Hohe Arbeitsdichte führt zu Depressionen 
Freitag, 23. Juli 2010 - Studien
Die Arbeitsdichte ist ein wesentlicher Faktor, ob Arbeitnehmer verstärkt zu depressiven Erkrankungen neigen, so das Ergebnis einer Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Gängige Studien gehen seit längerem von diesem Zusammenhang aus. Ihr Manko: Die Befragten beurteilen zumeist sowohl ihre Arbeitsbedingungen als auch ihren Gesundheitszustand. Dieses Setting erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Befragten einen Zusammenhang zwischen beiden Aspekten herstellen. Zudem kann eine bereits vorhandene depressive Verstimmung dazu führen, dass die eigene Wahrnehmung dadurch beeinflusst wird und man die eigene Arbeitssituation entsprechend einschätzt. Um Verzerrungen wie diese zu beseitigen, wurden in der BAuA-Studie die Arbeitsbedingungen unabhängig und objektiv bewertet. Depressionen wurden anhand des standardisierten klinischen Interviews und depressive Verstimmungen mittels eines Screening-Verfahrens diagnostiziert. Die Untersuchung der 517 Beschäftigten aus drei Branchen (Banken und Versicherungen, Gesundheitswesen, Öffentlicher Dienst) zeigt, dass die objektiv bewertete Arbeitsintensität tatsächlich einen Einfluss auf das Auftreten von Depressionen hat, der subjektiv bewertete Tätigkeitsspielraum hingegen nicht. Je höher die objektive Arbeitsbelastung, umso häufiger treten unter den Beschäftigten sowohl Depressionen als auch depressive Verstimmungen auf.
BAuA-Studie, 14.7.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Durchbruch für weibliche Führungskräfte? 
Donnerstag, 22. Juli 2010 - Studien
Der Frauenanteil in Führungspositionen stagniert. So zeigt der Führungskräfte-Monitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, dass dieser seit drei Jahren unverändert bei 27 Prozent liegt, obwohl die Frauenquote unter den Beschäftigten insgesamt bei rund 50 Prozent liegt. In den Vorständen der 200 größten Unternehmen sind zu 97 Prozent Männer am Zuge. Ein weiterer Punkt: Frauen in Führungspositionen verdienen rund 28 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Studienautorin Elke Holst sieht dennoch eine gewisse Aufbruchstimmung. Einerseits wachse der politische Druck auf die Unternehmen, Frauen stärker in verantwortlichen Positionen zu berücksichtigen. Neue Vorstandsfrauen bei Siemens, SAP und EON hätten zudem Signalwirkung, ebenso die Ankündigung der Telekom, bis Ende 2015 die Führungspositionen im eigenen Unternehmen zu 30 Prozent mit Frauen besetzen zu wollen. Holst geht davon aus, dass Vorgaben - durch die Politik bzw. die Unternehmensleitung - hier einen Wandel in Gang setzen könnten. Ohne Direktiven bleibe hingegen erwartungsgemäß alles, wie es ist.
Ein Schritt vor, zwei zurück, SZ 15.7.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Subjektive Perspektiven der Lohngerechtigkeit 
Mittwoch, 21. Juli 2010 - Studien
Eine Studie der Universitäten Konstanz und Bielefeld geht der Frage nach, welche Faktoren bei der Bewertung von Einkommensunterschieden eine Rolle spielen. Befragt wurden 1.600 Personen. Gut 90 Prozent der Studienteilnehmer empfanden dabei die Unterschiede zwischen den Einkommen als zu groß oder sogar als viel zu groß. Gut 80 Prozent gehen davon aus, dass diese Unterschiede in den kommenden zehn Jahren noch steigen werden. Je nach Berufsgruppe zwischen 27 Prozent (Arbeiter) und 38 Prozent (Beamte) empfinden ihr Bruttoeinkommen als gerecht. Der Anteil derer, die ihr Einkommen ungerechterweise als zu niedrig einstufen, liegt zwischen 60 Prozent (Beamte) und 71,5 Prozent (Arbeiter), unter den Selbstständigen sind 68,5 Prozent dieser Ansicht, unter den Angestellten 64,4 Prozent. Die wichtigsten Kriterien für die Festsetzung eines gerechten Einkommens sind laut Ansicht der Befragten Leistung, berufliche Erfahrung, Ausbildung, Beruf und Betriebszugehörigkeit. Sollen die Befragten hingegen konkrete Einkommensfälle beurteilen, bei denen ihnen die Lebensumstände und beruflichen Rahmenbedingungen der Beispielpersonen bekannt sind, bildet der Faktor Beruf das wichtigste Kriterium für die Einschätzung, ob Einkommen gerecht sind oder nicht. Hier zeigt sich, dass vor allem angesehenen Berufen ein höheres Einkommen zugebilligt wird. Bericht zur Studie Einkommensgerechtigkeit in Deutschland, Mai 2010

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die Selbsttäuschung der "Linken" 
Dienstag, 20. Juli 2010 - Studien
Jung + gebildet = links? Die politische Gleichung, nach der man - zumindest in früheren Zeiten - die politische Haltung von Menschen relativ zuverlässig bestimmen konnte, scheint in der Postmoderne an Plausibilität zu verlieren. Zwar glauben immer noch viele Junge und Gebildete, dass sie eher links denken, eine Studie zeigt jedoch, dass sie vielfach viel konservativer sind, als sie selbst glauben. So wertete der Ökonom James Rockey von der University Lancester die weltweite Umfrage World Value Survey aus, für die durchschnittlich 1.500 Menschen in 84 Ländern über die Jahre 1981 bis 2008 nach ihren Werten befragt wurden. Aus den Datensätzen der insgesamt mehr als 280.000 Befragten griff der Forscher vor allem die Haltung zu Einkommensunterschieden heraus. Als eher links wertete Rockey die Einstellung, Einkommen sollten gleicher gemacht werden, als eher konservativ die Meinung, dass Einkommensunterschiede als Anreiz notwendig seien. Dieses Item vergleich er mit Geschlecht, Alter, Ausbildung, Einkommen, Familienstand und Beschäftigung der Befragten. Das Ergebnis: Menschen mit besserer Ausbildung ordnen sich eher dem linken Spektrum zu, neigen aber gleichzeitig dazu, Einkommensunterschiede zu befürworten. Diesen vordergründigen Widerspruch macht der Ökonom daran fest, dass viele besser Gebildeten sich häufig auf frühere Haltungen, die sie beispielsweise als Studenten hatten, beziehen, und nicht merken, dass sie diese im Laufe ihres Lebens verändern. Studenten verortet der Forscher übrigens ideologisch im Mainstream.
Wer sich selbst als Linker sieht, ist das oft nicht, Telepolis 17.7.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Rekordstress plättet Arbeitnehmer zusehends 
Mittwoch, 14. Juli 2010 - Studien
Seit zwei bis drei Jahren haben Studien Hochkonjunktur, die die verheerenden Auswirkungen des wachsenden Stress in der Arbeitswelt dokumentieren. Eine neue Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK meldet nun neue Rekordwerte. Ausgewertet wurden die Krankheitsdaten von 9,7 Millionen erwerbsfähigen AOK-Mitgliedern. Das nüchterne Ergebnis: Seelische Störungen sind heute bereits die vierthäufigste Krankheitsursache. 2009 waren sie Ursache für 8,6 Prozent der Krankheitstage. In den vergangenen zwölf Jahren stiegen die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen um fast 80 Prozent an. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass Depressionen und seelische Störungen einen jährlichen wirtschaftlichen Schaden von 26,7 Milliarden Euro mit sich bringen. Hinzu kommt, dass sie inzwischen die Ursache für jede dritte Frühverrentung darstellen.
Der Stress haut Arbeitnehmer um, SZ 9.7.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Frauen sind genügsam 
Montag, 12. Juli 2010 - Studien
Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass die im Vergleich zu Männern niedrigeren Gehälter von Frauen nicht alleine systembedingt sind, sondern zum Teil auch die Selbsteinschätzung und den Erwartungshorizont von Frauen im Arbeitsleben widerspiegeln. Die Studie belegt: Je nach Berufsgruppe verdienen Frauen zwischen 16 und 20 Prozent weniger als Männer - und sie halten dies sogar für gerecht. Die Ökonomen führen die Tatsache, dass die Ansprüche von Frauen an ihr Gehalt tendenziell niedriger sind als die der Männer darauf zurück, dass Frauen sich häufig in Einkommensfragen mit anderen Frauen vergleichen und so ihr Bild einer gerechten Entlohnung entwickeln. Gerade in typischen Frauenberufen ist das Lohnniveau jedoch tendenziell niedriger als in Branchen, in denen Männer stark präsent sind. So wird erklärbar, warum Frauen sich in Gehaltsverhandlungen häufig bei gleicher Qualifikation mit weniger Gehalt zufrieden geben als Männer. Die Forscher empfehlen deshalb mehr Transparenz der Entlohnungssysteme im Hinblick auf die Einkommensverteilung der Geschlechter.
Studie: Frauen fordern weniger Geld, FAZ 7.7.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Online einsam 
Donnerstag, 8. Juli 2010 - Studien
Eine Studie der University of South Carolina zeigt, dass häufige Internetaktivitäten mit größerer Einsamkeit und weniger Lebenszufriedenheit einhergehen. Die Forscher hatten 13.000 Menschen in den Jahren 2004 und 2005 untersucht, 754 davon in beiden Jahren. Es zeigte sich, dass diejenigen, die vergleichsweise viel Zeit online verbrachten, sich einsamer fühlten und eine geringere Lebenszufriedenheit aufwiesen als jene, die seltener online waren. Stieg die virtuell verbrachte Zeit an, erhöhte sich auch die subjektive Einsamkeit und die Lebenszufriedenheit sank weiter. Die Wissenschaftler wissen nicht, ob das Gefühl der Einsamkeit die Menschen zum Versuch einer virtuellen Kompensation animiere oder ob sie eher einsam sind, weil sie so viel Zeit online verbringen. Die Einbeziehung der Zeit, die mit Familie und Freunden verbracht wurde, in die Studie löste jedenfalls die Beziehungen zwischen Einsamkeit und Online-Nutzung nicht. Interessant wäre es sicherlich, einen vergleichbaren Test einmal in der Arbeitswelt durchzuführen und zu eruieren, wie sich die zunehmende Virtualisierung von Arbeitsprozessen auf die Beziehungen mit Mitarbeitern, Kunden etc. auswirkt.
Ich bin online, also bin ich einsam, Psychologie heute 8.4.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Konkurrenzverhalten entwickelt sich in der Kindheit 
Mittwoch, 7. Juli 2010 - Studien
Wenn Männer und Frauen im Berufsleben ein unterschiedliches Konkurrenzverhalten an den Tag legen, wurden die Wurzeln dafür zumeist schon in der Kindheit gelegt. Eine Untersuchung der Universität Innsbruck und des Bonner Instituts zur Zukunft illustriert, dass Jungen und Mädchen schon in frühen Lebensjahren eine unterschiedliche Haltung zum Thema Konkurrenz und Wettbewerb entwickelt haben. Bei der Studie wurden insgesamt 1.000 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 3 und 18 Jahren einbezogen, die in den Tests Rechenaufgaben lösen oder Wettrennen laufen sollten, wobei ihnen für ihre Leistung Geldgewinne winkten. Zusätzlich hatten sie die Wahl, darüber hinaus gegen Gleichaltrige anzutreten, um ihren Gewinn weiter zu erhöhen. In ihren Leistungen lagen Jungen und Mädchen gleichauf, doch die Möglichkeit des zusätzlichen Wettkamps nutzten lediglich 19 Prozent der Mädchen, während es bei den Jungen 40 Prozent waren. Die Forscher ziehen aus den Ergebnissen den Schluss, dass die Wurzeln für die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern in ihrem unterschiedlichen Wettbewerbsverhalten liegen könnten und erwägen, dass eine frühere Förderung des Wettbewerbsverhaltens von Frauen später der Chancengleichheit im Beruf zugute kommen könnte. Umgekehrt könnte man aber auch zu dem Schluss kommen, dass es vielleicht dienlich wäre, Jungen und Männer verstärkt mit den Vorteilen der Kooperationsfähigkeit vertraut zu machen, denn in ihren Schlussfolgerungen folgt die Studie wieder einmal einer ausschließlich männlichen Wahrnehmungsperspektive.
Schon als Kinder konkurrenzschau, SZ 30.6.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter