Führungskräfte brauchen eine bessere Selbstwahrnehmung 
Mittwoch, 26. Juli 2006 - Studien
Die Lücke, die zwischen der Selbstwahrnehmung von Führungskräften und der Wahrnehmung durch ihre Mitarbeiter klafft, ist nicht zu unterschätzen. Manager halten gerne Eigenschaften wie Authentizität und Integrität hoch, schaffen es jedoch gleichzeitig häufig nicht, diese auch wirklich vorzuleben - so das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Harvest Consultancy, über die das Handelsblatt berichtet. So wird Durchsetzungsfähigkeit in den Augen der Mitarbeiter schon einmal als Ellbogen-Mentalität wahrgenommen. Einig sind sich die Experten, dass sich die neue Perspektive einer weicheren Führungskultur in den Unternehmen erst langsam durchsetzt. Weiche Faktoren wie Empathie und Vertrauen werden sich wohl nur in einem längerfristigen Prozess etablieren - der jedoch aus Sicht der Berater unabdingbar ist, da taktvolles Benehmen unmittelbaren Einfluss auf die Motivation der Mitarbeiter hat.
"Wie bin ich?", Handelsblatt 15.7.2006

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Deutsche Führungskräfte sind vertrauensvoll 
Dienstag, 25. Juli 2006 - Studien
Die deutschen Manager sind sehr vertrauensvoll - und werden mit dem Vertrauen ihrer Mitarbeiter belohnt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Akademie für Führungskräfte unter 350 Führungskräften. 82,2 Prozent der Befragten, die einer Führungskraft unterstellt sind, sprachen dieser das Vertrauen aus. Sogar 90,7 Prozent haben keinen Zweifel an der Integrität der ihnen unterstellten Mitarbeiter. Für 97,7 Prozent sind Mitarbeitergespräche ein wichtiger Baustein, um eine Vertrauenskultur im Unternehmen aufzubauen, gefolgt von Zielvereinbarungen (88,4 Prozent). Ein Leitbild, das Unternehmenswerte und Selbstverständnis festhält, ist für 82,8 Prozent der Befragten sehr wichtig - allerdings verfügen nur 67 Prozent der Unternehmen auch über ein solches. Die eigene Unsicherheit trägt in den Augen von 93,3 Prozent der Befragten dazu bei, dass Manager es bisweilen nicht schaffen, ihren Mitarbeitern zu vertrauen. Offene und stringente Kommunikation ist dagegen in den Augen der Befragten unerlässlich, um ein Vertrauensklima aufrecht zu erhalten.
Studie "Auf gut Glück" der Akademie für Führungskräfte

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Konservative Sozialsysteme zwischen Schutz und Begrenzung 
Mittwoch, 19. Juli 2006 - Studien
Unter Federführung des Bamberger Soziologie-Professors Hans-Peter Blossfeld fasst die länderübergreifende Studie "Globalife" die Auswirkungen von Globalisierungsprozessen in 18 OECD-Ländern zusammen. Der Wandel an den Weltmärkten beeinträchtigt der Studie zufolge gegenwärtig vor allem junge Arbeitnehmer, die zunehmend von befristeten Arbeitsverträgen, phasenweise niedrigem Verdienst oder qualitativ schlechter Arbeit betroffen seien. Wer im Arbeitsleben dagegen bereits Fuß gefasst habe, bleibe vom "Drive des Weltmarktes" bisher noch weitgehend verschont - jedenfalls in Ländern wie Deutschland, wo die Gewerkschaften eher stark sind und rechtliche Vorgaben wie der Kündigungsschutz einer entfesselten Hire-and-Fire-Dynamik noch entgegenwirken. Die Studie identifiziert verschiedene Ländercluster. Das deutsche System wird dabei als typisch "konservativ" eingestuft. Mit zentralisierten Lohnsystemen und relativ rigiden Arbeitsmarkt- und Bildungsregulierungen werde ein Beschäftigungssystem erzeugt, das jungen Menschen den Berufseinstieg erschwere und Insider - vor allem gut vernetzte und qualifizierte erwerbstätige Männer - begünstige, so ein Ergebnis der Studie. In "liberalen" Ländern wie England, Kanada und den USA sei der Arbeitsmarkt dagegen flexibler, dafür ist die Position der Arbeitnehmer aufgrund wesentlich lockerer Arbeitsmarktgesetze deutlich unsicherer. Einer der Vorteile laut Studie: Persönliche Ressourcen werden hier zum entscheidenden Erfolgskriterium. Die Schlüsse der Studie sind relativ zweischneidig. Einerseits bietet das konservative deutsche System Arbeitnehmern bei vergleichsweise hoher Regulierung, die sich auch einschränkend auf individuelle Chancen auswirken kann, immer weniger Sicherheit - wie die Massenentlassungen vor allem durch Konzerne hierzulande immer noch belegen. Andererseits fördert die "Freiheit" liberaler Systeme individuelle Chancen, verschärft aber zugleich den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt erheblich - und damit wiederum die individuelle Gefahr, auf der Verliererseite zu landen.
Pressemitteilung zur Studie "Globalife"

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Eigenes Business nicht immer eine Frage der Selbstverwirklichung 
Dienstag, 27. Juni 2006 - Studien
Trotz Anreizen wie Überbrückungsgeld oder Ich-AG ist Deutschland nach wie vor weit davon entfernt, zu einer Nation der Entrepreneure zu werden. Zwar stieg der Anteil der werdenden und neuen Unternehmer laut "Global Entrepreneurship Monitor 2005" auf 5,39 Prozent, doch ist das im internationalen Vergleich nicht unbedingt viel. Hier belegt Deutschland Rang 23 von 35 Ländern - wobei allerdings gerade in Schwellenländern aufgrund fehlender Alternativen die Gründerwerte besonders hoch liegen. Zum Vergleich: In Amerika macht sich bereits mehr als jeder zehnte Erwerbstätige (12,44 Prozent) selbstständig. In Deutschland ist es weniger ein Gründer-Spirit, sondern eher Not, die das Unternehmerdasein zur Option werden lässt. So gründen 46 Prozent der Neu-Unternehmer allein mit dem Motiv der Existenzsicherung, also aus Mangel an Alternativen wie einer Festanstellung. Nur 40 Prozent der Gründer geben dagegen Selbstverwirklichung und den Wunsch nach einem höheren Einkommen als Antriebsfaktor an.
Global Entrepreneurship Monitor 2005

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Jeder fünfte Selbstständige interessiert sich für Meditation 
Freitag, 9. Juni 2006 - Studien
Auf der Basis spiritueller und religiöser Einstellungen formiert sich eine neue Gegenkraft zu einem vielerorts kritisierten Heuschrecken-Kapitalismus, so die Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Düsseldorfer Identity Foundation in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim zum Thema „Spiritualität in Deutschland“. Vor allem unter den Selbstständigen ist die spirituelle Haltung gegenüber Lebens- und Berufsfragen sehr stark ausgeprägt. Bereits jeder fünfte selbstständige Unternehmer bzw. Freiberufler interessiert sich für Meditation, Kontemplation oder Zen. 45 Prozent aller Befragten finden, Deutschland brauche wieder mehr religiöse Werte, jeder Dritte wünscht sich eine stärkere Bedeutung christlicher Überzeugungen in der Wirtschaft und knapp 22 Prozent glauben, Religion fördere den beruflichen Erfolg.

Das aufkeimende spirituelle Interesse hängt sicherlich auch mit den großen Anforderungen einer immer unberechenbarer werdenden Arbeits- und Wirtschaftswelt zusammen. Für 11,2 Prozent der Befragten ist Spiritualität ein Gegenmittel bei Stress und Hektik, 6,7 Prozent fühlen sich durch spirituelle Praxis im Alltag leistungsfähiger. Damit stärkt die persönliche Beschäftigung mit übergeordneten Werten auch die individuellen Chancen im Beruf.

Die Studie erkennt im Spannungsfeld zwischen Spiritualität und Berufsleben folgende vier Typologien:

Spirituelle Sinnsucher (ca. 10-15 Prozent der Bevölkerung)
Sie speisen ihren Sinnbezug aus Fragmenten des Humanismus, der Anthroposophie, Mystik und Esoterik. Ihre Suche ist getrieben von dem Wunsch, die eigene Berufung und innere Mitte zu finden. Sie interessieren sich für spirituelle Praktiken wie Yoga,
Chi Gong und Meditation, aber auch für ausgefallene Disziplinen wie Trancereisen, Schamanismus oder Karten legen. Charakteristische Statements: Der Kosmos wird vom Sinn in sich, einem höheren Wesen oder von einem unpersönlichen „Spirit“ zusammengehalten.
Relevanz im Business: Die Sinnsucher finden sich vor allem unter den selbstständigen Unternehmern und Freiberuflern. Sie organisieren sich in Netzwerken, die das Anliegen verfolgen, spirituelle Perspektiven mit wirtschaftlichem Erfolg zu verbinden.

Religiös Kreative (ca. 35 Prozent der Bevölkerung)
Sie gehören zu den großen Glaubensgemeinschaften, grenzen sich jedoch in ihren Überzeugungen bewusst von christlichen Lehrmeinungen ab und entwickeln ihre religiösen Auffassungen durch eine Erweiterung des traditionellen Gedankenguts um philosophische und humanistische Ideen. Dazu nehmen sie unbekümmert
Anregungen aus den verschiedenen Weltreligionen mit auf. Charakteristische Statements: Ich glaube an einen Gott, aber nicht, wie das Christentum ihn predigt. Meiner Meinung ist Gott nichts anderes als das Wertvolle im Menschen.
Relevanz im Business: Die Religiös Kreativen vertreten in der Führung ein ganzheitliches Menschenbild und betrachten Mitarbeiter als Stakeholder. Sie sind Vorreiter einer Corporate Social Responsibility und engagieren sich in Businessinitiativen für mehr Ethik in der Wirtschaft.

Traditions-Christen (ca. zehn Prozent der Bevölkerung)
Sie finden Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Beschaffenheit des Seins in Religion und Glauben in enger Anbindung an die Kirchen. Religiöse Rituale geben ihrem Alltag Struktur, sie haben im Laufe ihres Lebens ihren Glauben vertieft und intensiviert und wünschen sich einen stärkeren Gottesbezug im öffentlichen Leben. Charakteristisches Statement: Ich glaube an einen persönlichen Gott, zu dem ich z.B. über das Gebet in Kontakt treten kann.
Relevanz im Business: Die Traditions-Christen sind vor allem in christlichen Unternehmerverbänden organisiert und agieren als wohlmeinende Patriarchen mit einem Konzept aus fordern und fördern. Sie pflegen einen beständigen Wertekonservativismus.

Unbekümmerte Alltags-Pragmatiker (ca. 40 Prozent der Bevölkerung)
Sie sind vor allem an der eigenen Zufriedenheit und wirtschaftlichen Lage interessiert. Die gelegentlich aufkeimende Sinnfrage lösen sie über ihr Engagement im Beruf und über familiäre und freundschaftliche Beziehungen. Jeder Zweite von ihnen bezeichnet sich sogar als überzeugten Atheisten. Zu den Erfahrungen, in denen das eigene Ich zurück tritt, gehören für sie vor allem zu lieben und geliebt zu werden, lustvoller Konsum und erfüllte Sexualität. Charakteristische Statements: Der Sinn des Lebens ist, dass man versucht, für sich das Beste herauszuholen. Der Mensch ist allein ein Produkt der Naturgesetze.
Relevanz im Business: Sie wollen Erfolg haben und das möglichst schnell. Da ihnen die eigene Karriere wichtiger ist als eine unternehmerische Vision, haben sie eine geringe Bindung gegenüber ihrem Arbeitgeber. Sehen sie keine Aufstiegschancen, wechseln sie das Unternehmen oder flüchten in die innere Kündigung.


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