Nur ein wirkliches Miteinander verändert die Wirtschaft 
Donnerstag, 15. Juli 2010 - Arbeit
Im Interview mit dem Magazin Forum Nachhaltig Wirtschaften erklärt der Vorstand der Schweisfurth-Stiftung Prof. Franz-Theo Gottwald, warum die Wirtschaft ein neues Miteinander braucht, um zukunftsfähig zu sein: "Nur wenn wir alle miteinander und speziell Menschen in der Wirtschaft lernen, was es heißen kann, konvivial zu leben - also in einem Mitsein mit allem anderen Lebendigen und mit einem Respekt davor, dass auch alle anderen Unternehmungen, die natürliche Mitwelt, die soziale Mitwelt und auch die nächsten Generationen ein Recht auf Leben haben und zwar auf ein menschenwürdiges oder auch ein tierwürdiges oder pflanzenwürdiges Leben, wenn die intrinsischen Werte der Mitlebewesen auf diesem Planeten und der zukünftigen Lebewesen auf diesem Planeten wahrgenommen werden können - nur dann ist ein wirklicher Kulturwandel pro Nachhaltigkeit in der Wirtschaft geschaffen." Dabei geht es Gottwald nicht alleine darum, das Wirtschaften menschlicher zu gestalten, sondern die wechselseitigen Bedingtheiten von individuellem Engagement, ökologischen Rahmenbedingungen und sozialen Aspekten besser zu verstehen und angemessener zu adressieren: "Der Mensch gerät also ganz neu in den Blick in Bezug auf seine Verschränkung mit den natürlichen Ressourcen. Wie bringen wir uns selbst in den entwickelten Ländern und unseren Mitmenschen in den sich entwickelnden Ländern bei, was genug ist? Suffizienzbetrachtungen und die Folgen des Konsums bringen eine ganze neue Debatte mit sich, die die Integration der früher getrennten Felder voraus setzen. Mit dem gängigen Säulenmodell - der so genannten Triple Bottom Line - bin ich nicht glücklich. Ökonomie, Ökologie und Soziales sind nicht einfach drei nebeneinander stehende Säulen, sondern wir reden hier über ein sehr komplexes Verschränktsein, gewissermaßen einen gordischen Knoten, der auf intelligente Art und Weise kulturell angegangen werden muss."
Über die Zukunft des Konsumverhaltens, FNW 8.7.10

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Rekordstress plättet Arbeitnehmer zusehends 
Mittwoch, 14. Juli 2010 - Studien
Seit zwei bis drei Jahren haben Studien Hochkonjunktur, die die verheerenden Auswirkungen des wachsenden Stress in der Arbeitswelt dokumentieren. Eine neue Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK meldet nun neue Rekordwerte. Ausgewertet wurden die Krankheitsdaten von 9,7 Millionen erwerbsfähigen AOK-Mitgliedern. Das nüchterne Ergebnis: Seelische Störungen sind heute bereits die vierthäufigste Krankheitsursache. 2009 waren sie Ursache für 8,6 Prozent der Krankheitstage. In den vergangenen zwölf Jahren stiegen die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen um fast 80 Prozent an. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass Depressionen und seelische Störungen einen jährlichen wirtschaftlichen Schaden von 26,7 Milliarden Euro mit sich bringen. Hinzu kommt, dass sie inzwischen die Ursache für jede dritte Frühverrentung darstellen.
Der Stress haut Arbeitnehmer um, SZ 9.7.10

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Millionäre wollen aktive Solidarität 
Dienstag, 13. Juli 2010 - Management
Die Zeit berichtet über eine spannende Initiative des Millionärs Dieter Lehmkuhl, der sich dafür einsetzt, dass die Reichen in Deutschland einen stärkeren finanziellen Beitrag leisten. Gemeinsam mit rund 20 Gleichgesinnten hat er mit dem "Appell Vermögensabgabe" ein Paket entwickelt, das den Staatsfinanzen zugute kommen und die Solidarität der Vermögenden mit den weniger Vermögenden stärken soll. Lehmkuhl und seine Mitstreiter plädieren dafür, dass Menschen mit einem Gesamtvermögen von mehr als 500.000 Euro zwei Jahre lang fünf Prozent davon an den Staat abgeben sollen - das brächte allein 100 Milliarden Euro für die Staatskasse. Danach wünschen sich die Initiatoren die Einführung einer Vermögenssteuer von einem Prozent, die 2,2 Millionen Deutsche zahlen müssten. Lehmkuhls Bekenntnis ist klar und prägnant: "Wir Reichen haben mehr als genug und müssen der Gemeinschaft etwas abgeben." Der engagierte Millionär empfindet Deutschland als Steueroase und erklärt, dass sich in den letzten zehn Jahren seine Einnahmen aus Kapitalanlagen mehr als verdoppelt hätten, während er heute nur noch halb so viel Steuern zahle wie seinerzeit. Sein Fazit: Nicht die reiche Oberschicht, sondern vor allem die Mittelschicht werde heute verstärkt zur Kasse gebeten. Lehmkuhl will mit seiner Initiative die wachsende gesellschaftliche Spaltung reduzieren und hält dabei wenig davon, bei entsprechenden Versuchen allein auf freiwilliges Engagement zu setzen: "Wenn wir uns nur auf private Spender verlassen, leben wir wieder in einer Welt, in der Kultur und Soziales nur nach Gutsherrenart finanziert werden."
Das 100-Milliarden-Euro-Geschenk, Die Zeit 1.7.10

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Frauen sind genügsam 
Montag, 12. Juli 2010 - Studien
Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass die im Vergleich zu Männern niedrigeren Gehälter von Frauen nicht alleine systembedingt sind, sondern zum Teil auch die Selbsteinschätzung und den Erwartungshorizont von Frauen im Arbeitsleben widerspiegeln. Die Studie belegt: Je nach Berufsgruppe verdienen Frauen zwischen 16 und 20 Prozent weniger als Männer - und sie halten dies sogar für gerecht. Die Ökonomen führen die Tatsache, dass die Ansprüche von Frauen an ihr Gehalt tendenziell niedriger sind als die der Männer darauf zurück, dass Frauen sich häufig in Einkommensfragen mit anderen Frauen vergleichen und so ihr Bild einer gerechten Entlohnung entwickeln. Gerade in typischen Frauenberufen ist das Lohnniveau jedoch tendenziell niedriger als in Branchen, in denen Männer stark präsent sind. So wird erklärbar, warum Frauen sich in Gehaltsverhandlungen häufig bei gleicher Qualifikation mit weniger Gehalt zufrieden geben als Männer. Die Forscher empfehlen deshalb mehr Transparenz der Entlohnungssysteme im Hinblick auf die Einkommensverteilung der Geschlechter.
Studie: Frauen fordern weniger Geld, FAZ 7.7.10

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Money rulez 
Freitag, 9. Juli 2010 - sonstiges
Der Umgang mit dem Thema Geld treibt bisweilen illustre Blüten. So berichtet die Süddeutsche Zeitung über ein Projekt in Singapur, die Money-Clinic, in der bereits Kindern der Umgang mit Geld beigebracht wird. Im Interview mit der SZ erklärt die Gründerin Ying Teo: "Vorschüler in Singapur haben zwar Mathematik als Fach, aber mit Geld befassen sie sich erst nach dem Eintritt in die Grundschule mit sieben Jahren. Vielen Familien ist das zu spät. Die Eltern wollen, dass ihre Kinder einen Vorsprung beim Umgang mit Geld haben. Wir trennen zwischen Programmen für Finanzpolitik und Anlagestrategien. Sie befassen sich mit Sparen, Haushalten, Preisvergleichen. Acht- bis Zehnjährige sollen verstehen, wie das Geld für sie arbeitet. Und Teenager lernen das Bankensystem kennen; sie erfahren, was ein Bond, was eine Aktie ist, sie lernen an der Börse zu spekulieren und zu investieren." Wer das haarsträubend findet, wird vielleicht etwas besänftigt, wenn er das Zitat eines Managers auf der Webseite der Money-Clinic zur Kenntnis nimmt: "Keine Generation hat mehr Geld zur Verfügung und mehr Druck, es auszugeben als jene Kinder, die im 21. Jahrhundert geboren sind. Wir steuern auf eine Generation junger Singapurianer zu, die Sklaven ihrer Kreditkarten sind und ihr Leben damit verbringen, nach Luxuslabels und Statussymbolen zu jagen." Ying Teo jedenfalls gibt sich durchaus auch gesellschaftskritisch, sagt, dass es ihr Anliegen sei, den Kindern einen verantwortungsbewussten Umgang mit Geld beizubringen und ihnen zu zeigen, dass man auch teilen solle: "Wir sind der Überzeugung, dass Jugendliche heute einen viel zu leichten Zugang zu Geld haben und zu viel ausgeben. Wir versuchen ihnen klarzumachen, dass man sein Geld zusammenhalten muss, wenn man es langfristig behalten will." Letztlich bleibt aber doch der Beigeschmack, dass hier schon früh vermittelt wird: Money rulez ...
Wo Dreijährige zum Anlageberater werden, SZ 30.6.10

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Online einsam 
Donnerstag, 8. Juli 2010 - Studien
Eine Studie der University of South Carolina zeigt, dass häufige Internetaktivitäten mit größerer Einsamkeit und weniger Lebenszufriedenheit einhergehen. Die Forscher hatten 13.000 Menschen in den Jahren 2004 und 2005 untersucht, 754 davon in beiden Jahren. Es zeigte sich, dass diejenigen, die vergleichsweise viel Zeit online verbrachten, sich einsamer fühlten und eine geringere Lebenszufriedenheit aufwiesen als jene, die seltener online waren. Stieg die virtuell verbrachte Zeit an, erhöhte sich auch die subjektive Einsamkeit und die Lebenszufriedenheit sank weiter. Die Wissenschaftler wissen nicht, ob das Gefühl der Einsamkeit die Menschen zum Versuch einer virtuellen Kompensation animiere oder ob sie eher einsam sind, weil sie so viel Zeit online verbringen. Die Einbeziehung der Zeit, die mit Familie und Freunden verbracht wurde, in die Studie löste jedenfalls die Beziehungen zwischen Einsamkeit und Online-Nutzung nicht. Interessant wäre es sicherlich, einen vergleichbaren Test einmal in der Arbeitswelt durchzuführen und zu eruieren, wie sich die zunehmende Virtualisierung von Arbeitsprozessen auf die Beziehungen mit Mitarbeitern, Kunden etc. auswirkt.
Ich bin online, also bin ich einsam, Psychologie heute 8.4.10

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Konkurrenzverhalten entwickelt sich in der Kindheit 
Mittwoch, 7. Juli 2010 - Studien
Wenn Männer und Frauen im Berufsleben ein unterschiedliches Konkurrenzverhalten an den Tag legen, wurden die Wurzeln dafür zumeist schon in der Kindheit gelegt. Eine Untersuchung der Universität Innsbruck und des Bonner Instituts zur Zukunft illustriert, dass Jungen und Mädchen schon in frühen Lebensjahren eine unterschiedliche Haltung zum Thema Konkurrenz und Wettbewerb entwickelt haben. Bei der Studie wurden insgesamt 1.000 Jungen und Mädchen im Alter zwischen 3 und 18 Jahren einbezogen, die in den Tests Rechenaufgaben lösen oder Wettrennen laufen sollten, wobei ihnen für ihre Leistung Geldgewinne winkten. Zusätzlich hatten sie die Wahl, darüber hinaus gegen Gleichaltrige anzutreten, um ihren Gewinn weiter zu erhöhen. In ihren Leistungen lagen Jungen und Mädchen gleichauf, doch die Möglichkeit des zusätzlichen Wettkamps nutzten lediglich 19 Prozent der Mädchen, während es bei den Jungen 40 Prozent waren. Die Forscher ziehen aus den Ergebnissen den Schluss, dass die Wurzeln für die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern in ihrem unterschiedlichen Wettbewerbsverhalten liegen könnten und erwägen, dass eine frühere Förderung des Wettbewerbsverhaltens von Frauen später der Chancengleichheit im Beruf zugute kommen könnte. Umgekehrt könnte man aber auch zu dem Schluss kommen, dass es vielleicht dienlich wäre, Jungen und Männer verstärkt mit den Vorteilen der Kooperationsfähigkeit vertraut zu machen, denn in ihren Schlussfolgerungen folgt die Studie wieder einmal einer ausschließlich männlichen Wahrnehmungsperspektive.
Schon als Kinder konkurrenzschau, SZ 30.6.10

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Wie der Tastsinn unsere Taktiken beeinflusst 
Dienstag, 6. Juli 2010 - Studien
Harte Stühle führen zu harten Verhandlungen - so die Erkenntnisse einer Studie der Harvard University, des MIT (Massachusetts Institute of Technology) und der Yale Universität. Die Berührung von harten Gegenständen fördert den Kampfgeist, so eines der Ergebnisse. So würden Menschen, die auf harten Stühlen sitzen, entsprechend hart ihre Verhandlungen führen. Bewerbungsunterlagen, die schwerer in der Hand liegen, führen dazu, dass Personaler den entsprechenden Kandidaten eine bessere, sprich gewichtigere Qualifikation zusprechen. Bei einem Test mit Puzzle-Teilen zeigte sich, dass die Beschaffenheit der Teile - einmal eher hart und rau, einmal eher weich und rund - die Wahrnehmung bei folgenden Aufgaben prägt. Im Anschluss an das Puzzeln wurde den Studienteilnehmern eine Geschichte vorgelesen - diejenigen, die mit den harten Teilen hantiert hatten, beschrieben die Inhalte der Geschichte später negativer als diejenigen, die mit den weichen Teilen umgegangen waren. Die Forscher weisen darauf hin, dass der Tastsinn der erste Sinn ist, den der Mensch entwickelt hat, und dieser unsere Empfindungen und damit unser Verhalten unbewusst ein Leben lang beeinflusst. Wer sich im Business durchsetzen möchte, sollte also bei Verhandlungen für sich selbst wohl eher einen harten Stuhl wählen und dem Gegenüber eine gute Polsterung anbieten. Umgekehrt könnte man aber auch zu dem Schluss kommen: Ein paar anständige Kissen könnten das Arbeitsleben vielleicht deutlich angenehmer gestalten.
Wer hart sitzt, verhandelt hart, FTD 24.6.10

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