Ist die Management-Ausbildung in einer Sackgasse? 
Mittwoch, 31. Juli 2019 - Wissenschaft, Arbeit, Management
"Die Managementausbildung ist zu engstirnig geworden. Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, brauchen wir einen anderen Zugang", sagt Volker Rundshagen, Professor für Management mit Schwerpunkt Tourismusmanagement an der Hochschule Stralsund, in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Spätestens seit der letzten akuten Finanzkrise haben viele Menschen sehr kritisch auf dem Radar, dass das, was Business Schools üblicherweise lehren, sehr vom ökonomischen Paradigma der Gewinnmaximierung geprägt ist. Rundshagen wünscht sich mehr interdisziplinären Weitblick, denn im Lernen von anderen Forschungsbereichen könnten neue Zusammenhänge erkennbar werden und Synergien entstehen. Er führt die Impressionisten als Beispiel für eine Art "visionäre Hingabe" an, derer es auch in der Management-Ausbildung mehr bedürfe. In Kontexten, in denen vor allem auf Akkreditierungen und Rankings fokussiert werde, gehe eine solche Experimentierfreude allerdings verloren. "Die Impressionisten waren von einer visionären Hingabe getrieben. Bei der damals in Paris dominierenden, klassisch orientierten Kunstakademie stießen sie auf Unverständnis mit ihren neuen Ideen. Gegen diese Widerstände haben sie dennoch weitergemacht, haben sich zusammengefunden und einfach eine eigene Ausstellung auf die Beine gestellt", erzählt Rundshagen - und wünscht sich ähnliche Bewegungen auch, wenn es um die Ausbildung von Führungskräften geht. Für ihn sind die Impressionisten auch ein wunderbares Beispiel für eine positiv praktizierte Globalisierung: "Bei den Impressionisten bedeutete Internationalisierung mit verschiedenen Menschen und Kulturen zusammenzukommen. Es wurde nichts kopiert, sondern verschiedene Ansätze aufgegriffen, in die eigenen Ideen eingearbeitet und weiterentwickelt."
„Die Management-Ausbildung ist zu engstirnig“, WiWo 23.7.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die Unkaputtbarkeit der Leistungskultur 
Freitag, 26. Juli 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Work-Life-Balance wird auch in den Hochleistungskulturen der Arbeitswelt, beispielsweise in der Beraterbranche, immer mehr zum Thema. Selbst Unternehmensberatungen, bei denen ein zeitiger Feierabend fast so angesehen ist wie Blaumachen, bieten ihren Beschäftigten inzwischen flexible Arbeitszeitmodelle an. Genutzt werden sie allerdings selten. Eine Studie, für die 50 Berater*innen befragt wurden, wirft nun Licht auf die Gründe. Für viele High Potentials gleicht es einer Zumutung, in solche Arbeitszeitmodelle gepresst zu werden. Sie wollen lieber autonom entscheiden, wie sie ihre zeitlichen Verfügbarkeiten gestalten. Ein weiterer Punkt: die Angst vor dem "Stigma der Flexibilität". Dahinter verbirgt sich die Sorge, der eigene Wunsch, weniger zu arbeiten, könne als mangelnder Leistungswille interpretiert werden. Die Studie rät Unternehmen dazu, genauer hinzuschauen, wie sie Erfolg und Leistung definieren - und beides nicht allein an der gearbeiteten Zeit festzumachen.
Warum Berater so viel arbeiten, HBM 7/2019

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Nie mehr arbeiten? 
Mittwoch, 17. Juli 2019 - Lebensart, Studien, Arbeit
Wer wünscht es sich nicht - genügend Geld auf dem Konto, um nicht mehr für den Lebensunterhalt arbeiten zu müssen. Für knapp jede*n hundertsten Deutsche*n ist das Realität, so eine Datenanalyse des Statistischen Bundesamts, denn diese Minderheit lebt von Kapitalerträgen oder Einnahmen aus Vermietungen. Zu glauben, dass die Mehrheit aller Deutschen arbeiten muss, um zu leben, läuft allerdings an der Realität vorbei. Den Zahlen zufolge leben nämlich gerade einmal 47 Prozent der Bevölkerung "von ihrer Hände Arbeit", wie man so schön sagt. Der Rest kann noch nicht arbeiten (Kinder) oder hat bereits genug gearbeitet (Rentner*innen). Öffentliche Sozialleistungen ermöglichen es sieben Prozent, über die Runden zu kommen.
Weniger als die Hälfte lebt in erster Linie von eigener Erwerbstätigkeit, FAZ 11.7.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wenn jeder feiert, wann er will 
Dienstag, 16. Juli 2019 - Lebensart, Arbeit, Management
Die niederländische Mietplattform HousingAnywhere macht einen ungewöhnlichen Vorstoß. Statt an gesetzlichen Feiertagen alle Mitarbeiter nach Hause zu schicken, hat die Firma die Feiertage nach Kalender abgeschafft und jedem Mitarbeiter künftig eine entsprechende Zahl von Urlaubstagen, die nach freier Wahl genommen werden können, gegeben. "Wir haben festgestellt, dass manche Feiertage für unsere Mitarbeiter gar keine Bedeutung haben. Der Pfingstmontag zum Beispiel, kaum einer hat dazu eine emotionale Beziehung. Wir haben 90 Mitarbeiter aus 28 Nationen, im Schnitt 29 Jahre alt. Was die Konfession angeht, haben wir natürlich keine offiziellen Daten. Ich weiß aber, dass es Anhänger mehrerer christlicher Kirchen gibt, einige Mitarbeiter sind Muslime, andere haben einen buddhistischen Hintergrund, wieder andere sind gar nicht religiös. Es ist also ziemlich divers hier", erklärt Geschäftsführer Djordy Seelmann die Hintergründe der Entscheidung, die von den Mitarbeitern einstimmig gefällt wurde. Es hört sich natürlich gut an, so mehr Flexibilität bei der eigenen Lebensgestaltung zu haben. Aber was bedeutet das längerfristig für unsere Kultur und ihren Zusammenhalt? Feiertage schaffen in einer Zeit, in der alle rund um die Uhr beschäftigt und/oder online sind, zumindest ansatzweise Phasen einer quasi-kollektiven Ruhe, manchmal sogar Stille. Man könnte auch sagen: An solchen Tagen atmet nicht nur das Individuum durch, sondern eine Gesellschaft als Ganzes (wenn man mal davon absieht, dass jede Menge Berufsgruppen ohnehin schon von diesen Zyklen entkoppelt sind). Ich frage mich, ob wir alles individualisieren sollten, was sich individualisieren lässt. Denn unterschwellig bringen solche Veränderungen nicht nur ein bisschen mehr persönliche Freiheit, sie nehmen uns auch Zusammenhalt.
Warum eine niederländische Firma die Feiertage abschafft, SZ 4.7.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Anstrengung ist nicht alles 
Montag, 15. Juli 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Der Begriff Burnout hat in den letzten Jahren eine sagenhafte Karriere hingelegt. Und damit in gewisser Weise eine erschreckende Normalität für Erschöpfungszustände geschaffen. Dabei gerät aus dem Blick, dass wir hier längst mitten in einem kulturellen Problem sitzen, das sich nicht einfach individuell wegbehandeln lässt. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche warnt der Psychiater Andreas Wahl-Kordon davor, wie schmal der Grat ist, wenn man versucht, dem Stress etwas entgegenzusetzen. Meditation oder ein besseres Zeitmanagement werden gerne empfohlen, um den äußeren Druck in den Griff zu bekommen. Aber: "Das hat auch immer einen Aspekt von Selbstoptimierung, den ich sehr kritisch sehe. Das Optimieren des eigenen Zeitmanagements wird in seiner Wirksamkeit sehr überschätzt. Es sollte nicht darum gehen, mehr zu leisten oder mehr Druck auszuhalten. Es geht darum, in der Lage zu sein, zu hinterfragen, ob ich mich selbst gerade ausbeute oder in Gefahr bringe. Viele Menschen glauben, sie können alles erreichen, wenn sie sich nur genug anstrengen. Das mündet in einer permanenten Selbstausbeutung. Wer schon überlastet ist, und glaubt, mehr leisten zu können, indem er seinen Tag effizienter einteilt, fährt vor die Wand." Wahl-Kordon spricht das kulturelle und gesellschaftliche Umfeld, das neben den Belastungen bei der Arbeit viele Unsicherheiten erzeugt, sehr deutlich an: "Mehr und mehr Menschen bis weit in die Mittelschicht hinein erleben zunehmende Unsicherheit. Der Druck ist heute weitaus höher als noch vor 30 Jahren. Viele gut ausgebildete Menschen können sich heute noch so sehr anstrengen, sie werden kein Geld für ein Eigenheim haben und leben in der ständigen Angst, ihren Job zu verlieren. Diese Verunsicherung führt zu Dauerstress, der sich physiologisch und psychologisch auswirkt – und auch die Resilienz am Arbeitsplatz unterminiert." Einen Fachbegriff für das individuelle Zusammenklappen unter diesen Vorzeichen zu haben, ist eine Sache. Therapie eine andere. Doch beides sollte uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir die Lebensbedingungen insgesamt, die wir durch unser Verhalten schaffen, stärker hinterfragen sollten.
„Der Druck ist heute viel höher als vor 30 Jahren“, WiWo 2.7.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Harte Jobs kosten deutlich Lebenserwartung 
Donnerstag, 11. Juli 2019 - Studien, Arbeit
Unser Vorsorgesystem ächzt bereits aufgrund der Tatsache, dass wir immer älter werden. Doch nicht alle Menschen können sich über eine höhere Lebenserwartung freuen. Eine repräsentative Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen zeigt eindrücklich, wie stark die Schwere der beruflichen Beschäftigung auf die Lebenserwartung wirkt. Heute 65-jährige Männer, die in kräftezehrenden Berufen gearbeitet haben, werden heute im Schnitt nur 75 Jahre alt, während Altersgenossen mit weniger belastenden Tätigkeiten fünf Jahre länger leben dürften. Als belastend gelten laut Studie körperlich sehr beanspruchende Tätigkeiten ebenso wie Berufe mit besonderen emotionalen Belastungen und hohem Stress. Bei Frauen sind die Auswirkungen nicht ganz so groß. Die stärker Beanspruchten haben nach Renteneintritt statistisch betrachtet noch 15 Lebensjahre vor sich, die weniger Beanspruchten 19 Jahre. Dieser Unterschied dürfte vor allem daran liegen, dass Frauen im statistischen Mittel gesünder leben und sich mehr um ihre Gesundheit kümmern.
Hohe Belastungen im Job verringern die Lebenserwartung, zeit.de 3.7.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Hauptsache nicht ins Büro 
Mittwoch, 3. Juli 2019 - Studien, Arbeit, Management
Dienstreisen scheinen für bestimmte Arbeitnehmergruppen deutlich erquicklicher zu sein, als die Arbeitstage im Büro verbringen zu müssen. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Reiseverbands zeigt: Für 58 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte sind die Dienstreisen eine willkommene Abwechslung. 69 Prozent der Geschäftsführer und Vorstände erleben sie sogar als besonders attraktiven Teil ihres Jobs. 40 Prozent der Befragten gaben an, unterwegs produktiver arbeiten zu können als im Büro. Insgesamt 54 Prozent finden das Reisen gut, was über die letzten beiden Jahre einen deutlichen Anstieg bedeutet, denn vor zwei Jahren waren es gerade einmal 25 Prozent, letztes Jahr 45 Prozent. Vielleicht ist das ja ein Indikator dafür, dass das Arbeiten im Büro immer öder oder stressiger wird? Dann bedeutet Dienstreise vielleicht auch: Hauptsache nicht ins Büro.
Geschäftsreisen: Je länger, je lieber, manager magazin 26.6.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Richtiges Feedback bringt die Firma in Schwung 
Donnerstag, 27. Juni 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Feedback geben reduziert sich für viele Führungskräfte oft auf das alljährliche Mitarbeitergespräch. Ein Fehler, findet Feedback-Expertin Nora Heer, denn: "Es gibt drei Dinge, die Menschen mehr als alles andere motiviert: Die Identifikation mit einer Aufgabe oder mit dem Unternehmen, die Anerkennung von Kolleginnen oder Führungskräften und die Selbstwirksamkeit. Das bedeutet, dass wir merken möchten, dass unser Tun eine Auswirkung auf unser direktes Umfeld hat, also auf das Unternehmen oder auch auf die Kolleginnen. Feedback ist der zentrale Hebel für Anerkennung und Wertschätzung der eigenen Arbeit und ist damit ein wichtiger Treiber für Zufriedenheit." Führungskräfte sollten aufpassen, in Mitarbeitergesprächen den rechten Ton zu finden, denn kommt Kritik falsch rüber, kann sie Mitarbeiter oft langfristig frustrieren und demotivieren. Für Herr gilt - Kritik in der Sache ist notwendig, wenn etwas schief läuft, aber sie braucht den Resonanzraum der Wertschätzung der Person. In der deutschen Feedbackkultur stehe Loben nicht unbedingt an erster Stelle. Hierzulande sei der Optimierungsgedanke sehr stark. Das von ihr gegründete Unternehmen Loopline bietet Softwarelösungen an, die Unternehmen bei der Entwicklung einer Feedbackkultur unterstützen. Das System erlaubt es, innerhalb des Unternehmens auf breiter Basis Feedbacks einzuholen, um so ein differenziertes Bild der Mitarbeiter und ihrer Leistungen zu gewinnen. Für die Mitarbeitenden gibt es außerdem eine Art Stimmungsbarometer-Tool, in dem sie anonym auf Fragen zur Unternehmenskultur antworten können. So entsteht ein größerer Resonanzraum, der weit mehr Aspekte in die Wahrnehmung bringt als ein simples Gespräch zwischen Chef und Mitarbeiter.
"Gutes Feedback ist eine Frage von Führung", zeit.de 20.6.19

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter