Die Achtsamkeits-Hürde bei Männern 
Montag, 17. Juli 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Unzählige Studien belegen, dass Achtsamkeit das Wohlbefinden erhöht. Doch die meisten Untersuchungen werfen keinen Blick darauf, ob diese positiven Wirkungen bei verschiedenen Zielgruppen möglicherweise unterschiedlich ausfallen. Willoughby Britton von der Brown University warf nun einen genaueren Blick darauf, ob das Meditieren für Frauen und Männer vielleicht einen Unterschied macht. Die Ergebnisse ihrer Studie stimmen nachdenklich. An der Untersuchung waren 41 männliche und 36 weibliche Studierende beteiligt, die an der Universität einen 12-wöchigen Achtsamkeitskurs absolvierten. Insgesamt meditierten die Beteiligten so durchschnittlich mehr als 40 Stunden. Die Wissenschaftler maßen die Stimmung ihrer Probanden vor Beginn des Kurses und danach. Dabei zeigte sich, dass die Stimmung der Frauen sich in den drei Monaten deutlich verbessert hatte, die der Männer hingegen war etwas schlechter geworden. Erste Vermutungen der Forscher gehen davon aus, dass dieser überraschende Unterschied daran liegt, dass Frauen und Männer unterschiedlich mit Stress umgehen. Frauen neigen eher zum Grübeln, so dass das mit dem Meditieren verbundene innere Loslassen einen Wohltat sein kann. Männer hingegen seien es gewohnt, dem Stress innerlich auszuweichen und sich abzulenken. So könnte es sein, dass die Konfrontation mit ihrem Innenleben, die sich beim Meditieren einstellt, erst einmal zu einer Verschlechterung ihres Befindens führens, schlicht weil sie es nicht gewohnt sind, sich mit dieser Dimension auseinanderzusetzen. Inwiefern diese Zusammenhänge so zutreffen, müssen allerdings erst weitere Studien eruieren. Doch ist es spannend zu sehen, wie nach einer langen Phase der einhelligen Euphorie nun ein Differenzierungsprozess in der Meditationsforschung einzusetzen scheint.
Mindfulness meditation helps women but not men, first study suggests, The Telegraph 20.4.17


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Unternehmen wissen Mitarbeiter-Potentiale oft nicht zu nutzen 
Freitag, 14. Juli 2017 - Management
In einem Beitrag für das Manager Magazin erklärt Walter Sinn, Deutschlandchef der Unternehmensberatung Bain & Company, warum viele Unternehmen am Talent-Management scheitern. Obwohl in den meisten Firmen etwa 16 Prozent der Belegschaft als Top-Talente gelten können, gelingt es längst nicht allen, deren Fähigkeiten angemessen zu nutzen und dies über längere Zeiträume. "Unternehmen, die die Zeit, das Talent und die Energie ihrer Belegschaft am besten managen, sind 40 Prozent produktiver als der Rest. Dabei erzielen sie Gewinnmargen, die bis zu 50 Prozent über dem jeweiligen Branchendurchschnitt liegen", so Sinn. Er hält den Firmen vor, häufig ihre Talente zu "fressen, indem sie deren Zeit mit überflüssigen Meetings, zu vielen Mails, unproduktiven Telefonaten und bürokratischen Prozessen verschwenden. "Durch ineffizientes Arbeiten gehen rund 25 Prozent der Produktivität verloren", so seine Erkenntnis. Sein konkreter Rat an Firmen, die mehr aus ihrem Talent-Pool machen möchten: "Um ihre gesamte Energie abrufen zu können, müssen Unternehmen heute ihre wichtigsten Mitarbeiter in gewisser Weise glücklich machen. Dies gelingt über sinnstiftende Aufgaben, Freiraum, Gestaltungsmöglichkeiten und einen gemeinsamen Spirit. Ein engagierter Mitarbeiter ist im Durchschnitt 44 Prozent produktiver als ein lediglich zufriedener. Mitarbeiter, die ihre Arbeit als inspirierend empfinden, sind sogar 125 Prozent produktiver."
Drei Erfolgskriterien für glücklichere Mitarbeiter, Manager Magazin 6.7.17

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Flache Hierarchien sind gut für Innovationen 
Donnerstag, 13. Juli 2017 - Studien, Arbeit, Management
Bürokratie kann viele gute Ideen im Keim ersticken. So zeigt eine aktuelle Untersuchung der Unternehmensberatung Kienbaum zusammen mit der Jobbörse StepStone, dass der Innovationsgrad von Unternehmen größer ist, je flacher die internen Hierarchien sind. Für die Studie wurden 14.000 Fach- und Führungskräfte befragt. 61 Prozent der Firmen, die mit geringen Hierarchien organisiert sind, sind in den Augen ihrer Mitarbeiter besonders gut darin, neue Ideen zu entwickeln. Dagegen wird nur jedes dritte Unternehmen, das stark hierarchisch organisiert ist, von den Beschäftigen als innovativ angesehen. 74 Prozent der befragten Fachkräfte und 68 Prozent der Führungskräfte gaben an, in einem (zum Teil stark) hierarchisch geprägten Unternehmen zu arbeiten. 18 Prozent der Fachkräfte arbeiten in dem Gefühl, dass Verbesserungsvorschläge in der eigenen Firma nicht wirklich willkommen sind.
Je flacher die Hierarchien, desto innovativer das Unternehmen, WiWo 3.7.17

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Wer keine Hoffnung hat, greift lieber an 
Mittwoch, 12. Juli 2017 - Psychologie, Studien
Angriff ist die beste Verteidigung, weiß der Volksmund. Fünf Studien des Stanford-Psychologen Nir Halevy mit insgesamt 1.300 Teilnehmern legen nun nahe, dass diese präventive Aggression nicht unbedingt eine Folge von Ängsten sein muss, sondern oftmals eher der Hoffnungslosigkeit geschuldet ist. Der Wissenschaftler konfrontierte die Probanden mit verschiedenen Situationen und fragte danach, wie sie reagieren würden. Andere sollten ein Computerspiel spielen, bei dem es verschiedene Szenarien der Wahrscheinlichkeit gab, selbst angegriffen zu werden. Bei allen Studiensettings wurde deutlich, dass die Neigung, selbst prophylaktisch andere anzugreifen wuchs, sobald die Probanden ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit hegten.
Vorbeugende Angriffe, psychologie heute, 30.6.17

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Change scheitert oft an Überforderung 
Dienstag, 11. Juli 2017 - Studien, Arbeit, Management
Eine hohe Quote des Scheiterns bei Change-Projekten hat sich in der Wirtschaft längst als Normalfall eingebürgert. Die Unternehmensberatung Mutaree ging nun in einer Befragung von 156 Führungskräften und 111 Fachkräften verschiedener Branchen den Ursachen nach. Das Fazit der Untersuchung: Alle am Change Beteiligten sind zumeist hoffnungslos überfordert. Veränderungsprozesse lassen die Arbeitsbelastung von Mitarbeitern der Erhebung zufolge um etwa 20 Prozent steigen, die der Führungskräfte sogar um 30 bis 50 Prozent. 86 Prozent der Manager beklagen eine hohe Arbeitsverdichtung, 76 Prozent leiden unter Zeitdruck und 75 Prozent müssen aufgrund von Change-Projekten Überstunden machen. Dabei empfinden 50 Prozent Unsicherheit durch fehlende Orientierung, 49 Prozent beklagen mangelnde Einflussmöglichkeiten und 40 Prozent fühlen sich einfach nur frustriert. Die Hälfte der befragten Fach- und Führungskräfte sieht hier auch keine absehbare Besserung - sie fürchtet, dass der Druck beibehalten wird.
Führungskräfte sind völlig überfordert, WiWo 30.6.17

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Hitze untergräbt Hilfsbereitschaft 
Montag, 10. Juli 2017 - Studien, Arbeit
Wenn es besonders heiß ist, sind viele Menschen leichter genervt, schneller erschöpft und haben vielleicht sogar keine Lust auf gar nichts. Eine amerikanische Studie dokumentiert, dass hohe Temperaturen oder auch nur die Vorstellung von Hitze Menschen weniger hilfsbereit sein lassen. In einem dreistufigen Experiment zeigte sich dieses Verhalten in unterschiedlichen Kontexten. So beobachteten die Wissenschaftler, dass die Mitarbeiter einer Einzelhandelskette an Tagen mit eher unangenehmen Temperaturen den Kunden nur halb so oft halfen. Mit Teilnehmern einer Online-Studie, für die diese bezahlt wurden, machten sie folgendes Experiment: Ein Teil der Probanden wurde vor dem Test gebeten, sich eine Situation vorzustellen, in denen es ihnen besonders heiß war. Nach Abschluss der Studie wurden alle Mitwirkenden gebeten, noch unentgeltlich an einer weiteren Untersuchung teilzunehmen. Von den unbeeinflussten Teilnehmern sagten 76 Prozent zu, unter denen mit dem Hitzetest lediglich 34 Prozent. An einem heißen Sommertag lotsten die Forscher eine Gruppe von Studenten in einen wohlklimatisierten Hörsaal, eine andere sollte sich in einem überhitzten Raum einfinden. Wieder wurde um das Ausfüllen eines Fragebogens gebeten. Im kühlen Raum machten 95 Prozent mit, im heißen nur 64 Prozent. Hitzebedingte Ermüdung und Erschöpfung könnten für diese Unterschiede ausschlaggebend sein, so die Wissenschaftler. Hohe Temperaturen würden neben der Wahrnehmung auch die Gefühle und das Verhalten von Menschen beeinflussen.
Bei Hitze sind wir nicht so hilfsbereit, spektrum.de 23.6.17

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Achtsamkeit im Business rechnet sich 
Freitag, 7. Juli 2017 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Der Achtsamkeits-Trend im Business hat längst in den großen Konzernen Fuß gefasst. Zu den Vorreitern gehört auch SAP. Peter Bostelmann, Director of SAP Global Mindfulness Practice, begann in den USA und inzwischen auch in Deutschland ein firmeninternes Achtsamkeitsprogramm aufzubauen, das die bei Google entwickelten Methoden "Search Inside Yourself" nutzt. 4.500 der 75.000 SAP-Mitarbeiter haben bereits an Kursen teilgenommen, 5.500 Kandidaten stehen auf der Warteliste. Für SAP lohnt sich das Engagement augenscheinlich. Eine interne Studie zeigt laut Bostelmann, dass die in Mindfulness geschulten Mitarbeiter seltener krank sind, engagierter, fokussierter und kreativer arbeiten und besser mit ihren Chefs zurechtkommen. "Die Rendite liegt bei 200 Prozent", so Bostelmann gegenüber der SZ. In seiner Arbeit wird er von 24 Trainern und 50 Botschaftern im Unternehmen unterstützt. Und längst fragen ihn auch Konzerne wie Thyssen-Krupp, Siemens und die Deutsche Telekom um Rat. Fünf der 30 Dax-Unternehmen haben ihn bereits angesprochen.
Ausatmen, SZ 27.6.17

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Schwächen zugeben kann sich bei Bewerbungen lohnen 
Donnerstag, 6. Juli 2017 - Studien, Arbeit
In der Arbeitswelt gelten Schwächen meist als verpönt. Eine Studie des University College London zeigt indes, dass es bei Bewerbungen für hochqualifizierte Stellen hilfreich sein kann, zu den eigenen Fehlern zu stehen und offensiv mit ihnen umzugehen. Die Wissenschaftler untersuchten die Daten von rund 1.300 Lehrern weltweit, die sich für Stellen in den USA bewarben, sowie von gut 300 Anwälten, die einen Job beim Militär wollten. Die Anwälte, die offen über ihre Schwächen sprachen, hatten dabei eine fünffach höhere Wahrscheinlichkeit, den Job zu bekommen, als jene, die mit ihren Fehlern hinter den Berg hielten. Bei den Lehrern war die Erfolgswahrscheinlichkeit um 22 Prozent höher. Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass diese positiven Zusammenhänge nur für Bewerber gelten, die mit ihrer Qualifikation auch den Anforderungen entsprechen.
Studie: Was ihr über eure Schwächen sagt, entscheidet, ob ihr einen Job bekommt, businessinsider.de 26.6.17

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