüber schreibt, wie die Fokussierung auf die äußere Bedrohungen (heute: Corona) von anderen Konflikten ablenkt. "Die Projektion der eigenen inneren beziehungsweise internen Konflikte auf Außenfeinde entlastet Individuen, Familien, größere und kleinere Gruppen oder auch ganze Gesellschaften von internen Spannungen. An der eingebildeten äußeren Bedrohung kann man die Aggressionen festmachen und abführen, die sonst als interne Konflikte aufbrechen würden", schreibt er. Wenn Menschen ihre ganze Kraft darauf konzentrieren, Virologen als vermeintliche Lügner zu entlarven oder der Politik geradezu Putchversuche unterstellen, wird ihnen wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass ihr Unbehagen und ihre Ängste vielleicht gute Gründe haben, sie sich aber in falschen oder eingebildeten Ursachen verbeißen. Dass ganze Bevölkerungsgruppen sich von der Politik nicht ernst genommen und nicht angemessen vertreten fühlen, ist so neu nicht. Und das wachsende Ungerechtigkeitsempfinden vieler Menschen ist beispielsweise längst durch viele wissenschaftliche Studien belegt. Was aber hilft es, nicht einfach das zu beklagen, was beklagenswert ist (wie prekäre Beschäftigung, eine chronische Unterbezahlung in Pflegeberufen, die unterschiedliche Chancengleichheit), sondern von Phantasien genährte Schauplätze der Auseinandersetzung zu eröffnen? Realitätssinn hilft - vor allem dabei, reale Probleme wirklich anzugehen.
Aids und Corona: "Die Ängste vieler Menschen sind erstaunlich ähnlich", spiegel.de 31.5.20

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Wenn Stille in der Tiefe wirkt 
Freitag, 12. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Meditation ist für viele Neueinsteiger schlicht eine Methode, um ein bisschen besser mit den Herausforderungen des Lebens zurechtzukommen. Umso mehr hat mich ein kürzlich in der Kirchenzeitung erschienener Beitrag berührt, in dem ein Autor über seine Erfahrungen mit einem Kontemplations-Retreat und den längerfristigen Auswirkungen auf sein Leben berichtet. "Ich hatte den Eindruck, in der Stille lernt man seine Mitmenschen besser kennen als im stundenlangen Geplapper. Man kennt sich auf einer anderen Ebene. Man spürt die Energie, die von jemand ausgeht", schreibt Andreas Kaiser. Und: "Die seltenen Gespräche waren die intensivsten Gespräche, die ich in meinem Leben geführt habe. Da ging es nicht um Äußerlichkeiten, das Auto, die Arbeit. Es ging um uns, was uns ausmacht." Für Kaiser war das Retreat auch eine Tür zu einem veränderten Leben, die sich hier öffnete. Im Alltag verzichtete er mehr und mehr auf Ablenkungen und Zerstreuungen, fühlte sich nicht mehr von Krimis, sondern von spirituellen Büchern angezogen und erlaubt sich mehr Langsamkeit, um am Leben nicht vorbeizusausen. Meditation mag viel bewirken, man sollte darauf gefasst sein.
Die Stille verändert, Kirchenzeitung 3.6.20

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Mehr Resilienz und kollektive Intelligenz mit Achtsamkeit 
Mittwoch, 10. Juni 2020 - Bewusstsein, Studien, Arbeit, Management
In den letzten Wochen sind viele Artikel erschienen, in denen Achtsamkeit als Krisen-Tool gehyped wird. Dass Achtsamkeit nicht nur die Resilienz fördert, sondern auch zur kollektiven Intelligenz beiträgt, zeigt eine neue Untersuchung der Boston Consulting Group in Zusammenarbeit mit Awaris, einem globalen Netzwerk, das sich mit wissenschaftlich fundierten achtsamkeitsbasierten Interventionen beschäftigt. Untersucht wurden 31 Teams mit knapp 200 Personen in einem deutschen Automobilkonzern und einer politischen Organisation, die ein zehnwöchiges Achtsamkeits-Training durchliefen. Ein anschließender Test mit einem vom MIT Center for Collective Intelligence entwickelten Verfahren zeigte, dass in den Teams die kollektive Intelligenz durch das Training um 13 Prozent gestiegen war. Die Mitarbeiter konnten ihre eigenen Emotionen und die Befindlichkeit anderer besser wahrnehmen und so angemessener mit ihnen umgehen. Dadurch nahm auch der wahrgenommene Stress ab. Die gegenseitige Unterstützung trug zudem zu mehr Resilienz in den Teams bei. Die Boston Consulting Group hat das Thema Achtsamkeit längst intern zu einem kontinuierlichen Begleiter der Unternehmensberater gemacht und bietet über die hauseigene Mindfulness Community für inzwischen mehr als 1.000 Beschäftige tägliche Meditationen und regelmäßige Achtsamkeits-Trainings an.
Mit Mindfulness und kollektiver Intelligenz aus der Krise, haufe.de 2.6.20

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Verzicht ist Freiheit, Mangel lässt uns ohnmächtig sein 
Dienstag, 9. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Der Shutdown hatte für viele Menschen etwas Erleichterndes. Endlich einmal Zeit, weil viele Alltäglichkeiten einfach weggefallen sind. In der Philosophiegeschichte taucht der Rückzug immer wieder als produktiver Zustand auf. Ein Beitrag des Philosophie Magazins zeigt jedoch auch: Es macht einen großen Unterschied, ob dieser Verzicht (beispielsweise auf Kontakte oder Ablenkungen) selbst gewählt ist oder uns aufgezwungen wirkt. Die Isolation aus freien Stücken können wir als Freiheit erleben und das nicht nur aufgrund der vielleicht positiven Erfahrungen, die wir damit machen, sondern auch, weil wir den Zustand jederzeit wieder beenden können, also die Kontrolle über die Situation haben. Sind wir hingegen durch äußere Zwänge auf uns selbst zurückgeworfen, erleben wir eine analoge Situation vielleicht eher als Mangel und dies vor allem, weil wir an ihr nichts ändern können und ihr ohnmächtig ausgeliefert sind. Vielleicht ist es auch einfach eine Frage, wie viel inneren Widerstand wir dem, was (unvermeidlich) ist, entgegenbringen. Denn auch, wenn wir Umstände nicht frei wählen können, ist es uns natürlich möglich, sie zu akzeptieren - dann öffnet sich unsere Wahrnehmung vielleicht auch für die guten Seiten, die damit verbunden sein könnten.
Isolation als Kontrollverlust, Philosophie Magazin 22.5.20

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Fiktive Rache kann erleichtern 
Montag, 8. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Rache ist süß, weiß der Volksmund. Und dieses impulsive Gefühl scheint tief in uns verwurzelt zu sein, selbst wenn unsere ethischen Erwägungen uns etwas anderes sagen. Eine neue Studie zeigt, wie sehr wir in beiden Dimensionen zuhause sind. 85 Versuchsteilnehmern wurden 15 Geschichten vorgelesen, in denen es um einen Bösewicht ging. Die Stories hatten drei unterschiedliche Ausgänge. Einmal wurde der Übeltäter besonders hart bestraft, einmal eher mäßig und einmal wurde ihm einfach verziehen. Anschließend befragten die Wissenschaftler die Teilnehmenden zu ihren Eindrücken über die Geschichten und sie sollten mit einem Button zusätzlich signalisieren, ob sie die Geschichte mochten oder nicht. Die Geschichten, in denen der Bösewicht hart rangenommen wurde, gefielen den Studienteilnehmern am besten, doch räumten sie ein, dass der Ausgang wenig sinnvoll sei. Geschichten, die mit einem Verzeihen endeten, stießen hingegen auf wenig Gegenliebe, wurden aber sehr wertschätzend und als sinnvoll wahrgenommen. Dass hier innere Gefühle im Widerstreit sind, konnten die Forscher auch daran erkennen, wie lange die Beteiligten brauchten, um den "Like"- oder "Dislike"-Button zu klicken. Bei den Stories, die zwar sehr gut gefielen, aber ein ethisch eher fragwürdiges Ende mit zu harter Bestrafung hatten, benötigten die Teilnehmenden deutlich länger für ihre Entscheidung. Die Wissenschaftler deuten die Reaktion dahingehend, dass Rache durchaus erleichtern wirken könne, weil sie von den Einschränkungen des Alltags, denen Menschen ausgesetzt seien, ablenken. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass unser Racheinstinkt sehr impulsiv und schnell daher kommt, wir aber, wenn wir einmal kurz darüber nachdenken, eben auch Zugang zu unseren eher ethischen Erwägungen haben.
Verzeihen ist nicht vergnüglich, Psychologie heute 8.5.20

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Grundsätzlich optimistisch, aber wenig Vertrauen ins eigene Land 
Freitag, 5. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung bringt ein "Optimismus-Paradox" der Europäer zum Vorschein. 58 Prozent der Befragten in den 27 EU-Ländern gaben sich in der Untersuchung zuversichtlich im Hinblick auf ihr eigenes Leben, während sie die Zukunftsaussichten ihres Landes längst nicht so positiv einschätzen. "Die Deutschen fallen durch ihr hohes Vertrauen in die eigene Kraft bei besonderer Verzagtheit hinsichtlich der Zukunft Deutschlands auf", zitiert die Zeit die Studienleiterin Isabell Hoffmann. 65 Prozent der Deutschen malen sich ihre eigene Zukunft positiv aus, doch sehen gleichzeitig 56 Prozent die Zukunft Deutschlands kritisch. In Spanien, den Niederlanden und Polen zeigten sich vergleichbare Tendenzen, während Franzosen und Italiener mehrheitlich negativ eingestellt sind. Die Einschätzungen von Anhänger*innen rechtspopulistischer Parteien fallen im Gesamtbild deutlich negativer aus. Unter den AfD-Anhängern etwa bewerten 90 Prozent die Zukunft des Landes negativ und 66 Prozent schauen pessimistisch auf die eigenen Aussichten. In anderen Ländern sind die Tendenzen ähnlich, mit Ausnahme von Polen. Hier sind mehr als 80 Prozent der Anhänger der Regierungspartei PiS sowohl optimistisch, was ihre eigene Zukunft angeht als auch die Zukunft des Landes.
Europäer sind gleichzeitig Optimisten und Pessimisten, zeit.de 28.5.20

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