Millionäre wollen aktive Solidarität 
Dienstag, 13. Juli 2010 - Management
Die Zeit berichtet über eine spannende Initiative des Millionärs Dieter Lehmkuhl, der sich dafür einsetzt, dass die Reichen in Deutschland einen stärkeren finanziellen Beitrag leisten. Gemeinsam mit rund 20 Gleichgesinnten hat er mit dem "Appell Vermögensabgabe" ein Paket entwickelt, das den Staatsfinanzen zugute kommen und die Solidarität der Vermögenden mit den weniger Vermögenden stärken soll. Lehmkuhl und seine Mitstreiter plädieren dafür, dass Menschen mit einem Gesamtvermögen von mehr als 500.000 Euro zwei Jahre lang fünf Prozent davon an den Staat abgeben sollen - das brächte allein 100 Milliarden Euro für die Staatskasse. Danach wünschen sich die Initiatoren die Einführung einer Vermögenssteuer von einem Prozent, die 2,2 Millionen Deutsche zahlen müssten. Lehmkuhls Bekenntnis ist klar und prägnant: "Wir Reichen haben mehr als genug und müssen der Gemeinschaft etwas abgeben." Der engagierte Millionär empfindet Deutschland als Steueroase und erklärt, dass sich in den letzten zehn Jahren seine Einnahmen aus Kapitalanlagen mehr als verdoppelt hätten, während er heute nur noch halb so viel Steuern zahle wie seinerzeit. Sein Fazit: Nicht die reiche Oberschicht, sondern vor allem die Mittelschicht werde heute verstärkt zur Kasse gebeten. Lehmkuhl will mit seiner Initiative die wachsende gesellschaftliche Spaltung reduzieren und hält dabei wenig davon, bei entsprechenden Versuchen allein auf freiwilliges Engagement zu setzen: "Wenn wir uns nur auf private Spender verlassen, leben wir wieder in einer Welt, in der Kultur und Soziales nur nach Gutsherrenart finanziert werden."
Das 100-Milliarden-Euro-Geschenk, Die Zeit 1.7.10

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Talent lässt sich entwickeln 
Dienstag, 29. Juni 2010 - Management
Die Wirtschaftswoche geht in einem Artikel der Frage nach, was besonders talentierte Menschen auszeichnet und welche Fähigkeiten überdurchschnittliche Menschen zum Erfolg führen. Als besonders wichtige Persönlichkeitsmerkmale haben Forscher bereits vor einigen Jahrzehnten Neugier, Offenheit und Gewissenhaftigkeit ausgemacht. Diese Erkenntnisse decken sich mit neueren Forschungen, die den persönlichen "Biss" als Basis für Höchstleistungen ausmachen. Kinder, die erfolgreicher als andere an einem Buchstabierwettbewerb teilnahmen, zeichneten sich beispielsweise durch ihr Durchhaltevermögen aus - sie übten schlicht länger als die schlechtere Konkurrenz. Auch die Fähigkeit zur Selbstdisziplin gilt als Garant für spätere Erfolge. So wurden in einer Studie Kinder dem so genannten Marshmallow-Test unterzogen - sie konnten entweder sofort die Süßigkeit bekommen oder - nach einer Wartezeit von 15 Minuten - mit der doppelten Zuteilung rechnen. Bei Folgeuntersuchungen nach zehn Jahren zeigte sich, dass die Kinder, die in jungen Jahren ihre Gier im Zaum halten konnten, später erfolgreicher waren. Kinder für ihre Klugheit zu loben, kann hingegen als Schuss nach hinten losgehen, wie eine weitere Studie zeigt, denn wer allein für seine Intelligenz gelobt wird, traut sich weniger zu. Lob für Anstrengungen - auch wenn sie nicht immer zum Erfolg führen, führt andererseits zu größerer Ausdauer und Geduld, was wiederum langfristig die Erfolgschancen steigert. Unter dem Strich verliert der Mythos der Überflieger viel von seinem Glanz, lässt er sich doch letztlich auf eher klassische Tugenden zurückführen, die eigentlich jeder kultivieren kann: Disziplin, Ausdauer, Fleiß.
Das Geheimnis der Überflieger, WiWo 21.6.10

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Das Tun folgt dem Bewusstsein 
Montag, 28. Juni 2010 - Management
In einem Interview mit dem Magazin Forum Nachhaltig Wirtschaften spricht der Management-Berater Dr. Friedrich Assländer über spirituelle Perspektiven (in) der Wirtschaft. Assländer sieht einerseits eine wachsende Offenheit für die Thematik, aber zugleich auch einen Backlash der Gegenorientierungen: "Wir haben eine Gruppe von Verantwortlichen, v.a. aus mittelständischen Betrieben, die eine ganz klare Werteorientierung und auch spirituelle Orientierung hat und der es um gelebte Nachhaltigkeit geht. Ich sehe aber umgekehrt auch eine zunehmende Polarisierung, beispielsweise, wenn wir uns die Finanzmärkte ansehen die den Bezug zur Wirklichkeit verloren haben." Assländer plädiert für ein wacheres Bewusstsein und mehr wechselseitige Verbindlichkeit im Geschäfts- und Berufsleben: "Der Kern ist immer das Bewusstsein. Unser Tun folgt unserem Bewusstsein. Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir das Bewusstsein verändern. Ich denke es geht darum zu entdecken, dass wir ein Teil einer größeren Wirklichkeit sind. Es gibt kein Leben, keine Existenz unabhängig, getrennt vom Leben Anderer. Die klare Aussage aller spirituellen Wege und Traditionen, dass alles mit allem verbunden ist, das muss immer mehr ins Bewusstsein der Allgemeinheit rücken. Das Leiden des Anderen ist letztendlich auch mein Leiden und wird irgendwann wieder zu mir zurückkommen. Und wenn ich das Leiden des Anderen lindere, dann lindere ich letztendlich auch mein eigenes Leiden."
Wege zum Wesentlichen, FNW 21.6.10

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Der Paradigmenwechsel braucht seine Zeit 
Donnerstag, 24. Juni 2010 - Management
Im Interview mit Forum Nachhaltig Wirtschaften spricht der bekannte Kommunikationsexperte, Zen-Lehrer und Management-Coach über den sich abzeichnenden Paradigmenwechsel im Business. Kohtes erkennt in der Wirtschaft, wenn auch noch verhalten, durchaus ein neues Selbstverständnis: "In dem Moment, als das Handelsblatt zum ersten Mal das Wort "Meditation" erwähnte, vor etwa acht bis zehn Jahren, war dann das Tabu gebrochen. Es ist zwar noch immer ein schwieriges Thema, aber inzwischen hat sich auch bei Spitzenmanagern ein latentes Bewusstsein dafür entwickelt. Das Dilemma ist, dass dieses Bewusstsein zwar wächst, aber die Bereitschaft, wirklich einen Übungsweg einzuschlagen, dennoch extrem gering ist. Und wenn die Menschen einen Weg nach Innen gehen, dann beschränkt sich das zumeist auf den privaten Bereich. Diese Praxis ist eben noch fast nirgends institutionalisiert. Es gibt zwar da und dort Räume der Stille, wie beispielsweise die private Initiative zur Zen-Praxis in der Deutschen Bank, aber bezogen auf die Gesamtheit der Wirtschaft sind das alles noch Einzelfälle." Obwohl größere Veränderungen auf der System also noch auf sich warten lassen, gibt der Management-Berater sich dennoch optimistisch: "Wir müssen nüchtern sehen, dass unser wirtschaftliches System, das auf der einen Seite so unglaublich marode ist, auf der anderen Seite unglaublich erfolgreich ist. Es ist ja nicht so, dass wir sagen können: Meditiere und dann wirst du erfolgreich. Sondern bislang ist es ja eher so, dass jemand, der sich nicht so sehr mit der eigenen Achtsamkeit beschäftigt, in unserem System zunächst einmal als der Erfolgreichere erscheint. Erst langfristig kehrt sich das um. Dann zeigt sich, dass Achtsamkeit und persönliche Sensibilität zu dauerhaftem Erfolg und zu einer tieferen Lebensqualität führen."
zen@work - vom langsamen Bewusstseinswandel in der Wirtschaft, FNW 16.6.10

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Wie das Gehirn die Führungsqualitäten bestimmt 
Donnerstag, 17. Juni 2010 - Management
In einem Beitrag der Financial Times Deutschland erklärt die Beraterin Silke Wöhrmann, welchen Einfluss Gehirnstrukturen auf die Führungsqualitäten von Managern haben. Die Biostrukturanalyse zeigt, welche Gehirnareale ein Mensch im Hinblick auf sein Verhalten am Häufigsten mobilisiert. Zentral sind Stammhirn, Zwischenhirn und Großhirn - und jedem Gehirnareal entsprechen besondere Fähigkeiten. Beziehungsmenschen etwa zeichnen sich durch eine Dominanz des Stammhirns aus - sie sind anderen gegenüber und gehen gerne auf sie zu, pflegen ihre Kontakte und arbeiten eher intuitiv. Bei den Dynamikern reagiert vor allem das Zwischenhirn - sie sind entscheidungsfreudig und innovativ, können sich gut durchsetzen und blühen im Wettbewerb auf. Beim typischen Analytiker spielt das Großhirn seine Qualitäten aus - sie sind gut im Planen und Analysieren, sind zukunftsorientiert und gehen sehr planvoll an ihre Arbeit. Viele Menschen zeichnen sich durch eine dieser Qualitäten besonders aus, bei einigen zeigen sich auch Mischformen. "Die Biostrukturanalyse nlegt offen, wo liegen die Stärken des Einzelnen? Wo hat er Potenzial, wo liegen Begrenzungen? Die Antworten auf diese Fragen helfen, sich besser einzuschätzen. Die Ausprägung lässt sich nicht ändern, aber man kann erkennen, wie man besser mit seinem Umfeld umgeht", so Wöhrmann. Eine Perspektive wie diese legt nahe, nicht nach einheitlichen Führungskriterien zu suchen, sondern sich eher auf die strukturell im Gehirn der Führungskräfte angelegten Qualitäten zu konzentrieren.
Welchen Teil des Gehirns nutzt Ihr Chef? FTD 3.6.10

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Skepsis gegenüber Wachstumsprämissen wächst 
Montag, 14. Juni 2010 - Management
Stillstand bedeutet Rückschritt, so die These vieler Wachstumsverfechter, die wirtschaftliche Prosperität allein an steigendem Konsum, höherem BIP oder höheren Umsätzen festmachen. Schon 1972 wies der Club of Rome darauf hin, dass permanentes Wachstum womöglich seine Grenzen haben könnte. Im wirtschaftskritischen Lager ist diese These seit Jahrzehnten ein Gemeingut. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zeigt nun in einem Übersichtsbeitrag, dass die Zahl der Wachstumskritiker aus dem bürgerlich-akademischen Lager wächst und nicht nur Attac-Sympathisanten oder Vertreter des linken Lagers ähnliche Befürchtungen hegen. Der frühere bayerische Landtagspräsident Alois Glück (CSU) beispielsweise lieferte mit seinem Buch "Warum wir uns ändern müssen" einen Entwurf für eine qualitativ ausgerichtete ökosoziale Marktwirtschaft. Die Duisburger Politologin Ute Klammer mahnt an, gesellschaftliche Perspektiven zu entwickeln, die sich nicht auf Wachstum berufen. Und der ehemalige CDU-Generalsekretär und sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf wirft die Frage auf, wie sich die Demokratie ohne Wachstumsversprechen in Zukunft ausgestalten lässt. In der Wissenschaft und auf dem Buchmarkt gärt es also, doch finden diese Impulse in der aktuellen Politik noch wenig Resonanz. Hier wird eher so getan, als ginge nach der Krise (wann immer das sein wird) alles weiter wie bisher.
Die Zweifel am Wachstum wachsen, FAZ 7.6.10

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Den Kapitalismus in Frage stellen? 
Dienstag, 1. Juni 2010 - Management
Der frühere Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer reflektiert im Interview mit der Zeit über die Wirtschaftskrise und die Rolle der Banken - teilweise durchaus selbstkritisch, aber stellenweise auch aalglatt. "Ist unser angloamerikanisches Kapitalismusmodell überhaupt noch zeitgemäß? Vielleicht haben wir uns zu sehr auf Aktionärsinteressen fokussiert und dabei die Gesellschaft vergessen. Da ist etwas aus den Fugen geraten, und die Menschen spüren das", so Breuer. Einst Verfechter hoher Renditen, wird Breuer im Tonfall nun moderater: "Ich würde hohe Renditen nicht als strategisches Primärziel definieren. Die Stabilität unserer Banken ist wichtig für die Gesellschaft. Wir dürfen nicht wieder in ein Desaster geraten, in dem die Gesellschaft für den Schaden zahlt." Zum großen Banken-Desaster sagt er: "Es war alles legal. Aber deswegen war es noch nicht richtig." Andererseits geht Breuers Selbst- und Systemkritik dann doch nicht so weit, das Bankenwesen in seiner heutigen Form grundsätzlich in Frage zu stellen. So sagt er etwa auch: "Eine Bank kann kein Wasserwerk sein, wo das Geld ankommt und nur weitergeleitet wird wie Trinkwasser." Oder: "Banken müssen mehr tun, als das Geld ihrer Kunden auf Sparkonten zu verzinsen und es zu einem höheren Zins an andere zu verleihen. Manche sehen den Fehler darin, dass wir mehr Geld verleihen, als wir eigentlich haben. Aber indem wir das tun, erzeugen wir einen Wachstumsimpuls für die gesamte Wirtschaft." Unter dem Strich soll also eigentlich alles so bleiben, wie es ist.
"Wir sind der Prügelknabe", Die Zeit 20.4.10

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Interesse am Menschen und konstruktive Unzufriedenheit 
Mittwoch, 26. Mai 2010 - Management
Was macht gute Unternehmer aus? Eine Frage, der Götz Werner, Gründer der Drogeriekette dm, als Professor an der Universität Karlsruhe nachgeht, wo er am Institut für Entrepreneurship lehrt. Werners Vorstellung, welches Rüstzeug zukunftsfähige Unternehmer brauchen, ist prägnant: "Ein Unternehmer braucht Interesse an den Menschen. Er gestaltet aber auch die Welt, also braucht er ein Weltinteresse. Das Dritte ist konstruktive Unzufriedenheit, um Chancen für Verbesserung und Veränderung zu erkennen." Aus Sicht des Anthroposophen ist es wichtig, dass Unternehmer zuerst einmal im eigenen Leben einen roten Faden finden und ihre Biografie gestalten wollen, denn: "Wenn sie nicht einmal wissen, wie sie ihr eigenes Leben unternehmen, wie wollen sie etwas für andere unternehmen?" Unerlässlich ist dabei aus Werners Sicht eine gute Portion Neugier und Unvoreingenommenheit: "Gehe ich mit einem fragenden Bewusstsein durch die Welt, oder sage ich mir, ich kann alles, ich weiß alles? Das Leben mit offenen Fragestellungen fällt vielen Menschen nicht leicht, aber es macht empfänglich für Evidenz-Erlebnisse. Antworten machen hingegen immer gleich alles klar, und dann geht es nicht mehr weiter."
Wach geküsst, Die Zeit 12.5.10

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