Hirndoping zwischen Wunsch und Wirklichkeit 
Montag, 19. Juli 2010 - Wissenschaft
Das Thema Hirndoping ist seit einigen Monaten schwer en vogue und immer mehr Wissenschaftler gehen der Frage nach, ob und wie sich mit Medikamenten die Leistungsfähigkeit steigern lässt. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, und Thomoas Metzinger, Philosoph an der gleichen Universität, untersuchen im Rahmen eines Forschungsprojektes mit Fachleuten verschiedener Disziplinen, wie es um die Optimierungsmöglichkeiten für das Gehirn bestellt ist. Die Ergebnisse der Forscher sind ernüchternd. Metzinger räumt ein, dass der allgemeine Hype um das Thema natürlich bestimmte Zielgruppen zum experimentieren anregt, kann in Deutschland jedoch keine mit Amerika vergleichbare Enhancement-Epidemie feststellen. Das Problem aller medikamentöser Optimierungsstrategien sind nach wie vor die unkalkulierbaren Risiken. So weist Lieb darauf hin, dass beispielsweise eine gesteigerte Dopamin-Wirkung zwar für den Moment wacher und aktiver mache, aber auch die Fähigkeit, aggressive Impulse zu kontrollieren, beeinträchtige. Selbstüberschätzung und eine ungesunde Risikofreude könnten ebenfalls die Folge der Gehirnstimulierung sein. Dazu die FAZ: "Unberechenbare Energiemaschinen, die von Manien getrieben jeden Moment ausrasten können, sind für die Arbeitswelt kein Zuckerschlecken." Lieb richtet das Augenmerk auch darauf, dass die vielbeschworene Kreativität, die vermeintlich durch solche Maßnahmen gesteigert werde, vielfach gerade nicht durch eine erzwungene Fokussierung entstehe, sondern eher durch "ein gewisses Maß an Ablenkbarkeit durch eigene unsortierte Gedanken" gekennzeichnet sei. In diesem Zusammenhang führt die FAZ ein von verschiedenen Forschern bereits angeführtes "technisches Missverständnis von Lebensführung" an: "Denn beim Hirndoping gehe es um die Optimierung von zielführenden Prozessen dergestalt, dass die Befragung der Ziele selbst aus dem Blickfeld gerät. Mit der Tendenz, soziale Probleme zu medikalisieren statt sie mit politischen Instrumenten lösen zu wollen." Gegenwärtig sieht es also eher so aus, als würde die Idee des Hirndopings weniger menschliche Fähigkeiten fördern, als vielmehr untergraben, denn Kritikfähigkeit, aber auch die Fähigkeit, Misserfolge zu ertragen und an ihnen zu wachsen, tragen letztlich dazu bei, dass wir die sind, die wir sind - mit allen Schwächen, aber eben auch den aus vermeintlichen Irrwegen oder Fehlschlägen resultierenden Stärken.
Was ist dran am Hirndoping? FAZ, 12.7.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Meditation zähmt die Gefühle 
Freitag, 11. Juni 2010 - Wissenschaft
Der Tagesspiegel stellt in einem Beitrag neueste Forschungsergebnisse zum Thema Meditation vor. So kommt darin der Psychologe Dr. Ulrich Ott zu Wort, der am Bender Institute of Neuroimaging an der Universität Gießen die Auswirkungen von Meditation auf das Gehirn erforscht. Ott betrachtet Meditation als Geistesschulung, die es ermöglicht, den eigenen Körper besser wahrzunehmen, seine Konzentration zu schärfen und gelassener auf Empfindungen zu reagieren. Seine Studien zeigen: "Parallel zu dem psychischen Erleben gibt es Veränderungen im Gehirn." Die mit der Meditation verbundene bessere Fokussierung der Aufmerksamkeit zeigt an deutlich höherer Aktivität im anterioren cingulären Cortex, dem Hirnareal, dem eine wichtige Rolle bei der Aufmerksamkeitssteuerung zugeschrieben wird. Auch die Struktur des Gehirns, das Volumen und die Dichte verändern sich durch Meditation. "Ott konnte bei erfahrenen Meditierenden einen vergrößerten Inselcortex feststellen. In diesem Bereich der Großhirnrinde werden chemische oder physische Signale aus unserem Körper empfangen und in Emotionen wie Liebe, Hass, Verlangen, Abneigung oder Schmerz umgesetzt. Wenn wir den Inselcortex trainieren, sollten wir also auch Kontrolle über unsere Emotionen gewinnen", so der Tagesspiegel. Unter dem Strich: Meditieren lohnt sich.
Die Bändigung der Gefühle, Tagesspiegel 30.5.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Meditation - weniger Stress, bessere Denkfähigkeit 
Mittwoch, 9. Juni 2010 - Wissenschaft
Meditation ist gut fürs Gehirn - stellt die Welt in einem Beitrag fest, der aktuelle Forschungsprojekte zum Thema vorstellt. Dass Achtsamkeitsübungen beispielsweise den Blutdruck stabilisieren können, ist bereits länger klar, doch die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung legen noch eins drauf. So zeigen verschiedene Studien, das Meditierer sich besser konzentrieren können und regelmäßige Praxis einer altersbedingten Ausdünnung der Hirnrinde entgegenwirkt. "Meditation ist ein physiologisches Herunterfahren des Körpers. Sie funktioniert wie eine Reset-Taste am Computer in Richtung Lebensstilveränderung und Gesundheit", sagt etwas Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité in Berlin. Die mit der Achtsamkeitsübung verbundene Stärkung der Konzentrationsfähigkeit ist nicht nur unter Leistungsgesichtspunkten interessant - in der Therapie von Patienten mit Depressionen hat sich gezeigt, dass Meditieren die Rückfallquote um bis zu 50 Prozent reduziert - weil es hilft, das negative Gedankenfeuerwerk, unter dem viele Depressive leiden, in Zaum zu halten.
Meditieren verändert das Gehirn, Die Welt 16.5.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Warum Männer und Frauen im Job ganz unterschiedlich ticken 
Dienstag, 8. Juni 2010 - Wissenschaft
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung geht in einem Interview mit der amerikanischen Professorin für Neuropsychiatrie Louann Brizendine der Frage nach, warum Frauen und Männer ein völlig unterschiedliches Verständnis von Karriere haben und Frauen deshalb kaum in Führungspositionen gelangen. "Ein wichtiger Grund findet sich in der Struktur der Arbeitswelt. Sie ist von der Funktionsweise männlicher Gehirne geprägt und spiegelt diese. Frauen, die ganz anders denken, passen dort nicht hinein. Das spüren sie intuitiv und fühlen sich dann permanent entmutigt", sagt Brizendine und geht auch gleich auf das Thema Political Correctness im Kontext der Genderfrage ein: "Es ist tatsächlich bis heute politisch nicht korrekt, zu behaupten, dass sich männliche und weibliche Gehirne in ihrer Funktionsweise dramatisch unterscheiden. Obwohl es wissenschaftlich längst erwiesen ist. Es ist wichtig, das endlich zu akzeptieren, um das Potential der Frauen, ihre Intelligenz und Kreativität auch in der Wirtschaft zu nutzen." Korrekt oder nicht, Brizendine weist darauf hin, dass im Gehirn zwei Gefühlssysteme parallel arbeiten und diese von Männern und Frauen ganz unterschiedlich genutzt werden: "Wenn zwei Menschen über ein Problem kommunizieren, wird zunächst bei beiden Geschlechtern das Gefühlssystem aktiv, das uns dazu befähigt, uns in die Gefühlslage des jeweiligen Gegenübers zu versetzen. Bei Männern allerdings nur für kürzere Zeit. Dann schalten ihre Gehirne auf die Problem-Analyse und die Suche nach Lösungen um. Dabei sorgt das männliche Fortpflanzungshormon, also das Testosteron, dafür, dass männliche Gehirne auf diese kognitive Schiene wechseln." Das führt zur von vielen Frauen wahrgenommenen Kaltschnäuzigkeit im Business. Darüber hinaus arbeiten Männerhirne fokussierter, während Frauen eher mehrere Aspekte in den Denkprozess einbeziehen. Für Brizendine läuft es nicht darauf hinaus, dass das eine besser wäre als das andere - für die Wirtschaft liegt ihrer Meinung die große Chance darin, endlich verstärkt beide Perspektiven zu berücksichtigen. Die Neuropsychiaterin gibt jedoch auch zu bedenken, dass sie erst möglich wird, wenn die Führungspositionen selbst auch mehr auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten werden.
Das Gehirn der Männer. Und die Karriere der Frauen. FAS 30.5.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Auch Verlieren kurbelt die Glückshormone an 
Freitag, 14. Mai 2010 - Wissenschaft
Eine aktuelle Studie aus England wirft ein ganz neues Licht auf die Finanzkrise und den Umgang damit. Wissenschaftler der University of Cambridge haben die Gehirnströme von Glücksspielern gemessen und dabei festgestellt, dass auch in nur "fast erfolgreichen" Spielsituationen das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet wird. Von Menschen, die nicht spielbegeistert sind, werden knappe Misserfolge hingegen als Niederlage gewertet, so dass bei ihnen die Glückshormone nicht fließen. Für die Wissenschaftler erklären diese Zusammenhänge, warum süchtige Spieler so schwer vom Glücksspiel loskommen und gehen davon aus, dass der erhöhte Dopamin-Spiegel die Betroffenen in ihrem Glauben unterstütze, das Glücksspiel sei durch ihre eigenen Fähigkeiten steuerbar. Vergleicht man das Glücksspiel mit dem Verhalten von Börsianern und Investmentbankern, kommt man dann doch ins Grübeln. Überraschen würde es mich jedenfalls nicht, wenn Gehirnstrommessungen hier Analogien ergeben würden. Ein Deal geht in die Hose? Der Markt reagiert anders, als erwartet? Macht ja nichts, das nächste Mal gewinnen wir bestimmt, denn wir haben ja alles im Griff ...
Pech mit dem Glückshormon, wissenschaft.de 5.5.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Mozart macht nicht intelligent 
Mittwoch, 12. Mai 2010 - Wissenschaft
Bye, bye Mozart-Effekt. Seit die US-Psychologin in den 1990-er Jahren im Fachmagazin Nature über verbesserte Leistungen nach dem Hören von Mozart-Musik berichtete, riss der Hype um die Intelligenzsteigernde Wirkung der Kompositionen nicht mehr ab. Besseres räumliches Wahrnehmungsvermögen, ein höherer IQ - die segensreichen Wirkungen sind Legende. Wissenschaftler der Universität Wien haben nun 39 Studien mit mehr als 3.000 Testpersonen ausgewertet und kamen zu dem ernüchternden Ergebnis, dass Mozarts Werke keinerlei Einfluss auf kognitive Fähigkeiten haben.
Wissenschaftler entlarven Mozart-Mythos, Die Zeit 4.5.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Mehr Empathie durch Hormone 
Mittwoch, 5. Mai 2010 - Wissenschaft
Empathie macht das Arbeitsleben leichter, denn Führungskräfte, die sich gut in ihre Gesprächspartner hineinversetzen können, tun sich leichter damit, ihre Ziele zu erreichen, ohne gegen unerkannte Widerstände anrennen zu müssen. Forscher der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und des Babraham-Instituts Cambridge haben nun in einem Experiment nachgewiesen, dass sich die Empathiefähigkeit von Männern, deren Einfühlungsvermögen hormonbedingt geringer ausgeprägt ist als das von Frauen, durch das Hormon Oxytocin - das die Mutter-Kind-Beziehung stärkt und im Test über ein Nasenspray verabreicht wurde - verbessern lässt. Bei dem Bildertest, bei dem die Probanden einschätzen sollten, wie stark die in unterschiedlichen Kontexten abgebildeten Personen mitlitten, schnitt die Gruppe, der Oxytocin verabreicht worden war, deutlich besser ab als eine Vergleichsgruppe, die das Hormon nicht eingenommen hatte. Ein anschließender Merktest brachte ein weiteres erstaunliches Ergebnis zutage: Die Oxytocin-Gruppe war hier deutlich stärker als die Vergleichsgruppe, was den Schluss nahe legt, dass sich Lernprozesse durch soziale Verstärker verbessern lassen. Die Studie legt zwei Schlussfolgerungen nahe: Mehr Frauen in den Führungsetagen könnten sicherlich die natürliche Empathiefähigkeit in Unternehmen deutlich verbessern - und ein bisschen Hormonspray könnte auch den Hardlinern unter den Männern bessere soziale Fähigkeiten ermöglichen.
Worauf Frauen warten, wissenschaft.de 30.4.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Dem Unbewussten auf der Spur 
Montag, 3. Mai 2010 - Wissenschaft
Die wachsenden technischen Möglichkeiten haben einer neuen Branche Auftrieb verliehen - dem Neuromarketing. Da etwa 85 Prozent unserer Entscheidungen vom unbewussten Teil des Gehirns getroffen werden, ist es naheliegend, die Wünsche und Bedürfnisse von Konsumenten nicht allein durch Befragungen, die allein die rationale Ebene adressieren, zu eruieren, sondern ihnen mit Neuromethoden direkt ins Hirn zu schauen. Ein Artikel der Financial Times Deutschland stellt verschiedene Einsatzbereiche des Ansatzes im Marketing vor und illustriert, wie Firmen auf diesem viel passgenauere Angebote am Markt machen können. Allerdings haben die technischen Errungenschaften auch eine Kehrseite, denn je besser die Vermarktungskette sich den unbewussten Entscheidungsprozessen, die im Gehirn ablaufen, anpassen kann, umso schwerer fällt es Kunden, autonome Entscheidungen zu treffen. "Wir glauben, wir sind unglaublich klug, aber in Wirklichkeit werden wir immer weniger immun", sagt etwa der Neuromarketingexperte Martin Lindstrom. Andererseits: Schon heutige Marketingformen appellieren - mal mehr, mal weniger gezielt und treffend - an unsere tiefsten Wünsche und Sehnsüchte, die uns zum Kauf von Produkten (die wir häufig nicht wirklich brauchen) animieren. Neuromarketing verschärft zwar sicherlich die Überzeugungskraft solcher Verführungen, aber das letztliche Dilemma können wir nur selbst lösen: Uns bewusster darüber zu werden, wie wir uns nur allzu oft zum Sklaven solcher unterschwelligen Impulse machen. So erklärt Kai Romhardt in seinem Buch Wir sind die Wirtschaft, wie wir diese Mechanismen durch verstärkte Achtsamkeit, die sich unter anderem durch Meditation erlangen lässt, überwinden können.
Neuromarketing spielt sich im Kopf ab, FTD 27.4.10

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter