Mario Erdheim: "Macht macht bitter und krank" 
Montag, 31. Juli 2006 - Management
Über die Verletzlichkeit der Mächtigen spricht der Ethnopsychoanalytiker Mario Erdheim in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Erdheim legt in dem Gespräch dar, warum Macht viele Politiker und Führungskräfte bitter und krank macht. Die "Realität einer paranoiden Welt", wie Erdheim sie skizziert, ist geprügt von einer Unfähigkeit zu lieben, Einsamkeit und permanenter Selbstverteidigung. Der Psychoanalytiker kritisiert, dass Menschen in Machtpositionen sich meist mit Günstlingen umgeben, um ihre eigene Position abzusichern. Am Beispiel von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die bereits zu ihrem Amtsantritt anmerkte, dass die ihr entgegengebrachte Bewunderung nicht ewig halten werde, beschreibt Erdheim den typischen Prozess der "gesellschaftlichen Produktion von Unbewusstheit": "Das ist eine Immunisierung der Kritik. Und ein Indiz, wie die Mächtigen die Realität nicht mehr adäquat zur Kenntnis nehmen. Ständig müssen Argumente gesucht werden, warum das, was versprochen wurde, nicht eintrifft." Der Psychoanalytiker ist weit davon entfernt, die von ihm skizzierten Prinzipien zu verteufeln, rät jedoch allen Mächtigen, sich der eigenen Verletzbarkeit bewusst zu werden.
"Macht macht bitter und krank", FAS 30.7.06

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Authentische Manager müssen sich selbst begreifen 
Freitag, 28. Juli 2006 - Management
Was macht eine gute Führungskraft aus? Götz Werner, Gründer der Drogeriekette DM, sagt dazu in einem Interview auf "In Führung gehen": "Eine gute Führungskraft ist jemand, der anderen zu Erfolg verhilft. Jemand, der Menschen dazu anleitet, ihre eigene Lebensbiographie zu gestalten." Doch wie wird ein Manager zum Enabler? Für Götz Werner steht außer Frage, dass nur Selbsterkenntnis die Basis bilden kann: "Vor allem braucht eine Führungskraft Selbstbewusstsein im wörtlichen Sinne. Sie muss ihr Menschsein zunächst einmal selbst er- und begreifen, um dann mit anderen wirken und auf andere einwirken zu können. Um authentisch zu sein, muss man sich immer im ersten Schritt seiner selbst bewusst werden."
Der Online-Dienst "In Führung gehen" ist ein Angebot der "Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft" in Bad Harzburg und veröffentlicht regelmäßig Interviews zu aktuellen Management-Themen.
Interview mit Götz Werner

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Intuition und Nichtwissen im Business 
Donnerstag, 27. Juli 2006 - Management
Die Welt wird immer komplexer. Nicht zuletzt, weil wir immer mehr Daten generieren, deren Bedeutung wir immer weniger erfassen können. Doch nicht nur diese Flut der Informationen stellt ein Prinzip "rationaler" Entscheidungen - in der Wirtschaft wie im Leben - immer mehr in Frage. Studien haben längst bewiesen, dass das Bild des Homo Oeconomicus mehr einem (rational orientierten) Wunschdenken denn der Realität entspricht. Der Umgang mit dem eigenen Nichtwissen und der Intuition gewinnt vor diesem Hintergrund immer mehr an Bedeutung. "Was wir in Zukunft also brauchen, sind Unternehmenskulturen, die Nichtwissen und Intuition konstruktiv in ihren Alltag integrieren", sagt etwa der Trainer und Coach Dr. Andreas Zeuch, der sich dem Thema auf seinem Weblog "integral.blog" widmet. Auch die Webseite "psychophysik" betrachtet die Dimensionen und Wirkungen des Unterbewusstseins. Aktuelles Highlight: Ein Interview mit DM-Chef Götz Werner zum Thema "Nichtwissen" im Business.
integral.blog
psychophysik.com

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Führungskräfte brauchen eine bessere Selbstwahrnehmung 
Mittwoch, 26. Juli 2006 - Studien
Die Lücke, die zwischen der Selbstwahrnehmung von Führungskräften und der Wahrnehmung durch ihre Mitarbeiter klafft, ist nicht zu unterschätzen. Manager halten gerne Eigenschaften wie Authentizität und Integrität hoch, schaffen es jedoch gleichzeitig häufig nicht, diese auch wirklich vorzuleben - so das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Harvest Consultancy, über die das Handelsblatt berichtet. So wird Durchsetzungsfähigkeit in den Augen der Mitarbeiter schon einmal als Ellbogen-Mentalität wahrgenommen. Einig sind sich die Experten, dass sich die neue Perspektive einer weicheren Führungskultur in den Unternehmen erst langsam durchsetzt. Weiche Faktoren wie Empathie und Vertrauen werden sich wohl nur in einem längerfristigen Prozess etablieren - der jedoch aus Sicht der Berater unabdingbar ist, da taktvolles Benehmen unmittelbaren Einfluss auf die Motivation der Mitarbeiter hat.
"Wie bin ich?", Handelsblatt 15.7.2006

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Deutsche Führungskräfte sind vertrauensvoll 
Dienstag, 25. Juli 2006 - Studien
Die deutschen Manager sind sehr vertrauensvoll - und werden mit dem Vertrauen ihrer Mitarbeiter belohnt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Akademie für Führungskräfte unter 350 Führungskräften. 82,2 Prozent der Befragten, die einer Führungskraft unterstellt sind, sprachen dieser das Vertrauen aus. Sogar 90,7 Prozent haben keinen Zweifel an der Integrität der ihnen unterstellten Mitarbeiter. Für 97,7 Prozent sind Mitarbeitergespräche ein wichtiger Baustein, um eine Vertrauenskultur im Unternehmen aufzubauen, gefolgt von Zielvereinbarungen (88,4 Prozent). Ein Leitbild, das Unternehmenswerte und Selbstverständnis festhält, ist für 82,8 Prozent der Befragten sehr wichtig - allerdings verfügen nur 67 Prozent der Unternehmen auch über ein solches. Die eigene Unsicherheit trägt in den Augen von 93,3 Prozent der Befragten dazu bei, dass Manager es bisweilen nicht schaffen, ihren Mitarbeitern zu vertrauen. Offene und stringente Kommunikation ist dagegen in den Augen der Befragten unerlässlich, um ein Vertrauensklima aufrecht zu erhalten.
Studie "Auf gut Glück" der Akademie für Führungskräfte

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Globetrotter: Authentizität als Geschäftsmodell 
Montag, 24. Juli 2006 - Success Stories
Würden Sie, wenn Sie den Mount Everest besteigen wollen, Ihre Ausrüstung in einem Laden kaufen, dessen Verkäufern man es anmerkt, dass sie mit Survival-Touren und Trekking nicht viel am Hut haben? Der Outdoor-Spezialist Globetrotter würde das seinen Kunden niemals zumuten und beschäftigt deshalb im Verkauf nur Experten, für die die Natur quasi das zweite Zuhause ist. Die intensive Beratung durch Profis, die schon einmal ein paar Stunden in Anspruch nehmen kann, hat natürlich ihren Preis. So liegen bei Globetrotter die Personalkosten mit rund 20 Prozent etwa doppelt so hoch wie bei der Konkurrenz. Andererseits können sich die Weltenbummler und Expeditions-Freaks über die Entwicklung ihres Umsatzes - im Gegensatz zu vielen anderen Einzelhändlern - auch nicht beklagen. Seit 1999 beispielsweise hat sich dieser von damals 60 Millionen Euro auf nunmehr 118 Millionen Euro fast verdoppelt. Das Credo des Unternehmens: keine Kompromisse. In die Läden kommen nur Artikel, die zuvor von den Verkäufern getestet und auf ihre Praxistauglichkeit hin geprüft wurden. "Wir haben einen Laden aufgebaut, in dem wir selbst für unsere Reisen kaufen würden", sagt Globetrotter-Mitbegründer Klaus Denart in einem Gespräch mit der Financial Times Deutschland. Authentizität pur!
"Beraten und verkauft", FTD 13.7.2006

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Peer-Learning: Wenn Manager "die Hosen runter lassen" 
Freitag, 21. Juli 2006 - Management
Immer nur das Alpha-Tier zu geben, ist nicht jedermans Sache. Die Mitglieder der Entrepreneurs Organization jedenfalls tun bei ihren internen Treffen genau das Gegenteil. Bei den Stammtischen sprechen die Firmeninhaber (Mindestjahresumsatz: eine Million Euro) offen über ihre Probleme im Tagesgeschäft und ihre persönliche Situation. Das so genannte Peer-Learning, bei dem die Anwesenden zu einem Erlebnisbericht eigene Erfahrungen beitragen, bietet ein Forum für den wechselseitigen Austausch auf Augenhöhe. Viele Führungskräfte schätzen an den Gesprächsforen die Möglichkeit, auch eigene Schwächen und Probleme diskutieren zu können, ohne sich dabei eine Blöse zu geben.
"Unter Unternehmern", FTD 18.7.2006

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die Musikbranche und die verlorene Authentizität 
Donnerstag, 20. Juli 2006 - Management
Die Musikbranche leidet nicht nur unter Raubkopierern, sondern krankt zunehmend an einem Verlust von Authentizität. Einerseits führt die Marktdominanz der vier großen Konzerne Sony BMG, Universal, EMI und Warner dazu, dass immer mehr Einheitsware den Markt überschwemmt und die Programme der Musiksender überflutet, während die erlesenen, eigenwilligen und besonderen Titel der unabhängigen Musiklabel gerade mal auf einen Marktanteil von 20 Prozent kommen - und sich bei MTV oder Viva kaum auf den am Mainstream und Massenmarkt orientierten Playlists finden. Andererseits führt die Marketingmaschinerie dieser Anbieter zudem dazu, dass immer weniger Musiker wirkliche Künstler sind und immer mehr Pseudo-Glamour die Szene beherrscht oder - drastischer ausgedrückt - Musikfans schlicht verarscht werden. So legte die die Süddeutsche Zeitung kürzlich auf ihrer Webseite jetzt.de offen, wie Label mit erfundenen Biographien der "Stars" die Käufer zu ködern versuchen - und welche Geringschätzung dabei den Kunden entgegengebracht wird. Die sind indes nicht so blöd, wie manche Plattenfirmen meinen und sind bereits kräftig dabei, in Form von Musikweblogs eine neue Subkultur zu schaffen. So beleuchtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in ihrer letzten Ausgabe, wie die Audioblogs zu den neuen "Trüffelschweinen" der Musikliebhaber werden - die Kunden selbst also damit beginnen, ihr eigenes Programm zu fahren. Der potenzielle Markt beginnt also damit, sich selbst zu versorgen - eine Aufgabe, die die Plattenfirmen auch selbst übernehmen könnten, würden sie nur das Bedürfnis der Hörer nach Authentizität überhaupt erkennen und ernst nehmen.
Wie bloß vermarktet man sehr junge R&B-Künstler? Ein geheimer Einblick!, jetzt.de 7.7.2006
"Die Jukebox der Pandora", FAS 16.7.2006

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter