Wie der Tastsinn unsere Taktiken beeinflusst 
Dienstag, 6. Juli 2010 - Studien
Harte Stühle führen zu harten Verhandlungen - so die Erkenntnisse einer Studie der Harvard University, des MIT (Massachusetts Institute of Technology) und der Yale Universität. Die Berührung von harten Gegenständen fördert den Kampfgeist, so eines der Ergebnisse. So würden Menschen, die auf harten Stühlen sitzen, entsprechend hart ihre Verhandlungen führen. Bewerbungsunterlagen, die schwerer in der Hand liegen, führen dazu, dass Personaler den entsprechenden Kandidaten eine bessere, sprich gewichtigere Qualifikation zusprechen. Bei einem Test mit Puzzle-Teilen zeigte sich, dass die Beschaffenheit der Teile - einmal eher hart und rau, einmal eher weich und rund - die Wahrnehmung bei folgenden Aufgaben prägt. Im Anschluss an das Puzzeln wurde den Studienteilnehmern eine Geschichte vorgelesen - diejenigen, die mit den harten Teilen hantiert hatten, beschrieben die Inhalte der Geschichte später negativer als diejenigen, die mit den weichen Teilen umgegangen waren. Die Forscher weisen darauf hin, dass der Tastsinn der erste Sinn ist, den der Mensch entwickelt hat, und dieser unsere Empfindungen und damit unser Verhalten unbewusst ein Leben lang beeinflusst. Wer sich im Business durchsetzen möchte, sollte also bei Verhandlungen für sich selbst wohl eher einen harten Stuhl wählen und dem Gegenüber eine gute Polsterung anbieten. Umgekehrt könnte man aber auch zu dem Schluss kommen: Ein paar anständige Kissen könnten das Arbeitsleben vielleicht deutlich angenehmer gestalten.
Wer hart sitzt, verhandelt hart, FTD 24.6.10

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E-Mails animieren zum Lügen 
Montag, 5. Juli 2010 - Studien
Eine Studie der University of South Carolina zeigt eindrücklich, dass es einen großen Unterschied macht, ob schriftliche Kommunikation via E-Mail oder ganz altmodisch auf Papier erfolgt. In einem ersten Test bekamen 48 Studenten eine imaginäre Kasse, deren Wert sie einem Partner mitteilen sollten, um ihm anschließend ein Angebot zu unterbreiten, wie die Summe zwischen beiden geteilt werden könnte. 92 Prozent der Beteiligten, die dies per E-Mail taten, schwindelten hierbei und gaben nicht den richtigen Betrag an. Zudem zeigten sie sich beim Teilen unfairer. In der Vergleichsgruppe der Briefeschreiber waren 63 Prozent unehrlich. In einem weiteren Test wurden 177 Manager in Dreiergruppen zu einem wissenschaftlichen Wettstreit animiert - mit dem Hinweis, dass alle Lügen im Verlauf umgehend aufgedeckt werden würden. Auch hier wurde in der Kommunikation via E-Mail deutlich häufiger gelogen als im Austausch via Brief. Die Forscher raten auf Basis ihrer Ergebnisse, im Business-Alltag gut zu überlegen, welche Prozesse virtualisiert werden und welche nicht, denn es habe sich gezeigt, dass Leistungsbeurteilungen, die über das Internet erhoben werden, negativer ausfallen. Eine Mutmaßung der Wissenschaftler: Auch bei Online-Steuererklärungen könnte sich ein solcher Effekt zeigen und die Steuerehrlichkeit untergraben. Auf die Frage, warum - unabhängig vom Medium - überhaupt so viel gelogen wird, geht die Studie leider nicht ein. Die Tatsache, die geringste Lügenquote bei 63 Prozent lag, ist eigentlich für sich betrachtet schon bemerkenswert.
In E-Mails wird mehr gelogen, Psychologie heute 23.4.10

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Zustimmung wirkt wie eine Belohnung 
Freitag, 2. Juli 2010 - Studien
Forscher der Universität Aaarhus haben untersucht, welche Reaktionen im Gehirn ablaufen, wenn Menschen Zustimmung erfahren. Bei dem Test wurde 28 Probanden ein Musikstück vorgespielt, das ihnen gefiel. Im Anschluss äußerte ein Expertenteam seine Meinung zur Musik. Fiel dessen Urteil positiv aus, wurde im Gehirn der Probanden ihr Belohnungszentrum aktiviert - und zwar umso stärker, je höher die Zustimmung ausfiel. Die Bewertung führte außerdem dazu, dass die Probanden ihre eigene Meinung mehr an der der Bewertenden orientierten. Vor dem ersten Test hatten die Probanden eine Liste mit 20 von ihnen geschätzten Musikstücken mit Punkten von eins bis zehn zu bewerten, nach den Experten-Feedbacks sollten sie diese Liste noch einmal durchgehen. Beim zweiten Durchlauf zeigte das Feedback deutliche Wirkung, denn Titel, die bei den Experten auf ein positives Echo gestoßen waren, wurden nun auch von den Studienteilnehmern besser bewertet, solche, die, die auf weniger positive Resonanz stießen, wurden nun niedriger bewertet. Die neuronalen Messungen im Kernspintomographen zeigten auf Basis der Gehirnaktivität, wie stark die unterschiedlichen Probanden von externen Feedbacks beeinflusst wurden, denn je anfälliger sie für die Meinungen anderer waren, umso stärker reagierte ihr Belohnungszentrum.
Ertappte Meinungsmacher, wissenschaft.de 18.6.10

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Change braucht gute Kommunikation 
Donnerstag, 1. Juli 2010 - Studien
Für 82 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben Change-Projekte gegenwärtig eine hohe Priorität, schlicht weil der Kostendruck alleine rund 60 Prozent der Firmen zu Veränderungen zwingt. Doch wenn es um die Vermittlung des Wandels geht, zeigt sich deutlicher Nachholbedarf, so das Ergebnis der Studie "Handelsblatt trend Change Management" im Auftrag von Damovo Deutschland und Cisco Systems. So sind zwar 61 Prozent der Führungskräfte der Ansicht, sie würden ihre Change-Strategien den Mitarbeitern gut vermitteln, aber nur 37 Prozent von diesen teilen diese Meinung. Die beliebte Top-Down-Kommunikation der Verkündung von Veränderungen per E-Mail ist zwar kostengünstig, aber wenig effizient. Firmen, die die Mitarbeiter persönlicher einbinden, beispielsweise durch Video- und Webkonferenzen, sind hingegen mit ihrem Change-Management erfolgreicher - sie bewerten ihre Wandlungsprojekte zu 72 Prozent als erfolgreich, das sind doppelt so viele wie bei den Firmen mit konventioneller Kommunikation. 81 Prozent betrachten das persönliche Gespräch mit den Mitarbeitern als Erfolgstreiber für den Wandel - und da dies vis-a-vis zu aufwändig ist, erleichtern ihnen die modernen Konferenz-Tools den direkten Draht.
Chefetagen und Mitarbeiter reden aneinander vorbei, HB 23.6.10

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Reiche sind bereit zu zahlen 
Mittwoch, 30. Juni 2010 - Studien
Während auf dem politischen Parkett die Stimmungswogen noch hoch schlagen, weil die Bundesregierung mit ihrem Sparprogramm in den Augen vieler Geringverdiener über die Maßen belastet, aber vor einschneidenden Einschnitten bei den Vermögenden zurückweicht, zeigt eine Umfrage des Manager Magazins, dass die Reichen im Prinzip bereit wären, ihren Teil zur Rettung der Staatsfinanzen beizutragen. Zwar begrüßen 77 Prozent der befragten 330 Entscheidungsträger die aktuelle Kürzungspolitik, weil sie in Sparmaßnahmen ein besseres Mittel gegen die Schuldenkrise sehen als in Steuererhöhungen, doch 54 Prozent würden, sollte es zu Steuererhöhungen kommen, am ehesten die Reichen belasten - durch die Wiedereinführung der Vermögensteuer oder eine Anhebung des Spitzensteuersatzes. In eine ähnliche Richtung weist eine Forsa-Erhebung im Auftrag des Stern. 42 Prozent der Deutschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro und mehr erklärten sich bereit, zur Bewältigung der Krise mehr Steuern zahlen zu wollen, ähnlich viele waren es in der Einkommensklasse zwischen 3.000 und 4.000 Euro netto. Selbst jeder Dritte, der pro Monat weniger als 3.000 Euro netto in der Tasche hat, war dazu bereit.
Mehrheit der Manager befürwortet Reichensteuer, Spiegel Online 23.6.10

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Statuspanik in der Mittelschicht 
Freitag, 25. Juni 2010 - Studien
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) diagnostiziert eine Statuspanik in der Mittelschicht. Eine neue DIW-Studie zeigt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft. Die Zahl derer, die weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, stieg von 18 Prozent im Jahr 2000 auf fast 22 Prozent im Jahr 2009. Die Gruppe der Wohlhabenden, die mehr als 150 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben, wuchs von 16 Prozent im Jahr 2000 auf 19 Prozent im Jahr 2008. Laut DIW gehören die Bezieher mittlerer Einkommen in den letzten Jahren zu den Verlierern. Eine Entwicklung, die sich auch negativ auf die Stabilität der Gesellschaft auswirken könne. "Gerade bei den mittleren Schichten, deren Status sich auf Einkommen und nicht auf Besitz gründet, besteht eine große Sensibilität für Entwicklungen, die diesen Status bedrohen", so das DIW. Die Forscher sehen in der Folge vor allem in den Städten eine wachsende Segregation und kritisieren, dass das von der Bundesregierung favorisierte Sparpaket die Einkommensunterschiede weiter vertiefe.
Große Panik in der Mittelschicht, SZ 15.6.10

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Ein bisschen mehr Vertrauen 
Freitag, 18. Juni 2010 - Studien
Das Misstrauen in der Arbeitswelt nimmt ein wenig, so das Ergebnis des von der Wirtschaftswoche quartalsweise erhobenen Vertrauensindex. Gegenwärtig haben 87 Prozent der deutschen Arbeitnehmer wieder Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit Ihres Arbeitgebers - sieben Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Sogar 90 Prozent haben Vertrauen in ihre Kollegen - sechs Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Und acht von zehn Mitarbeitern halten ihre unmittelbar Vorgesetzten für vertrauenswürdig. Der Blick auf die Firmenspitze fällt hier wesentlich kritischer aus - jeder dritte Arbeitnehmer zweifelt an den Aussagen des Top-Managements.
Weniger Misstrauen im Job, 9.6.10

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Empathie ist auf dem Rückzug 
Dienstag, 15. Juni 2010 - Studien
Gerade erst hat der bekannte Soziologe Jeremy Rifkin sein großes Buch über die Evolution der Empathie vorgelegt und schon zeichnet sich ein Backlash ab. Während Rifkin in der von ihm gewohnten Akribie aufzeigt, dass der Mensch historisch betrachtet noch nie zu mehr Empathie fähig war als heute, konstatieren Wissenschaftler für die jüngere Zeit eher das Gegenteil. Psychologen der University of Michigan haben 72 verschiedene Studien zum Thema Empathie unter die Lupe genommen, bei denen insgesamt 14.000 Studentinnen und Studenten (Frauenanteil 63 Prozent) zwischen 1979 und 2009 zu ihrer Empathiefähigkeit befragt wurden. Der zugrunde gelegte standardisierten Empathietest Interpersonal Reactivity Index (IRI) misst, inwiefern Menschen fähig und bereit sind, sich in andere hineinzuversetzen und deren Motivationen zu verstehen, Mitgefühl mit anderen zu empfinden und beispielsweise auch sich in Figuren aus Filmen oder Büchern hineinzuversetzen. Bei der Meta-Analyse fiel den Forschern auf, dass die durchschnittlichen Empathiewerte der Studenten heute um etwa 40 Prozent niedriger liegen als bei den Studenten vor zehn oder zwanzig Jahren. Als mögliche Auslöser für das stark rückläufige Einfühlungsvermögen erwägen die Psychologen das generell rauer gewordene Wirtschaftsklima, die Ellbogenmentalität, die durch die Bush-Ära gefordert wurde, aber auch den zunehmenden Medienkonsum und gewaltdarstellende Computerspiele.
Empathie trocknet bei der Generation "Ich" aus, Telepolis 2.6.10

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