25 Prozent machen einen Unterschied 
Montag, 2. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wo liegt die kritische Masse, bei der Minderheitenmeinungen auf einmal damit beginnen, Mehrheiten zu verändern? Eine Frage, die die Wissenschaft seit langem beschäftigt. In verschiedenen Studien hat sich bereits gezeigt, dass der Wert irgendwo zwischen 10 und 40 Prozent liegt - allerdings wurden hier gesellschaftliche Umschwünge immer erst retrospektiv analysiert. Eine amerikanische Studie mit experimentellem Setting, an der 200 Personen beteiligt waren, zeigt nun: Die Mehrheitsmeinung beginnt dann zu wanken, wenn 25 Prozent der Beteiligten eine andere, neue Perspektive vertreten. Das Experiment kann zwar die enorme Komplexität der gesellschaftlichen Realität nicht abbilden, gibt jedoch Hinweise darauf, dass Normen zu bröckeln scheinen, wenn ein Viertel der Menschen einer Gruppe einen Wandel propagiert.
Wann werden Minderheitsmeinungen mächtig? wissenschaft.de 7.6.18

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Führungskräfte arbeiten auch nur wie Normalangestellte 
Freitag, 29. Juni 2018 - Studien, Arbeit, Management
Top-Manager sind auch nur Menschen, zumindest wenn es darum geht, wie viel sie arbeiten. Eine Studie der Harvard Business School hat das Arbeitspensum von 27 großen und überwiegend börsennotierten Unternehmen untersucht und kommt zu dem Schluss, dass die großen Bosse auch nicht so viel mehr tun als viele Angestellte. Sie kamen an Wochentagen auf eine durchschnittliche Arbeitszeit von 9,7 Stunden (arbeiteten allerdings an den Wochenenden auch etwa vier Stunden pro Tag). Das funktioniert anscheinend vor allem deshalb, weil die Management-Ebenen unter ihnen die Racker-Jobs machen. Die Chefs jedenfalls hatten laut Studie genügend Muße, um auf sieben Stunden Schlaf zu kommen. Den werden sie auch brauchen, bei durchschnittlich 37 Meetings pro Woche.
Top-Manager opfern auch nicht mehr als andere, SZ 22.6.18

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Mut zur Lücke im Kalender 
Donnerstag, 28. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Zeitmanagement ist etwas für Anfänger, möchte man meinen, wenn man dem Marketing-Strategen und Publizist Ryan Holiday zuhört. Durchgetaktete Tage (oder gar Wochen und Monate) sind ihm ein Graus. Und so tut er alles, um Termine zu vermeiden. "Man kann nur eine gewisse Anzahl an Stunden seines Tages anderen Menschen überlassen, bis keine mehr übrig sind. Selbst wenn ein paar Minuten übrig bleiben, kann es sein, dass man die Klarheit, die Energie und die Fähigkeit verloren hat, sie zu nutzen", sagt Holiday. Er lebt nach der Devise der "Kalendermagersucht", was heißt, dass er zu fast allen Angeboten, die seine Zeitautonomie beanspruchen, einfach Nein sagt. Dabei ist er nicht faul oder unproduktiv. "Wenn ich gefragt werde, wie es mir gelingt, so viel zu schreiben, ist meine Magersucht die Antwort. Auch wenn es darum geht, wie ich es schaffe, eine gesunde Beziehung zu führen, Sport zu treiben und zu lesen. Anders wäre es für mich nicht möglich, mich in meine Arbeit zu vertiefen und kreativ zu sein", erzählt er. Selbstbestimmung kann eben beim Kalender anfangen.
Ich habe heute leider keine Zeit. Morgen und in einem Monat auch nicht, zeit.de 20.6.18

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Die Selbstoptimierungskultur im Hipster-Business 
Mittwoch, 27. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Cool, effizient und dabei total gechillt - so sehen sich Start-ups gerne. Ein Bericht im Business Insider hat einen Blick hinter die Kulissen des Hipster-Business Prima State geworfen. Die Firma verkauft Nahrungsergänzungsmittel und entwickelt diverse Programme zur Selbstoptimierung. Logisch, dass man da im eigenen Unternehmen gleich damit anfängt. Kollektive Kurz-Workouts stehen bei Primal State ebenso auf dem Programm wie das supergesunde, ebenfalls kollektive Mittagessen. Um die Produktivität zu boosten, gibst vor den fokussierten Arbeitsphasen noch schnell die einminütige Mikro-Meditation für alle. Ach ja, und falls die Leistungskurve zwischendurch mal sinkt, schnell einen Bulletproof Coffee tanken (mit Butter und Kokosöl). Mir kommt da eigentlich nur eine Frage in den Sinn: Geht's noch?
Ein Tag im wahrscheinlich produktivsten Büro Deutschlands, Business Insider 16.6.18

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Wie Zeitdruck uns um den Verstand bringt 
Dienstag, 26. Juni 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Zeitdruck ist wie eine Droge. Er raubt uns im wahrsten Sinne des Wortes den Verstand. Das legt zumindest eine Untersuchung der Business-Professorin Meng Zhu nahe. Sie stellte in verschiedenen Testszenarien fest, dass Probanden, sobald Zeitdruck im Spiel ist, zu irrationalen Verhaltensweisen neigen. Dass etwas dringlich ist oder ein zeitliches Verfallsdatum hat, scheint unser Urteilsvermögen nachhaltig zu untergraben. Im Business kann das dazu führen, dass das wirklich Wichtige aufgrund des vermeintlich Dringlichen aus dem Blick gerät. In Umgebungen, in denen Deadlines zur Tagesordnung gehören, wird das bedenklich, denn wenn alle nur noch ihren Terminen hinterherjagen, bleibt kaum noch jemandem Zeit, mal darüber nachzudenken, ob all das überhaupt noch Sinn macht.
"Dealines halten uns von wichtigeren Aufgaben ab", Zeit.de 13.6.18

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Wenn Selbstoptimierung zum Stress wird 
Montag, 25. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart
Wir wollen fit sein und gesund und uns wohlfühlen. In digitalen Zeiten sind dabei die Online-Tipps und virtuellen Helfer nicht weit. Fitnessarmbänder, Ernährungs-Ratgeber, Meditations-Apps - von all den pseudo-medizinischen möglichen Anwendungen einmal ganz zu schweigen. Je mehr Möglichkeiten wir haben, umso meinen wir oft auch nutzen zu müssen. Der Medizinethiker Giovanni Maio warnt bereits vor einer „selbstverordneten Gesundheitsdiktatur“ und das deutsche „Ärzteblatt“ meint: „Die Vermessung des eigenen Selbst durch die ‚Quantified-Self-Bewegung‘ nimmt groteske Ausmaße an“. "Der Druck zur Selbstoptimierung wird vielen zur nicht mehr stemmbaren Last", warnt der Mediziner Curt Diehm in einer Kolumne im Handelsblatt. Er findet es besorgniserregend, "den Wert eines Menschen nur noch über seine Funktionalitäten zu definieren". "Für die psychische Gesundheit ist es wichtig, Bereiche zu bewahren, in denen Stress und Leistung keine Rolle spielen. Letztlich führt der Drang zur ständigen Maximierung des Lebensnutzens zu einem Verlust an Lebensqualität. Überzogene Selbstoptimierung macht weder freier noch glücklicher", sagt er, der als Arzt in einer auf Führungskräfte spezialisierten Klinik tagtäglich mit den Exzessen der Leistungsgesellschaft zu tun hat. Vielleicht sollten wir uns wieder erinnern, dass Gesundheit viel mit Balance zu tun hat und Wohlbefinden mit innerem Frieden. Wir könnten erst mal bewusst die werden, die wir bereits sind, bevor wir uns überlegen, wie wir unseren Lebensstil optimieren.
Selbstoptimierung hat ihre Grenzen, HB 15.6.18

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Lässt Achtsamkeit sich vereinnahmen? 
Freitag, 22. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Kürzlich hatte die Süddeutsche Zeitung über eine Studie berichtet, derzufolge Achtsamkeit in Arbeitskontexten nicht unbedingt geeignet ist, die Motivation von Mitarbeitern zu steigern. Der Gegenwind ließ nicht lange auf sich warten. "Achtsamkeitsmeditation und Leistungsbereitschaft schließen sich nicht gegenseitig aus, auch wenn der Autor dies in seinem Beitrag suggeriert. Im Gegenteil: Wer achtsam mit sich und anderen umgeht und sich seiner Werte und Ziele bewusst ist, wird langfristig erfolgreicher und gegenüber Belastungen resilienter sein, als derjenige, der aus einer inneren Unzufriedenheit heraus kurzfristig Maximalleistungen erbringt und danach ausbrennt", kontert etwa Dr. Igor Tominschek, München Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Michael Seitlinger, Leiter des Forums Achtsamkeit und Stressbewältigung in der Erwachsenenbildung der Erzdiözese München und Freising empfindet die Studienergebnisse sogar als zuversichtlich stimmend. Er sagt: "In der Tat ist es so, dass durch die Achtsamkeitspraxis ein fragwürdiger Ehrgeiz, ein Erfolgsstreben, das keine 'Persönlichkeitsmitte' hat und aus Ermangelung einer solchen gespeist wird, erschüttert werden kann. Insofern wäre eine Korrektur eines solchen Karrierestrebens aus meiner Sicht sogar wünschenswert und heilsam." Vielleicht entwickelt sich hier ja längerfristig ein Diskurs, in dem wir näher betrachten, wie Achtsamkeit und unser Menschsein zusammenspielen - jenseits von Funktionalisierungsversuchen.
Steter Flow statt Karriereturbo, SZ 10.6.18


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Saures fördert Risiko-Affinität 
Donnerstag, 21. Juni 2018 - Lebensart, Studien
Unser Geschmackssinn scheint unser Alltagsverhalten mehr zu beeinflussen, als uns bewusst ist. Wissenschaftler verabreichten ihren Probanden Getränke der fünf Geschmacksrichtungen und testeten danach mit einem Computerspiel deren Neigung, Risiken einzugehen. Dabei zeigte sich: Die Testpersonen, die zuvor etwas Saures getrunken hatten, gingen die größten Risiken ein. Es ist der erste empirische Beleg dafür, dass saure Geschmacksanreize ein risikoreiches Verhalten fördern. Der Effekt hielt im Versuch bis zu 20 Minuten an. Ich frage mich, was wir daraus lernen können. Vielleicht, dass Busfahrer und Piloten besser keinen Zitronensaft trinken sollten?
Sauer macht risikofreudig, wissenschaft.de 8.6.18

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