25 Prozent machen einen Unterschied 
Montag, 2. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wo liegt die kritische Masse, bei der Minderheitenmeinungen auf einmal damit beginnen, Mehrheiten zu verändern? Eine Frage, die die Wissenschaft seit langem beschäftigt. In verschiedenen Studien hat sich bereits gezeigt, dass der Wert irgendwo zwischen 10 und 40 Prozent liegt - allerdings wurden hier gesellschaftliche Umschwünge immer erst retrospektiv analysiert. Eine amerikanische Studie mit experimentellem Setting, an der 200 Personen beteiligt waren, zeigt nun: Die Mehrheitsmeinung beginnt dann zu wanken, wenn 25 Prozent der Beteiligten eine andere, neue Perspektive vertreten. Das Experiment kann zwar die enorme Komplexität der gesellschaftlichen Realität nicht abbilden, gibt jedoch Hinweise darauf, dass Normen zu bröckeln scheinen, wenn ein Viertel der Menschen einer Gruppe einen Wandel propagiert.
Wann werden Minderheitsmeinungen mächtig? wissenschaft.de 7.6.18

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Wie Zeitdruck uns um den Verstand bringt 
Dienstag, 26. Juni 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Zeitdruck ist wie eine Droge. Er raubt uns im wahrsten Sinne des Wortes den Verstand. Das legt zumindest eine Untersuchung der Business-Professorin Meng Zhu nahe. Sie stellte in verschiedenen Testszenarien fest, dass Probanden, sobald Zeitdruck im Spiel ist, zu irrationalen Verhaltensweisen neigen. Dass etwas dringlich ist oder ein zeitliches Verfallsdatum hat, scheint unser Urteilsvermögen nachhaltig zu untergraben. Im Business kann das dazu führen, dass das wirklich Wichtige aufgrund des vermeintlich Dringlichen aus dem Blick gerät. In Umgebungen, in denen Deadlines zur Tagesordnung gehören, wird das bedenklich, denn wenn alle nur noch ihren Terminen hinterherjagen, bleibt kaum noch jemandem Zeit, mal darüber nachzudenken, ob all das überhaupt noch Sinn macht.
"Dealines halten uns von wichtigeren Aufgaben ab", Zeit.de 13.6.18

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Lässt Achtsamkeit sich vereinnahmen? 
Freitag, 22. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Kürzlich hatte die Süddeutsche Zeitung über eine Studie berichtet, derzufolge Achtsamkeit in Arbeitskontexten nicht unbedingt geeignet ist, die Motivation von Mitarbeitern zu steigern. Der Gegenwind ließ nicht lange auf sich warten. "Achtsamkeitsmeditation und Leistungsbereitschaft schließen sich nicht gegenseitig aus, auch wenn der Autor dies in seinem Beitrag suggeriert. Im Gegenteil: Wer achtsam mit sich und anderen umgeht und sich seiner Werte und Ziele bewusst ist, wird langfristig erfolgreicher und gegenüber Belastungen resilienter sein, als derjenige, der aus einer inneren Unzufriedenheit heraus kurzfristig Maximalleistungen erbringt und danach ausbrennt", kontert etwa Dr. Igor Tominschek, München Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Michael Seitlinger, Leiter des Forums Achtsamkeit und Stressbewältigung in der Erwachsenenbildung der Erzdiözese München und Freising empfindet die Studienergebnisse sogar als zuversichtlich stimmend. Er sagt: "In der Tat ist es so, dass durch die Achtsamkeitspraxis ein fragwürdiger Ehrgeiz, ein Erfolgsstreben, das keine 'Persönlichkeitsmitte' hat und aus Ermangelung einer solchen gespeist wird, erschüttert werden kann. Insofern wäre eine Korrektur eines solchen Karrierestrebens aus meiner Sicht sogar wünschenswert und heilsam." Vielleicht entwickelt sich hier ja längerfristig ein Diskurs, in dem wir näher betrachten, wie Achtsamkeit und unser Menschsein zusammenspielen - jenseits von Funktionalisierungsversuchen.
Steter Flow statt Karriereturbo, SZ 10.6.18


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Dyaden-Meditation erfreut sich wachsender Beliebtheit 
Mittwoch, 20. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Die Neurowissenschaftlerin Tania Singer hat mit ihrem ReSource-Projekt erstmals in größerem Umfang untersucht, dass verschiedene Meditationsformen ganz unterschiedliche Wirkungen bei den Praktizierenden zeitigen. Dabei stellte sie fest, dass die Dyaden-Arbeit vor allem die soziale Entwicklung und das zwischenmenschliche Miteinander stärkt. Bei der Dyaden-Meditation erzählt eine Person einer anderen, die einfach achtsam und teilnehmend zuhört, von Dingen, die sie beschäftigen. Ein Ansatz, der bei immer mehr Menschen auf großes Interesse stößt, die sich einen achtsamen Lebensstil wünschen. Vor diesem Hintergrund hat die Kommunikationstrainerin Simone Anliker das „Dyad Inquiry Projekt“ gestartet, bei dem Meditierende sich über das Internet miteinander verbinden. Eine Person stellt sich hier eine Frage, lauscht in die Tiefe und teilt ihre Eindrücke mit einem Gegenüber. „Dyaden schaffen Intimität, Nähe zwischen zwei Menschen, die jenseits der üblichen Konventionen ist. Menschen können sich in ihrer Verletzlichkeit und mit offenen Herzen begegnen“, berichtet ein Teilnehmer. Für Meditierende, die eher mit klassischen Methoden der Stille und des Loslassens praktizieren, wie es in den spirituellen Traditionen üblich ist, mag dieser Ansatz eher wie eine neue Form von Gesprächstherapie wirken. Er scheint allerdings einen Nerv der Zeit zu treffen. Die Teilnahme am „Dyad Inquiry Projekt“ ist kostenlos. Ein eBook führt in die Methode ein.
Dyad Inquiry Projekt

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Die beste Zeit zum Pläne machen 
Montag, 18. Juni 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Wer Pläne macht, ist oft besser gewappnet für so manche Herausforderung des Lebens und Ziele erreicht man meist auch leichter, wenn man vorher überlegt, welches der beste Weg ist. Im Business gehört das Planen ohnehin zum Alltag. Psychologen haben nun herausgefunden, dass nicht jede Zeit die beste ist, um Pläne zu schmieden. In mehreren Labor- und Feldversuchen beobachteten sie, dass Menschen, die sich ausgelaugt und mental erschöpft fühlen (durch Aufgaben, die sie zuvor zu bewältigen hatten), deutlich weniger geneigt sind, in dieser Situation Dinge zu planen als jene, die sich ausgeruht und frisch fühlen. In Arbeitskontexten könnte dies bedeuten, dass es keine gute Idee ist, Mitarbeiter am späten Nachmittag zu Planungsmeetings zusammenzutrommeln. Im Privatleben macht es wohl ebenfalls Sinn, sich bewusst günstige Zeitfenster zu suchen, wenn man etwas planen muss oder möchte.
Entspannt planen, Psychologie heute 7.6.18

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To-Do-Listen machen das Einschlafen leichter 
Donnerstag, 14. Juni 2018 - Lebensart, Psychologie, Studien
Wer kennt das nicht - kaum liegt man im Bett, gehen einem Gedanken an den nächsten Tag durch den Kopf und daran, was alles zu erledigen sein wird. An Schlaf ist dann erst mal nicht zu denken. Eine amerikanische Studie hat nun untersucht, ob das Schreiben von To-Do-Listen dabei hilft, besser einzuschlafen. 28 Teilnehmer der Studie sollten eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen eine To-Do-Liste aufstellen mit allem, was am kommenden Tag anstand. 29 Versuchspersonen erstellten hingegen eine Liste mit den Dingen, die sie am Tag erledigt hatten. Im Schlaflabor zeigte sich dann: Die Probanden mit den To-Do-Listen schliefen im Schnitt bereits nach 16 Minuten ein, je ausführlicher ihre Listen waren, umso schneller. Jene, die ein Memo über ihren Tag verfasst hatten, brauchten im Schnitt 25 Minuten. Die Studie scheint also zu belegen, dass To-Do-Listen eine entlastende Funktion haben uns Menschen leichter in den Schlaf in den Schlaf finden lassen. Andererseits: Wie lange die Teilnehmer wohl mit ihrer To-Do-Liste verbracht haben? Sie mögen vielleicht neun Minuten des Wachseins im Bett gespart haben, haben dafür aber auch Zeit für das Listenschreiben gebraucht. Unter dem Strich also wohl eher eine Scheinverbesserung.
To-Do-Liste hilft beim Abschalten, spektrum.de 4.6.18

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Wie das Handy von unserem Hirn Besitz ergreift 
Montag, 11. Juni 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Unsere Smartphones bombardieren uns nicht nur mit Nachrichten, sie ergreifen von unserem Geist anscheinend sogar Besitz, wenn wir gar nicht unmittelbar mitbekommen, was in unseren Inboxen und Social-Media-Accounts gerade los ist. Diese Schlussfolgerung legt zumindest eine Untersuchung der McCombs School of Business in Austin, Texas nahe. Die Wissenschaftler gaben 800 Probanden verschiedene Aufgaben, um deren fluide Intelligenz zu prüfen, die Fähigkeit, unbekannte Probleme zu durchdenken und zu lösen. Eine Testgruppe musste dabei ihre Handys in einem Nebenraum deponieren, eine ließ die Smartphones in der Hosentasche, die dritte legte sie mit dem Display nach unten auf den Tisch, während die Aufgaben bearbeitet wurden. Die Tonsignale und Benachrichtigungsfunktionen aller Geräte waren abgeschaltet, damit die Versuchspersonen nicht abgelenkt wurden. Bei der Auswertung der Tests zeigte sich: Am besten schnitten jene Teilnehmer ab, deren Smartphones völlig außer Reichweite waren. Die schlechtesten Ergebnisse kamen von denen, deren Handy auf dem Tisch lag, wobei ihre kognitive Beeinträchtigung etwa mit der von Schlafmangel vergleichbar war. Die Forscher erklären sich die deutlichen Unterschiede damit, dass wir eine so enge Beziehung zu unseren Geräten haben, dass schon ihre Anwesenheit ausreicht, um einen Teil unserer Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen - Gehirnkapazitäten, die uns dann nicht für andere Aufgaben zur Verfügung stehen.
Legt doch mal das Handy weg, HBM 23.5.18

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Der Spagat zwischen Stress- und Komfortzone 
Dienstag, 5. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Das Vokabular der Leistungsgesellschaft hat die Komfortzone schon vor Jahren zum toten Winkel erklärt. Mehr etwas erreichen möchte im Leben, muss einfach raus aus der Kuschelecke, meinen die Dauerperformer. Womöglich hat diese Einstellung mit zum gegenwärtigen Stresshoch beigetragen. Sich auch mal zurückzulehnen, hat einfach einen schlechten Ruf. "Ständige Überforderung, sich also permanent außerhalb der eigenen Komfortzone zu bewegen, führt zu Erstarrung oder Panik. Wir brauchen Komfort als Überlebensgrundlage", warnt hingegen der Psychologe Nico Rose. Worum es letztlich geht, ist wohl die rechte Mischung. Immer nur im Wohlbefinden zu verharren, kann auch langweilig werden. Lernen und uns weiterentwickeln können wir uns am ehesten dann, wenn wir das schon Vertraute auch einmal hinter uns lassen. Das mag sich bisweilen unbehaglich anfühlen, oft sogar herausfordernd. Und doch trägt dieses die Fühler Ausstrecken mit dazu bei, dass die eigene Komfortzone sich erweitert. Daraus allerdings gleich einen neuen Leistungsethos zu zimmern, ist wahrscheinlich keine gute Idee, denn wenn aus Entwicklung dauerhafte Überforderung wird, gewinnen Panik oder schlicht Verweigerung die Oberhand.
Wer Risiken eingeht, vergrößert seine Komfortzone, WiWo 27.5.18

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